Editorial

2/2016 - Internet und digitale Medien als sexualisierte Räume

Editorial 2/2016: Internet und digitale Medien als sexualisierte Räume

AutorInnen: Alessandro Barberi / Rosa Danner / Ruth Sonderegger

Editorial 2/2016

Visuelle Medien, heute wohl vor allem digitale Medien und das Internet, eröffnen sexualisierte Räume. Diese Räume existieren heute in mindestens dreierlei Form: als durch soziale bzw. digitale Medien veränderter Umgang mit Körper, Nacktheit, Sexualität und Begehren; als Webseiten mit pornografischen Inhalten (Filme, Bilder, Spiele, Apps, etc.); und schließlich als in sexuelle Praktiken integrierte digitale Kommunikation (z. B. Sexting, Cyber-Grooming, Sextortion, Grooming, Posing oder Rachepornos). Deshalb hat sich die Redaktion der MEDIENIMPULSE entschlossen, dem Thema der sexualisierten Räume im Internet und angesichts von digitalen Medien eine eigene Ausgabe zu widmen.

Denn diese sexualisierten Räume haben in den vergangenen Jahrzehnten Bilder, Diskurse, Fantasien und Praktiken sowie den Zugang zur Sexualität mitgeprägt. Damit einhergehend scheinen sich auch Praktiken der Sexualität drastisch verändert zu haben bzw. sich laufend zu verändern. Zumindest was Pornografie und Körperlichkeit betrifft, wird das immer wieder (mehr oder weniger reißerisch bzw. mehr oder weniger moralisierend) hervorgehoben; etwa, wenn von einer "(Selbst-)Pornografisierung der Gesellschaft" die Rede ist oder von einer "Generation Porno". Im Licht solcher Diagnosen ist neu zu diskutieren, wie sich Sexualitätsdiskurse an der Schnittstelle zwischen körperlicher und moralischer Erregung entfalten.

Wir möchten diesen Veränderungen in dieser Schwerpunktausgabe der MEDIENIMPULSE nachgehen, dabei jedoch den sexualisierten Raum der (Bewegt-)Bildmedien nicht auf Pornografie reduzieren. Interessant sind für uns vielmehr Fragestellungen und Diskurse rund um den Zusammenhang von Körper, Liebe, Sex und Pornografie im digitalen Zeitalter sowie dessen historische Entwicklungslinien. Wichtig erscheint uns auch, dass digitale Medien und das Internet zunehmend die Grenzen zwischen Öffentlichkeit und Privatem und damit das Sexualitätsdispositiv im Sinne Michel Foucaults verschieben. Etwa dadurch, dass Körperperformanz, Selbst-Bewertung, -Quantifizierung und -Ökonomisierung gerade auch in Hinsicht auf die sexuellen Dimensionen des Selbst und seiner "Sorge um sich" immer wichtiger werden. Vor diesem Hintergrund stellt sich auch die Frage, in welchem Ausmaß love-maps und andere Formen des sexuellen Kapitals wichtige Einsätze auf dem (Job-)Markt sind.

Vor allem aber ist es den MEDIENIMPULSEN in diesem Zusammenhang wichtig, dezidiert medienpädagogische Fragestellungen und Herausforderungen ins Zentrum zu stellen sowie emanzipatorische Chancen und Hürden in der medienpädagogischen Praxis zu diskutieren. Was neuere Forschungen zur medialen Sexualisierung/Pornografisierung der Gesellschaft betrifft, so standen der Redaktion der MEDIENIMPULSE auf allgemeiner Ebene folgende Fragestellungen vor Augen:

  • Was sind im Licht der oben beschriebenen Fragestellungen wichtige Seiten im www, Spiele, Apps?
  • Was sind die historischen Vorläufer und Entwicklungslinien dessen, was heute Pornografisierung der Gesellschaft genannt wird?
  • Welche Chancen bergen digitale Medien im Hinblick auf Diversifizierung und das Aufbrechen von sexuellen Normen? Werden neue sexuelle Praktiken generiert?
  • Was sind emanzipatorische, feministische, queere Potenziale des Internets als einem sexualisierten Raum?
  • Was können künstlerische Auseinandersetzungen mit Pornografie leisten?
  • Welche (historischen) Diskurslinien und Wertedebatten zu gefährlichen bzw. gefährdeten Subjekten lassen sich festmachen? Welche Subjekte werden rassialisiert und/oder altersspezifisch oder genderspezifisch ausgegrenzt?

Im expliziten Bezug auf die Medienpädagogik stellten wir vor allem folgende Fragen in den Raum:

  • Welche medienpädagogischen Projekte, Institutionen, Publikationen beschäftigen sich mit Sexualität und digitalen Medien?
  • Was ist der Beitrag von Kindergärten, Schulen und anderen Orten der Vermittlung zur Auseinandersetzung mit sexualisierten Räumen?
  • Welche Rolle spielen Sexualität und Medien(-kompetenz) in der (Fort-)Bildung von LehrerInnen, PädagogInnen oder in der sozialen Arbeit?
  • Wie findet Aufklärung (durch und über Pornografie) in Schulen und Bildungseinrichtungen statt?
  • Wie gehen Jugendliche mit sexualisierten Inhalten um? Was sind ihre UserInnen-Gewohnheiten, Selbstdarstellungspraxen, etc.?
  • Wie hängen Medienkompetenz und Sexualkompetenz zusammen? Und wie kann man vermeiden, diese Herausforderung auf Kinder und Jugendliche zu beschränken?

