Schwerpunkt

1/2016 - Printmedien in Österreich

Abgehoben: Medienkonzentration in Österreich

Die Big Player: ORF, Mediaprint, Styria und lokale Kaiser dominieren weiterhin den Medienmarkt

AutorIn: Thomas Kvicala

Thomas Kvicala bietet den LeserInnen der MEDIENIMPULSE einen Crashkurs in österreichischer Medienkonzentration und ordnet die österreichischen Printmedien in eine Hierarchie der mächtigsten Medienträger ein. So ergibt sich ein rasantes Bild der Medienlandschaft ...

1. ORF

Reiht man die großen Medienhäuser Österreichs nach ihrem Umsatz, so heben sich die drei Spitzenreiter ORF, Mediaprint, Styria Media Group deutlich vom Rest ab. Innerhalb der größten Medienhäuser wiederum kommt dem ORF nach einer Analyse der Tageszeitung "Der Standard"[1] eine Sonderstellung zu: Nach konsolidierten Konzernumsätzen (und einer Schätzung) ist er in etwa so groß wie die vier größten Verlage zusammen. Dies liefert auch einen guten Einblick in die derzeitige Lage der Printmedien.

Grafik: Medienhäuser nach Umsatz in Mio. Euro,
Quelle: Der Standard

Die Dominanz des ORF zeigt sich nur im Vergleich mit den anderen Medienhäusern, sondern auch im Vergleich der Radio- und TV-Marktanteile: 2015 verbrachten die ÖsterreicherInnen ein Drittel ihrer gesamten TV-Nutzungszeit vor den beiden Programmen ORF eins und ORF 2.[2] Die beiden Hauptprogramme erreichten beim österreichischen TV-Publikum ab 12 Jahren einen durchschnittlichen Marktanteil von 33,2 Prozent (ORF eins mit 11,8, ORF 2 mit 21,4).

Der stärkste Mitbewerber war 2015 PRO7 mit 5,2 Prozent Marktanteil, gefolgt von RTL mit 5,0, SAT.1 mit 4,6, ZDF mit 4,2, VOX mit 4,1, PULS 4 und ARD mit jeweils 3,1, ATV mit 2,7 und Kabel 1 mit 2,5 Prozent. Unter den weiteren österreichischen Mitbewerbern verzeichnete Servus TV einen Marktanteil von 1,7 Prozent, ATV2 kam auf 0,6 Prozent Marktanteil.

In Radio zeigt sich die Dominanz des ORF noch prägnanter: Ö 3, Österreich 1, die ORF-Regionalradios und FM 4 erreichten im zweiten Halbjahr 2015 weiterhin einen hohen einen Marktanteil von 72 Prozent in der Altersgruppe 10+.

2. Mediaprint

Mit deutlichem Abstand folgt im Umsatzranking die Mediaprint, der gemeinsame Verlag (Druck, Vertrieb, Anzeigen) von Österreichs größter Tageszeitung Kronen Zeitung mit 32,2 Prozent Reichweite laut Media-Analyse und dem Kurier. Sie dominiert vor allem den ostösterreichischen Zeitungsmarkt. Die Mediaprint ist unter anderem beteiligt an: krone.at, kurier.at, der Verlagsgruppe News, dem RTL-Vermarkter IP Austria, Krone Hit (Radio) und dem Wiener Bezirksblatt. Rein familiär ist Österreichs größte Zeitung Krone mit der reichweitenstärksten Zeitung Wiens, der Gratis-Tageszeitung Heute verbunden: Heute-Herausgeberin Eva Dichand ist mit dem Krone-Herausgeber Christoph Dichand verheiratet.

3. Styria Media Group

Die Nummer drei der größten Medienhäuser dominiert wiederum den Süden Österreichs. Im Besitz einer katholischen Stiftung stehend, dominiert die Styria Media Group Kärnten und Steiermark.  Ihr Flaggschiff ist die Kleine Zeitung, die in beiden Bundesländern mit je über 50 Prozent Reichweite Marktführer ist. Zur Styria zählen aber auch die Tageszeitung Die Presse, das Wirtschaftsblatt, die Radios Antenne Steiermark und Kärnten oder Magazine wie die Wienerin.

Grafik: Medienhäuser nach Mitarbeitern,
Quelle: Der Standard.

3. Sky Österreich

Auf Platz vier folgt mittlerweile Sky Österreich, eine Tochter von Rupert Murdochs Pay-TV – noch vor dem Privat-TV-Vermarkter ProSiebenSat.1Puls4. Diese ist wiederum ein Tochterunternehmen der Münchner ProSiebenSat.1 mit österreichischen Programm- und Werbefenstern in diesen deutschen Programmen sowie dem österreichischen Sender Puls4.

4. Russmedia

Danach folgt das regional wohl dominanteste Medienhaus:  Russmedia. Es dominiert Vorarlberg wie kein Medienhaus ein anderes Bundesland und steht im Eigentum der Privatstiftung von Verleger Eugen Russ. Mit seinen beiden regionalen Tageszeitungen Vorarlberger Nachrichten und Neue Vorarlberger Tageszeitung erreicht Russmedia 53,8 Prozent Reichweite im Bundesland. Antenne Vorarlberg, Vorarlberg Online sowie eine Beteiligung an Radio Arabella gehören ebenfalls zum Medienhaus.

5. Weitere

Überregionale Bedeutung hat die Moser Holding durch ihren Gratis-Zeitungsring RMA. Regional beherrscht Moser den Tiroler Druckmedienmarkt (Tiroler Tageszeitung, TT kompakt). Weitere lokale Medien-Kaiser sind die Wimmer Holding (u.a. Oberösterreichische Nachrichten, in Besitz der Privatstiftung Cuturi), das Niederösterreichische Pressehaus mit den Niederösterreichischen Nachrichten (im Eigentum der Diözese St. Pölten, Pressverein und Raiffeisen) und die SN-Gruppe der Familien Dasch und Kaindl-Hönig (Salzburger Nachrichten).

Der Magazinmarkt wird wiederum von der News-Gruppe beherrscht: Sie gibt unter anderem alle politischen Wochenmagazin des Landes heraus (profil, News, etc.). An ihr ist neben dem deutschen Mehrheitseigentümer Gruner+Jahr der Kurier und die Familie Fellner (Mediengruppe Österreich) beteiligt. Die Mediengruppe Österreich gibt neben der Gratis-Tageszeitung Österreich Magazine wie Madonna heraus und betreibt oe24.at.

Und schließlich ist auch der Markt der Nachrichtenagenturen in Österreich von einem Player dominiert: Der Austria Presse Agentur APA. Sie ist eine Genossenschaft des ORF und aller wesentlichen Tageszeitungen mit Ausnahme von Krone und Heute.


Anmerkungen

[1] Österreichs größte Medienhäuser 2015 – die STANDARD-Übersicht, online unter: derstandard.at/2000018063748/Oesterreichs-groesste-Medienhaeuser-2015-die-STANDARD-Uebersicht (letzter Zugriff 15.03.2016)

[2] http://mediaresearch.orf.at/index2.htm?fernsehen/fernsehen_ma.htm (letzter Zugriff 15.03.2016)

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medien in österreich, medienkonzentration, printmedien