Praxis

3/2018 - Literaturvermittlung/Digitale Literarizität, Literalität und Literaturproduktion

eReader: Leicht und praktisch und digital Lesen?

Ein Erfahrungsbericht über die ersten Monate mit einem tolino-eReader

AutorIn: Christian Berger

Der Autor und Ressortleiter Christian Berger beschreibt seine Erlebnisse und Erfahrung bei der Nutzung des tolino-eReaders in den ersten vier Monaten seiner kompetenten Mediennutzung. Erschienen ist das Gerät bereits 2016 aber immer noch im Grunde unverändert auf dem Markt ...

I. Einstieg

Der Urlaub kommt und die Motorradreise nach Schweden ist auch schon geplant. Ich werde etwa drei Wochen allein unterwegs sein. Motorradreisen bedeutet auch wenig Gepäck. Allein Reisen heißt auch viel Zeit fürs Lesen zu haben. In dem Zeitraum kann ich durchaus etwa 20 Bücher brauchen. Da steht für einen versierten Medienpädagogen schon die Frage im Raum wie (digitale) Leselektüre platzsparend mitgenommen werden kann. Ein eReader bietet sich also an.

Bisher habe ich digitales Lesen nur für meine berufliche Arbeit akzeptiert, da es in diesem Zusammenhang äußerst praktisch ist, Texte online verfügbar zu haben und auch das Zitieren praxisbezogen unterstützt wird. Gelesen wird dabei auf Laptops oder am Desktop-PC. In der Belletristik habe ich bis dato digitales Lesen möglichst vermieden. Hin und wieder kam es vor, dass ich im Rahmen meiner Tätigkeit als Literaturjournalist gezwungen war, Fahnentexte vorab digital zu lesen. Das konnte mich aber nicht überzeugen. Es ist einfach unpraktisch mit einem Laptop oder Tablet im Bett einzuschlafen. All die haptischen Erfahrungen und die Möglichkeit mittels Eselsohren Lesezeichen einzufügen mwie beim gedruckten Buch fehlen beim eReader auch. Gedruckte Bücher haben Umschläge, Deckel, Papierseiten. Es gibt Gerüche und Tasterfahrungen. Ein Buch ist mehr als nur die Sammlung der in ihm zusammengefassten Texte.

Aber ein Motorradkoffer hat nur sehr begrenztes Volumen und ein eReader bietet die Möglichkeit mit wenig Platz und wenig Gewicht mehrere Tausend Bücher mitzunehmen. Klingt verlockend und praktisch. Es gilt daher sich diesen eReader einmal näher anzusehen. Amazon verweigere ich aus politischen Gründen, wobei die Personalpolitik, Gesellschaftspolitik, Vertriebssystem, umweltbelastendes Transportsystem, Datenschutz etc. des Onlineverkäufers einen eigenen Beitrag Wert wäre. Daher schaue ich mir die nur für diesen Vertrieb geeigneten Produkte (Kindle) gar nicht näher an. Recht rasch stoße ich auf den offener konzipierten "tolino" vom Rakuten-Konzern. Mit dabei in der "Tolino-Allianz" ist von Beginn an der deutsche Thalia-Konzern. Thalia Buchhandlungen sind – sofern ich grad nicht zu "meiner" lokalen Buchhandlung komme – für mich ein durchaus akzeptabler Ersatz. Natürlich dominieren dort die Bestseller und das Marketing, aber es gibt immerhin kompetente BuchhändlerInnen, die auch gute Kundenberatung machen und das Stöbern in den Buchbergen macht Spaß und fördert oftmals interessantes Lesematerial zu Tage.

II. Juli 2018 – Einkauf, erste Schritte, erste Bücher für unterwegs

Ich entscheide mich für einen tolino vision 4HD mit einem Kostenpunkt von € 149.-. Sicherheitshalber hab ich gleich auch um € 25 eine Hülle mitgekauft, die zumindest ein wenig Schutz und "Buchfeeling" vermittelt, da sie einem Buchdeckel nachempfunden und zum Aufklappen ist. Derzeit, zwei Monate später, steht das Gerät mit € 135,20 im Netz. Die Online-Recherche zum Gerät brachte einige technische Informationen (Bildschirmgröße 6 Zoll, Gewicht 178g , Akkulaufzeit 7 Wochen), die mir sehr entgegenkamen. Zudem verspricht das System auch eine breite Kompatibilität (EPUB, PDF, TXT, Adobe DRM-fähig, kompatibel mit den eBooks der öffentlichen Leihbibliotheken) und damit keine Einschränkung auf Thalia. Zudem soll es zumindest spritzwasserfest sein.