Ganz im Sinne unseres medienpädagogischen Schwerpunktthemas nimmt Rosa Danner sich deshalb vor, den pornografischen Film als "Volkshochschule der Sexualwissenschaft" (Gertrud Koch) zu begreifen, als einen Schauplatz von vergeschlechtlichten Identitätspolitiken und als Produktionsfeld körperlicher Resonanzen im (digitalen) Sexualitätsdispositiv. Dabei nimmt sie "pornotopische" Techniken und "Pornonormativitäten" von Mainstream-Hardcore-Pornos in den Blick und geht ihrer soziokulturellen Semiotik auf den Grund. Denn in den Körperstellungen, filmischen Schnittformen und Inszenierungen der Pornografie lässt sich der Umgang unserer Gesellschaft bzw. Kultur mit Sexualität punktgenau nachbuchstabieren. Dabei weist Danner mit allem Nachdruck darauf hin, dass seit den 1980er Jahren im Feld der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Pornografie eine mehr als breite Diskussion stattfand, die in direktem Zusammenhang mit der "Pornografisierung der Gesellschaft" zu sehen ist. Spätestens mit dem Erscheinen von Linda Williams' Buch "Hard Core" aus dem Jahr 1989 hat sich Schritt für Schritt eine differenzierte sozial-, medien- und kulturwissenschaftliche Forschungslandschaft der Porno-Studies entwickelt. Rosa Danner rekapituliert die entscheidenden Positionen in diesem Feld und gibt einen Aufriss der zentralen Herangehensweisen zum Phänomen der Pornografie. In einem zweiten Schritt fasst sie die prägnantesten Momente der genretypischen Medieninszenierung zusammen und versucht sie mit den Begriffen "Pornotopia" und "Pornonormativität" zu fassen. Zusammenfassend kann Pornografie allgemein als mediengeschichtliches Bezugssystem gesehen werden. Der pornografische Film ist dabei ein stark ausdifferenziertes Genre mit bestimmten Konventionen, aber keine stabile Kategorie. Pornografien sowie Porno-Studies sind mithin beide Teil des von Foucault beschriebenen Sexualitätsdispositivs und können selbst als Quelle unserer eigenen Sexualitätsgeschichte verstanden werden. So können pornografische Bewegtbild-Medien als kulturelle Phänomene in den Blick genommen werden, die fiktional, inszeniert, kulturell codiert und sozial hervorgebracht sind und gerade deshalb mit ihren ephemeren Inhalten einem ständigen Wandel des historischen Bezugsrahmens unterliegen. Wo geht's es also hier nach Pornotopia?

Dass dieser historische Bezugsrahmen nicht erst mit dem Pornofilm entstanden ist, zeigt die Untersuchung von Siegfried Mattl, der die Presse- und strafrechtliche Verfolgung 'unzüchtiger' Druckwerke zwischen 1900 und 1934 in Österreich untersucht und damit die sog. "Schmutz und Schund"-Literatur hinsichtlich ihrer staatlichen Sanktionierung als "Pornografie" vor Augen führt. Die minderen Geschwister der Freiheit sind mithin zahlreiche Publikationen dieser Zeit, in der Sexualität zum Gegenstand äußerst beliebter aber unter Verdacht gestellter Zeitschriften wurde. Dabei wird auch heute noch ersichtlich, wie das österreichische Sexualitätsdispositiv im fin de siécle entstand. So beginnen Mattls Analysen mit einem sexualisierten Ansichtskartenzyklus, dem vonseiten der staatlichen Zensoren "gröbliche und auf ein öffentliches Ärgernis erregende Art erfolgte Verletzung der Schamhaftigkeit" vorgeworfen wurde. Beschlagnahmungen und Verbote waren nicht nur in diesem Fall die Folge. Ein herausragendes Beispiel dafür, wie – durchaus im Sinne der Psychoanalyse Freuds – das Obszöne und das Pornografische als Kollision von individueller Wunschproduktion (Es) und gesellschaftlicher Moralsetzung (Über-Ich) gelesen werden kann. So betont Mattl, dass in gewisser Hinsicht Polizeibeamte und Staatsanwälte sich nur als Feldgendarmerie am Kriegsschauplatz der Sittlichkeit fühlen konnten, während es schon zu diesem Zeitpunkt den konservativen Parteien überlassen bleiben musste, juridisch eindeutigere Grundlagen für den Feldzug gegen das "unzüchtige" Schrifttum zu erarbeiten. Was als Pornografie galt, war also immer schon hoch politisch. Mattl betont deshalb, dass jenseits von Stil- und Geschmacksfragen die Macht eines diskreten Zusammenspiels bedarf, einer "symbiotischen Opposition" von ZensorIn und Zensurierten, die mit der Benennung des Verbots zugleich erst allgemein sichtbare Zeichen von kulturellen Normen initiiert. Man geht wohl nicht in die Irre, wenn man diesem Sexualitätsdispositiv attestiert, dass es maßgebliche Elemente der Bewahrpädagogik vorwegnimmt und auch heute noch präsent ist.

