Editorial

4/2015 - Medienbildung im Kontext der "PädagogInnenbildung NEU"/Teil 2

Editorial 4/2015: Medienbildung im Kontext der "PädagogInnenbildung NEU"/Teil 2

AutorInnen: Alessandro Barberi / Christian Berger / Christian Swertz

Editorial 4/2015

2012 hat die Redaktion der MEDIENIMPULSE eingehend die Rolle der Medienbildung im Kontext der "PädagogInnenbildung NEU" als Schwerpunktthema behandelt. Nun startete im September 2015 die Ausbildung der PrimarstufenlehrerInnen auf Basis der neuen Curricula, wobei es regionale Unterschiede gibt. Die Diskurse zu den Curricula der LehrerInnenausbildung in der Sekundarstufe sind voll im Laufen.

Dabei spielt die Medienpädagogik im Rahmen dieser Diskussionen nach wie vor eine eher untergeordnete Rolle, weshalb sich die Ausgabe 4/2015 der MEDIENIMPULSE erneut als ein praktisch unterstütztes Plädoyer für die stärkere Berücksichtigung und intensivere Diskussion der Medienpädagogik im Rahmen der PädagogInnenbildung NEU verstehen will. Und so hat die Redaktion der MEDIENIMPULSE dazu eingeladen, für den Schwerpunkt der Ausgabe 4/2015 "PädagogInnenbildung NEU"/Teil 2 Beiträge zu folgenden Fragestellungen einzureichen:

  • Welche Bedeutung hat Medienpädagogik im Rahmen der neuen Ausbildung für PrimarstufenlehrerInnen?
  • Gibt es konkrete Vorgaben in Bezug auf Medienpädagogik in den neuen Curricula zur Ausbildung der PrimarstufenlehrerInnen?
  • Gibt es Maßnahmen in der Personalentwicklung im Hinblick auf Steigerung der Medienkompetenz der Lehrenden an Universitäten und Pädagogischen Hochschulen?
  • Gibt es Maßnahmen zur verbesserten Integration medienpädagogischer Fragestellungen im Rahmen der angebotenen Seminare, Übungen und Vorlesungen?
  • Gibt es im Rahmen der LehrerInnenausbildung an Universitäten und Pädagogischen Hochschulen medienpädagogische Schwerpunktsetzungen oder Projekte?

In diesem Zusammenhang ist zu betonen, dass die Curricula für die Lehramtsausbildung der Sekundarstufe mit Oktober 2016 in Kraft treten und für mehrere Jahre den formgebenden Rahmen für die Lehramtsausbildung bilden werden.

Gerade deshalb hat die E-Learning-Strategiegruppe der österreichischen Pädagogischen Hochschulen (PHELS) als Kollektiv aus 12 AutorInnen die aktuell vorliegenden Curricula und Curriculaentwürfe der Sekundarstufe Allgemeinbildung in den vier Verbundregionen (Süd-Ost; Nord-Ost; Mitte; West) für die MEDIENIMPULSE einer kritischen Analyse hinsichtlich Medienbildung und digitaler Kompetenzen unterzogen. Dabei betont das AutorInnenkollektiv, dass sich durch die PädagogInnenbildung NEU derzeit die Chance eröffnet, österreichweit in den vier Verbundregionen in Kooperation zwischen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen die Lehramtsausbildung für alle Schulstufen und Schultypen zukunftsweisend zu reformieren. Zu den Ansprüchen an das neue Studium gehört es deshalb auch, dass es künftige LehrerInnen an die Schulen entsendet, die neben ihrer fachlichen Expertise mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen und Entwicklungen adäquat umgehen können. Die rasant voranschreitende Technologisierung und Digitalisierung unserer Gesellschaft gehört im Sinne der Medienkompetenz zweifelsohne zu diesen Herausforderungen. Das AutorInnenkollektiv betont dabei mit Nachdruck, das bis dato die historische Chance vertan wurde, Medienbildung systematisch in der LehrerInnenausbildung und damit in den Schulen zu verankern. Deshalb bündelt die E-Learning-Strategiegruppe ihre Kritik in vier Forderungen:

  1. Module aus der Studieneingangsphase müssen hinsichtlich Medienbildung, digitaler Technologien und persönlichem Wissensmanagement überarbeitet werden,
  2. Module aus dem Bereich Allgemeine Bildungswissenschaftliche Grundlagen mit mediendidaktischen Inhalten, Kompetenzen und Zielen müssen ergänzt werden,
  3. Medienpädagogik muss als wesentliche pädagogische Teildisziplin explizit als Pflichtbestandteil verankert werden, und
  4. es muss für eine durchgängige, nachhaltige und kohärente Medienbildung stärker als bisher für entsprechende Angebote auch in den Curricula aller Fachdidaktiken gesorgt werden.

In diese medienpädagogische Kerbe schlägt dann auch Christian Swertz, wenn er anhand von vier Curricula, die erneut für die vier österreichischen Verbundregionen und Cluster (Süd-Ost; Nord-Ost; Mitte; West) stehen, betont, dass Medien für Erziehung und Unterricht notwendig sowie in der Lebenswelt, in der Politik und der Ökonomie sehr relevant sind. Daher wäre im Grunde zu erwarten, dass Medien in den Curricula für die Lehramtsausbildung im Sekundarbereich auch an zentraler Stelle vorkommen. Dies ist aber keineswegs der Fall wie Swertz betont, wenn er die Curricula mit einem quantitativen inhaltsanalytischen Verfahren untersucht. In diesem Sinne nimmt Swertz die Gesamtheit aller curricularen Sätze, in denen Medien vorkommen zur empirischen Grundlage (s)einer Satz-Analyse. Dabei geht es Swertz im konkreten Fall nicht um die Frage der Wirksamkeit von Curricula, sondern um Curricula als Ausdruck von Haltungen und Einstellungen relevanter bildungspolitischer AkteurInnen. Die Relevanz von Medien für die pädagogische Praxis, für die Lebenswelt der Menschen in Österreich, in der Politik und der Ökonomie spiegelt sich in den Curricula für die Lehramtsausbildung nur rudimentär und eingeschränkt wieder. Dass Medienpädagogik kaum vorkommt, ist dabei wenig überraschend; schließlich handelt sich nicht um ein Unterrichtsfach, so Swertz. Aber auch der Erwerb von Medienkompetenz oder die Fähigkeit zur Vermittlung von Medienkompetenz kommen in den Curricula kaum vor. Ähnliches gilt für Mediendidaktik. Die ohnehin schon seltenen Nennungen sind dabei häufig als irrelevant einzuschätzen, weil die Nennung in Unterauflistungen vorkommt, und damit eine nur geringe Verbindlichkeit für Lehrveranstaltungen hat. Die Ergebnisse zeigen mithin – worauf auch die E-Learning-Strategiegruppe mit ihrem Beitrag hinweist –, dass Medienpädagogik, Medienkompetenz und Mediendidaktik nur selten vorkommen und die meisten dieser ohnehin seltenen Vorkommnisse irrelevant sind. Die allgemeine Conclusio von Swertz ist deshalb: Wenn Lehramtsstudierende sich im Studium fachlich mit Medien beschäftigen, tun sie das, wenn überhaupt, nur am Rande und das dann auch noch oberflächlich.

Dieser Analyse entsprechend haben Christian Swertz und Christian Berger im Dezember 2015 ein Interview mit dem Vorsitzenden des Qualitätssicherungsrats zur Verankerung der Medienpädagogik in den Curricula der PädagogInnenbildung NEU, Univ. Prof. Mag. Dr. habil. Andreas Schnider, geführt. Wir präsentieren eine Abschrift dieses Interviews, dass auf mehreren Ebenen die anderen Schwerpunktbeiträge schneidet. Denn Schnider betont, dass ihm – und damit dem Qualitätssicherungsrat – vor allem eine Aufgabe wichtig ist: der Umgang mit Medien. Insofern muss Schule nach Schnider ein offenes System darstellen, in dem alle Medien in den Schulalltag integriert werden. Deshalb plädiert der Vorsitzende des Qualitätssicherungsrats auch nachdrücklich dafür, dass LehrerInnen angesichts der Debatten zur Medienkompetenz die Medienpädagogik zumindest Ernst nehmen. Deshalb erläutert Schnider für die LeserInnen der MEDIENIMPULSE u. a. die vier Aufgaben des Qualitätssicherungsrates:

Der Qualitätssicherungsrat soll

  1. die Institutionen und die Ministerien beraten und dabei helfen, Gesetze zu implementieren,
  2. die Curricula dahingehend überprüfen, ob sie gesetzeskonform sind und die inhaltlichen Dimensionen von 4 Säulen abdecken. (Diese vier Säulen sind die Fachwissenschaften und die Künste, die Berufsbildung, die Fachdidaktik, die Bildungswissenschaften und die pädagogisch praktischen Studien),
  3. Stellungnahmen zu den Curricula abgeben. (Diese Stellungnahmen werden in engem Kontakt mit externen ausländischen GutachterInnen, mit den StakeholderInnen im Land und mit den Institutionen vor Ort durchgeführt), und
  4. garantieren, dass Qualitätskriterien nicht nur von außen auferlegt werden, sondern es mit ihnen zu einer Implementierung von Medienpädagogik im Inneren der Institutionen kommt.

Schnider betont deshalb als Vorsitzender, dass der Qualitätssicherungsrat im Grunde nur eine temporäre Institution ist. Denn wenn die Aufgaben, die jetzt ein Stück weit von außen begleitet werden, von den Einrichtungen selber übernommen werden, dann würde sich ein solches Gremium erübrigen. Dennoch ist der Qualitätssicherungsrat im Moment ein wichtiges Kontrollorgan im Bereich der Medienpädagogik.

In diesem medienpädagogischen Zusammenhang betont dann Gesine Kulcke, dass die Entwicklung und Implementierung der Curricula partizipativ gestaltet werden sollte. Sie wirft angesichts der mit dem Beginn des aktuellen Studienjahrs eingeführten Curricula für die Ausbildung der PrimarstufenlehrerInnen die Frage auf, inwieweit diese Forderung nach (medienpädagogischer) Partizipation bereits umgesetzt wurde bzw. wie eine intensivere demokratiepolitische Entwicklung und Implementierung von Curricula möglich wäre. So geht sie davon aus, dass eine gestaltungsorientierte Bildungsforschung eine partizipative, bottom-up Implementierung und Weiterentwicklung bereits bestehender Curricula unterstützen könnte und damit auch eine stärkere Berücksichtigung der Medienpädagogik notwendig machen würde. Sie schlägt daher vor, dass in aufeinander aufbauenden Lehrangeboten die Grundlagen der Medienpädagogik, Medienentwicklungen und Medienwelten sowie Handlungsfelder der Medienpädagogik vermittelt werden soll(t)en. Daraus ergibt sich nach Kulcke – die hier auf Tulodziecki rekurriert –, dass die in der Theorie formulierte Forderung, dass zukünftige LehrerInnen neben eigenen Medienkompetenzen ein "Bewusstsein um die Bedeutung von Medien für Kinder und Jugendliche und deren Berücksichtigung bei medienpädagogischen Aktivitäten, die Medienverwendung für Lernen und Lehren, die Wahrnehmung von Erziehungs- und Bildungsaufgaben im Medienbereich sowie die Entwicklung medienpädagogischer Konzepte" entwickeln müssen (Tulodziecki 2012: 277). Ganz in diesem Sinne sollen SchülerInnen u. a. für eine aktive Teilhabe an Kommunikationsnetzen notwendige analytische Fähigkeiten entwickeln können, um ihre Medienkompetenz zu erhöhen. Kulcke plädiert insgesamt für eine Weiterentwicklung der jetzt auf Basis der PädagogInnenbildung NEU ausgearbeiteten Curricula bezüglich medienpädagogischer Inhalte. Dies nicht nur im Detail, sondern im Sinne einer Grundlage für eine subjektorientierte Weiterentwicklung von Curricula, die so auch ein Potenzial für die von Schiefner-Rohs geforderte "Kulturveränderung" entfalten können.