Bis auf Gewicht und Volumen scheinen mir gedruckte Bücher immer noch dem digitalen Buch überlegen zu sein. Die Laufzeit eines Buches kann durchaus mehrere hundert Jahre betragen und meine Bücher haben bereits Starkregen und Badewannentauchen problemlos überstanden. Aber das Gewicht und die Größe sind eben bestechend. Ich gehe davon aus, dass das verfügbare Angebot an ePubs für meinen Urlaub ausreicht und ich da schon was Passendes finden werde.

Als ich meinen neuen tolino in der Thalia Buchhandlung einkaufe, steht vor mir ein Kunde, der soeben ein ähnliches Gerät retourniert, weil es offenbar nicht funktioniert. Kann passieren, denk ich mir und kaufe dennoch. Zuhause wird die Schachtel gleich ausgepackt und der Inhalt (tolino mit USB Kabel) gleich zum Aufladen verwendet. Das beigefügte USB Kabel verbindet USB auf Mini USB, letzteres ist erfreulicherweise in beiden Richtungen einsteckbar. Praktischerweise reicht auch ein Ladegerät eines Mobiltelefones um das Gerät an einem Nachmittag vollständig aufzuladen. Ansonsten geht das Aufladen auch über einen Laptop oder sonstige Rechner.

Das Gerät aufdrehen und loslegen. Bedienungen sollen intuitiv sein und als solche keine komplexen Anleitungen benötigen. Bedienungsanleitungen dienen aus meiner Sicht dem vertiefenden Verständnis des Gerätes – quasi Kür und Nachschlagwerk.

III. "Psst... tolino schläft."


Abb. 1: Der tolino schläft

Nach dem Aufschlagen der Hülle (also "des Buchdeckels") zeigt mir der tolino ein fast flächendeckendes Icon eines schlafenden Gesichtes. Zum Aufwecken gilt es oben einen der Bedienknöpfe zu berühren. Ein Pfeil mit Hinweis am Display erleichtert das Finden. Später schaff ich es dann mit Hilfe des Handbuches auch eine Einstellung zu finden, sodass nach Aufklappen des Deckels gleich der letzte Bildschirm, also meist die Stelle an der ich zu lesen aufgehört habe, angezeigt wird. Praktisch. Bis dato ist die usability durchaus überzeugend.

Die in der Beschreibung angeführte Akkulaufzeit von 7 Wochen dürfte im "Schlafzustand" gemessen worden sein. Im Normalbetrieb mit kurzfristiger WLAN Nutzung reduziert sich die Laufzeit auf 2–3 Tage. Bei eingeschaltetem WLAN höchstens einen halben Tag. Auch noch erträglich, allerdings nur für einen Wochenendausflug. Ladegerät mitnehmen ist also unbedingt anzuraten.

Nachdem der tolino "aufgeweckt" wurde, zeigt sich der Startbildschirm. Die schmale Leiste oben zeigt die Einstellungen. Uhrzeit, WLAN, Bildschirmhelligkeit, Akkuladezustand. Ausreichend. Darunter Icons für das Hauptmenü, in dem die Einstellungen des Gerätes und die Personalisierung möglich ist sowie ein Such-Icon, womit die eigene Bibliothek und bei eingeschaltetem WLAN auch der Shop nach Buchtitel, AutorInnen, Stichwörtern durchsucht werden kann.


Abb. 2:  Die erste Oberfläche des tolino

In der oberen Hälfte des Bildschirms werden "Meine Bücher" angezeigt. Die untere Hälfte präsentiert den Zugang zum Thalia-Shop und deren Leseempfehlungen. Nach dem Start ist meine Bibliothek nicht leer. Erstens gibt es das Handbuch und zweitens ein eBook. Ich weiß nicht, ob dieses Buch auf jedem tolino vorhanden ist, bei mir ist es Frau Bovary von Gustave Flaubert. Naja, es könnte schlimmer sein.