Johannes Sengelin stellt sich dann der Aufgabe, "Autopornografisierung" im Web 2.0 als massenkulturelle Praxis zu begreifen und greift dabei – wie die meisten AutorInnen dieser Schwerpunktausgabe – ebenfalls auf Michel Foucaults Konzept des Sexualitätsdispositivs zurück. Dabei beschreibt er die Verschiebungen und Überlagerungen der Machtregime über den Sex im Kontext der gegenwärtigen Umbruchsituation von massenmedialen Repräsentations- und Kommunikationsformen und fasst die medienpädagogische Auseinandersetzung damit luzide zusammen. Wie Rosa Danner geht Sengelin dabei vom Begriff "Pornotopia" – so auch der Titel eines hier diskutierten Buches von Paul Beatriz Preciado aus dem Jahr 2014 – aus und betont, dass in unserer Geschichte die Repräsentationstechniken des menschlichen Körpers immer schon mit der Inszenierung von Nacktheit und Sexualisierung verbunden waren. Ähnlich wie Siegfried Mattl hebt der Autor dabei hervor, dass Sexualität(en) mit den jeweils vorherrschenden Wertvorstellungen einer gegebenen Gesellschaft in Verbindung stehen bzw. kollidieren und so einen politischen Macht/Wissens-Komplex darstellen. Dabei sind Kategorien wie race, sex, gender oder class von eminenter Bedeutung, wenn es darum geht, die Körper und ihre Sexualität symbolisch zu besetzen. So kommt es nach Sengelin zu einer "Autopornografisierung" der Körper. Und so tritt der autopornografische Körper nicht nur als Wertschöpfungsquelle prekarisierter InternetsexarbeiterInnen auf, sondern wird zu einem zentralen Repräsentations- und Kommunikationsmittel speziell von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Wenn dabei die mediale Reformulierung kultureller Praktiken unter veränderten medialen Bedingungen Möglichkeiten bietet, Prozesse der De-Subjektivierung ins Rollen zu bringen, die heteronormative Sexualitäten herausfordern, dann liegt im aktiven Umgang mit Praktiken der "Autopornografisierung" die subversive Chance der Transformation in Richtung Anerkennung von vielfältigen und gleichberechtigten Sexualitäten und Genderexpressionen im Sinne der politischen Gleichheit aller Menschen. Um eine moralisch aufgeladene Debatte hinten anzustellen, schlägt Sengelin vor, sich der Thematiken der Sexualisierung und "Autopornografisierung" mit Preciados dystopisch bis futuristisch anmutendem Begriff des "pharmakopornografischen Regimes" in den Blick zu nehmen. Vor diesem Hintergrund müsste eine kritische Medienpädagogik, die in der Praxis konkret auszuarbeiten wäre, einen selbstbestimmten Umgang mit neuen Medien- und Selbstinszenierungstechniken ermöglichen, in denen kollektive Strategien ausgelotet werden können, die das aktuelle heterosexuelle Gender-Programming unterlaufen, um neuartige Subjektivierungs- und Fluchtlinien der Sexualität zu ermöglichen.

Die Frage nach der Politik des Sex bzw. nach dem Politischen der Sexualität wird auch von Stefanie Vasold gestellt, die zeigt, wie aktuell konservative Politik hemmungslos gegen die (sexuelle) Gleichheit polemisiert, um das Feld der sexuellen Bildung reaktionär zum Austragungsort gegen gesellschaftlichen Fortschritt werden zu lassen. Dabei geht die Autorin vom ministeriellen Erlass zur Sexualerziehung (September 2015) aus und analysiert die wütende Empörung christlich-fundamentalistischer, katholischer und anti-feministischer Kreise, welche die Publikation begleitete. Dabei waren sich diese Kreise einig, dass es um eine Zwangssexualisierung von Kindern und Jugendlichen ginge. Indes kann mit Nachdruck aus der Perspektive der Medienpädagogik konstatiert werden, dass Sex (in diesem Sexualitätsdispositiv) nach wie vor ein heikles Thema ist und vor allem Sexualität von Kindern und Jugendlichen ein Tabu geblieben ist. Sexuelle Aufklärung ist also immer noch vonnöten. Politisch betrachtet geht es aber gar nicht primär um Sexualität, sondern um die Codierung des politischen und gesellschaftlichen Feldes: Denn der Kampf gegen eine moderne Sexualerziehung richtet sich letztlich gesellschaftspolitisch gegen die Gleichstellung der Geschlechter und die Beseitigung der Diskriminierung Homo-, Inter- und Transsexueller. Deshalb treffen in dieser Frage politische Wertehaltungen aufeinander. Dass es aber letztlich in dieser Auseinandersetzung um die Gleichheit aller Menschen in ihren (sexuellen) Unterschieden geht, fällt so aus dem Gesichtskreis. Vasold betont abschließend, dass bei aller Aufregung zur Sexualerziehung an Österreichs Schulen medienpädagogisch festzustellen bleibt, dass diese, wenn überhaupt, sehr reduziert stattfindet und wenn, dann nur auf Initiative einzelner engagierter LehrerInnen. Wenn der Erlass mehr als ein neues Papier ohne praktische Ableitungen sein soll, braucht es mithin auch ein Mehr an Ressourcen. Meint man das Unterrichtsprinzip ernst, wird es einerseits in den pädagogischen Hochschulen und an den Universitäten entsprechende Aus- und Weiterbildung für PädagogInnen brauchen und andererseits finanzielle Mittel, mit denen die Schulen die angeregten projektbezogenen, interdisziplinären Projekte mit externen ExpertInnen auch tatsächlich umsetzen können.

