Editorial

3/2018 - Literaturvermittlung/Digitale Literarizität, Literalität und Literaturproduktion

Editorial 3/2018: Literaturvermittlung – Digitale Literarizität, Literalität und Literaturproduktion

AutorInnen: Christian Zolles / Thomas Ballhausen / Alessandro Barberi / Rosa Danner

Editorial 3/2018

Die Literaturdidaktik hat wie die Medienpädagogik den Anforderungen eines integrativen handlungs- und prozessorientierten Medienunterrichts bereits vielfach Rechnung getragen. So fand die intensive Auseinandersetzung mit analogen und digitalen Medien in den letzten Jahren etwa durch das Konzept der "Schule 4.0" eine didaktische Verankerung in den Klassenräumen. Im Zuge dieser Entwicklung und im Kontext veränderter medialer Erfahrungen erschien es der Redaktion der MEDIENIMPULSE besonders aktuell und notwendig, vor allem angesichts der Debatten zur Medienkompetenz die Frage nach der Rolle von Literarizität, Literalität und Literaturproduktion unter medialen Bedingungen erneut zu stellen. Dabei soll sich Literaturvermittlung die Frage nach ihren Mitteln, Zielen, Möglichkeits- und Produktionsbedingungen nicht ohne den Blick auf die Krea(k)tivität des "poetischen Akts" (durchaus im Sinne H. C. Artmanns) stellen, der eine eminente Rolle in der Literatur und daher auch in Bildungsprozessen spielt.

Dabei kann festgestellt werden, dass sich die sozialen und kulturellen Bezugs- und Produktionsfelder der Literaturdidaktik (etwa Literatur-, Kultur-, Medien- und Sozialwissenschaften und immer auch Pädagogik) nicht mehr so eindeutig voneinander trennen lassen. So genügt ein Blick auf die Genese des Adoleszenzromans in Österreich – von Robert Musils Die Verwirrungen des Zöglings Törleß (1906) über Friedrich Torbergs Der Schüler Gerber (1930), Barbara Frischmuths Die Klosterschule (1968) bis hin zu Michael Köhlmeiers Die Musterschüler (1989) –, um festzustellen, dass Literatur über ein bemerkenswertes Reflexionsvermögen verfügt, von dem ausgehend auf alle relevanten Wissenschaftsdiskurse und die Gesamtgesellschaft geschlossen werden kann. Als zentrale Aufgabe der Literaturdidaktik gilt aus dieser Perspektive, dieses kritische Potenzial zu heben, zu vermitteln und zu aktivieren. Das bedeutet auch, den Widerstands- und Subversionscharakter von Literatur anzuerkennen. Denn die genannten Romane sind nicht nur historische Dokumente zum österreichischen Bildungssystem, sondern ihrerseits und gleichzeitig Lehrbücher für die Mechanismen der staatlich-militärischen und katholischen Disziplinierung, deren sprachliche Typologien beinahe in der gesamten österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts gefunden werden können.

In diesem Zusammenhang kann medienpädagogisch von experimentellen und avantgardistischen AutorInnen und ihren Sprach- und Medienreflexionen gelernt werden. Es ist bestimmt kein Zufall, dass gerade die österreichische Dichtung zahlreiche PionierInnen des digitalen Zeitalters hervorgebracht hat, welche die sozialen und/als medialen Produktionsbedingungen der Literatur sowohl verwendeten als auch reflektierten: Oswald Wiener (Cyberspace), Andreas Okopenko (Hypertext), Friedericke Mayröcker (Twitter) sowie Elfriede Jelinek, Ann Cotten, Marlene Streeruwitz (Blogs) oder Stefanie Sargnagel (Facebook). Diesen "poetischen" Impuls möchte die hier veröffentlichte Ausgabe 3/2018 der MEDIENIMPULSE als einen Ausgangspunkt nehmen, um medienanalytisch und sozialkritisch auf dem Stand der vernetzten Zeit zu bleiben, deren dämonische Seiten jüngst auch von Thomas Pynchon in Bleeding Edge (2013) oder von Dave Eggers in The Circle (2014) beschrieben wurden.

In diesem Sinne meint Literaturdidaktik im Sinne der Medienpädagogik einerseits die Analyse der medienspezifischen Präsenz von bildungsspezifischen Inhalten in der Literatur, aber immer auch – im Sinne Richard Hönigswalds – die konkrete Praxis der Übertragung literarischer Inhalte von einer Generation an die nachfolgenden durch die Vermittlung der zeitlich nächsten. Eine didaktische Praxis, die immer auch mit der poetischen und poetologischen Produktion von Literatur in eminentem Zusammenhang steht. Dies geschieht zu einem großen Teil im Rahmen der Schulbildung vom Kindergarten bis zur Hochschule. Denn in Frage steht bildungs- und erziehungswissenschaftlich von Kindesbeinen an, wie und mit welcher Literatur bzw. ihren einfachsten Formen Kinder in eine gegebene Gesellschaft und Kultur aufgenommen werden und sich – ganz im Sinne Dieter Baackes – mediennutzend und -gestaltend daran beteiligen. Parallel zum Spracherwerb ist das Eintreten in die Welt der Literatur – etwa von alltäglichen Erzählungen und abendlichen Märchen weg – ein wichtiger soziokultureller Faktor der menschlichen Subjektivitätsentfaltung und damit auch der Selbstbefreiung. Insofern ist Literatur als innerer Reichtum der Menschheit ein entscheidender generationsspezifischer Umschlagplatz kultureller Gehalte.