Abb. 3: Die tolino-Oberfläche mit dem Deckblatt
von Gustave Flauberts Frau Bovary

"Meine Bücher" bietet eine Auflistung geordnet nach Titel oder Autoren an (gendergerechte Sprache ist das nicht). Es ist möglich dann auch eigene Sammlungen anzulegen und Titel dieser zuzuordnen. Für "gelesene Bücher" gibt es eine extra Sammlung. Das ist ganz praktisch, weil sich dadurch die Anzeige der Hauptseite auf aktuelle Titel reduziert.

Nachdem Frau Bovary nicht alles bleiben soll, gilt es neue Titel einzukaufen. Es gibt auch die Möglichkeit via USB bereits gespeicherte Texte in den kompatiblen Formaten auf den tolino zu verschieben, aber da ich leider bisher nichts abgespeichert habe, geht es in den Thalia-Online-Shop. Dafür muss das WLAN aktiviert werden (geht recht einfach und wird dann vorrätig gehalten) und bei Thalia ein Konto eingerichtet werden.

Jetzt also zum Einkaufen über den tolino. Klugerweise macht mich das Gerät gleich mal aufmerksam, dass mein WLAN ausgeschaltet ist. Nachdem die Verbindung aufgebaut ist, bin ich auch schon im Shop. Hier ist es günstig bereits zu wissen, was mensch will. Die Suchfunktion ist nur bedingt tauglich. Im Suchfeld werden "Suchbegriff, Autor, Titel, ISBN,…" als Hinweise vorgemerkt. Den Algorithmus, der "Suchbegriff" definiert hab ich bisher noch nicht durchschaut – was wird als Suchbegriff akzeptiert? Was unter "..." zu verstehen ist, wird mir auch nicht klar. Am Besten mensch kennt den Autor – Autorinnen werden auch akzeptiert -, den Titel oder die ISBN Nummer. Ich bin zwischenzeitlich dazu übergegangen mir Bücher am Laptop oder Smartphone zu suchen und dann die entsprechenden Titel einzugeben – das führt am schnellsten zum Ziel.

Wenn die eigenen Daten (Zugang, Konto) einmal im Konto gespeichert sind, ist der Einkauf rasch erledigt. Wie sicher das Konto und das Prozedere jedoch ist, kann ich nicht beurteilen. Ein wenig Bauchweh macht es mir doch meine Kreditkartendaten irgendwo im Netz in einer fremden Cloud zu hinterlegen. Andererseits möcht ich nicht bei jedem Bestellprozess alle erforderlichen Daten eingeben und übertragen. Wie sicher die WLAN Übertragung des tolino ist, kann ich leider auch nicht herausfinden.

Die Touchscreen-Eingabetastatur ist jedenfalls suboptimal. Die Tasten müssen genau erwischt werden: das macht bei Eingaben von Passwörtern oft Probleme zumal die Eingabe nicht angezeigt wird. Das Schreiben auf Touchscreen-Tastaturen ist ohnehin schon mühsam. Am tolino ist die Touchscreen Bedienung ein Schwachpunkt. Die Darstellung von Webseiten im eingebauten Browser ist schlichtweg zu langsam und verzerrt daher immer das Bild. Viel einfacher ist es die bereits vorbereiteten Angebote anzuklicken. Die mühsame Bedienung der Tastatur verführt auch dazu möglichst alle Eingaben im Konto zu speichern. Wer also auf vorbereitete Angebote und Kontodaten zurückgreift, dem macht es der tolino leicht neue Bücher einzukaufen. Nach den ersten drei Büchern läuft der Prozess schon sehr rasch ab.