An der Schnittstelle der Diskussionen zu Sexualpädagogik und/als Pornografisierung setzen auch Barbara Rothmüller und Paul Scheibelhofer an, um zu erörtern, welche Fragen sich für einen differenzierten (medien-)pädagogischen Zugang zum Thema Pornografie stellen. Denn in den letzten Jahrzehnten wächst angesichts unseres Schwerpunktthemas der Anspruch an eine zeitgemäße Sexualpädagogik, Kinder und Jugendliche vor negativen Auswirkungen von Pornografie zu schützen. Gleichzeit wurde – wie auch Stefanie Vasold andeutet – Sexualpädagogik historisch und aktuell oft mit dem (bewahrpädagogischen) Vorwurf konfrontiert, selbst pornografisch zu sein und SchülerInnen dadurch Schaden zuzufügen. Dieses widersprüchliche Verhältnis untersuchen die AutorInnen in einem ersten Schritt anhand der historischen Entwicklung der Sexualpädagogik und explizieren in der Folge anhand von drei Fallbeispielen aus dem deutschsprachigen Raum, wie diese Argumentation verwendet wird, um sexuelle Bildung zu diskreditieren. Denn, dass Pornografie-Vorwürfe gegen Sexualpädagogik nicht der Vergangenheit angehören, wurde eben zuletzt in Deutschland und Österreich im Rahmen massiver Widerstände gegen schulische Sexualpädagogik deutlich. Im aktuellen konservativen Diskurs wird Sexualpädagogik immer noch als Gefahrenquelle für Kinder dargestellt, die staatlich legitimiert hinter dem Rücken der Eltern an Schulen stattfindet. Demgegenüber betonen die AutorInnen die Notwendigkeit einer komplizierte(re)n Perspektive: Denn ForscherInnen sowie SexualpädagogInnen haben sich bereits gegen den abwertenden Diskurs sowie die darin aufgestellten (Falsch-)Behauptungen über sexualpädagogische Reformen gewendet und legitimieren sexuelle Bildung und Aufklärung mit dem vielfältigen Nutzen, den Kinder und Jugendliche aus einem offenen Umgang mit Sexualität und einer dementsprechenden (Medien-)Pädagogik ziehen können. Es scheint den AutorInnen deshalb produktiv zu sein, gegenüber einer zu einfachen Schwarz-Weiß-Malerei hinsichtlich Pornografie und Pornografisierung in Zukunft den Blick dafür zu schärfen, welche sexuellen Darstellungen, bei wem und warum, Ablehnung auslösen. Die Pluralität sexuell expliziter Darstellungen muss dabei aus medienpädagogischer Sicht mit den Rezeptionsweisen und kritischen Kompetenzen von Jugendlichen in ein richtiges Verhältnis gesetzt werden.

Zu solchen in diesem Sinne engagierten LehrerInnen gehört das Team um "Sextalks", einem Projekt der Abteilung Jugendpolitik des Bundesministeriums für Familien und Jugend (bmfj), das vom erfahrenen PsychologInnenteam Mag.a Elke Prochazka und Mag. Alexander Pummer entwickelt und durchgeführt wird. Dabei geht das Team (etwa in Workshops für Schulklassen bzw. außerschulische Jugendgruppen) konkret auf die Probleme der Heranwachsenden ein und weiß, wie man Kindern und Jugendlichen vor allem präventiv begegnen kann. Dabei wird – und dies ist medienpädagogisch von höchster Relevanz – mit dem sehr persönlichen Thema Sexualität äußerst sensibel umgegangen und eine vertrauensvolle Umgebung geschaffen, in der Kinder und Jugendliche (aber auch ihre Eltern) im eigenen Namen über Sexualität sprechen können. Unsere verdiente Redaktionsassistentin Katharina Kaiser-Müller hat deshalb Elke Prochazka zu einem Interview gebeten, das wir den LeserInnen der MEDIENIMPULSE hiermit präsentieren: Dabei geht es um die medienpädagogische Problemzonen Sexting, Sextortion, Grooming, Posing und Rachepornos, die ganz konkrete psychologische bzw. didaktische Praktiken eines klugen Umgangs mit ihnen nötig machen. So betont Prochazka, dass eine intelligente Form von Sexualaufklärung nach wie vor vonnöten ist und verweist auf wichtige Aufklärungs- und Beratungsseiten wie "Rat auf Draht", "feel-ok.at", "Sex, we can" oder "loveline", die auf unterschiedliche Art und Weise die medienpädagogische Möglichkeit schaffen über Sexualität medienvermittelt aufzuklären. In diesem Zusammenhang hebt die Psychologin hervor, dass es "den" jugendlichen Umgang mit Sexualität nicht gibt, da Kinder und Jugendliche in unterschiedlichen Zusammenhängen und sozioökonomischen Kontexten aufwachsen und so individuell betreut werden müssen. Dabei sind medienpädagogisch vor allem das Problem der Pornografie und der sexuellen Belästigung in digitalen Medien permanent auftauchende Gegenstandsfelder, sei es, dass Eltern nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, sei es, dass Kinder und Jugendliche die gesetzlichen Rahmen nicht kennen. Deshalb muss es möglich sein, über Sexualität direkt zu reden, ohne sie zu umschreiben. Es gilt, mit Eltern, Kindern und Jugendlichen offen alle diesbezüglichen Themen ansprechen zu können. Dabei ist es gerade im Bereich der Sexualität entscheidend, Kinder und Jugendliche nicht als "dumm" abzutun, wenn sie Fragen stellen.