Die Redaktion der MEDIENIMPULSE hat deshalb im Vorfeld dazu eingeladen, Beiträge einzureichen, die sich an folgenden Fragen orientieren sollten:

  • Welche Rolle spielen Bildung oder auch das Bildungssystem innerhalb literarischer Narrationen u. a. der österreichischen Literatur und wie werden Bildungsprozesse – etwa in Bildungsromanen – konzipiert und modelliert?

  • Was sind die entscheidenden poetischen und poetologischen Charakteristika und Qualitäten der Literatur und ihrer Medien, die sie zu einem bevorzugten Ort der (didaktischen) Wissensvermittlung machen?

  • Mit welchen analogen und digitalen Medien wird Literatur am Beginn des 3. Jahrtausends hergestellt, produziert und pädagogisch vermittelt (Schlagworte: Aktualität der Handschrift, Computersprachen, Online-Editionen, Internet, E-Book-Reader)?

  • Welche Rolle spielen die aktuellen medialen Produktionsbedingungen (Cyberspace, Virtual Reality, Hypertext, Twitter, Facebook, Internetforen, Blogs etc.) in den internen Verfahren der Literatur und wie werden sie dabei reflektiert?

  • Nach welchen medienpädagogischen Voraussetzungen kann auf allen Bildungsebenen in der konkreten Unterrichtspraxis eine Brücke geschlagen werden zwischen den komplexen Zusammenhängen in Literatur und Gesellschaft und ihrer möglichst einfachen Erläuterung im didaktischen Zusammenhang? Oder auch:

  • Was sind die konkreten medienpädagogischen Theorien oder Modelle, mit denen Literatur in der Schulklasse vermittelt werden kann?

Ganz im Sinne dieser Fragestellungen versucht Markus Schwarz angesichts der Gutenberg-Galaxis 4.0 den Wert zu bestimmen, den gedruckte Bücher im digitalen Zeitalter (noch) besitzen. Beispielhaft analysiert er deshalb den multimedialen Roman Schiff des Theseus der US-Autoren Doug Dorst und J. J. Abrams, um gleichzeitig formale Aspekte (Literarizität) der und den Herstellungssraum von Literatur (Literaturproduktion) zu erfassen. Dabei lässt sich – auch im Sinne einer mediensoziologischen Gegenwartsdiagnose – deutlich eine nostalgische Rückbesinnung auf das analoge Buch als authentisches Medienformat feststellen, das Geschichte(n) (noch) haptisch erfahrbar macht(e): Denn dieser Roman ist mit – freilich 'druckfrischen' – Authentizitätsmarkern wie Bibliotheksstempel, handschriftlichen Kommentaren und Gebrauchsspuren sowie mit zahlreichen Einlagen angereichert. So hat der diesbezügliche Medienwechsel unweigerlich zu Formen der Intermedialität geführt, die digitale Erzählformen wieder in analoge Bücher rückübersetzen und vice versa. Schwarz betont dabei, dass im Schiff des Theseus nicht nur drei narratologisch und typografisch voneinander abgehobene Erzählebenen nachweisbar sind, sondern auch hypertextuelle und transmediale Merkmale, die über das Buch hinaus auf die Virtual Reality verweisen und es für die weitere Kommunikation im Internet anschlussfähig machen sollen. So lässt sich zeigen, dass Werke, die im besonderen Maße auf die Materialität des Buches Bezug nehmen, gerade von den digitalen Formaten am meisten geprägt sind. Die Ästhetik des Analogen wird also mit den Erzählmöglichkeiten des Digitalen vereint. Das macht literarische Werke wie das Schiff des Theseus besonders geeignet für eine Reflexion des stattfindenden Medienwechsels und der Charakteristiken 'alter' und 'neuer' Medien im Unterricht. Denn nichts spricht dagegen, dieses multimediale Werk auf verschiedenen Ebenen didaktisch zu nutzen.

Deshalb bietet sich der Beitrag von Christoph Weinberger dazu an, große Literatur medienpädagogisch herunterzubrechen. Denn auch er empfiehlt angesichts eines der komplexesten Romane der Literaturgeschichte und eines der berühmtesten Bücher, an denen Legionen von LeserInnen 'gescheitert' sind, die Re-Lektüre im Unterricht: Dabei ist Robert Musils Mann ohne Eigenschaften – auch ob der nunmehr erreichbaren digitalen Version – ein hervorragendes Beispiel für den Pendelschlag zwischen der philologischen Autopsie und literaturdidaktischen Erschließung eines Romans. Dies erfolgt anhand einzelner ausgewählter Textausschnitte und der schrittweisen Übersetzung in didaktische Szenarien wie etwa den von Weinberger präsentierten möglichen Aufgaben für die mündliche Reifeprüfung. Insofern verdient es der Mann ohne Eigenschaften noch im 21. Jahrhundert gerade ob seiner unendlichen Komplexität hochgehalten zu werden … allen Tendenzen der 'Entkomplizierung der Literatur und des Lebens' zum Trotz. Schließlich finden sich in Musils 'Weltroman' durchgängig fundamentale Fragen nach den Möglichkeiten und Grenzen der Moderne: inhaltlich jene der Identität, phänomenologisch jene der Perspektive, narratologisch jene der Gattung, epistemologisch jene der Erkenntnis, theologisch jene der Erlösung, technologisch jene der Massenmedien usf. Wird eine Erzählung dabei einem Close Reading nahegebracht, erweist sich Literatur als ein transzendentaler Erfahrungs- und Wirklichkeitsraum. Weinbergers poetologische, philosophische und didaktische Überlegungen münden folgerichtig in einem Plädoyer für die Etablierung eines Gegendiskurses zur 'ökonomischen Effizienzsteigerung' und zu einer 'Bildung ohne Eigenschaften'. Denn eines gilt ohne Zweifel: Freies Lesen und Denken sowie Lebensorientierung im Allgemeinen lassen sich einfach besser 'essayistisch' – und mithin im Modus des 'Möglichkeitssinns' – und nicht nach kapitalistischen Kompetenzrichtlinien unterrichten.

