Neue Medien

2/2018 - Medien, Demokratie und politische Bildung

Rezension: AugenBlick, Konstanzer Hefte zur Medienwissenschaft (68). Bis auf Weiteres. Pinnwand und Serie.

von Lorenz Engell, Dominik Maeder, Jens Schröter und Daniela Wentz (Hg.)

AutorIn: Raffaela Rogy

"Eine Pinnwand ist eine Oberfläche, die vieles erlaubt", schreibt John Law und so verwundert es nicht, dass seit der Serie "The Wire" die Pinnwand zu einem weit verbreiteten Motiv in Fernsehserien avanciert ist. Raffaela Rogy rezensiert das Buch "Augenblick" für die LeserInnen der Medienimpulse...

Verlag: Schüren
Erscheinungsort: Marburg
Erscheinungsjahr: 2017
ISSN: 0179-2555
ISBN: 978-3-89472-0200-7


Cover: Augenblick. Konstanzer Hefte zur Medienwissenschaft 68. Bis auf Weiteres. Pinnwand und Serie
von Lorenz Engell, Dominik Maeder, Jens Schröter und Daniela Wentz (Hg.)
Quelle: Schüren

Die Pinnwand veranschaulicht Verbindungen und Netzwerke, visualisiert die Handlungsebene und schafft damit Ordnung als auch Chaos. Die Logik, die der Pinnwand zugrunde liegen mag, untersucht das vorliegende Heft "Bis auf Weiteres. Pinnwand und Serie" aus der Perspektive von Fernsehserien in Hinblick auf serielle Prozesse und Verfahren. Die Pinnwand wird dabei nicht als zu analysierendes und ästhetisch ansprechendes Requisit verstanden; vielmehr steht das Wechselverhältnis von Pinnwand und Serie im Fokus, der gemeinsame Seinszustand der Unabgeschlossenheit sowie des ewigen Prozesses und die sich daraus generierende Struktur des Seriellen.

Den Anfang macht Christoph Ernst mit seinem Beitrag "Thinking Wall und Diagramm", in welchem am Beispiel der dokumentarischen Episodenserie "Metal Evolution" eine Medientheorie der Pinnwand formuliert wird, bei der zwischen der Pinnwand als Aufzeichnungsmedium und der Pinnwand als Prozessmedium unterschieden werden kann. In "Pinboard | Storyboard" versteht Daniela Wentz Pinnwände als diagrammatische Anordnungen im Sinne Charles S. Peirce und arbeitet den Einfluss der Pinnwandanordnung auf die narrative Organisation in den Serien "House M.D.", "FlashForward" und "Heroes" heraus. Mit "FlashForward" geht es auch bei Anne Ganzerts Ausführungen in "Die Mosaic Investigation Wall" weiter, in denen die Autorin die Pinnwand als Medium zur Verräumlichung von Zeit charakterisiert.

Der Beitrag "Das Blut, das Ich und sein Schatten" von Wolfgang Hagen spricht sich nicht nur für die Serie "Dexter" aus, sondern skizziert die bildlichen Blutspuren als ästhestisches Emblem. Einen Exkurs unternimmt Lisa Conrads Text "Plantafel-Planung", der an ihrer Fallstudie zur Koordination von Arbeitsprozessen den seriellen Prozess der Planung mittels mechanischer Plantafeln und die daraus resultierenden Qualitäten erläutert. Dominik Maeder wendet sich in "Die Anordnung der Dinge" den virtuellen Pinnwänden des sozialen Netzwerks "Pinterest" zu und erkennt bei der Analyse der Benutzeroberflächen eine serielle Struktur.

In Zeiten in denen die Serie im Fernsehen und vor allem durch Streaming-Anbieter Konjunktur genießt, leistet der vorliegende Band "Bis auf Weiteres. Pinnwand und Serie" einen wichtigen Beitrag für die medienwissenschaftliche Auseinandersetzung des seriellen Erzählens und in diesem besonderen Fall des Spannungsverhältnisses von Pinnwand und Serie. Ob Stammbaumdiagramm, Whiteboard, Wäscheleinen, Knoten, Korkplatten, Blutspuren, Schnüre, Pappstreifen, Karten oder virtuelle Pins, diese Vielseitigkeit der Erscheinungform einer Pinnwand und ihre Wechselwirkung mit filmischen Serien, mit dem realen Leben oder mit einem virtuellen Netzwerk wird von den Beiträgen der Autorinnen und Autoren qualitätsvoll sowie prägnant geschildert, wodurch Anreize zum Weiterforschen geweckt werden.

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