Das Lesen ist hingegen sehr angenehm. Da kann die Technologie (E-Ink Carta-Display mit 300 ppi unterstützt durch Smartlight mit regelbarer Farbtemperatur) zeigen, was sie kann. Die Buchstaben sind klar und deutlich, die Schriftgröße kann der LeserIn entsprechend eingestellt werden. Egal unter welchen Lichtverhältnissen – das Textbild ist gut zu lesen. Das Lesen wird noch durch die Leichtigkeit des Gerätes unterstützt. Ob liegend, stehend oder sitzend – der tolino ermüdet die haltende Hand kaum. Hier ist ein großes Plus zu vermerken.


Abb. 4: die tolino-Leseoberfläche

Die Freude wird je gestoppt. Mitten drinnen im Text bleibt der tolino stecken. Nichts ist mehr zu machen. Kein Tipp aus dem nun via Laptop aufgerufenen Handbuch hilft mehr. Auch der als immer funktionierend empfohlene Totalreset mittels Büroklammer hilft nicht. Der Bildschirm bleibt leer. Am Tag vor meiner Abreise stehe ich also nach vier Tagen Nutzung wieder im Thalia-Shop. Der freundliche Verkäufer überprüft meine Angaben – kein Reset möglich und gibt mir – auch ohne eine Rechnung dabei zu haben – es ist ohnehin alles in der Cloud gespeichert – anstandslos ein neues Gerät. Also wieder aufladen, anmelden und sofort synchronisiert sich das Gerät mit der Thalia-Cloud. Alle Bücher sind wieder da, die Anzeige steht genau an dem Punkt, wo das letzte Gerät zusammenbrach. Big Brother is watching you!

Nicht ärgern, weiterlesen. In der Zwischenzeit befinden sich etwa 15 Bücher aus dem Shop auf meinem Gerät. Neben der Camus-Biografie und zwei seiner Bücher, besitze ich nun die Rechte auf eine Reihe von schwedischen, dänischen und friesischen Krimis sowie mehrere Reiseführer. Ich bin gerüstet, denke ich. Ich freue mich auf die Geschichten und Texte. Da kommt schon die nächste Hürde. Ich lerne nun in der Praxis kennen, was Geoblogging ist. Die Rechnung der gekauften schwedischen Krimis erreicht mich. Allerdings weigert sich mein Gerät in Schweden die Bücher auch lesbar anzuzeigen. Download ja – lesen nein. Ich habe nicht die erforderlichen Rechte, meint die Software. Keine Ahnung was da an Rechten verlangt wird – Reklamation per Mail an Thalia. Am nächsten Tag sind die Bücher freigeschalten. Ich habe nun scheinbar die erforderlichen Rechte.

Die Cloud synchronisiert. Mein bezahlter Content ist nicht verloren. Das ist gut so, weil etwa eine Woche später steckt das neue Gerät wieder. Allerdings bin ich da in Schweden, kein Thalia-Shop in der Nähe. eReader tot. Keinerlei Bemühung der Wiederbelebung hilft. Weder das neue Aufladen noch der Büroklammerreset. Tastendrucke sind ohnehin nur dafür gut, dass ein kleines LED Lämpchen hin und wieder aufblinkt. Also wegpacken.

Zumindest kann ich diesmal die letzten 20 Seiten des eben gelesenen Krimis über den Webreader am Smartphone zu Ende lesen. Ich bin zwar verärgert, aber da es vor Ort ohnehin keine Lösungsmöglichkeit gibt, nehme ich mir vor nach meiner Rückkehr wieder mit dem Gerät im Geschäft vorzusprechen. Dazu aber später.

Ohne Lesen geht bei mir gar nichts. Ich gewöhne mich an das Smartphone – da ist das Lesen zwar bei weitem nicht so komfortabel, aber dafür läuft das Teil stabil.

IV. August 2018 – Lesen nach dem Urlaub

Ich bin wieder zurück in Österreich. Den eReader hab ich 2500 km mitgeführt (naja das ist kein Problem er hat ja kaum Gewicht) allerdings nur etwa 1000 km nutzen können. Beim Auspacken fällt mir das Gerät wieder in die Hände. Ach ja – ich muss wieder zu Thalia. Aber zuvor hänge ich das Gerät über Nacht zum Aufladen an den Strom. Ich verwende dafür das gleiche Kabel und das gleiche Netzgerät wie in Schweden. Der Strom war auch nicht viel anders. Nach 10 Minuten springt der tolino an und seither läuft das Ding ohne Mucken und Murren. Als Nicht-Techniker vermute ich, dass die Tiefenentladung im Koffer hilfreich für den Reset war.

