Schwerpunkt

3/2016 - Mediales Lernen/Lehren im Fremdsprachenunterricht/beim Spracherwerb

PANGEA LINGUA

Die Sprachenlandschaft Salzkammergut – hörbar in 20 Radiosendungen

AutorIn: Erika Preisel

Im Beitrag von Erika Preisel werden Methoden und Erfahrungen bei der Erkundung der Sprachlandschaft Salzkammergut im Rahmen des EU Projektes ESPRIS – Emanzipatorische Sprachlernmethoden im Salzkammergut beschrieben. Sie war die Koordinatorin des Projekts und zum Teil Mit-Produzentin.

1. Einleitung

Das Salzkammergut ist ein Gebiet wo sich schon von Ort zu Ort die Dialekte unterscheiden, parallel dazu sind zahlreiche Sprachen fern ihres Ursprungs hier lebendig. Die Erkundung und Darstellung der Sprachenlandschaft Salzkammergut war der Ausgangspunkt des Projekts ESPRIS (Emanzipatorische Sprachlernmethoden im Salzkammergut). Dafür wurde in Zusammenarbeit mit COMMIT, der Universität Wien, dem Bildungszentrum Salzkammergut und dem Freien Radio Salzkammergut (FRS) ein Konzept für ein ESF-Projekt (Europäischer Sozialfonds) ausgearbeitet, umgesetzt wurde es in der Zeit von Februar 2012 bis Juni 2014.

Aufgabe des FRS war es die vorhandenen oft verborgenen Sprachkompetenzen hörbar zu machen, auf mehreren Ebenen in 20 Radio-Sendungen von je einer Stunde Dauer. Nach einem gemeinsamen Konzeptionsworkshop mit allen ProjektpartnerInnen und intensiven radiointernen Überlegungen – immer auch im Hinblick auf die praktische Umsetzbarkeit – haben sich schließlich konkrete Ideen für einzelne Rubriken herauskristallisiert. Wissen und Erfahrungen im Zusammenhang mit Sprachen und Spracherwerb sollten informativ, mit inhaltlichen Schwerpunkten und unterhaltsam in Radiosendungen verpackt werden. Gleich vorweg, das Ergebnis ist die Sendereihe PANGEA LINGUA, on air im FRS von 3. Juni bis 4. Juli 2014 – 20 Stunden produziert von etwa 160 RedakteurInnen in 40 Sprachen – archiviert am Stück und in Einzelteilen unter www.espris.at (letzter Zugriff: 20.09.2016).

Folgende Rubriken wurden in jeweils mehreren Teilen ausgearbeitet und produziert: Mit Sprachensteckbriefen präsentieren ExpertInnen informativ und unterhaltsam verschiedene Sprachen mit ihren Eigenheiten. Mit SchülerInnen der Johann Nestroy Schule (Neue Mittelschule in Bad Ischl) wurden lebendige Mini-Sprachkurse produziert. In Lernpartner-Interviews schildern Lernpaare ihr individuelles Sprachtraining. Spezielle thematische Sprachkurse wurden von ESPRIS-RedakteurInnen gestaltet. "Niemand ist einsprachig" wird von Sprachforscherin Brigitta Busch wissenschaftlich belegt. "Hin und Weg" schickt mit einer Fortsetzungsgeschichte in 20 Episoden zwei Frauen auf eine abenteuerliche Reise ins Salzkammergut.

Diese Rubriken werden nun näher betrachtet – davon die SchülerInnen-Beiträge und die Fortsetzungsgeschichte detailliert, da das Konzept dafür im FRS entwickelt wurde.

http://www.espris.at/category/sendungen/ (letzter Zugriff: 20.09.2016).

Die einzelnen Beiträge sind geprägt von dem Wissen, Erfahrungen, Interessen der RedakteurInnen mit der eigenen und anderen Sprachen. Zusammengefunden haben Leute von jung bis alt, Frau und Mann, mit unterschiedlichem Status und Religion. Den "PANGEA LINGUA"-MitarbeiterInnen wurde im FRS das journalistische Werkzeug zur eigenständigen Produktion von Beiträgen/Sendungen vermittelt. Geschult wurden sie darin für Beiträge zu recherchieren, diese redaktionell zu erarbeiten und daraus audiotechnisch Radiobeiträge zu produzieren.