Und auch an der PH Oberösterreich wird die praktische Arbeit mit Medien betont, da sie in den schulischen und hochschulischen Curricula viel zu wenig präsent ist. Christian Kogler und Margit Steiner stimmen in den Chor dieser Schwerpunktausgabe ein, wenn sie die Verankerung der Medienpädagogik an der PH Oberösterreich diskutieren. Dabei geht es in Linz sowohl um die praktische Medienproduktion, als auch um die theoretische Reflexion von Medien. Bisher organisiert im Rahmen von Wahlpflichtfächern und Lernfeldern, erhalten Studierende so vor allem in zwei Schwerpunktbereichen Grundkenntnisse in der Video- und Radioproduktion: dem kompetenten Einsatz von Video und Audio in der Gestaltung des Unterrichtsablaufes (Tutorials, Triggervideos, Projektdokumentationen, etc.) und der kompetenten Anleitung und Organisation von Medienprojekten, die mit SchülerInnen durchgeführt werden können. So kooperiert die PHOÖ etwa mit dem Linzer Community-Radiosender Radio FRO (Freies Radio Oberösterreich) und mit Wired FM, einer von drei irischen Universitäten betriebenen Community-Radiostation in Limerick, Irland. Dabei betonen die AutorInnen, dass die Neugestaltung der Curricula im Rahmen von LehrerInnenbildung NEU in Österreich eine Umstellung der bisherigen Organisationsform bedingt, um die Verankerung der medienpädagogischen Angebote an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich auch in Zukunft zu ermöglichen. Insofern also eine gute Nachricht aus Oberösterreich: Denn u. a. ist ab dem 5. Semester die Medienpädagogik im Curriculum mit 24 ECTS-Punkten vertreten. Zusammenfassend betonen die AutorInnen, dass eine weit gefasste Definition von Medienpädagogik, die praktische Mediengestaltung und -reflexion integriert, in jeder LehrerInnenausbildung fixer Bestandteil sein sollte. Denn nur so kann Medienpädagogik auch in den Schulen jene Bedeutung erlangen, die demokratie- und gesellschaftspolitisch nötig ist.

Ganz im Sinne dieser medienpädagogischen Analysen hat die Redaktion der MEDIENIMPULSE die Studienrichtungsvertretung des Instituts für Bildungswissenschaft der Universität Wien um ein Statement in Sachen LehrerInnenbildung NEU gebeten. Bernhard Lasser und Christian Treinen sind dieser Bitte nachgekommen und verlängern den Grundtenor aller Beiträge unserer Schwerpunktausgabe: Denn auch für Lasser und Treinen ist klar, dass die Bedeutung neuer Medien in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen ist und im Leben von SchülerInnen Medien immer häufiger eine wichtige Rolle spielen. Da mithin Medien und ihre Nutzung in der Schule in diesem Sinne behandelt werden sollen, ist es notwendig, auch in der universitären Bildung der LehrerInnen Medien und Medienpädagogik zum Inhalt zu machen. Darauf, so die Vertreter der StRV, wird zwar oberflächlich in der LehrerInnenbildung NEU Rücksicht genommen, dies aber äußerst mangelhaft. In diesem Sinne kommen die Autoren auf die Diskussionen zum Medialen Habitus zu sprechen und konstatieren mit Sven Kommer einen "Clash of Habitus", welcher eine Kommunikation über Medien zwischen LehrerInnen und SchülerInnen unmöglich machen kann. Unter diesen Voraussetzungen ist die Möglichkeit einer Medienbildung im Rahmen des Unterrichts stark erschwert. Will die Schule daher ihrer eigenen Rolle als Bildungsinstanz gerecht werden, dann muss sie sich auch mit neuen Medien und Medienkompetenz auseinandersetzen. Wenn SchülerInnen sich in unserer medialen Gesellschaft zurechtfinden sollen, dann ist es notwendig, dass sie Medienkompetenz erlangen, so Lasser und Treinen im Rekurs auf Dieter Baacke. Medienkompetenz kann aber nur vermittelt werden, wenn auch LehrerInnen sie besitzen.