Ich bemerke, dass ich in den letzten beiden Monaten wesentlich mehr Bücher gekauft habe als zuvor. Zum Lesen befindet sich ohnehin genug in meiner Bibliothek zuhause, dazu kommen noch Bücher, die ich von Verlagen zugesandt bekomme oder von FreundInnen geliehen oder geschenkt bekomme. An Lesematerial mangelt es mir nicht. Dennoch hat mich das letztlich simple Einkaufen per Klick und Kreditkarte dazu verlockt doch auch noch den oder den anderen Titel zu kaufen. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich nur sehr selten, gleichsam im "Notfall" per Internet einkaufe. Ich fördere lieber den regionalen Handel und schätze es mit kompetenten VerkäuferInnen zu kommunizieren. Die Social Bots und Avatare im Netz sind zwar schon recht gut aber doch keine Menschen.

V. Überwachung ist so einfach

Allmählich wird mir auch bewusst, dass neben der Bequemlichkeit des Einkaufens auch jemand mitliest. Ich weiß zwar nicht wer – vermutlich Algorithmen des Marketings oder anderer Programme, die Zugang zu meinem Konto und Gerät haben – aber ein wenig Unbehagen schafft es doch. Privatsphäre ist was anderes. Es ist vermutlich auch möglich den eReader nur offline zu betreiben, aber da fallen schon etliche Funktionen weg. Was bedeutet es, wenn in der Gesellschaft – bei weiter Verbreitung der eReader – Maschinen und Programme über die Lektüre der Menschen Bescheid wissen? Wieder ein Schritt zur allgemeinen Überwachung? Man muss nicht paranoid sein, um diese Entwicklung nicht gut zu heißen. Es gibt zwar jede Menge Beteuerung, dass sorgsam mit meinen Daten umgegangen wird, aber nachvollziehbar ist es noch lange nicht. Vermutlich habe ich nicht aufgepasst und bei der ersten Anmeldung unwissentlich auch den Newsletter von Thalia abonniert. Dies führte dazu, dass ich fast täglich auf aktuelle Angebote und Verbilligungen hingewiesen wurde. Der Algorithmus für den Newsletter ist noch lernfähig. Fast 80 % der Angebote bezogen sich auf Preisnachlässe für Artikel im Thaliageschäft. Empfehlungen für gedruckte Bücher inklusive. Nach zwei Wochen hab ich den Newsletter gekündigt. Seither ist Ruhe eingekehrt.

VI. September 2018 – nicht nur kaufen – Nutzung von Leihbüchereien

Auf den tolino können auch direkt via USB files vom Laptop geladen werden. Muss ich gleich mal ausprobieren. Das Format pdf ist kompatibel – allerdings ist eine pdf Seite auch eine Seite auf dem Bildschirm des tolino und daher so klein, dass es nicht lesbar ist. Es ist zwar möglich den Text mittels Zoom auf eine lesbare Größe zu bringen, allerdings ist der Text dann nur noch mit aufwendigem hin und her scrollen zu lesen. Vielleicht gibt es passendere, lesbare pdfs – ich hab leider keine auf meinem Laptop gefunden. Die komfortable Schriftgrößenanpassung funktioniert nur beim ePub-Format.

Aber es ist ja laut Beschreibung auch möglich eBooks aus Leihbüchereien auf den tolino zu bringen. Ich bin ein großer Fan von öffentlichen Büchereien. Sie erfüllen eine wichtige Funktion in der Gesellschaft und bieten zumeist sowohl ein umfangreiches als auch gut betreutes Buchangebot.

Ich will das natürlich ausprobieren. Zuerst möchte ich die AK-Bibliothek AK-Bibliothek und die Virtuelle Bibliothek der Stadt Wien Bibliothek der Stadt Wien ausprobieren. Der Weg ist bei beiden Bibliotheken der gleiche. Zuerst einmal bei der Bibliothek anmelden – das geht nicht direkt über den tolino, sondern nur über den eingebauten Browser.