Johanna Schaffer analysiert dann anhand von bemerkenswertem Bildmaterial wie kindliche Sexualität zwischen Lust und Verbot in unseren kapitalistischen Gesellschaften und ihren Ausbeutungs- und Besitzverhältnissen einem pädophilen Blick unterliegt, der Kinder zu asexuellen und gleichzeitig sexuellen Objekten macht, die ihrer Subjekthaftigkeit entkleidet sind. Dabei geht es ihr nachdrücklich darum, die Grenze von Zensur und sexueller Gewalt zu untersuchen und das queere visuelle (auch ästhetische und künstlerische) Handeln in einem Feld enormer gesellschaftlicher Ambivalenzen vor Augen zu führen. Die Autorin lenkt so den Blick auf die diskursive Konstruktion von Kindersexualität in literarischen und popkulturellen Produktionen. Kindersexualität kommt dabei in unserer (visuellen) Kultur einer öffentlichen Inszenierung von Pädophilie gleich, wie Schaffer anhand konkreter Beispiele (Brooke Shields) erläutert. Unsere Gesellschaft wird durchzogen von kindlicher Sexualität und der sexuellen Anziehungskraft der Kinder und verleugnet dies gleichzeitig auf allen Ebenen. Auch Schaffer schreibt ihren Text deshalb in die Fluchtlinie von Foucaults Konzept des Sexualitätsdispositivs ein, wenn sie betont, dass es permanente Anreize dafür gibt, über (kindliche) Sexualität zu sprechen bzw. sie zu zeigen. Verschwiegen wird dabei eigentlich nichts, denn es wird immer alles über den Sex gesagt bzw. vor Augen geführt. Gerade die Figur des unschuldigen Kindes wird so zur Projektionsfläche des Begehrens im Umfeld der pädophilen Fantasien einer ganzen/unserer Kultur. Dabei betont Schaffer, dass eine "queere performative Kraft" die Geschlechterrollen auch angesichts der kindlichen Sexualität unterwandern kann, indem ein queer-lesbisches Blickszenario die eingefahrenen Sichtbarkeiten aufbricht. Deshalb plädiert sie angesichts des gegenwärtigen Sexualitätsdispositivs für progressive, subversive Interventionen im Sinne einer queeren Performanz, welche die traditionellen Geschlechterrollen irriteren soll. Ein Vorschlag, der noch darauf wartet medienpädagogisch in die konkrete Unterrichtspraxis einzufließen.

Da jüngst ein lehrreicher Sammelband zu unserem Schwerpunktthema erschienen ist, hat die Redaktion der MEDIENIMPULSE sich diesmal entschlossen, auch eine Rezension in den Schwerpunktteil aufzunehmen. Wir haben Silke Graf darum gebeten, den von Josef Christian Aigner, Theo Hug, Martina Schuegraf und Angela Tillmann herausgegebenen Band "Medialisierung und Sexualisierung. Vom Umgang mit Körperlichkeit und Verkörperungsprozessen im Zuge der Digitalisierung" für unsere LeserInnen zusammenzufassen. Denn der aus einer thematisch einschlägigen Tagung entstandene Sammelband beschäftigt sich mittels kultur- und sozialwissenschaftlicher sowie medienpädagogischer Perspektiven differenziert mit Medien und deren Rolle in der hier mehrfach thematisierten "Pornografisierung der Gesellschaft". Deshalb ist diese Publikation von besonderem Interesse für MedienpädagogInnen. Der Sammelband beschäftigt sich auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Spannungsfeld der Medialisierung und Sexualisierung und analysiert Veränderungen im Bereich der Sexualität sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen. Ein besonderer Fokus wird dabei auf den Umgang mit Körperlichkeit und neuen Formen der Körperwahrnehmungen, -inszenierungen und -diskurse im Zuge der Digitalisierung gelegt. Wie Medialisierung mithin das Sexualitätsdispositiv transformiert wird so auf breiter Ebene sicht- und sagbar. Wer sich also im Sinne unseres Schwerpunkts mit heterosexuellem Porno- und Körper-Mainstream kritisch, vielfältig und interdisziplinär auseinandersetzen möchte und schon immer mehr über Sexting, Sporno und den Zusammenhang von Bildungslevel und Nacktbildern auf Profilseiten wissen wollte, wird mit diesem Band reichlich belohnt. Die Beiträge dieser Ausgabe der MEDIENIMPULSE finden sich so in diesem Band mehrfach gespiegelt, wodurch die Aktualität des Themas "Internet und digitale Medien als sexualisierte Räume" nur ein weiteres Mal unterstrichen wird.

