Praxis

1/2019 - Medien und frühe Bildung

Man muss sie nur aufmerksam machen …

AutorIn: Elisabeth Eder-Janca

Wenn es finster ist, werden die Teelichter in den Laternen entzündet (oder jetzt die Led-Lampen aufgedreht, dass nichts passieren kann). Die Kinder fiebern IHREM Auftritt entgegen, denn sie dürfen aus dem Kindergarten gemeinsam hinausmarschieren, in der Hand IHRE Laterne ...

I. Ich geh' mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir ...

Was das mit dem Saferinternet-Tag zu tun hat?

Der Martinsumzug ist für Kinder im Kindergarten ein erstes, aufregendes Highlight im Kindergartenjahr. Laterne basteln. Gedichte und Lieder auswendig lernen. Eine Mutter durfte mit ihrer Tochter an so einem Umzug teilnehmen. Nur als Zaungast, noch nicht als Teilnehmerin. Sie freute sich auf die aufgeregten Kinder, die Atmosphäre, den Zauber dieser Veranstaltung. Wohl auch schon das kommende Jahr mit ihrer Tochter im Kopf.

Die Kinder kamen aus dem Kindergarten ... und wurden von den gefühlt tausend Handylichtern erschlagen. Eltern, die diesen Augenblick für sich, Omas und Opas und den Rest der Welt festhalten wollten.

Weg war er – der Zauber. Kinder, die nicht wussten wo sie zuerst hinschauen sollten, um gut im Bild zu sein. Viel Licht, sodass die kleinen Laternen nicht mehr zu sehen waren. Kinder, die sich auf irgendwelchen Handyvideos plötzlich im Netz wiederfanden – ob sie wollten oder nicht.

Im Jahr darauf (2018) wollte die Mutter den Zauber zurückholen, den Kindern ein Fest ermöglichen und vor allem auch ihre Tochter nicht durch irgendwen hochgeladen im Netz wiederfinden.

Sie rief bei einer der Referentinnen von Saferinternet an, um sich Unterstützung beim Aufruf an die Eltern zu holen. Die Frage nach rechtlichen Möglichkeiten – Recht am eigenen Bild etc. wurde besprochen … sollte aber nur Notlösung sein.

Sie überlegte sich eine Geschichte. Eine wahre Geschichte aus Sicht des Kindes, um Eltern ein wenig die andere Seite zu zeigen. Auch bei der Leitung des Kindergartens wurden offene Türen eingerannt.

II. So entstand ein Blatt

Die Eltern der Kinder bekamen die Geschichte von Laura. Auf der Rückseite gab es nochmals ein Aufmerksam machen auf die Sicht der Kinder, die gemeinsam mit ihnen erleben, ihre komplette Anwesenheit haben und gemeinsam mit ihnen feiern wollten ... und fotografiert wurde von einem Fotografen.

Die Rückmeldung der Mutter:

Es ist vollbracht und das Laternenfest war so wundervoll schön! Die Kindergartenleiterin hatte extra nochmals drauf hingewiesen bevor die kleinen Knopfis rauskamen, dass auf die Handys verzichtet werden soll und keiner – wirklich keiner – hat den Umzug oder dann wieder zurück im Kiga gefilmt oder mit dem Handy fotografiert.

SENSATIONELL!!!! Alle haben sich daran gehalten und alle hatten direkten Kontakt mit ihren Kindern. Die Kleinen waren so süß!!!!

III. Man muss sie nur aufmerksam machen …

Ich geh' mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir ...

Geschichte von Mami Kerstin (Facebook: Mami Kerstin – für eine lebendige Kindheit)

Begleitung Elisabeth Eder-Janca (Saferinternet)

Lass doch mal dein Handy in der Tasche und genieße den Moment …

Mein Name ist Laura und bald habe ich mein Laternenfest im Kindergarten. Ich bin schon soooooo aufgeregt und freue mich riesig darauf.

Meine Laterne habe ich selbst verziert und ich kann es kaum noch erwarten, wenn sie dann im Finstern soooooo schön und hell leuchtet.

Meine Mami, mein Papi, meine Schwester, mein Bruder, meine Omi, mein Opi – alle werden dabei sein! Sie werden staunen wie toll ich singen kann.

Doch als ich mit meiner wunderschönen hell leuchtenden Laterne rauskam, habt ihr mich nicht angeschaut und mir zugelacht. Ihr habt mich gar nicht bewundert.

Ihr hattet euer Handy vor eurem Gesicht und ward nur damit beschäftigt zu filmen oder zu fotografieren. Das hat mich sehr traurig gemacht. Das Licht auf deinem Handy war so hell, dass meine wunderschöne Laterne nicht mehr so hell leuchten konnte. Den Liedertext habe ich dann auch vergessen, denn dein Licht am Handy hat mich stark geblendet und abgelenkt.

Mein allergrößter Wunsch für mein nächstes Fest ist, dass die Handys in der Tasche bleiben und ihr mit mir den Moment voll und ganz genießt!

Deine Laura


Liebe Eltern,

das Martinsfest soll für Ihre Kinder und Sie ein tolles, gelungenes Fest werden.

Mit viel Vorfreude und Feuereifer wurde gebastelt, Lieder wurden einstudiert und organisiert – und die Kinder fiebern dem Abend schon entgegen.

Deshalb bitten wir Sie, während des Festes auf das Fotografieren bzw. Filmen mit Ihrem Handy zu verzichten. So können Sie gemeinsam mit Ihrem Kind all die wunderbaren Eindrücke voll und ganz erleben und genießen!

Natürlich wollen Sie auch Erinnerungen in bildlicher Form. Frau/Herr XY haben sich bereit erklärt, während des Festes Fotos mit einer professionellen Kamera zu machen. Diese Fotos werden Ihnen vom Kindergarten sodann zur Verfügung gestellt.

Wir wünschen Ihnen und vor allem Ihren Kindern einen aufregenden gemeinsamen Abend.

Vielen Dank für Ihr Verständnis und die Rücksicht darauf, dass das Recht am eigenen Bild eines jeden Kindes dadurch zusätzlich von Ihnen respektiert und gewahrt wird.

Ihr Kiga-Team

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