Radio sollte als Instrument zur Vermittlung von Sprachkompetenzen erkannt werden, mit Konzentration auf das Hören. Wichtig war die Wahrnehmung der eigenen Medienkompetenz, die Wertschätzung für sprachliche, kulturelle und gesellschaftliche Bereicherung durch das Zusammenleben mit MigrantInnen. Gleichzeitig haben die Redakteurinnen und Produzenten dem Radiopublikum mit ihren Stimmen vielfach Unbekanntes und Un-er-hörtes vermittelt.

2. Zur Umsetzung

Um die MitarbeiterInnen ausfindig zu machen waren im Endeffekt persönliche Kontakte am ergiebigsten. Weitere Kriterien waren Mobilität (größere Distanzen zum Radiostudio, kein eigenes Fahrzeug) und zeitliche Ressourcen (Arbeit und Kinderbetreuung), die kleinere Hürde war On Air zu gehen.

Für die langfristigen Produktionsarbeiten dieser Sendereihe haben sich vorwiegend Frauen und die NMS-SchülerInnen mit Durchhaltevermögen und Verlässlichkeit über mehrere Wochen bzw. Monate ausgezeichnet. Daraus sind 18 atypische, unbefangene und dafür einprägsame Sprachkurse Jugendlicher entstanden und eine komplette Soap mit sprachlichen Tiefgängen. Diese beiden Rubriken sollen genauer ins Visier genommen werden, die weiteren in Kürze erwähnt – denn die Erfahrungen mit der Betrachtung der eigenen Sprache von außen und deren Vermittlung an andere haben sich bei allen Beteiligten in ähnlicher Form getroffen.

Die Sprachensteckbriefe wurden jeweils von Einzelpersonen zusammengestellt und sind entsprechend individuell geprägt. Die ProduzentInnen haben sich mit ihren jeweiligen Sprachen, die ihnen selbstverständlich sind, in der Form auseinandergesetzt, diese anderen zuzutragen und das Gehör dafür zu öffnen. Interessant war dabei wie unterschiedlich die Klangfarbe der Stimmen zwischen der jeweils vertrauten Sprache und Deutsch tönte. Neben der Sprache selbst (Grammatik, Schrift, Herkunft, Wortschatz, spezielle Laute etc.) wurde dabei auch auf landeskulturelle Themen (Geschichte, Politik, KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen, Landschaft, gesellschaftliche Strukturen etc.) kritisch wie auch selbstbewusst eingegangen, quasi mit einer/ihrer Sichtweise von innen. Die RedakteurInnen haben damit eigenständig die Gelegenheit wahrgenommen, mit ihrer Darstellung Klischees und Vorurteile aufzubrechen und in Frage zu stellen.

http://www.espris.at/sprachensteckbriefe/ (letzter Zugriff: 20.09.2016).

"Niemand ist einsprachig" – Sprachforscherin Brigitta Busch (Universität Wien, ExpertInnenkomitee des Europarats für die Rahmenkonvention zum Schutz nationaler Minderheiten) behandelt klar und verständlich in 20 Kurzbeiträgen wissenschaftliche, politische und gesellschaftliche Sprach-Aspekte. Sprachrepertoire, biografischer Einfluss, Spracherleben, Sprachpolitik etc. werden im praktisch-alltäglichen Kontext erläutert.

http://www.espris.at/brigitta-busch/ (letzter Zugriff: 20.09.2016).

In Lernpartner-Interviews schildern Lernpaare (koordiniert vom Bildungszentrum Salzkammergut in Ebensee) ihr individuelles Sprachtraining. Dabei bringen sich zwei Personen mit unterschiedlichen Sprachen diese gegenseitig näher, selbstgestaltet und gleichberechtigt, beide sind einander Lehrende und voneinander Lernende. Trainiert wurde dabei mit Lehrbuch, in Gesprächen oder mit gemeinsamen Aktivitäten, in den Beiträgen die gewählten Zugänge zum Spracherwerb präsentiert. Zwei junge Frauen etwa haben an Maturavorbereitungen gearbeitet, andere sind gemeinsam einkaufen gegangen oder sie haben sich bekannte Märchen erzählt – das alles in den jeweils zwei Sprachen der Lernpaare.

http://www.espris.at/lernpartnerschaften/ (letzter Zugriff: 20.09.2016).

