Neue Medien

3/2016 - Mediales Lernen/Lehren im Fremdsprachenunterricht/beim Spracherwerb

Cybermobbing-Filmprojekt "Setze ein Zeichen!"

AutorIn: Caroline Weberhofer

Zum Thema Cybermobbing produzierte Caroline Weberhofer einen beeindruckenten "Motivationsfilm" zum Einsatz im Unterricht an den österreichischen Schulen. Der Film bietet einen Einblick, was durch Cybermobbing passieren kann und wie es den Betroffenen geht bzw. wo sie sich Hilfe holen können.

Mobbing – schon immer ein brisantes Thema an Schulen. Durch die Entwicklung der Medienlandschaft etabliert sich Mobbing zunehmend auch in den Neuen Medien – Mobbing wird zu Cybermobbing. Dadurch beschränkt sich dieses soziale Problem nicht mehr auf den Schulhof und den Heimweg, – durch Smartphones, Internet, Social Networks & Co breiten sich erniedrigende und verletzende Nachrichten, Bilder und Videos verstärkt auch im öffentlichen Raum aus. Das verschlimmert die Situation für die betroffenen Opfer, denn sie werden so nicht mehr "nur" in ihrem persönlichen Umfeld sondern viel globaler bloßgestellt.

Die Klagenfurter Medienpädagogin und Filmproduzentin Mag. Dr. Caroline Weberhofer hat im Wintersemester 2015/16 gemeinsam mit Studierenden der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt einen Film zum Thema Cybermobbing produziert.

Der Film bietet einen Einblick, was durch Cybermobbing passieren kann und wie es den Betroffenen geht. Das seit 01.01.2016 gültige Gesetz zum Thema Cybermobbing wird im Film vorgestellt und es werden Wege aufgezeigt, wie Betroffene sich Hilfe holen können.

Projektziel

Ziel dieses Filmprojekts war es, einen "Motivationsfilm" zum Einsatz im Unterricht an den österreichischen Schulen zu produzieren, der die Jugendlichen (Zielgruppe ab 10 Jahren) dazu motiviert, sich mit dem Thema Cybermobbing auseinander zu setzen. Der Film ist nach einer Idee von Mag. Dr. Caroline Weberhofer in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Bildungsministerium entstanden. Weitere Projektpartner waren neben netidee.at auch das Kärntner Landesjugendreferat und die Plattform saferinternet.at, deren MitarbeiterInnen den Film auch in ihren Workshops an Schulen einsetzen.

Die Filmcrew

Die Filmcrew bestand neben der Produzentin aus einem professionellen Kameramann und Cutter und 16 Studierenden der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, da der Film im Rahmen einer Lehrveranstaltung der Produzentin entstanden ist. Ziel dabei war es, den Studierenden Einblick in eine Filmproduktion zu geben und sie in die Entstehung des Films mit einzubeziehen, da sie als junge Studierende näher an der Zielgruppe des Films dran sind und ihre Ideen zur Umsetzung und zur Sprache im Film daher sehr wertvoll waren.

Die Studierenden konnten von diesem Projekt profitieren, da sie an einem Praxisbeispiel lernen konnten, wie ein Film entsteht. Auch der Bereich Bildungsfilm zieht Vorteile daraus, da junge Menschen Unterrichtsmaterial mitgestaltet haben, die aus derselben Generation wie die SchülerInnen stammen, daher ähnlich denken und junge, moderne Zugänge zum Thema haben.

Ergebnis

Der Film "Setze ein Zeichen" wurde im Februar 2016 veröffentlicht. Er erzählt die Geschichte von Joel, einem 13 jährigen Jungen, der sich wegen Cybermobbing das Leben genommen hat. Die Idee, seine Mutter seine Leidensgeschichte erzählen zu lassen und damit eine wahre Geschichte als Grundlage für den Film zu nehmen, war augenscheinlich die Richtige, denn in den ersten 24 Stunden nach der Präsentation wurde der Film unglaubliche 14.000 Mal angeklickt! Mittlerweile hat er die 34.000 Views überschritten. Zahlreiche Medien wie bspw. der ORF, RTL, Kurier, Kronenzeitung, Kleinezeitung, Antenne u.v.m. haben über den Film berichtet.

Ort und Lizenz des Projektergebnisses

Der Film wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung-Keine Bearbeitung 3.0 Österreich (CC BY-ND 3.0 AT) veröffentlicht.

Die Bereitstellung erfolgt auf der Website https://www.youtube.com/watch?v=xIuu-IpyVS0 im Format mov. Der Film hat eine Länge von 6:43 Minuten.