An diese Überlegungen anschließend kann der Beitrag von Christian Zolles gelesen werden, der anhand eines Romanprojekts des österreichischen experimentellen Schriftstellers Andreas Okopenko versucht, Verfahren der Avantgarde für den Unterricht fruchtbar zu machen. Ausgehend von einer Idee Okopenkos, anhand des Inhalts der Müllcontainer eines Wiener Gemeindebaus die Geschichte seiner BewohnerInnen nachzuerzählen, werden in diesem Beitrag lose aufeinander aufbauende Themen und Aufgaben für einen fächerübergreifenden produktionsorientierten Literaturunterricht entwickelt. In der Aktualisierung von (formalen) Verfahren experimenteller Dichtung soll dabei das materialgestützte Schreiben und medienreflexive Erzählen gefördert werden. Dabei analysiert Zolles das hypertextuelle Arbeiten sowohl mit dem 'analogen' als auch 'digitalen' Papierkorb. So bietet es sich gerade in der medienpädagogischen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Avantgarden und dem breiten Spektrum aktuell diskutierter Medientheorien gerade für höhere Schulstufen an, das Verhältnis von Poesie und Materialismus möglichst genau zu reflektieren. Denn das 'Arbeiten mit dem Papierkorb' kann zu grundlegenden Reflexionen über Formen der Literarität Anlass geben, da es zu einer Beschäftigung mit dem konkreten Sprachmaterial – im Sinne der Literaturproduktion – genauso einlädt wie zur (praxeologischen) Analyse außergewöhnlicher Sprachverfahren im Blick auf die ästhetischen Formen der Literatur im Sinne ihrer Literarizität. Dieser reflexive Blick auf die Form und die Produktionsbedingungen von Literatur ist dabei, so Zolles, immer auch mit den Grenzen des alltäglichen Wortgebrauchs beschäftigt. Somit können induktive, vom Einzelnen ausgehende narrative Techniken im Unterricht stark gemacht werden, wodurch erfahrbar wird, wie die experimentelle Dichtung durch eine Dynamisierung starrer Sprachformen bereits früh zentrale Aspekte digitaler Kommunikation antizipiert hat und wie der neuen 'Macht des Algorithmus' selbstbewusst begegnet werden kann.

Die Frage des (weiblichen) Selbstbewusstseins stellt sich – und dies ganz im Sinne feministischer und geschlechtergeschichtlicher Debatten zu 'Objektivierung' und 'Subjektivierung' – durchgängig auch für die (literarische) Figuration, Verarbeitung und Inszenierung von Frauenleben und Frauenbildern. So macht sich Stefanie Fridrik in ihrem Artikel auf, Weiblichkeitsformen um 1900 zu untersuchen, indem sie im Umfeld der Wiener Moderne und des fin de sìecle anhand der Werke von Lina Loos und Arthur Schnitzler didaktisch deutlich machen kann, wie im Literarischen und damit 'im Text' selbst die Geschlechterrollen gerade ob der sozialen und ökonomischen Verhältnisse einer Epoche les- und sichtbar werden. Insbesondere die zeitliche Parallelität zwischen der Wiener Moderne und den Anfängen der modernen Frauenrechtsbewegung verweist auf eine wechselseitige Beeinflussung, die – nicht zuletzt ob einer patriarchalen Grundstruktur unserer Gesellschaften – von geraumer Aktualität ist. Denn schon anhand der Werke Wie man wird, was man ist von Lina Loos und Das Wort von Arthur Schnitzler lässt sich die kontrastierende Abweichung eines männlichen Blickpunkts von einer weiblichen Betrachtungsweise herausarbeiten und in der Folge sinnvoll unterrichten. Fridrik legt dabei das Hauptaugenmerk auf die Charakterisierung und Konstruktion der weiblichen Protagonistinnen und deren Entwicklung innerhalb der beiden Stücke, um das 'weibliche Schreiben' zur Zeit der Wiener Moderne in seiner Literarizität und Literalität zu vermerken. Dieser Vergleich wirft nach wie vor das feministische Problemfeld der Identitätsfindung vom weiblichen 'Objekt' hin zum weiblichen 'Subjekt' auf und zeigt sich auch in den Spiegelungen biografischer Elemente bei Lina Loos, deren Arbeiten über die ihr oft zugeschriebene stereotype Rolle als Muse oder Liebschaft weit hinausgehen, weil es vielmehr um die Schwierigkeiten der 'gelebten Selbstinszenierung' einer Frau geht, der es durchgängig und sehr selbstbewusst um die künstlerische Manifestation ihrer performativen künstlerischen Arbeit ging.

