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2/2012 - Biomacht, Biopolitik, Biomedien

21.06.2012

Biomacht, Biopolitik, Biomedien

Der Begriff Biomacht geht auf Michel Foucault zurück. Er verstand darunter eine umfassende Neuformulierung der Machtverhältnisse um 1800, mit der zwei Serien sich überkreuzten: die Serie Körper–Organismus–Disziplin–Institutionen überlagerte dabei die Serie Bevölkerung–biologische Prozesse–Regulierungsmechanismen–Staat und ermöglichte so ein Dispositiv, das die strategische Regulierung des Lebens in modernen Gesellschaften kennzeichnet. Diese spezifisch moderne Regierungsform besteht darin, dass das Leben der Vielen nicht mehr einfach vernutzt und verschleißt wird (etwa durch Arbeit oder Krieg), sondern die Lebenskräfte produktiv gesteigert werden sollen. Ein Umstand, der auch in der gegenwärtigen Medienkultur von größter Brisanz ist.
Diese Ausgabe der MEDIENIMPULSE will daher den Themenkomplex Biomacht, Biopolitik, Biomedien vor Augen führen und für den Bereich der Medienpädagogik nutzbar machen.

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MEDIENIMPULSE 2009-2011 in Buchform ...
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41 Beiträge von 52 AutorInnen ...
DIE AUTORINNEN!

Buchpräsentation MEDIENIMPULSE 2009-2012

Eine Bildstrecke zur Präsentation unseres Sammelbandes im Filmarchiv Austria

Editorial

Alessandro Barberi / Wolfgang Sützl: Editorial 02/2012 Biomacht, Biopolitik, Biomedien

Editorial 02/2012 Biomacht, Biopolitik, Biomedien

Schwerpunkt

Chris Boge: Biopolitik, Hybridität und Fremdartigkeit im US-amerikanischen Superheldenfilm

Chris Boge analysiert in seinem Beitrag, wie biopolitische Diskurse die Narrationen in Blockbustern strukturieren, in denen Superhelden juristische oder biotechnologische Konstellationen aushandeln und dabei Problemlagen sichtbar werden, die auch in unserem Alltag wiederkehren.


Christian Filk: „Der Mensch ist größer und kleiner als er selbst“ - Günther Anders’ Negative Anthropologie im Zeitalter der ‚(Medien-)Technokratie‘

Christian Filk untersucht im Gesamtwerk von Günter Anders die biopolitischen Aspekte einer Negativen Anthropologie, die nicht zuletzt für das (phänomenologische) Konzept des Leibes von geraumer Bedeutung war und auch für die Medienpädagogik aktuell ein bemerkenswertes Reflexionspotenzial freisetzt.


Jan Jagodzinski: The Affective turn, or Getting Under the Skin Nerves: Revisiting Stelarc

Der affective turn ist in alle Formen des Diskurses vorgedrungen. Dieser Beitrag versucht anhand des Künstlers Stelarc den Affekt im Kontext des "intrinsischen Körpers" theoretisch zu erschließen, also den unbewussten Körper der propriozeptiven Vorgänge, die unterhalb der Wahrnehmungsschwelle ablaufen.


Eddie Glenn: Medium of Blood - Verifiable Ancestry as a Conduit of Cherokee National Identity

Blood quantum, die Messung der Abstammung von amerikanischen Ureinwohnern in den indigenen Nationen der USA, wird oft als Kategorie aufgefasst, die von der US-Regierung repressiv eingesetzt wird. Die Autoren analysieren deshalb das Blut als Medium der Identität im Kontext der Cherokee-Nation von Oklahoma.


David Jonas Perkmann: Die Kybernetische Hypothese und das Ende des Politischen

David Perkmann geht in seinem Beitrag den Dispositiven des kybernetischen Kapitalismus nach, in dessen Rahmen biopolitische Verwaltungsstrategien als Gouvernementalität analysiert werden können, welche seit Adam Smith mit (neo)liberalen Wirtschaftsordnungen verknüpft sind.