In diesem Sinne ist auch Maria Aresins Review-Essay im Ressort Kultur/Kunst als Beitrag zu unserem Schwerpunkt zu verstehen. Sie hat den 2012 erschienenen und von Doris Guth und Elisabeth Priedl herausgegebenen Band "Bilder der Liebe. Liebe, Begehren und Geschlechterverhältnisse in der Kunst der Frühen Neuzeit" besprochen, der in Bielefeld bei transcript erschienen ist. Auch diese Liebesbilder sind Teil unseres abendländischen Archivs und unserer (medienarchäologischen) Sexualitätsgeschichte, wobei die Medien der Literatur – etwa das Buch – und der bildenden Kunst – etwa die Leinwand – im Zentrum stehen. Dabei legt die Rezensentin großes Augenmerk auf die bemerkenswerte Tatsache, dass nunmehr queertheoretische Forschung für die Liebesbilder in der Frühen Neuzeit und im Rahmen der historischen Forschung fruchtbar gemacht wurde. Die gleichgeschlechtlichen Beziehungen sowohl zwischen Männern als auch zwischen Frauen werden deshalb in gleich drei Beiträgen des Bandes thematisiert (Plackinger, Regan, Guth). Ein Wandel tritt auch nach Auffassung Aresins mit Foucaults Begriff des "Sexualitätsdispositivs" ein. In diesem Zusammenhang betonte Whitney Davis schon in den 1990er Jahren, dass es sich bei "gay and lesbian studies in art history" nicht um eine Methode handelt, sondern vielmehr um einen Gesichtspunkt der semiotischen oder psychoanalytischen Deutungsansätze. Der von Aresin rezensierte Sammelband macht so nicht nur auf das wechselseitige Abhängigkeitsverhältnis von Kunst und Liebe aufmerksam, sondern zeigt explizit Desiderate der Kunstgeschichte auf. Erste Lösungsansätze – etwa zur Beseitigung der vielfach von den AutorInnen kritisierten Geschlechterasymmetrien oder die Defizite im Bereich homoerotischer Darstellungen – werden so im Rahmen des Sammelbandes und auch der Rezension präsentiert. Insgesamt betont die Rezensentin, dass die Quellen zur Kunstgeschichte der Sexualität in der Frühen Neuzeit innerhalb ästhetischer Interpretationsansätze nicht neueren gendertheoretischen Ansätzen widersprechen müssen, sondern durchaus mit diesen vereinbar sind.

Des Weiteren sei auf die Fachtagung der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) hingewiesen: Mit "Liebe, Sex, Freundschaft und digitale Medien. Konzepte für die Jugendmedienarbeit" wird am 24. September 2016 in Bielefeld unser Schwerpunktthema äußerst kompetent weiter diskutiert. Denn auch hier werden Beziehungen und Sexualität von Jugendlichen angesichts der verstärkten medialen Aktivität zum Gegenstand der Diskussion; Pornografie und erotische Kommunikation gehören auch laut GMK zum Alltag vieler Jugendlicher. Cybermobbing in all seinen Facetten ist mithin als dunkle Seite der Beziehungshandlungen von Kindern und Jugendlichen bekannt und sollte medienpädagogisch reflektiert werden. Insgesamt bieten digitale Medien Chancen, aber auch neue Risiken, die pädagogisch aufgegriffen werden müssen. Machen sie sich also auf nach Bielefeld!

Aber auch die anderen Ressorts der MEDIENIMPULSE haben wieder Einiges zu bieten: So verlängern Christian Swertz, Katharina Mildner (Sontag), Christian Berger und Gerhard Scheidl im Ressort Forschung und in ihrem Bericht über das Projekt InMeLi (Entwicklung eines Instruments zur Erhebung und Reflexion der Medienkompetenz und des Medialen Habitus in Schulen) die langandauernden Diskussionen zur "Medienkompetenz" und unternehmen es im Sinne einer Theorie-Praxis-Transformation diesen für die Medienpädagogik entscheidenden Grundbegriff sowohl theoretisch (epistemologisch) als auch praktisch (sozialempirisch) anzureichern. Hatte Dieter Baacke mit seiner Habilitationsschrift "Kommunikation und Kompetenz" (1973) angesichts der Debatte zwischen Niklas Luhmann und Jürgen Habermas (1971) theoretisch einen breiten kommunikativen Kompetenzbegriff vorgeschlagen (er unterschied etwa zwischen Sprach-, Verhaltens- und Wahrnehmungskompetenz), so war dieser Kompetenzbegriff noch nicht sozialempirisch unterfüttert. Dies unternehmen indes die AutorInnen, indem sie im Sinne partizipativer Forschung die untersuchten Jugendlichen schon an der Erstellung der Fragebögen beteiligten, wodurch sie ohne theoretische Vorannahmen ihre Medienkompetenz unter Beweis stellen konnten. Dies auch ein Beitrag zur emanzipatorischen Medienpädagogik. Damit stellen (und beantworten) die AutorInnen auch die Frage, ob die Lebenswelt der (untersuchten) AkteurInnen der wissenschaftlichen Theorie entspricht. Im Beitrag wird daher vorgeschlagen, Medienkompetenz als Ordnungsbegriff zu verstehen. Dazu wird eine präskriptive, eine empirische und eine selektive Ordnung unterschieden. Mit einer induktiv-empirischen Untersuchung wird also demonstriert, dass ein sozialempirischer Beitrag zum Verständnis des Medienkompetenzbegriffs geleistet werden kann, mit dem zugleich eine epistemologische Kritik deduktiv-empirischer Ordnungen erreicht wird. Insgesamt wird gezeigt, dass ein medientheoretischer und/als medienpädagogischer Bezug auf aktuelle materielle Zeichenträger angesichts der Medienkompetenz zugleich problematisch und notwendig ist.