Auch die Lyrik Erich Frieds ist nach wie vor von großer poet(olog)ischer (und damit auch medienpädagogischer) Qualität. Deshalb legt Sophie Emilia Seidler mit ihrem Beitrag Grundlagen für eine pointierte Lektüre seines Werks vor, das in dieser Art auch im Unterricht – etwa in und zwischen den Fächern Deutsch und Geschichte – vorgestellt werden sollte. Denn der österreichische Exilpoet, engagierte Lyriker und politische Aktivist Erich Fried (1921–1988) ist vielen allein durch seine bewegende Liebeslyrik bekannt. Indes bietet sich gerade sein tagespolitisches und pazifistisches Œuvre einer genauen didaktischen Analyse an, wobei die Autorin schon einleitend betont, dass die sprachlichen und rhetorischen Verfahren und Mittel Frieds sich in der Liebes- und (Anti-)Kriegslyrik kaum unterscheiden. Fried setzt dabei eine hoch politische Skripturalität und Literalität in Gang und verwendet zwischen den Themen des Krieges und der Liebe sehr ähnliche (intellektuelle, ästhetische und rhetorische) Schreibtechniken und -praktiken. Damit wird das anthropologisch grundlegende Moment der Verbindung bzw. Entzweiung von Menschen etwa angesichts des Vietnamkrieges in eine – in diesem Beitrag breit zitierte – Lyrik gegossen, die gleichzeitig auf literarhistorische Klassiker wie Homer oder Bertolt Brecht verweist. Wie sich Fried in den alten Topos der wechselseitigen Abhängigkeit von Krieg und Liebe einschreibt und sich dabei auf poetologische, medienkritische, historische und literarische Exkurse begibt, kann also aus eingehender Lektüre der beiden besprochenen Gedichtbände ebenso abgeleitet werden wie Frieds Einstellung zur Aufgabe von Poesie und engagierter Literatur. So wird sein Publikum politisch und d. h. menschlich aufgerüttelt und es werden medienpädagogisch relevante intellektuelle Räume eröffnet, die ein Arrangieren mit der tristen Gegenwart zwar ermöglichen, aber keinem indifferenten Eskapismus anheimfallen. Seidler liefert ganz in diesem Sinne den LeserInnen der MEDIENIMPULSE auch ein Reihe von konkreten Ideen und Materialien für die Literaturvermittlung im Unterricht.

In ähnlicher auf einen einzelnen Autor fokussierender Art und Weise meldet sich dann der renommierte Literaturwissenschaftler und Kritiker Uwe Schütte in seinem kritischen Beitrag zum aktuellen von Claudia Öhlschläger und Michael Niehaus herausgegebenen Handbuch zu Leben, Werk und Wirkung des komplexen und komplizierten deutschen Schriftstellers Winfried Georg Sebald zu Wort. Auch das Gesamtwerk Sebalds ist angesichts von Fragen der Literaturvermittlung von großem Interesse. Denn in unserem Zusammenhang steht immer in Frage, wie die Komplexität und Heterogenität eines einzelnen Autors und seines (Gesamt-)Werks genauso wie seine sozialen Kontexte didaktisch analysiert, erfasst, übertragen und damit in einem gegebenen Unterrichtsszenario vermittelt werden können. Schütte, selbst ein ausgewiesener Sebald-Experte mit zahlreichen einschlägigen Veröffentlichungen, gibt der LeserInnenschaft der MEDIENIMPULSE Einblick in die komplexen Herausforderungen, die sich bei der Erstellung eines Handbuchs (nicht nur) aus philologischer und historisch-kritischer Perspektive ergeben, sondern auch, wenn im Rahmen eines solchen Vorhabens zugleich Breitenwirksamkeit und wissenschaftliches Niveau erreicht werden soll. Letzteres konnte mit der hier besprochenen Publikation nur teilweise gehalten werden, weshalb der Rezensent minutiös und detailgenau darstellerische Schwierigkeiten, unrichtige Zitationen, Desiderate der Forschung und sachliche Fehler im Handbuch aufzeigt, die den Blick auf den eigentlich vorzustellenden Schriftsteller W.G. Sebald erschweren, wenn nicht gar verstellen. Dem entgegen entfaltet sich hier ein literaturwissenschaftlicher Diskurs über Sebald und sein literarisches Feld, der den Stand der Forschung konzise zusammenfasst und erweitert. Dieser Artikel ist, darauf möchten die Herausgeber eindeutig hinweisen, nicht als Polemik zu verstehen oder zu lesen, sondern als Beitrag zu einer notwendigen Debatte um aktuelle Herausforderungen wissenschaftlichen Publizierens und literaturwissenschaftlichen Analysierens und Vermittelns.

Ganz in diese medienpädagogische Kerbe der Vermittlung schlägt auch der sehr praktische, konkrete und nützliche Beitrag von Thomas Ballhausen, Winfried Wessely, Anna-Lea Rütten und Robert Huez. Das medien- und d. i. immer auch literaturkompetente AutorInnenteam hat sich die verdienstvolle Aufgabe gestellt, eine generelle Auswahlbibliografie zur Literaturkritik österreichischer Gegenwartsliteratur zu erstellen, mit der diesbezüglich die Publikationsjahre 2016 und 2017 abgedeckt werden können. So reicht der poet(olog)ische Rezensionsbogen von Bettina Balàka über Peter Handke und Friederike Mayröcker bis zu Ernst Jandl, Marlene Streeruwitz oder Daniel Wisser und bildet so das gegenwärtige literarische Feld der österreichischen Literaturproduktion hervorragend ab. Für diese Auswahl wurden Buchveröffentlichungen ausgewählt, die in diesem Zeitraum erschienen sind. Dabei wurden alle auf diese Titel bezogenen Rezensionen aus deutschsprachigen Tageszeitungen und Zeitschriften (print wie auch online), die in den Beständen der Pressedokumentation der Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur / Literaturhaus vorhanden sind, systematisch berücksichtigt und in die Liste eingefügt. Neben den üblichen Angaben präsentieren die AutorInnen auch eine erste Einschätzung und Bewertung der Qualität dieser Veröffentlichungen und laden die LeserInnen der MEDIENIMPULSE des Weiteren dazu ein, die genannten Schriften im Wiener Literaturhaus in die Hand zu nehmen, da sie hier alle aufliegen und der Literaturvermittlung wahrlich dienlich sein können. Denn gerade die kleine Form der Rezension bietet sich im Unterricht als didaktisches Medium an, da sie nicht nur die Erläuterung der konkreten Funktionsweisen der Literaturproduktion verdeutlichen, sondern auch methodisch auf Close Reading, Dekonstruktion oder strukturale Textinterpretation vorbereiten kann.