Petra Missomelius: Körperdiskurse: Mediale Fantasmen des Postbiologischen

Vorstellungen vom postbiologischen Körper reichen bis hin zu Fantasmen, die den Menschen durch technische Schöpfungen verbessern, upgraden oder gar ersetzen wollen ... Petra Missomelius untersucht diese Biopolitik anhand von Maschinenmenschen, digitalen Gestalten und filmischen Visionen.


Wolfgang Sützl: Aktivistische Brieftauben - Medienaktivismus und Wissen im Zeitalter der Biomacht

Im biopolitischen Medienaktivismus sind eine Vielzahl von Interventionen gegen die Dispositive der Biomacht entstanden. Wolfgang Sützl untersucht Widerstandsformen, die biopolitische Strategien gleichzeitig unterwandern und einsetzen.


Martin Mueller: Zur Tiefengrammatik des "Lebendigen" - Eine kritische Einführung zu Eugene Thackers Biomedien

Martin Müller untersucht eingehend die Rolle der technischen und medialen Dimensionen der Lebenswissenschaften und führt so anhand von Eugene Thackers Begriff der Biomedien vor Augen, dass auch Dinge und Materialitäten handlungstheoretisch gefasst werden können.


Wolfgang Neurath: Policey, Biopolitik und Liberalismus. Vom Zugriff der Macht auf das Leben (Bios)

Wolfgang Neurath beleuchtet die Debatten zur Biopolitik aus historischer Perspektive und zeigt auf, wie das Foucaultsche Konzept der gouvernementalité von der Policey des 18. Jahrhunderts bis hin zum aktuellen (Neo)liberalismus seine Macht keineswegs verloren hat.

Forschung

Martin Newald / Christian Nosko: Interaktive Präsentationssysteme für das Bildungswesen

Der Beitrag liefert einen Überblick über Anbieter von und Forschungsergebnisse zu interaktiven Präsentationssystemen, die mittlerweile in vielen Bildungsinstitutionen zum Einsatz kommen. Versprechen die neuen Tafeln doch ein gänzlich neues Lehren und Lernen ...


Thomas Strasser: Mind the app! Zur pädagogischen Vielseitigkeit von Web 2.0-Tools im Unterricht

Ist das Web 2.0 ein medienpädagogisch ernst zu nehmendes Phänomen, das einen konstruktivistischen Paradigmenwechsel im Unterricht auslösen kann? Für Thomas Strasser ist das eine rein rhetorische Frage, die er auf verschiedenen Ebenen bejaht.

Praxis

Gabriele Woldan: Ö1 -Schülerradiopreis 2011

Jährlich wird vom bm:ukk in Kooperation mit dem ORF der Ö1-Schülerradiopreis vergeben. Gabriele Woldan berichtet von den diesjährigen Gewinnern, hält insgesamt Rückschau und verlinkt natürlich auch auf alle eingereichten Beiträge.


Hans-Jörg Unterkofler: Aktive Medienarbeit - Medien selber gestalten mit der MEDIENWERKSTATT

Das Kärntner Medienzentrum für Bildung und Unterricht realisiert Impulsprojekte, die die aktive Medienarbeit in Schulen unterstützen und fördern sollen. Die Projektarbeit des Zentrums vermittelt über alltagsorientierte Medienarbeit Kindern und Jugendlichen einen kreativen und selbstbestimmten Umgang mit Medien.


Michael Steiner: LearningApps.org - multimediale, interaktive Lernbausteine

Die Webseite learningapps.org bietet fächerbezogen einfache Online-Lernaufgaben aber auch die Möglichkeit, sehr simpel selbst welche zu erstellen. Michael Steiner führt in die Grundfunktionen der Webseite ein und liefert einen ersten Erfahrungsbericht.