In den Einstellungen bei tolino finde ich einen Punkt mit "Bibliothek verknüpfen". Dort ist es aber nur möglich, sich bei anderen Online-Buchhandlungen der tolino-Allianz zu registrieren. Für Leihbibliotheken muss man auf den mühsamen Weg mit der Touchtastatur im eingebauten Browser umsteigen. Wenigstens gibt es dort eine Lesezeichenfunktion – damit ist dann zumindest jeder weitere Aufruf einfacher. Auch der Accountname für die Anmeldung wird in Evidenz gehalten. Die Passwörter muss man im Kopf haben, aber da die beiden Bibliotheken ohnehin nicht mit maschinengenerierten Passwörtern arbeiten, bestehen Chancen, dass ich mir die Logindaten merke.

Die Suche in den Bibliotheken ist Dank Touchtastatur wieder mühsam. Letztlich suche ich mir die Bücher über den Laptop und gebe nur noch die ISBN über den tolino ein. Vielleicht gibt es Menschen, die mit einer derartigen Tastatur umgehen können, ich gehöre definitiv nicht zu diesen. Achtung! Es reicht nicht die Bücher nur runterzuladen – es ist erforderlich diese auch einmal zu öffnen, ehe das WLAN wieder abgeschaltet wird. Das ist gut zu wissen, denn jeder Klick auf Lesen bedeutet, dass man vom Browser ausgeloggt wird und in den Lesebereich des tolino kommt.

Bis zu 5 Bücher können gleichzeitig ausgeliehen werden. Die Verleihzeit beträgt max 14 (Bücherei Wien) bzw. 21 Tage (AK). Bei den Büchereien Wien muss man registriertes Mitglied sein (dzt. 30 €/Jahr) bei der AK muss man AK Mitglied (AK Beitrag) sein. Der Online Buchverleih und auch die Reservierung sind gratis.

Das Angebot ist bei beiden Bibliotheken auch im Onlinebereich umfangreich und breit gefächert. Bei der AK können erwartungsgemäß auch viele Texte für Betriebsräte und zum Konsumentenschutz entliehen werden. Beide Büchereien bieten zusätzlich noch E-Audiobooks und zahlreiche Sprachlernkurse sowie (Fach-)Zeitschriften an. Bei der Virtuellen Bücherei Wien wird das noch durch ein umfangreiches Angebot an eLearning-Kursen ergänzt. Aber das läuft nicht über den tolino.

Für beide Büchereien benötigt man leider eine Adobe ID – also nochmals eine Datenspur abgeben. Man kriegt die ID von Adobe "gratis" und bezahlt mit einer bestätigten eMail-Adresse. Für solche Fälle hab ich mir schon vor langem eine Fakeadresse angelegt – da dürfen die Firmen dann ihren Spam hinsenden. Um keine weiteren Spuren wie z. B. IP Adresse, Rechnerkonfiguration u. ä. zu versenden, arbeite ich in dem Fall mit einem maskierten Gerät. Bis dato hab ich Adobe ebenso wie Amazon aufgrund ihrer Firmenpolitik tunlichst gemieden. Ohne die Adobe ID geht aber im Verleih kein Lesen – die Rechteverwaltung läuft darüber und mein erster Downloadversuch endete mit der Forderung nach der ID beim Versuch das entliehene Buch zu öffnen. Die Virtuelle Bücherei Wien wird zur Zeit meiner Recherche technisch gerade umgebaut. Angeblich wird dann auch ein Wechsel von Adobe zu einem anderen Digitalen Rechtemanagement (DRM) erfolgen.

Sind die Bücher dann auf dem tolino, dann erscheinen sie wie die gekauften in meiner tolino- Bibliothek, sind jedoch als geliehen markiert. Die noch verbleibende Leihzeit wird ebenfalls angezeigt.