Den Schwerpunkteil im eigentlichen Sinne rundet dann der Beitrag von Stephanie Sentall, Ramona Rieder und Andrea Zsutty ab, der seines Zeichens auch auf unser thematisch reich bestücktes Ressort Kultur/Kunst vorbereitet: Denn dass die Kunstform der Literatur im Museum ihre praktische – und freilich immer auch poet(olog)ische – Rolle und Funktion unter Beweis stellen kann, erläutern die AutorInnen – als ExpertInnen für Kunstvermittlung – anhand des Museumsprojekts ESCAPErühm, bei dem die Sprachvirtuosität Gerhard Rühms thematisch und – ganz medienpädagogisch – zum Mitmachen einlud. Denn das Bank Austria Kunstforum Wien präsentierte mit der Ausstellung "Gerhard Rühm" im Herbst 2017 nicht nur einen Universalkünstler, sondern vor allem einen sprachphilosophischen Grenzgänger des Intermedialen, der – lange bevor Begriffe wie 'Crossover' und 'Intermedialität' in der künstlerischen Praxis wichtig wurden – in seiner schriftstellerischen Praxis zeigte, dass die Disziplinen der Kunst und der Wissenschaft nur äußerst willkürlich aufrechterhalten werden können. So arbeitet(e) der interaktive Ausstellungsrundgang "Sprichst du Kunst? Hörst du Kunst?", den Ramona Rieder vorstellt, an der Schnittstelle von Kunst und Sprachpraxis. Dieses Beispiel zeigt, wie bereichernd künstlerische Zugänge oder das Experimentieren mit Wörtern und Buchstaben für die DaF/DaZ-Praxis sein können. Im intermedialen Raum zwischen Wort und Bild, Sprache und Musik sowie Schrift und Zeichnung sucht Rühm zwischen der Poesie der Literarizität und der Materialität der Sprach- und Schriftproduktion eine stete Erweiterung medialer Ausdrucksformen, deren Varianzreichtum auch in unseren Schulklassen Berücksichtigung finden muss, will man die Poesie und/als Kreativität von Kindern, Jugendlichen oder Studierenden nicht im Keim ersticken. Die AutorInnen betonen abschließend, dass die interaktiven Stationen im Ausstellungsraum ein individuelles Experimentieren der BesucherInnen erlauben und sich speziell mit Sprache, Literaturproduktion und Literalität befassen.

Dabei beginnt Literaturvermittlung nicht erst in der Schule, worauf Katharina Portugal im Ressort Kunst/Kultur nachdrücklich mit wunderbar anschaulichen Beispielen aus öffentlichen Bibliotheken in Österreich hinweist. In den letzten 10 bis 15 Jahren hat sich in diesen wichtigen Kulturinstitutionen viel getan, um ein positives Gefühl für Literatur, Bücher bzw. Lesen zu stärken und (medienpädagogische) Lust auf die Literarizität der Literatur zu machen. Denn mit erweiterten Begriffen von Lesen und Lektüre haben kreative Konzepte in die Büchereien und damit in der Öffentlichkeit Einzug gehalten und sollen eine lebendige Lesekultur schaffen. So fördern Projekte wie Buchstart die Lesesozialisation bereits im ersten Lebensjahr und bringen dadurch Bücher von Beginn an in den Alltag von Familien. Viele der hier breit diskutierten medienpädagogischen Angebote zielen darauf ab, einen möglichst niederschwelligen Zugang zu Literatur zu ermöglichen, wie etwa die Bilderbuch-Lama-Wanderung in Wimpassing oder das escape the Room-Konzept von Rachel van Kooij. Davon kann eine literaturaffine Didaktik genauso viel lernen, wie von der ebenfalls hier präsentierten, umfangreichen Linkliste zu Angeboten und Materialien des Büchereiverbandes Österreichs.

Renate Höllwart und das Büro trafo.k thematisieren dann Forschungs- und Vermittlungsprojekte an der Schnittstelle von Bildung und kritischer Wissensproduktion, zu denen auch literarische Projekte gehören. Dazu zählen mithin partizipative Medien- und Jugendprojekte, künstlerische Interventionen, Workshops für Museen und Ausstellungen – wie etwa das soeben vorgestellte ESCAPErühm – sowie Projekte im öffentlichen Raum. Schwerpunkte dabei sind die Themen Kunst, Geschichte, Stadt und Sprache – Themen, in denen Ungleichheitsverhältnisse und Spannungsfelder in der Migrationsgesellschaft besonders deutlich werden. In ihrem Text stellen sie bespielhaft das Archiv für emanzipatorische Praxen vor, eine Sammlung an erprobten Interventionen für den Schulalltag und auch für andere Bildungszusammenhänge, die einen Raum für eine alternative und emanzipatorische Wissensproduktion schaffen, die freilich immer auch literarische Produktion umfasst. Mit der Arbeit an diesem Online-Archiv beschäftigen sie sich gleichzeitig kritisch und prinzipiell mit dem Sammeln, Ordnen und Archivieren von Wissen insgesamt. So stellt sich uns allen die Frage: Wie kann ein Archiv aussehen, das die normierenden Ordnungen unterläuft und gleichzeitig das Potenzial des Sammelns von unterschiedlichen Wissensformen ausschöpft?