Mit diesem politischen Statement rundet sich unsere Schwerpunktausgabe zur LehrerInnenbildung NEU ab. Aber auch in den anderen Ressorts haben wir Einiges zu bieten:

So gehen Katharina Mildner (Sontag) und Christian Swertz im Ressort Forschung der Frage nach inwiefern medienpädagogische Aktionsforschung reif für die medienpädagogische Praxis ist. Diese Frage beantworten die AutorInnen theoretisch und empirisch und plädieren dabei für die partizipativen Aspekte der medienpädagogischen Aktionsforschung. Hier geht es auf mehreren Ebenen um die Diskussionen zur Theorie-Praxis-Transformation zwischen Forschungs- und Unterrichtsmethoden. Dabei wird untersucht, ob die Relation von Forschung und Unterricht so gestaltet werden kann, dass zu souveränen Akten in solidarisch-libertären Gemeinschaften aufgefordert wird. Die Ergebnisse zeigen, dass dies – auch im Sinne einer nachdrücklichen Demokratietheorie – möglich und die Methode also medienpädagogisch relevant ist.

Den zweiten (englischsprachigen) Beitrag im Ressort Forschung haben Imre Szíjártó, László Borbás und Tibor Toth geliefert. Sie fragen nach den Verstehensstrategien mit denen Studierende bewegte Bilder erleben. Der Beitrag fasst dazu die Ergebnisse mehrerer Teilstudien zusammen. Mit diesen Studien haben die Autoren Daten zur Konstruktion von Bedeutung während des Konsums von Filmen, Fernsehprogrammen und Onlinevideos erhoben und Antworten auf folgende Fragen gesucht: Gibt es Unterschiede zwischen Studierenden, die Filmwissenschaft studieren, und anderen Studierenden? Welche Medienkompetenzlevel können bei Kindern identifiziert werden? Welche Entwicklungsaufgaben können identifiziert werden? Die Ergebnisse der Studien – so hoffen die Autoren – können dabei in die Entwicklung von Kompetenzen zur Wissenskonstruktion integriert werden. Sie hoffen, dass das so erhobene Wissen genutzt werden kann, um die Ausbildung in formalen Settings zu verbessern.

Unser verdienter Ressortleiter Christian Berger hat darüber hinaus auch das Ressort Praxis reich bestückt: So berichtet Christoph Kaindel von seinen Game Design Workshops mit Schulklassen. Dabei haben Schulklassen der 3. bis 8. Schulstufe teilgenommen, wobei die Gruppengrößen zwischen 17 und 24 SchülerInnen lagen. Und es hat sich wieder etwas getan im Urheberrecht, weshalb Angelika Guettl-Strahlhofer die Urheberrechtsnovelle vom 01.10.2015 kritisch diskutiert und medienpädagogisch Unklarheiten thematisiert. Das Digital Literacy bei Lehrenden und Lernenden gezielt gefördert werden muss, betont dann Christian F. Freisleben-Teutscher, der Methoden aus der Aktivierenden Medienpädagogik vorstellt. Last but not least diskutieren Elisabeth Neubacher und Manfred Gilbert Martin das Radio als roten Faden im Geschichteunterricht und berichten dabei von ihren medienpädagogischen Erfahrungen am BG/BORG Kirchdorf/Krems.

Explizit politisch werden MedienpädagogInnen (mit und in dem Ressort Bildung/Politik) wenn Christian Swertz dazu aufruft vor Überwachung zu warnen. Namhafte österreichische und deutsche MedienpädagogInnen haben zu den Vorschlägen, die die Bildungsreformkommission am 27.11.2015 veröffentlicht hat, eine Stellungnahme veröffentlicht, die von den MEDIENIMPULSEN hier im Wortlaut publiziert wird. Nicht weniger politisch (und ebenso mit dem Problem der Überwachung verbunden) ist Herbert Gnauers kritische Diskussion des Staatsschutzgesetzes, das der Autor mit unkontrollierte Kontrolle und mangelnder Verhältnismäßigkeit assoziiert. Andreas Büsch rundet dann das Ressort mit einer keineswegs rhetorischen Frage ab: "Digitale Bildung – quo vadis?". Im Rahmen einer medienpädagogischen Trendtagung suchte man nach Antworten auf diese Frage.