Einzelne Spezial-Sprachkurse bringen über konkrete Themen Sprachvermittlung näher. Ein Tschechisch-Kurs wo die Vokabel bereits bekannt sind? Über in Österreich geläufige Familiennamen wurde deren Bedeutung in tschechisch erläutert. Weiters kamen z .B. russische Märchen, Liedtexte von Manu Chao oder mongolische Laute zu Gehör.

http://www.espris.at/sprachkurse-spezial/ (letzter Zugriff: 20.09.2016).

Mini-Sprachkurse der SchülerInnen der Johann Nestroy Schule – NMS in Bad Ischl

In dieser Schule wurden während der Produktionszeit von den Kindern neben Deutsch zehn weitere Sprachen gesprochen. Aus Sprachbeiträgen zu einzelnen Themen und Verbindungen unter den jeweiligen Kulturkreisen haben sich schließlich diese Sprachkurse entwickelt.

"Wie versteht man sich dann eigentlich?"

"Warum sind die mehrsprachigen SchülerInnen im Vorteil und welche Gemeinsamkeiten gibt es zu entdecken?"

Ausgehend von diesen Fragen gingen 95 SchülerInnen an die Arbeit die Vielfalt und Buntheit an ihrer Schule hörbar zu machen. Zum Gelingen dieses Vorhabens schufen eine kooperative Direktorin und Dipl. Pädagogin Ruth Mayer, die die Redaktionsteams an der Schule organisierte und betreute und Evelyn Ritt vom Freien Radio Salzkammergut die Basis. Weiters war die freiwillige Teilnahme am Projekt und die zeitweise Freistellung der SchülerInnen vom Unterricht wichtig um den enormen Produktionsaufwand bewältigen zu können. Immerhin wurden 18 experimentelle Sprachkurse von Ideensammlung, Sendungsentwürfen bis zu den Aufnahmen im Radio-Studio umgesetzt. Zudem wurde auch mit einem Musiklehrer als Trailer ein eigener Rap mit Text und Melodie für Beginn und Ende der Sprachkurse kreiert. Es kamen somit auch Rhythmus und Dynamik ins Spiel indem auf musischer Ebene gearbeitet wurde.

Ein wesentlicher Aspekt war die schulstufenübergreifende Zusammenarbeit in jeweils kleineren Teams. Dadurch sind neue Freundschaften zwischen den Altersstufen entstanden, was sich in weiterer Folge auch positiv auf das Schulklima ausgewirkt hat. Das Produzieren und Ausstrahlen der Sendungen hat zudem Spuren in der Schule hinterlassen – es wurde zum Gesprächsthema und Mehrsprachigkeit hat eine neue Wertigkeit erfahren, der soziale Umgang und Zusammenhalt wurden positiv verändert. Die beteiligten SchülerInnen hatten aus ihrer Vielfalt etwas Gemeinsames geschaffen, haben voneinander profitiert, die Aufmerksamkeit auf oft Verdecktes gelenkt. Ihre Sprachen waren nicht nur in den Radiosendungen und somit "überall" zu hören sondern wurden auch generell in der Schule interessant.

Bei der Themenwahl für die einzelnen Sprachkurse haben sich bald die Schwerpunkte "Essen", "Brauchtum" und "Kultur" herauskristallisiert. Dazu haben sich dann aber auch noch z .B. Zahlen oder Spiele und kleine persönliche Geschichten als Beiträge entwickelt. Bei all den Unterschieden haben die Jugendlichen immer wieder Gemeinsamkeiten entdeckt oder auch Parallelen konstruiert.

Auffallend war die Konsequenz mit der die SchülerInnen bei der Sache waren und wie vielfältig und originell die einzelnen Ideen umgesetzt wurden. Das Experimentieren mit Worten, Stimmen und Tönen hat durch die Unbefangenheit der jungen Leute noch eine weitere Note erfahren. So fließen auch immer wieder unmittelbare Reaktionen in die erarbeiteten Texte ein so dass sie oft auch ganz natürlich und alltäglich ankommen. Spontanität und Leichtigkeit beim Weiterspinnen von Gedanken oder Wortspielen eröffnen auch erwachsenen, sprachgebildeten ZuhörerInnen ungewohnte Zugänge zu Wortschatz und Aussprache in unbekannten Sprachen.

