Praxis

1/2019 - Medien und frühe Bildung

10 Jahre Schulradio im Freien Radio B138 – was bleibt?

AutorIn: Elisabeth Neubacher

Elisabeth Neubacher zieht Bilanz. Acht Jahre lang hat sie als Medienpädagogin und Geschäftsführerin im Freien Radio B138 in Kirchdorf an der Krems einen Schwerpunkt auf Radioprojekte an den Schulen im Oberen Kremstal gelegt. Nun geht sie neue berufliche Wege. Und die Frage ist: Was bleibt? ...

Am 31. Jänner 2019 habe ich meine hauptamtliche Tätigkeit im Freien Radio B138 beendet. Ich war etwa vier Jahre in der ehrenamtlichen Aufbauphase aktiv und anschließend acht Jahre als hauptamtliche Geschäftsführerin und Medienpädagogin tätig.

Angefangen hat alles im Jahr 2007. Da habe ich durch Zufall erfahren, dass am Abend ein Radioworkshop in Kirchdorf stattfinden würde. Ich könnte da ja einmal unverbindlich hinkommen und mitmachen, vielleicht wäre das ja etwas für mich, hieß es damals.

An diesem Abend hat mein Radioleben begonnen. Die Idee, dass es möglich ist, sich ein Massenmedium zu eigen zu machen und das, was gerade wichtig ist, in den Äther zu senden, hat mich fasziniert. Heute kann ich das natürlich auch mit schönen Worten wie "aktive Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligung", "Selbstformulierung der Standpunkte" und "Demokratisierung der Kommunikation" benennen. Damals hat es vor allem unglaublich viel Spaß gemacht, war aufregend und inspirierend.

Neben Inspiration und Begeisterung bedeutet ein Radio zu gründen und aufzubauen aber erst einmal viel nervenaufreibende und harte Arbeit. Aus verschiedenen rechtlichen Gründen war es nicht möglich, eine Volllizenz zu erwerben. Die kam erst viel später im Jahr 2012. Darum haben wir unseren Radiobetrieb mit einer Ausbildungslizenz gestartet und in den letzten 10 Jahren den Schwerpunkt auf die medienpädagogische Arbeit mit Schulen in unsrem Sendegebiet gelegt.

Was für uns am Anfang vielleicht eher eine Notlösung war, um den Traum vom eigenen Freien Radio in unserer Region wahr werden zu lassen, stellte sich als die beste Lösung dar, die wir in dieser Aufbruchsphase umsetzen konnten.

Im unserer Region gibt es zwei Gymnasien, eine berufsbildende höhere Schule und etliche Pflichtschulen. Mit diesen Kindern und Jugendlichen haben wir unser Schulradioprojekt gestartet. Seitdem habe ich unzählige Workshops an Schulen gehalten. Die Schülerinnen und Schüler haben zu den seriösesten Sendungsmacherinnen und -machern gezählt, denen ich in meiner Radiolaufbahn begegnet bin. Es war für mich immer wieder faszinierend zu sehen, mit welcher Begeisterung die Kinder und Jugendlichen ans Werk gingen und wie genau und ernsthaft sie an ihren Sendungen gearbeitet haben; welch klare Vorstellungen sie hatten; worüber sie in ihren Sendungen reden wollten und wie wichtig ihnen diese Anliegen waren.

Lustige und überraschend erfrischende Momente waren in diesen Schulworkshops an der Tagesordnung und am schönsten waren die Momente, an denen sie erfahren haben, dass sie ihre Stimme erheben können und dass ihre Erfahrungswelt relevant und wert ist, gehört zu werden.

Am 31. Jänner 2019 habe ich meine hauptamtliche Tätigkeit im Freien Radio B138 beendet. Radio machen ist schön, macht aber viel Arbeit.

Manchmal schaue ich aber kurz vorbei und besuche meine ehemaligen Arbeitskolleginnen sowie -kollegen und die Radiocommunity. An einem dieser Nachmittage plauderte ich mit der Radiopraktikantin und habe sie gefragt, wie es ihr so geht und was sie so macht. Und da begannen ihre Augen zu strahlen: Gestern wäre eine Schulklasse dagewesen. Und die hätten innerhalb eines Nachmittags eine Radiosendung produziert. Zuerst hätten sie eine Redaktionssitzung abgehalten, dann wäre es ins Studio gegangen. Dort hätten sie die Studiotechnik gelernt, den Sendungsablauf koordiniert, Sprechproben gemacht und dann gleich eine Livesendung produziert. Sie war beeindruckt.

Und ich stand da mit einem leisen Lächeln und ich dachte mir: Ja, so ist das.

Und dann habe ich mir gedacht: Eigentlich sollte man ja jedes Mal so beeindruckt sein. Es ist einfach unglaublich beeindruckend, wie Radiomachen die Lernmotivation fördert und wie die Schülerinnen und Schüler über die Lerninhalte hinaus lernen. Wie kooperativ sie zusammenzuarbeiten und sich im Team und im praktischen Tun kritische Medienkompetenz aneignen.

Ja, ich bin stolz darauf, dass es uns in den letzten 10 Jahren die Zusammenarbeit mit Schulen als Haltung in unserem Radio implementiert haben. Was mir persönlich aber in bester Erinnerung bleiben wird, ist, dass ein Workshop mit den Kindern und Jugendlichen es auch in den anstrengendsten und intensivsten Radiotagen wert gemacht hat, an dieses Projekt zu glauben und weiterzumachen. Weil so ein Nachmittag mit den Schülerinnen und Schülern die Inspiration der Anfangstage sofort wieder zum Leben erweckt und es wert gemacht hat, dran zu bleiben. Und das ist das, was bleibt.

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freie radios, radio b138, medienbildung