Darüber hinaus hat sich Cornelia Zobl im Ressort Kunst/Kultur genau angesehen, wie nach den naturwissenschaftlichen Fächern nun auch die kreativen Praktiken der Werkerziehung ins Blickfeld industriell und wirtschaftlich handelnder und denkender AkteurInnen gerückt sind. Dabei geht es – auch angesichts der Debatten zu 'Industrie 4.0' bzw. 'Schule 4.0' – vorrangig um Werkerziehung NEU, die in einer digitalisierten Gesellschaft das Potenzial hat, wichtige Nischen am Arbeitsmarkt anzusprechen und einem 'Fachkräftemangel' entgegenzuwirken. Im Sinne der Medienkritik als Aufklärung stellt sich dabei vor allem eine medienpädagogische Frage: Wie schafft es dieses Fach die Technologiemündigkeit von Subjekten zu fördern? In internationalen Debatten rund um die Neuausrichtung der Werkerziehung bzw. des Technikunterrichts stehen sich in dieser Frage vor allem drei grundlegende Thesen gegenüber. So erläutert Zobl eingehend die Gap-These, die High-Tech-These und die Schonraum-These, um deren Einseitigkeiten herauszuarbeiten. Deshalb schlägt sie einen multiperspektivischen Blick auf Technologie vor, der Technologiemündigkeit jenseits der Unterscheidung von 'alten' und 'neuen' Technologien vielmehr in der kritischen Anwendung, Erzeugung, Gestaltung und Umdeutung von technischen Artefakten versteht.

Zum Schwerpunkt zurück führen uns auch die Beiträge im Ressort Praxis. Denn Christoph Kaindel behandelt in der konkreten Unterrichtspraxis einen eminent wichtigen Medienwechsel zwischen Auge und Ohr und macht deutlich wie das Open-Source-Programm Twine – vorwiegend für interaktive Texte genutzt – auch zur Erstellung interaktiver Hörspiele verwendet werden kann. Dies ist ihm Grund genug, als Medienpädagoge zu zeigen, wie mit einfachen digitalen Mitteln Audio- und damit auch Literaturproduktion funktionieren. Dabei rundet dieser Beitrag eine Artikelserie zu Twine ab, die Kaindel in den MEDIENIMPULSEN schon davor eröffnet hat. Der ganz praktische Vorteil von Twine liegt z. B. darin, dass es nicht installiert werden muss, sondern direkt im Browser ausgeführt werden kann. Die so produzierten interaktiven Texte sind HTML-Dateien, die auf eigenem Webspace oder über die Plattform philome.la gehostet werden können. Dies bringt Kaindel – unter Verwendung eines weiteren, freien Programms, nämlich Audacity – zu einigen Projektideen, die wir unseren LeserInnen ans Herz legen wollen.

Dass der für Literatur und ihre Lektüre eminente Medienwechsel vom analogen Papier zum digitalen Bildschirm äußerst aktuell ist, wird von unserem Ressortleiter und (daher) Praktiker Christian Berger in seinem Erfahrungsbericht im Umgang mit dem tolino-eReader lesbar. Der Autor beschreibt ganz praktisch seine Erlebnisse und Erfahrungen in den ersten vier Monaten seiner kompetenten Mediennutzung. Erschienen ist das Gerät bereits 2016 aber immer noch im Grunde unverändert auf dem Markt. Dabei wird betont, dass der eReader – solange keine Fehlfunktionen auftauchen – als zusätzliche Lesequelle für unterwegs auch weiterhin in Verwendung bleiben kann, wobei einige Ebenen der Nutzung (etwa in der wissenschaftlichen Welt) noch zu erkunden und zu hinterfragen sind. Gerade deshalb liest sich Bergers Bericht auch als ein Plädoyer für das analoge Buch, dessen haptische Qualitäten von den Sinnesebenen des eReaders keineswegs übertroffen werden können. So ist die Digitalisierung von (belletristischer) Literatur zwar praktisch und nützlich, aber keineswegs immer sinnvoll.

In einem weiteren Praxis-Beitrag hebt Wolfgang Wagner hervor, wie bereits im Kindesalter die (medienkompetenten) Grundlagen dafür geschaffen werden können, über die Darstellung von Bewegungen mittels grafischer Symbole das (erste) Algorithmisieren zu lernen. Im Sinne des konstruktivistischen (bzw. konstruktionistischen) Lernens geht es vor allem darum, eine Grundvorstellung des Programmierens zu vermitteln. Denn Programmbefehle sind keine toten Symbole, sondern mit Handlung und Kreativität verbundene Zeichen. Diese konstruktivistische (und praxeologische) Vorgangsweise und eine damit verbundene innere Differenzierung des pädagogischen Prozesses ermöglichen den Aufbau eines Verständnisses des Programmierens im inklusiven Sinne für alle Kinder. So entwirft Wagner im Blick auf Bodenroboter (z. B. Bee-bots, Probots oder Roomer Tools) modellhaft eine an einfachen Bewegungen (vorne/hinten oder links/rechts) orientierte Didaktik, mit der im Sinne der Digitalen Grundbildung Sensibilität für die Funktionsweisen von Null und Eins geschaffen, unterrichtet und gelernt werden kann.