Indem immer wieder andere Sprachen im Mittelpunkt standen haben diejenigen die diese auch verstehen und sprechen können eine ganz eigene Art von Ehrgeiz entwickelt diese korrekt zu vermitteln. Insbesondere bei der Aussprache und Betonung gab es kein Pardon, schließlich geht es bei Radiobeiträgen ja darum was dann zu hören ist. Etwa bei einem Chinesisch-Beitrag haben sich die SchülerInnen mit Dialekt beholfen, welcher in der Lautmelodie den chinesischen Wörtern näher kommt als Hochdeutsch.

Auch Ruth Mayer, die das Projekt an der Schule betreut hat, sind an ihren SchülerInnen neue Seiten aufgefallen: "Die Mitwirkenden hatten Spaß an der Radioarbeit. Es war kein Muss, man durfte mitmachen. Die Erkenntnis lautete: in der Welt des Radios kehren sich mitunter eindeutige Parameter des Schulalltags um – Stille glänzen als professionelle RadiosprecherInnen, die Lauten verstummen vor dem Mikrophon, Verhaltensoriginelle sparen mit kreativen Ideen, Schüchterne machen sich bemerkbar. Bei der Erarbeitung von kulturbezogenen Themen fiel auf, dass jedeR Jugendliche wie selbstverständlich davon ausgeht, dass alle anderen das gleiche Wissen haben."

(vgl.: Berger, Christian/Fürst, Daniela/Hilzensauer, Wolf/Sontag, Katharina/Scheidl, Gerhard/Swertz, Christian (Hg.): radiobox.at, Audioproduktion im Unterricht, new academic press, Wien 2015: 76–79.)

Durch die Produktion der Sprachkurse sollte der Mehrwert durch Mehrsprachigkeit erkannt und erlebt werden. In der Schule wurden soziale Kompetenzen neu entwickelt, durch die Zusammenarbeit mit einem freien Radio haben die Jugendlichen die Erfahrung ihrer Medienkompetenz gemacht. Die Beiträge wurden mit ihren Ideen und ihren Stimmen nach ihren Vorstellungen produziert und auch ausgestrahlt – wurden u. a. von SchulkollegInnen, FreundInnen und Familienangehörigen gehört und haben Wertschätzung und Reaktionen erzeugt.

Begleitet waren die Radioarbeiten von Aufregung, Überraschungen, Anspannung und vor allem jeder Menge Spaß. Belohnt wurden die Jugendlichen neben der Anerkennung in der Schule, bei Freunden und Familie durch die Verleihung des mla – Media Literacy Award – im November 2015.

http://www.espris.at/sprachkurse-der-johann-nestroy-schule/ (letzter Zugriff: 20.09.2016).

Zusätzlich wurde das Projekt in der Sondersendung "Verstehen?" als "making of" mit Hörbeispielen aus den einzelnen Sprachkursen vorgestellt.

http://cba.fro.at/293816 (letzter Zugriff: 20.09.2016).

3. "Hin und Weg" – Die Sprache der Herzen

– eine mehrsprachige Radio-Fortsetzungsgeschichte in 20 Episoden rund um zwei Migrantinnen im Salzkammergut

Die Produktion einer Fortsetzungsgeschichte war ein Novum für das Freie Radio. Das Format "Soap" (Seifenoper) wurde benutzt, mit seriellem Charakter unter Einsatz von Spannung und Humor, konsequent in der Region praktizierte Sprachen – neben Deutsch und Dialekten – zu transportieren. Dabei ging die Reise quer durchs Salzkammergut, wurden diverse sprachlich-kulturelle Besonder- und Eigenheiten thematisiert und auch gleich dem Usus anderswo gegenübergestellt, z .B. Salzabbau in Rumänien, Squats in Amsterdam oder Hamam in Paris, wörtliche Übersetzung von Räuberleiter oder Ohrwurm.

"Hin und Weg" schickt in 20 Episoden zwei Frauen auf eine abenteuerliche Reise ins Salzkammergut. Jeje möchte ihre "alte Liebe" suchen, Kati will Arbeit finden. Eine romantische und eine realistische Geschichte werden ineinander verwoben, sprachliche und alltägliche Aspekte von nicht Deutsch- oder Dialektsprachigen sind künstlerisch, unterhaltsam wie auch kritisch eingebaut. Beide Frauen lernen die regionalen Eigenheiten kennen, treffen auf Interesse, Missverständnisse, Sympathie und finden ihre Wege.