Christian Berger: LehrerInnen als RechtsexpertInnen? - Wenn Medien nicht nur konsumiert, sondern auch produziert werden

Der Diskurs um das Urheberrecht wird immer breiter geführt. Aber wo bleiben die Positionen aus dem Bildungsbereich?


Wolfgang Kolleritsch: Radio als Lernform der Neuen Mittelschule

Wolfgang Kolleritsch berichtet eingehend vom Projekt Radioigel, das an der Neuen Mittelschule Steiermark angesiedelt ist und betont, dass Radiomachen für die Entwicklung sozialer Kompetenzen wie Kooperation, Teamgeist, Durchsetzungsvermögen, Zielarbeit, Stressresistenz oder Konfliktfähigkeit förderlich ist.

Kultur - Kunst

Ana Nedeljkovic: (Contemporary) Art, (New) Media and the Teenagers of Today - Or how to deal with the gap between oil on canvas and Facebook

Ana Nedeljkovic lotet das Verhältnis von Medien, Kunst und Bildung aus und bringt dabei eine ganze Reihe von praktischen Beispielen zur Mediennutzung im Erziehungsbereich. So berichtet sie u. a. von einem Workshop und Aktivitäten der Medienkunst im Umfeld des Belgrader Kulturzentrums.

Neue Medien

Raffaela Rogy: Putty Hill & Hamilton - von Matt Porterfield

In Putty Hill und Hamilton arbeitet Regisseur Matt Porterfield das suburbane Leben von Baltimore am Beispiel von Tod und Teenagerproblematik heraus und räumt dem Rezipienten eine Beobachtungsmöglichkeit ein, die sich von aktuellen und konventionellen Kinofilmen löst.


Thomas Ballhausen: Der ewige Krieg - von Marvano & Haldeman

Mit der längst überfälligen Neuauflage von „Der Ewige Krieg“ wird einer der wichtigsten Science Fiction-Comics in Form einer Gesamtausgabe wieder zugänglich. Thomas Ballhausen erläutert, warum darin auch eine reflektierte Verhandlung gesamtgesellschaftlicher Veränderungen lesbar wird.


Karl H. Stingeder: Faszination Computerspielen: Theorie - Kultur - Erleben - von Konstantin Mitgutsch und Herbert Rosenstingl (Hg.)

E-Sport, Spielsucht, Gewalt in Spielen ... das sind nur einige wenige der in diesem Buch beleuchteten Aspekte. Das Kompendium eröffnet einen interessanten Einblick in die gegenwärtige Computerspiele-Forschung mittels 16 couragierter Beiträge. Karl H. Stingeder hat für die MEDIENIMPULSE rezensiert.


Susanne Krucsay: Qualitative Bild- und Videointerpretation - von Ralf Bohnsack

Ralf Bohnsack hat mit seiner Buchpublikation die Möglichkeiten der Qualitativen Bild- und Videointerpretation augelotet. Susanne Krucsay überprüft die Ergebnisse seiner dokkumentarischen Methode und hält ein Plädoyer für die Anwendung von Bildtheorien in der Medienpädagogik.


Karl H. Stingeder: Deus Ex: Der Icarus-Effekt - von James Swallow

Karl H. Stingeder berichtet über die dystopische Welt von Deus Ex, deren Autor James Swallow für den Roman und die Spiele dieser Reihe verantwortlich zeichnet. Wie weit darf die Menschheit (biopolitisch) gehen, um sich selbst "neu zu gestalten"?


Anna Denk: Bodies that Splatter. Interpretationen emanzipatorischer Momente in Quentin Tarantinos „Death Proof“ - von Verena Stern

Verena Stern legt mit „Bodies that Splatter“ ein gesellschafts- und wissenschaftskritisches Buch vor, das basierend auf einer politikwissenschaftlichen Filminterpretation von Quentin Tarantinos „Death Proof“ versucht, gesellschaftlich geprägte Geschlechterrollen und Machtstrukturen aufzudecken.