VII. Nachlese

Der eReader hat einen großen Vorteil: das geringe Gewicht bei gleichzeitig umfangreichem Inhalt. Er wird jedoch niemals an ein Buch herankommen. Dazu fehlt der Charakter, den ein Buch hat. Das Aussehen eines sorgfältig produzierten Buches mit einem feinen Buchdeckel, einer schönen Bindung und ausgewähltem Papier wird ein noch so sorgfältig hergestellter eReader nie erreichen. Besuchen Sie doch einmal die alle zwei Jahre stattfindende BuchKunstBiennale Horn BuchKunstBiennale Horn. Sie werden staunen wie Bücher aussehen können, wie diese riechen und sich anfühlen – das wird mit den elektronischen Lesegeräten nicht möglich sein.

"eBooks lassen sich nur schwer auf einer Messe ausstellen. Das eBook hat keine Attraktivität als Ausstellungsobjekt", meint Gerhard Ruiss, Autor und Geschäftsführer der IG Autorinnen und Autoren:

"Schon 1995 als die ersten Schritte in Richtung elektronisches Buch gesetzt wurden, wurde laut das Ende des Buches proklamiert. Heute, mehr als 20 Jahre danach, zeigt sich, dass eBooks zwar am Markt sind, aber das gedruckte Buch in der Produktionszahl keine Einbrüche erlitten hat. Die Publikationszahlen von eBooks stagnieren auf niedrigem Niveau und sind eher rückläufig. eBooks sind ebenso wie Taschenbücher eben eine andere, eine zusätzliche Publikationsform, sicher jedoch nicht das Ende des Buches. Das gilt jedenfalls für den Bereich der Publikation in Verlagen. Natürlich gibt es auch Versuche wie z. B. bei Amazon, die Verlage zu umgehen und den Autorinnen und Autoren eine direkte Vermarktungsplattform anzubieten. Hier steigt die Zahl der Titel allerdings geht das mit einem Qualitätsverlust einher. Das in einem seriösen Verlag publizierte Buch durchläuft im Idealfall mehrere Stufen der Qualitätssicherung, ehe das Buch in Druck geht. Das betrifft sowohl den Inhalt als auch die Form. Das eBook wird schneller produziert und durch massives Online-Marketing unterstützt. Für Autorinnen und Autoren ist es zumeist kein Faktor, der bei der Texterstellung berücksichtigt wird. Das eBook ist hier weder ökonomisch noch von der Verbreitung der Publikation sonderlich relevant."

Die Buchpreisbindung gilt seit 2014 auch für eBooks (Bundesgesetz über die Preisbindung bei Büchern). Der Preis von belletristischen Werken liegt zwischen 2 und etwa 17 Euro. Autorinnen und Autoren erhalten davon nur wenige Prozent vom Verkaufspreis. Höhere Einnahmen beim Verkauf haben nur jene Autorinnen und Autoren, die ihre Werke selbst publizieren und vertreiben (Self-publishing). Das sind am Buchmarkt allerdings nicht sehr viele. "Geringe Produktionskosten, keine Lagerkosten und rasche Publikation sind hier Vorteile. Für eine Verbreitung über Online Shops werden die ProduzentInnen allerdings wieder zur Kasse gebeten" ergänzt Daniela Fürst, Programmkoordinatorin des Literaturradios Literaturradios.

In der Schule könnte der eReader als zusätzliches Angebot sicherlich in einer Klassenbibliothek Platz finden, sofern es hierfür ein entsprechendes Online-Archiv gäbe. Der Verleih über größere Leihbüchereien erscheint mir zu kompliziert. Wenn es jedoch eine direkt eingebundene Bibliothek am eReader gäbe, aus denen sich SchülerInnen altersadäquate Literatur selbst aussuchen können, kann ich mir eine Nutzung durchaus vorstellen.

VII. Fazit

Für mich persönlich wird der eReader – solange er technisch hält – als zusätzliche Lesequelle für unterwegs auch weiterhin in Verwendung bleiben. Es gibt sicherlich noch einige Ebenen wie z. B. die Nutzung in der wissenschaftlichen Welt, die es zu erkunden und hinterfragen gilt. Dennoch erfreuen mich die zahlreichen Bücher in den Regalen in der Wohnung auf wesentlich mehr Sinnesebenen. Digital ist zwar praktisch und nützlich aber nicht immer SINNvoll.

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digitales lesen, tolino, ereader, ebooks