Und auch im Ressort Praxis ist wie immer ganz Praktisches für MedienpädagogInnen veröffentlicht: So thematisiert Christoph Kaindel das Phänomen Geocaching und lädt Lehrende wie Lernende ein, Jäger eines wertlosen Schatzes zu werden. Dabei schickt Kaindel die LeserInnen der MEDIENIMPULSE auf eine erfahrungsreiche Reise zwischen Digitalität und Natur und hält dabei ein Plädoyer für Medienpädagogik als Erlebnispädagogik. Insgesamt ist Geocaching leicht erklärt: Jemand versteckt einen Behälter, in dem sich – neben anderen interessanten Gegenständen – zumindest ein Logbuch befindet, an einem frei zugänglichen Ort und veröffentlicht mit GPS-Unterstützung die Koordinaten im Internet; andere machen sich dann auf die Suche, durchstreifen verschiedene urbane oder natürliche Räume und tragen sich nach dem Fund im Logbuch ein. Diese virtuelle Schatzsuche gibt es seit 15 Jahren und nahezu ebenso lange gibt es Konzepte zum Einsatz in pädagogischen Kontexten. Aber erst mit der Verbreitung GPS-fähiger Smartphones ist Geocaching nun ohne Einstiegshürden und ohne besondere Vorbereitung durchführbar. Machen Sie sich als LehrerInnen mit Ihren SchülerInnen also auf die Suche!

Und wie so oft liefern unsere KollegInnen vom wienXtra-medienzentrum einen herausragenden Beitrag zur Praxis der (handlungsorientierten) Medienpädagogik: Denn Michaela Anderle und Anu Pöyskö präsentieren die Ergebnisse einer österreichweiten Online-Umfrage und einer Analyse von Gesprächen mit Jugendlichen und JugendarbeiterInnen zum Einsatz von Medien in der österreichischen Jugendarbeit. Dabei ist "Screenagers International" ein von Erasmus+ gefördertes Projekt und hat die Zusammenarbeit von fünf Ländern in einer strategischen Partnerschaft ermöglicht. ProjektpartnerInnen aus der Jugendarbeit in Dänemark, Finnland, Irland, Nordirland und Österreich widmeten sich dem Themenkreis der digitalen Medien und untersuchten deren Einsatz und Stellenwert in der Jugendarbeit im jeweiligen Land. So bekommen die LeserInnen der MEDIENIMPULSE Antworten auf wichtige Fragen der Medienpädagogik: In welchem Ausmaß und wie setzen JugendarbeiterInnen digitale Medien ein? Welche Hindernisse für den Einsatz von digitalen Medien sehen JugendarbeiterInnen, welche Bedenken haben sie? Was fördert den Einsatz von digitalen Medien? Welche Chancen und Potenziale stecken in der Beschäftigung mit digitalen Medien? Wie profitieren Jugendliche davon? Wie profitiert Jugendarbeit davon? Lesen Sie die Antworten nach!

Im Ressort Bildung/Politik geht es dann wieder einmal um die wichtige Kampagne "Medienbildung jetzt!". Denn die GMK Landesgruppe Berlin und die LAG Medienarbeit Berlin hat Wahlprüfsteine zur Medienbildung für die Berliner Parteien zur Abgeordnetenhauswahl am 18.09.2016 aufgestellt. Matthias Specht (Sprecher der Landesgruppe Berlin-Brandenburg der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur e.V.) und Michael Lange (Vorstand Landesarbeitsgemeinschaft Medienarbeit e.V. Berlin) fassen die Diskussion zusammen und präsentieren die medienpädagogischen Fragen an die Parteien und die Forderungen, mit denen die Politik konfrontiert wurde. Am Mittwoch, den 29. Juni 2016, werden die Antworten der Parteien dann veröffentlicht und auf einer Veranstaltung in der Berliner Landeszentrale für politische Bildung mit PolitikerInnen und ExpertInnen diskutiert. Die MEDIENIMPULSE werden auch davon mit Sicherheit berichten ...

Auch Daniel Autenrieth behandelt Politisches angesichts einer bildungswissenschaftlichen Frage: Denn er untersucht Meinungsbildungsprozesse unter dem Einfluss digitaler Medien und deren Gefahrenpotenziale für demokratische Systeme. Er geht davon aus, dass digitale Medien wie Google oder Facebook mehr und mehr Einfluss auf Meinungsbildungsprozesse und/oder Wahlentscheidungen nehmen und veranschaulicht die Auswirkungen und die potenziellen Gefahren für die Demokratie. Dabei spielen zum einen die Wirkungsweisen von Medien im Allgemeinen und zum anderen, unter Zuhilfenahme neuer Studien, die Betrachtung sozialer Medien und Suchmaschinen eine eminente Rolle. Denn Menschen bilden sich anhand von Medientechnologien eine Meinung darüber, wie der Staat und die Gesellschaft, in der sie leben, ausgestaltet sein sollen und welche politischen Entscheidungen sie befürworten oder ablehnen. Diese freie individuelle Meinungsbildung ist eine Grundvoraussetzung für das Funktionieren einer Demokratie und deshalb für eine emanzipatorische Medienpädagogik von großer Relevanz. Auch und gerade für bildungsbenachteiligte Gruppen, die mit dem enormen Informationsaufkommen des Internets bereits heute überfordert sind, ist dies von großer demokratietheoretischer Bedeutung, so Autenrieth.