Ganz auf dieser Linie ist auch der Forschungsbeitrag von Deborah Ryszka und Kevin Fuchs, die als (Medien-)PädagogInnen uns (Medien-)PädagogInnen anraten, die Welt mit den Augen des Kindes zu sehen. Denn angesichts der soeben genannten Diskussionen zu Digitaler Grundbildung ist eine der wichtigsten Fragen, wie digitales Lernen in der Grundschule gestaltet werden sollte, um junge Menschen besser auf eine von Computern und Algorithmen geprägte Welt vorzubereiten. Denn je nach Altersstufe weisen Kinder ein Ensemble aus bereits erworbenen und noch fehlenden Fähigkeiten auf. Dies bestimmt ihre Wahrnehmung und Interaktion mit der Welt, worin sie sich teilweise erheblich von Erwachsenen unterscheiden. Es ist naheliegend, dass dies auch einen Einfluss darauf hat, wie Kinder digitale Medien wahrnehmen. Obwohl die kognitive Entwicklung von Kindern gut erforscht ist, fehlt in dieser Diskussion nicht nur der Rekurs auf eben diese Erkenntnisse. Vielmehr erfährt das Fehlen dieses Rekurses selbst kaum Beachtung. Der Beitrag von Ryszka und Fuchs bringt die Streitpunkte dieser Thematik in den Fokus und zeigt auf, wie mithilfe entwicklungspsychologischer Theorien Ansatzpunkte herausgearbeitet werden können, um zukünftig eine bessere E-Learning-Theorie für Grundschulkinder zu inspirieren.

Dies steht auch in dem von uns des Öfteren diskutierten Problemfeld der Learning analytics and its metrics, so der Titel des Beitrags des medienpädagogischen Autorenkollektivs von Ben Bachmair, Keith Turvey, John Cook und Norbert Pachler, die der Rolle von Quantifizierungen und 'Vermessungen' in Bildungsprozessen nachgehen. Wir präsentieren diesen Artikel gleichsam als 'Nachzügler' unserer Ausgabe 1/2018 zu Educational Data Mining und Learning Analytics. Denn in maßgeblicher Art und Weise schlägt dieser Beitrag vor, Metriken als einen Repräsentationsmodus von Lernprozessen und Lernergebnissen zu bestimmen, und betont die Nützlichkeit eines Zugangs, der sich auf Narrative konzentriert. Dies vor allem, weil die konkreten Geschichten und Erzählungen von AkteurInnen, mithin auch ihr Storytelling, auch in didaktischen Settings eine vertraute Form von Reflexivität bieten. Darüber hinaus betont der Artikel, dass es notwendig ist, Lernpraktiken als eine Form von Context Awareness zu sehen, was mit Beispielen aus Grundschule und Universität veranschaulicht wird. Die Autoren schlagen deshalb im Rekurs auf die Massenkommunikationsforschungen der Cultural Studies und damit auf Stuart Hall einen sozialsemiotischen Zugang vor, der in verschiedenen medienpädagogischen Kontexten sinnvoll eingebracht werden kann.

Und auch unser Ressort Bildung/Politik ist diesmal wieder mit zwei starken Statements bestückt, die erneut unter Beweis stellen, dass im Grunde alles politisch ist. So präsentiert die Ressortleiterin Petra Missomelius den medienpädagogischen Kommentar der Initiative "Keine Bildung ohne Medien!" zur aktuellen Lage der Bildungspolitik in Deutschland und informiert damit die LeserInnen der MEDIENIMPULSE vom diesbezüglichen Stand der Dinge angesichts des Koalitionsvertrags zwischen CDU, CSU und SPD (in der 19. Legislaturperiode des Bundestags). Dabei sind sich alle beteiligten AkteurInnen darin einig, das z. B. Cyberangriffe auf Regierungsnetze, politische Meinungsbildung via Fake News und Echokammern sowie Diskurse um zweischneidige Medienangebote (aktuell: musical.ly) immens wichtige soziale und ökonomische Veränderungen mit sich bringen, auf die demokratiepolitisch geantwortet werden muss.

Deshalb ist es für MedienpädagogInnen auch von geraumer Wichtigkeit, die eigenen Archive und damit auch jene der Disziplin zu sichten, um etwa die Modellierung von Demokratie, Öffentlichkeit und Erziehung bei John Dewey ausmachen und aktualisieren zu können. In fasslicher und klarer Form hat sich deshalb Bernhard Lasser vorgenommen, die genannten Grundbegriffe von Dewey in die Gegenwart zu stellen und als Folie zur Einschätzung der politischen Lage zu verwenden. Denn gerade angesichts aktueller Diskussionen zur Partizipation sind auch das Bildungssystem und damit die Schule auf die Öffentlichkeit und die technologische Verbesserung der Kommunikationsmöglichkeiten angewiesen, damit es allen AkteurInnen – auch sozial und ökonomisch benachteiligten – möglich ist, an der Demokratie teilzunehmen.