4. Die Haupt-Protagonistinnen

"Jeje", französischsprachige Spanierin: alte Liebe – romantischer Part

"Kati", ungarischsprachige Rumänin: Arbeitssuche – realistischer Part

Die zwei Frauen tragen durch ihr Wissen und Ihre Erfahrungen als Migrantinnen und ihr schauspielerisches Talent wesentlich Szenen, Handlung und Dialoge. Begegnungen wurden tiefgründig und humorvoll nach Drehbuch oder oft sehr spontan und authentisch von den ProtagonistInnen adaptiert und inszeniert. Auch die Skript-AutorInnen sind mehrsprachig (niederländisch, ungarisch) und haben konsequent sprachliche und kulturelle Aspekte in die Dialoge eingebaut. Als verbindende Sprachen dienten Deutsch und Englisch. So spricht etwa der österreichische Campingplatz-Besitzer automatisch englisch bevor eine andere Sprache in Erwägung gezogen wird.

Die Geschichte wurde so angelegt, dass verschiedene Schauplätze und Situationen in welche "Zuagroaste" womöglich geraten, behandelt werden konnten – mit Schwerpunkt auf Sprachen, Verständigung und Verständnis füreinander wie auch Kennenlernen anderer Kulturen. Orte des Geschehens waren in der Bahn, am Berg, im Wirtshaus, beim Arbeitsmarktservice, in einer Wohngemeinschaft, beim Einkaufen, in der Therme, bei einer Beratungsstelle ... Jede Szene wurde im mehrsprachigen Team konzipiert, aufgenommen im FRS-Studio oder auch spontan außerhalb (AMS, Wochenmarkt). Im Mittelpunkt stehen Migrantinnen, für Gastrollen wurden Einheimische mit verschiedenen Dialekten (Ischl, Ebensee, Goisern, Aussee) eingeladen. Auch Musik und Malerei spielen in der Geschichte eine Rolle, die gesamte "Soap" wurde durch O-Töne, Atmos, Kennmelodien und eigener Signation zu einem eigenständigen Hörspiel in 20 Folgen.

Die Protagonistinnen galten als Expertinnen wie auch Schauspielerinnen als Ausgangspunkt und Schlüsselfiguren dieser Produktion. Konsequente Arbeit im Team, ein gemeinsames Werk – eine komplette Geschichte in 20 Teilen incl. "making of" – die Rückmeldungen aus deren Umfeld (von der Arbeitsstelle oder auch von Angehörigen aus der Heimat, wo über live-stream gehört wurde) wie auch positive Kommentare von FRS-HörerInnen sind das Resultat dieser aufwendigen Produktion. Im Redaktionsteam gab es lebhafte Diskussionen um die einzelnen Themen und großes Vergnügen bei der Arbeit und so ist "Hin und Weg" eine "intelligente" Soap mit gleichermaßen Tiefgang und Leichtigkeit geworden, die erste im Salzkammergut.

http://www.espris.at/hin-weg-soap/ (letzter Zugriff: 20.09.2016).

5. Neben- und Nachwirkungen

Mehr als zwei Jahre lang haben rund 160 Leute ihre Sprachschätze ergründet. Sie leben, gehen zur Schule und arbeiten im Salzkammergut – sie denken, träumen und sprechen in vielen Sprachen.

Die RedakteurInnen haben sich bei der Produktion ihrer Beiträge ausführlich mit ihrer Sprache auseinandergesetzt und auch inhaltlich individuelle Schwerpunkte, Anliegen und Interessen hervorgehoben. Durch Recherche haben sie ihr bereits vorhandenes sprachliches und kulturelles Wissen erweitert und in ihren Sendungen weitergegeben. Alle Mittel eines Audio-Mediums wurden eingesetzt – Stimme, Intonation, Dialog, Musik ... – und haben so den Zuhörenden Sprachen und Kulturen lebendig vergegenwärtigt.

Zu der Herausforderung einer inhaltlich und künstlerisch gelungenen Produktion deren Botschaft und Inhalt auch verständlich ist haben die Zusammentreffen in Redaktionsteams die ProduzentInnen gestärkt. Freude beim Wiedersehen, zusammenarbeiten und entwickeln von Ideen, haben zu neuen Verbindungen geführt.