Es hat schon eine lange Tradition, dass unser verdienter Ressortleiter Thomas Ballhausen unsere LeserInnen über den aktuellen Buchmarkt informiert. Und daher sind es wieder viele Rezensionen, die auf Ihre Lektüre warten:

So rezensiert Christina Wintersteiger "Das Buch der Schurken. Die 100 genialsten Bösewichte der Weltliteratur" von Martin Thomas Pesl und präsentiert so ein unterhaltsames Sammelsurium der schlimmsten Schurken der Weltliteratur. In kompakter Form und mit Illustrationen von Kristof Kepler bebildert, bietet dieses Buch einen Rundgang durch das literarische Reich der Bösewichte. Der Ressortleiter selbst ist auch wieder dabei: Thomas Ballhausen bespricht das literarische Meisterwerk "The Sick Bag Song/Das Spucktütenlied" von Nick Cave und hebt hervor, dass dieses grandiose Langgedicht weit mehr ist als ein ungewöhnliches Tour-Tagebuch. Der Ausnahmekünstler Nick Cave at its best! Und Raffaela Rogy hat sich "Filmgespräche zum österreichischen Kino" von Karin Schiefer (mit Fotos von Lukas Beck) vorgenommen: Der Verlag Synema legt damit einen besonderen Gesprächsband vor, in dem österreichische RegisseurInnen aus Kurz-, Spiel- und Dokumentarfilm befragt werden und dabei unterhaltsame und zugleich spannende Anekdoten, Hintergrundwissen und Entstehungsgeschichten offenlegen. Da die Auseinandersetzung mit Medientechnologien für unsere Arbeit entscheidend ist, hat Bettina Schabschneider den Band "Media Technologies. Essays on Communication, Materiality, and Society" von Tarleton Gillespie, Pablo J. Boczkowski und Kirsten A. Foot eingehend analysiert. Im Rahmen dieses ambitionierten Sammelbands werden die mannigfaltigen Verhältnisse von Medientechnologie und Kommunikation(swissenschaft) in äußerst interessanter Weise neu gefasst. Und Raffaela Rogy arbeitete noch ein zweites Mal für uns: Ihre Rezension zu "Metapoietische Filme. Über das Filmemachen 'nach' Deleuze" von Ruth Benner macht wieder deutlich, wie wichtig und einleuchtend die Deleuzsche Filmtheorie (Zeitbild/Bewegungsbild) nach wie vor ist. Dass auch das universitäre Leben ganz anders sein könnte, hat das Black Mountain College nachdrücklich bewiesen: Deshalb erzählt uns Johanna Lenhart eine bemerkenswerte Geschichte: "Black Mountain: Ein interdisziplinäres Experiment 1933–1957" – von Eugen Blume, Matilda Felix, Gabriele Knapstein und Catherine Nichols herausgegeben – ist ein Dokument der amerikanischen Avantgarde, die ein "ideales College" gründete, das von erstaunlicher Produktivität gekennzeichnet war und medienpädagogisch nach wie vor als Vorbild dienen kann. Last but not least hat Wolfgang Neurath den letzten Wurf von Franco "Bifo" Berardi abgefangen: "Helden. Über Massenmord und Suizid" analysiert – auch angesichts des jüngsten homophoben Anschlags in Orlando – warum unsere Gesellschaften derart "negative Helden" produziert. Für "Bifo" sind sie ein Bodeneffekt des neoliberalen Semiokapitalismus ...

Zum Ende dieser Ausgabe hin wünschen wir uns noch, dass Sie einen Blick auf unsere Ankündigungen werfen. Denn die Bemühungen unserer Chefassistentin Katharina Kaiser-Müller sollten auch belohnt werden: Derzeit stehen mehrere Call for Papers im Raum: Reichen Sie doch für das Kasseler Dok Fest, für die video&filmtage, für den Ideenwettbewerb "Virtuelle Realität", für die fraMediale oder die Summer School 2016 ein! Besuchen sie die Ausstellung "Sex in Wien", fahren Sie zur GMW Tagung 2016 bzw. zur Bildungsmediale oder schreiben Sie noch schnell einen Beitrag für die Funkhaus-Anthologie!

Abschließend möchte das Team der Wiener Medienpädagogik die LeserInnen der MEDIENIMPULSE noch zur Herbsttagung der Sektion 12 – Medienpädagogik der DGfE und der Sektion Medienpädagogik der ÖFEB einladen, in deren Rahmen die "Konstitution der Medienpädagogik" (als Disziplin) zur Diskussion steht. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Uns bleibt nur, Ihnen interessante Lektüren im Sexualitätsdispositiv der MEDIENIMPULSE zu wünschen. Lesen Sie weiter und blättern/klicken Sie rein. Wir freuen uns über jeden Zugriff …

Es grüßen Sie herzlich im Namen der ganzen Redaktion,

Alessandro Barberi, Rosa Danner und Ruth Sonderegger

P.S.: Dem Thema gemäß haben die HerausgeberInnen, die Herausgeber_innen, die Herausgeber*innen sich im Sinne einer queeren Diskursstrategie entschlossen, im Rahmen dieser Schwerpunktausgabe jede skripturale Form des Genderns so zu belassen, wie die AutorInnen, die Autor_innen, die Autor*innen es in ihren Texten umgesetzt haben. Dies als Information für die LeserInnen, die Leser_innen, die Leser*innen ...

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