Neue Medien

3/2016 - Mediales Lernen/Lehren im Fremdsprachenunterricht/beim Spracherwerb

Rezension: Film School. Filme machen mit Kindern und Jugendlichen

von Klaus Weller

AutorIn: Lucia Gotz

Lucia Gotz rezensiert einen Band, der für MedienpädagogInnen eine praktische Hilfe bei der Filmproduktion darstellen kann: Wer mit Kindern und Jugendlichen Filme machen will, der kann sich die letzte Publikation von Klaus Weller unter Umständen zulegen …

Abstract

"Film School" ist Klaus Wellers Versuch, eine Anleitung zum Filmemachen mit Kindern und Jugendlichen zu geben. Teilweise durchwachsen, kann man doch auch einige seiner Tipps gut verwerten.



Cover: Film School. Filme machen mit Kindern und Jugendlichen
von Klaus Weller
Quelle: Amazon

Verlag: UVK
Erscheinungsort: Konstanz
Erscheinungsjahr: 2015
ISBN:978-3-86764-607-9

Klaus Weller, Produzent vieler preisgekrönter Kurzfilme, Gründer von Jugendfilm e.V. und Lehrer an diversen Hochschulen und Bildungseinrichtungen Deutschlands, versucht mit seinem Buch "Film School" eine Anleitung zum Drehen von Kurzfilmen mit Kindern und Jugendlichen zu geben.

Auf den ersten Blick präsentiert sich das Buch als gut durchstrukturiert, mit vielen praktischen Tipps ausgestattet, reich bebildert und mit Beispielen versehen. Weller beginnt bei den Basics, empfiehlt geeignete Hard- und Software und illustriert reichlich aus seinem eigenen Erfahrungsschatz. Kameraeinstellungen werden genauso erklärt wie einzelne Arbeitsschritte für eine Tonspur-Optimierung, die Drehbuchgestaltung oder verschiedene Arten von Animationsfilmen. Von der Ideenfindung über die Dreharbeit bis hin zu Budget, Videoschnitt und Vermarktung kann man sich von Klaus Weller anleiten lassen. Auch explizite Tipps für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen werden reichlich gegeben.

Gerade diese Tipps muten manchmal allerdings etwas zweifelhaft an. Der Vorschlag, Mehrheitsentscheidungen, so sie zum Beispiel nicht die geeignetste Person für eine Rolle nominieren, ganz einfach zu manipulieren um Grundsatzdebatten zu vermeiden, erscheint nicht unbedingt als der ratsamste Weg, schon gar bei Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Generell bekommt man als LeserIn eher den Eindruck, dass Kinder und Jugendliche oft eher ungeeignet für Filmprojekte sind und man ihnen keinerlei Verantwortung übertragen sollte.

Weiters fällt das strikte Nicht-Gendern und die oft passive Darstellung von Mädchen und Frauen ins Auge. Will man sich als LeserIn am Anfang noch einreden, dass man, um die Leserlichkeit des Textes nicht zu gefährden, eben bei der männlichen Form mitgemeint ist – obwohl so etwas heutzutage nicht mehr ganz adäquat scheint – so wird dieser Eindruck zerstört, wenn in sehr seltenen Fällen doch noch weibliche Formen auftauchen, wenn auch nur als Objekte der Begierde. In einer Serie von Beispielen für erste Filmübungen, in der die Personen allesamt mit 'Schüler' und einem Buchstaben von A bis Z benannt werden, kommt die weibliche Form 'Schülerin' in nur einem einzigen Satz vor: "Schüler T ist verliebt in Schülerin U."

Auch sprachlich scheint Weller sich nicht ganz für stilistische Einheitlichkeit entscheiden zu können. Relativ formelle, objektive, informative Passagen wechseln sich mit leeren Phrasen und – zumindest teilweise – relativ merkwürdigen Urteilen ab. So schreibt er etwa über Konflikte als Handlungselement: "Was sonst? Eine Aneinanderreihung friedlicher, harmonischer Situationen hätte nur als Schlafmittel ihre Berechtigung." Dass es wohl auch noch anderes als diese beiden Pole gibt, wird ausgeklammert.

Auf den zweiten Blick wirkt Wellers „Film School“ daher etwas schal. Die riesigen, seitenfüllenden Überschriften, ständigen Zwischen-Inhaltverzeichnisse und oft eher weniger informativen Abbildungen verstärken den aufgeblasenen Charakter dieses Buches noch zusätzlich. Alles Positive kann man Weller aber natürlich trotzdem nicht absprechen. Zwischen den großen Überschriften und Abbildungen finden sich immer wieder auch brauchbare Tipps und Anregungen zum Filmemachen mit Kindern und Jugendlichen.

Wenn Klaus Weller mit seiner "Film School" also dazu anregen will, Filme mit Kindern und Jugendlichen zu machen, ist ihm das nur bedingt gelungen. Als zusätzliche Inspiration und Quelle kann dieses Buch zwar ganz nützlich sein, allein darauf sollte man sich aber wohl bei einem ersten Filmprojekt nicht verlassen.

Tags

film, filmproduktion, kinder, jugendliche