Das Radioprogramm wurde durch die kompakte Präsenz der Menschen mit ihren Sprachen, die allesamt im Salzkammergut zu Hause sind, aufgewertet. Dieses kostbare Potenzial wurde authentisch präsentiert indem die TeilnehmerInnen selbst ihre Beiträge produziert haben und nicht von anderen über sie berichtet wurde. Durch die esf und bm:ukk Förderung konnte der Einsatz der RedakteurInnen abgegolten werden – anders wäre die Produktion von Sendungen von solcher Dichte, Qualität und Nachhaltigkeit wohl nicht möglich gewesen. Das Freie Radio Salzkammergut wurde für die PANGEA LINGUA Sendungen im Jänner 2015 mit dem 17. Radiopreis der Erwachsenenbildung in der Sparte "interaktive und experimentelle Produktionen" ausgezeichnet.

Die RedakteurInnen waren als ExpertInnen Teil des Radio-Teams. Sie haben das Radio als Werkzeug und Sprachrohr an die Öffentlichkeit kennengelernt, als niederschwelligen, offenen Ort zur Produktion für eigene Sendungen. Die Zusammenarbeit war essenziell für die Produktion von Audio-Sprachkursen, Gestaltungsfreiraum sollte jegliche Art der Umsetzung ermöglichen, die Sprachenvielfalt auch auf unkonventionellen, individuellen und kreativen Wegen darstellen.

Die Lehrenden wie auch die Lernenden sind alle Menschen aus der Nachbarschaft – mit ihren persönlichen Noten. Die Vermittlung der Sprachen und vielfältigen Themen ist verständlich, klar und hat keinen klassischen Schulcharakter. Das Radio stellt einen eher atypischen Lernort dar, wird oft spontan aufgedreht, die Aufmerksamkeit wird einzig auf das Hören gelenkt – ohne Bildschirm, ohne Lehrbuch. Durch Stimmen und Töne werden eigene Bilder, Vorstellungen und Reaktionen aktiviert, bislang Unbekanntes wird auch emotional aufgenommen, macht Lust auf Wissen. Die Sprachenlandschaft im Salzkammergut wurde nie zuvor so umfangreich und lebendig in Tondokumenten vor- und dargestellt.

Erstmals wurde eine regionale "Soap"-Fortsetzungsgeschichte entwickelt, die als Rückgrat Sprachen, Dialekte und Lernen in sich trägt.

Neue Erfahrungen wurden an der Nestroyschule mit dem klassenübergreifenden Arbeiten gemacht. Den Jugendlichen wurde klar, dass sie in der Lage sind eigenständig und eigenverantwortlich in der Medienlandschaft Zeichen zu setzen. Mit ihren Sprachen – neben Deutsch und Dialekt – haben sie etwas Eigenes geschaffen und damit der Gemeinschaft den damit verbundenen Mehrwert vermittelt. Durch das Bewusstwerden der eigenen Sprachpotenziale und diese gemeinsam öffentlich zu präsentieren haben sich die Kinder gestärkt und verbunden gefühlt.

In sämtlichen Beiträgen und Rubriken werden Sprachen und Kommunizieren in unterschiedlichen Sprachen positiv dargestellt. 160 MitarbeiterInnen haben in dieser Sendereihe ihre Sprachkompetenzen mit vielen persönlichen Geschichten verbunden und lebensnah präsentiert. So kam etwa das Thema "Zusammenhalt in der Familie" mehrmals zur Sprache, was Unterschiede (Umgang mit Kindern und Alten, Aufgaben von Frauen und Männern) oft relativiert und zum Denken anregt. Solidarität wird in den Sendungen nicht ausgesprochen, sondern ist selbstverständlich und unmittelbar. Sprachen wurden als Schlüssel dargestellt um neue Wege zu eröffnen.


PANGEA LINGUA Sendungen online:

Espris, Sendereihe Pangea Lingua, online unter: http://www.espris.at/category/sendungen/ (letzter Zugriff: 20.09.2016).

Freies Radio Salzkammergut, Sendereihe Pangea Lingua, online unter: http://www.freiesradio.at/content/espris-pangea-lingua (letzter Zugriff: 20.09.2016).

cultural broadcasting archive, Sendereihe Pangea Lingua, online unter: Chttps://cba.fro.at/series/pangea-lingua-auf-den-spuren-der-mehrsprachigkeit-im-salzkammergut (letzter Zugriff: 20.09.2016).

DOI: 10.21243/medienimpulse.2016.4.968

Tags

sprachen, radio, eu-projekt