Neue Medien

3/2018 - Literaturvermittlung/Digitale Literarizität, Literalität und Literaturproduktion

Rezension: Die Welt ist Bühne: Karlheinz Böhm. Die Biographie

von Günter Krenn

AutorIn: Raffaela Rogy

Die Rolle des Kaisers Franz in der erfolgreichen "Sissi"-Triologie machte ihn berühmt und einem breiten Publikum zugänglich, sein Engagement in Afrika mit der Gründung der Stiftung "Menschen für Menschen" ist unvergessen. Raffaela Rogy bespricht eine Biografie von Günter Krenn ...

Verlag: Aufbau
Erscheinungsort: Berlin
Erscheinungsjahr: 2018
ISBN: 978-3-351-03711-6


Cover: Die Welt ist eine Bühne – Karlheinz Böhm – die Biographie
von Günter Krenn
Quelle: Aufbau Verlag

Karlheinz Böhm war zeitlebens Nomade und das auf vielschichtige Weise. Diesem persönlichen und kulturellen Nomadentum Böhms ist Günter Krenn in seiner Biographie "Die Welt ist Bühne. Karlheinz Böhm. Die Biographie" nachgegangen und hat damit nicht nur eine besondere Reise eines Philanthropen niedergeschrieben sondern auch ein Stück Theater- und Filmgeschichte aufgearbeitet. Der erste Teil des vorliegenden Buches widmet sich dem Vater von Karlheinz Böhm: dem berühmten Dirigenten Karl Böhm. Karl Böhm, der aufgrund dessen, dass er während des zweiten Weltkrieges mit dem NS-Regime sympathisierte oftmals kritische Stimmen auf den Plan rief, stellte für Karlheinz Böhm eine gottgleiche Figur dar mit dem eine Annäherung sich selbst nach dessen Tod als schwierig herausstellen sollte. Der zweite Teil erzählt von dem im März 1928 in Darmstadt geborenen Karlheinz Böhm, der in seiner Kindheit und Jugendzeit zwecks der Berufung des Vaters sowie politischen Entwicklungen zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz pendelt. Die Kinder- und Jugendjahre sind teils geprägt von Krankheit, Einsamkeit und der Erkenntnis, dass das musikalische Talent nicht ausreicht, um an die Karriere des Vaters anzuschließen. Nach bestandener Matura verschlägt es Böhm zum Film nach Wien, wo er zunächst als Regieassistent arbeitet.

Es folgen Rollen als Schauspieler am Burgtheater und bei verschiedenen Filmproduktionen, wo Karlheinz Böhm sich u. a. mit seinen Versagensängsten auseinandersetzen muss. Mit der Besetzung als Kaiser Franz spielt Karlheinz Böhm an der Seite von Romy Schneider in der märchenhaften und verklärenden "Sissi"-Triologie (1955–57), die den beiden Schauspielern kommerziellen Erfolg und Berühmtheit bringt. Anspruchsvoller wird es mit der Hauptrolle in "Peeping Tom" (1960) unter der Regie von Michael Powell, ein Film der erst Jahre später durch Martin Scorsese seine verdiente Anerkennung fand. In seiner Zeit in Hollywood, in der Böhm das amerikanische Studiosystem kennen lernt, folgen auch amüsante Treffen etwa mit der Dame, die einst Präsident Kennedy ein Geburtstagsständchen darbrachte oder mit dem Erfinder der Micky Mouse. Es zieht Böhm wieder auf deutschsprachigem Boden, zunächst als Opernregisseur und schließlich folgt in den 1970er Jahren die Zusammenarbeit beim Film und am Theater mit Rainer Werner Fassbinder. Mit dessen Hilfe gelingt es Böhm sich mit der Rolle des Kaisers Franz auszusöhnen. Für Böhm bedeutet Theaterspielen Einatmen und Filmemachen Ausatmen – ohne der Theaterbühne könne er nicht vor der Kamera agieren.

Der ganz große künstlerische Durchbruch blieb Karlheinz Böhm verwehrt, sein humanitäres Engagement in Äthiopien mit der Gründung der unabhängigen Hilfsorganisation "Menschen für Menschen" im Jahr 1981 war dafür umso bedeutender. Der dritte Teil schildert Karlheinz Böhms persönliche Wandlung und Wirken in einem der ärmsten Ländern der Welt, das von Hungersnöten und Dürrekatastrophen diktiert wird. Die Rolle des Übervaters in Äthiopien brachte Karlheinz Böhm auch regelmäßig Kritik ein und brach mit seiner privaten Person als Vater und Ehemann: vier Ehen, drei Scheidungen und sieben Kinder waren Teil seines Lebensweges. Die letzten Lebensjahre Böhms sind von einer Alzheimererkrankung begleitet bis er im Mai 2014 in Grödig im Alter von 86 Jahren stirbt.

In "Die Welt ist Bühne. Karlheinz Böhm. Die Biographie" liegt ein Portrait des Menschen Karlheinz Böhm vor, das dessen kreatives und humanitäres Schaffen mit der Privatperson niveauvoll und wertfrei umschließt. Der Autor Günter Krenn, der sein biografisches Talent schon zweimal bei Romy Schneider bewiesen hat, nimmt sich selbst zurück und lässt Zeitzeugen und Weggefährten wie die Kinder und Ehefrauen von Karlheinz Böhm, Senta Berger, Erni Mangold oder Frank Elstner zu Wort kommen, die Positives wie Kritisches über Karlheinz Böhm zu berichten haben. Krenn macht es sich zur Aufgabe der Leserschaft die Zeit und das Milieu in welchem Böhm lebt und arbeitet zu schildern und dabei die kulturelle Komponente nicht außer Acht zu lassen: So erfährt man etwa welchen Stellenwert die Musik und das Theater in den zerbombten Städten nach dem zweiten Weltkrieg gehabt haben oder man findet lesenswerte literarische Verweise für den Binnenstaat Äthiopien. Die zahlreichen Abbildungen ergänzen den mit vielen Anekdoten und prominenten Begegnungen geschilderten Lebensweg von Karlheinz Böhm. Der Biographie "Die Welt ist Bühne. Karlheinz Böhm. Die Biographie" gelingt es die Außenwirkung Karlheinz Böhms mit einem Blick auf dessen Innenleben gehaltvoll zu verbinden und trägt dazu bei die deutschsprachige Theater- und Filmhistorie um ein eindrückliches Werk zu erweitern.

Tags

filmgeschichte, karlheinz böhm, biografie