Auch im Ressort Kultur/Kunst finden sich diesmal drei Beiträge, die unsere verdiente Ressortleiterin Ruth Sonderegger zusammengestellt hat. Dabei berichtet Barbara Hornberger von einer Tagung mit dem Titel "Let me entertain you". Intensiv wurde hier das Verhältnis von Populärer Kultur und Bildung, das bis dato in den Sozial-, Kultur- und Medienwissenschaften immer noch viel zu unterrepräsentiert ist, diskutiert. Die Redaktion der MEDIENIMPULSE hat darüber hinaus Raffaela Rogy gebeten, den Moment an der Schwelle zu reflektieren. Der vorliegende Text basiert auf Rogys Masterarbeit "Bild-Schwellen. Über Kulturtechniken des Passiven in Orson Welles' Le procès" und auf weiteren Überlegungen, die sich während und nach Fertigstellung dieser Arbeit entwickelt haben. Und – wie versprochen – liefert Annette Krauss nun den zweiten Teil zu "To be hidden does not mean to be merely revealed", in dem sie mit Michel Foucault, Rosi Braidotti, Pierre Bourdieu und Joan Wallach Scott erneut die (pädagogische) Diskursivität des Körpers diskutiert ... Bodies that Matter sind also auch angesichts von pädagogischen Lernprozessen (Schlagwort: Hidden Curriculum) Körper mit diskursivem Gewicht.

Die erfahrenen LeserInnen der MEDIENIMPULSE können sich auch diesmal darauf verlassen, dass Thomas Ballhausen für sie den Buchmarkt gesichtet hat und erneut herausragende RezensentInnen gewinnen konnte: So legt er selbst mit einer Rezension von "Träume von Räumen" einen zentralen Text aus dem umfangreichen Œuvre Georges Perecs vor, der zuletzt 1990 als Übersetzung greifbar war. Der ursprünglich 1974 erschienene Band ist in mehrfacher Hinsicht wesentlich für das Verständnis Perecs und seiner literarisch-philosophischen Wunderwelt. Danach rezensiert Lucia Gotz Hannes Leidingers "Die BeDeutung der SelbstAuslöschung. Aspekte der Suizidproblematik in Österreich von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Zweiten Republik" und beleuchtet so verschiedenste Aspekte des Selbstmords in Österreich aus unterschiedlichen Perspektiven. Und wieder einmal handeln wir von Kafka-Comics: Denn – wie Johanna Lenhart berichtet – erschien soeben "Kafka" von David Zane Mairowitz u. Robert Crumb in einer Neuauflage. Raffaela Rogy diskutiert dann Valentina Torrados "Die Präsenz des Abjekten in der zeitgenössischen Kunstproduktion" und führt uns so in die Bereiche des Abwegigen. Und um dem Feminismus und der Frauengeschichte in der Medienpädagogik gebührenden Platz einzuräumen fasst Bettina Schabschneider den wunderbaren von Sybille Krämer herausgegebenen Band "Ada Lovelace. Die Pionierin der Computertechnik und ihre Nachfolgerinnen" zusammen.

Wie immer hat auch Katharina Kaiser-Müller eine stattliche Anzahl von Calls und Kurzberichten für Sie unter /Ankündigungen/ zusammengestellt.

Wir hoffen erneut, dass sie sich in den Weiten der MEDIENIMPULSE wohl fühlen. Wir hoffen auch, dass wir einige Inputs in Sachen PädagogInnenbildung NEU liefern konnten. Diskutieren Sie weiter und kommen Sie wieder bei uns vorbei ...

Es grüßen Sie im Namen der gesamten Redaktion

Alessandro Barberi, Christian Berger und Christian Swertz

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editorial, lehrerinnenbildung, curricula, rezensionen