Und auch unser wunderbarer Ressortleiter (und mehr als verdienter Autor und Herausgeber) Thomas Ballhausen hat seinen Job wie immer für Sie hervorragend erledigt. Mit sieben Rezensionen bespielt er Ihren Handapparat, ob Sie es nun wollen oder nicht. Denn entscheidend bleibt, dass in letzter Zeit wieder viele Publikationen veröffentlicht wurden, die für MedienpädagogInnen unentbehrlich sind:

So hat Raffaela Rogy den von Aylin Basaran, Julia B. Köhne, Klaudija Sabo und Christina Wieder herausgegebenen Band Sexualität und Widerstand – Internationale Filmkulturen dicht und nah gelesen und für alle Filminteressierten zusammengefasst. Denn zum 75. Geburtstag von Frank Stern haben sich hochkarätige FilmanalytikerInnen versammelt, um ihn zu würdigen. Die Rezensentin unterstreicht dabei nachdrücklich die Nützlichkeit dieses Sammelbands und sekundiert sich selbst mit einer zweiten Rezension von Raffaela Rogy zur schönen Biografie, die Günter Krenn – nach einer über Romy Schneider – über Karlheinz Böhm verfasst hat. Denn aus der österreichischen (aber auch internationalen) Filmgeschichte ist die Rolle des Kaisers Franz in der erfolgreichen Sissi-Trilogie, die Böhm weltweit berühmt machte, genauso wegzudenken, wie sein dem Publikum weithin bekanntes Engagement in Afrika und seine Stiftung Menschen für Menschen. Erkan Osmanovic geht in der Folge eingehend auf die jüngste Publikation der Künstlerin Hanne Römer ein, die unter dem Pseudonym .aufzeichnensysteme mit IM GRÜNEN eines der wichtigsten lyrischen Bücher der letzten Jahre vorgelegt hat. Auf den ersten Blick recht sperrig, liefert der Band für die LeserInnenschaft der MEDIENIMPULSE doch gerade angesichts dieser Ausgabe ein Licht auf die Funktionsweisen von Literalität und Literaturproduktion im Zeitalter der digitalen Literarizität und ihrer poet(olog)ischen Qualitäten.

Mit Der Wille zum Schönen stellt Michael Musalek eben diesen Willen in seinem gleichnamigen Text als eine dem Menschen innewohnende Ur-Kraft vor, deren Kultivierung unsere unschöne Gegenwart zu einer schönen zu gestalten vermag. Simon Nagy bespricht deshalb das zweibändige Werk für die LeserInnen der MEDIENIMPULSE und verlängert damit auch die Diskussionen über Rolle und Funktion von Ästhetik und Schönheit im Rahmen der Medienpädagogik. Johanna Lenhart nahm sich Böse Briefe. Eine Geschichte des Drohens und Erpressens von Ernst Strouhal und Christoph Winder vor, die mit diesem aufwendig gestalteten und materialreichen Band eine aufschlussreiche Zusammenstellung von Erpresser- und Drohbriefen der Öffentlichkeit übergeben. Und auch Johanna Lenhart war mehr als produktiv, denn mit einer zweiten Rezension zu Leben lesen. Zur Theorie der Biografie um 1800 von Tobias Heinrich hebt sie deutlich hervor, wie die Biografie im Deutschland des 18. Jahrhunderts im Spannungsfeld von Individualität und Geschichte einen Höhepunkt erlebte und auch heute noch eine Reihe von literarhistorischen Fragen aufwirft. Deshalb schließt sich unser Schwerpunktreigen Digitale Literarizität, Literalität und Literaturproduktion mit Verweis auf eine Publikation, in der die Grundlagen der Philologie und der historisch-kritischen Methode eingehend und einfach unterrichtet werden: Denn Roland Pagani rezensiert für die LeserInnen der MEDIENIMPULSE die Grundlagen der Literaturwissenschaft und zeigt, dass der Autor Stefan Neuhaus auch für MedienpädagogInnen ganz Praktisches zu bieten hat, wenn es darum geht, Literatur zu unterrichten und an die nächsten Generationen weiterzugeben.

Last but not least hat Katharina Kaiser-Müller sich diesmal unglaublicher Weise selbst übertroffen und dafür Sorge getragen, dass Ihnen in den nächsten Wochen und Monaten auch kein entscheidender medienpädagogischer Termin entgeht. Sie hat – sage und schreibe – dreizehn Ankündigungen betreut und in konziser Form zusammengefasst, warum sie für uns MedienpädagogInnen wichtig sind. Sie waren noch nie auf Besuch bei der F.R.O.G? Die Viennale kennen Sie eigentlich nur vom Hörensagen? Und die Woche der Medienkompetenz haben Sie auch noch nicht besucht? Dann vertrauen Sie der Kompetenz unserer (wahren) Chefin und lassen Sie sich medienpädagogisch durch Wels, Linz oder Wien führen …

Wir hoffen ganz in diesem Sinne sehr, dass wir Sie an verschiedenen Orten und Stellen in die unendlichen Weiten des Literarischen entführen konnten und Sie angeregt wurden, Digitale Literarizität, Literalität und Literaturproduktion im Umfeld von Multimedialität und Digitalisierung wahrzunehmen und zu vermitteln. Wenn Ihnen dies gelingen sollte, dann – so glauben wir sagen zu dürfen – haben wir diesmal unsere Arbeit sehr umfassend erledigt …

Uns bleibt nur, Ihnen interessante Lektüren im digitalen literarischen Feld der MEDIENIMPULSE zu wünschen.

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Christian Zolles, Thomas Ballhausen, Alessandro Barberi und Rosa Danner

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