Über die Umsetzung. Ein Bericht von der Filmproduzentin

Ursprünglich hatte ich die Idee, einen Dokumentationsfilm zu dem Thema zu drehen, der möglichst viele Fragen beantwortet. Geplante Länge waren ca. 45 Minuten. Ministerialrat Mag. Walter Olensky hatte die Idee, statt einer Dokumentation etwas Neues auszuprobieren und einen 7–10 Minuten langen "Motivationsfilm" zu machen, welcher die SchülerInnen für das Thema sensibilisieren und berühren sollte und als Anstoß für weitere Gespräche im Unterricht dienen kann.

Als nächstes hatte ich eine von SchülerInnen gespielte Cybermobbing-Szene im Kopf. Im Zuge der Recherche kam ich aber zu der Meinung, dass gespielte Szenen nicht real genug wirken würden und so entstand die Gewissheit, dass wir den Film mit Betroffenen machen müssen.

Nach zahlreichen Vorgesprächen mit Michaela Horn, einer Mutter, deren Sohn sich im Alter von 13 Jahren das Leben genommen hat, fasste ich den Entschluss, sie die Geschichte ihres Sohnes erzählen zu lassen.

Dazu verfasste ich keinen vorgegebenen Text für sie, denn authentisch wirken konnte das nur, wenn sie frei erzählt.

Im Oktober begann die Lehrveranstaltung, und bereits Anfang November hatten wir den ersten Drehtermin mit Frau Horn. Wir drehten ihren Part am Friedhof, wo ihr Sohn begraben ist, eine emotionale Herausforderung für sie und das ganze Team. Einige der Studierenden agierten als Regieassistenten, die anderen beobachteten die Dreharbeiten mit und achteten darauf, ob aus ihrer Sicht mit den Worten von Frau Horn Jugendliche auch erreicht werden können.

Noch im November erfolgte der erste Rohschnitt in Zusammenarbeit mit den Studierenden, bei dem wir die Reihenfolge der Erzählungen von Frau Horn festlegten.

Daraus entstand dann erst das endgültige Drehbuch, das ich gemeinsam mit den Studierenden erarbeitete und das vor Weihnachten an das Bildungsministerium übermittelt wurde.

Die Freigabe des Drehbuches erfolgte im Jänner, einen Tag vor unserem nächsten Drehtermin. Diesmal agierten die Studierenden als Statisten vor der Kamera, sie spielten jene Handlungen nach, die Frau Horn aus dem Martyrium ihres Sohnes erzählte und wir unterlegten diese Bilder ihren Erzählungen.

Ende Jänner folgte der Feinschnitt mit meinem Cutter und die Begutachtung und Freigabe durch das Bildungsministerium. Es drängte schon die Zeit, da der Film im Rahmen des "saferinternetdays 2016" (9. Februar 2016) vorgestellt werden sollte und die Filmpräsentation bereits für den 2. Februar festgesetzt war.

Pünktlich zur Filmpräsentation, die an der Universität Klagenfurt im Beisein von LR Dr. Beate Prettner, Landesschulratspräsident Rudi Altersberger, Univ.-Doz. Dr. Rainer Winter, Lucia Halbrainer von saferinternet.at, Michaela Horn und einem Großteil des Filmteams stattfand, stand unser Film "Setze ein Zeichen!" auf youtube zur Verfügung.

In den ersten 24 Stunden nach der Präsentation wurde er unglaubliche 14.000 Mal angeklickt! Mittlerweile haben wir die 34.000 views überschritten. Damit haben wir wesentlich mehr Menschen mit dem Film erreicht als wir gehofft hatten – und offensichtlich auch berührt, wie die zahlreichen Kommentare zum Film auf youtube zeigen. Die Medienberichterstattung über unseren Film war enorm, zahlreiche Medien wie bspw. der ORF, RTL, Kurier, Kronenzeitung, Kleinezeitung, Antenne u.v.m. haben darüber berichtet.

Das Filmteam: Emilia Andonova, Lukas Behrens, Anja Gritznig, Sarah Holzer, Nicole Hubmann, Katharina Kainz, Carina Koller, Michaela Münzer, Stefanie Oswald, Stephanie Planegger, Julia Remschnig, Miriam Roschatt, Stefanie Samitz, Ilona Schmuttermaier, Nadine Schweintzger, Kathrin Sumah, Jannine Töglhofer, Lisa Werner, Julia Zell

Mitwirkende: Michaela Horn, Nina Weberhofer

Kamera: Wolfgang Giannelos, Ing. Friedel Hans

Schnitt: Wolfgang Giannelos, Jannine Töglhofer, Caroline Weberhofer

Redaktion, Regie und Produktion: Mag. Dr. Caroline Weberhofer

Weitere Informationen zum Film "Setze ein Zeichen!" unter www.caroline-weberhofer.com (letzer Zugriff: 23.08.2016).

Tags

film, unterrichtsfilm, cybermobbing, mobbing