Schwerpunkt

4/2015 - Medienbildung im Kontext der "PädagogInnenbildung NEU"/Teil 2

Die Medienbildung in der PädagogInnenbildung-neu.

Eine Analyse des Curriculums für die allgemeinen bildungswissenschaftlichen Grundlagen des Lehramts-Bachelorstudiums.

AutorInnen: Bernhard Lasser / Christian Treinen

Die Studienrichtungsvertretung Bildungswissenschaft (BIWI) fasst im Rahmen einer kurzen Stellungnahme die eigene Position zur PädagogInnenbildung Neu zusammen und präsentiert sie hier den LeserInnen der MEDIENIMPULSE …

Die Bedeutung neuer Medien ist in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen und im Leben von SchülerInnen spielen Medien immer häufiger eine wichtige Rolle. Dies hat auch bildungspolitische Reaktionen hervorgerufen.

"Angesichts der Herausforderung durch die elektronischen Medien muss sich die Schule verstärkt dem Auftrag stellen, an der Heranbildung kommunikationsfähiger und urteilsfähiger Menschen mitzuwirken, die Kreativität und die Freude an eigenen Schöpfungen anzuregen und sich im Sinne des Unterrichtsprinzips »Medienerziehung« um eine Förderung der Orientierung des Einzelnen in der Gesellschaft und der konstruktiv-kritischen Haltung gegenüber vermittelten Erfahrungen zu bemühen." (Bundesministerium für Bildung und Frauen 2012: 1)

Da die Medien und ihre Nutzung in der Schule in diesem Sinne behandelt werden sollen, ist es notwendig, auch in der universitären Bildung der LehrerInnen Medien und Medienpädagogik zum Inhalt zu machen. Auf dies wird in der neuen LehrerInnenbildung zwar Rücksicht genommen, aber äußerst mangelhaft umgesetzt.

In den Umgestaltungsprozessen des Lehramts im Rahmen der PädagogInnenbildung an der Universität Wien ist die Medienpädagogik nicht in großem Umfang verankert, jedoch wird in den "Studienzielen und Qualifikationsprofil" die sachgemäße Nutzung von aktuellen Unterrichtsmedien in einer Auflistung angeführt:

"Dazu gehören die Kenntnis zentraler fachdidaktischer Inhalte, Theorien, Entwicklungsperspektiven und Anwendungsbereiche, die Fähigkeit, Fachunterricht adressaten- und situationsgerecht unter Nutzung von aktuellen Unterrichtsmedien und -technologien zu planen, die Fähigkeit, den Leistungsstand von Lernenden zu diagnostizieren und Maßnahmen zur individuellen Unterstützung von Lernprozessen einzusetzen." (Universität Wien 2014: 2)

In den allgemeinen bildungswissenschaftlichen Grundlagen kommt die Medienbildung nur in Modulen vor, die gewählt werden können (vgl. Universität Wien 2014: 7–9). Somit wird die Medienbildung eine nicht verpflichtende Querschnittsmaterie, die von Studierenden je nach Interesse und Angebot der Lehrveranstaltungen ausgesucht werden kann. Hier zeigt sich, dass es mit 36 ECTS in den allgemeinen bildungswissenschaftlichen Grundlagen nicht möglich ist, alle wichtigen Bereiche der bildungswissenschaftlichen Grundlagen für das Lehramt zu behandeln.

Marc Prensky bezieht eine klare Stellung, wenn es darum geht wie Medien zu verwenden sind und was seiner Meinung nach die größten Anforderungen an LehrerInnen sein werden. So schreibt Marc Prensky "It’s very serious, because the single biggest problem facing education today is that our Digital Immigrant instructors, who speak an outdated language (that of the pre-digital age), are struggling to teach a population that speaks an entirely new language." (Prensky 2001: 2)

Zwar spricht Prensky von der Digital Immigrant Population, jedoch kann man auch die Frage stellen, ob nicht auch die angehende LehrerInnen-Generation Verständigungsprobleme haben könnte, wenn sie ihren eigenen Medien-Habitus nicht reflektiert. Der Umstand, dass, wie bereits oben angeführt, Lehrveranstaltungen mit medienpädagogischer Thematik nicht besucht werden müssen, kann dazu führen, dass Impulse zur Reflexion des eigenen Umgangs mit Medien im Studium nicht oder nur wenig vorkommen. Die eigene Mediennutzung kann so im gewohnten Habitus bleiben und wird sich auch später in der Ausübung des LehrerInnen-Berufes wahrscheinlich nicht ändern. So schreibt Kommer:

"Treffen in der gesellschaftlichen Institution Schule möglicherweise in einem Dualismus Lehrpersonen–SchülerInnen Habitusformen aufeinander, die kaum aneinander anschlussfähig sind (solange dieser "Clash of Habitus" nicht reflexiv wird und beide Seiten in ihrer Illusio gefangen bleiben) und somit jegliche Medienbildung nicht nur erschweren, sondern geradezu unmöglich machen?" (Kommer 2013, o.s.)

Diese Verständigungsprobleme können sich demnach im sogenannten "Clash of Habitus" äußern, welcher eine Kommunikation über Medien zwischen LehrerInnen und SchülerInnen unmöglich machen kann. Unter diesen Voraussetzungen ist die Möglichkeit einer Medienbildung im Rahmen des Unterrichts stark erschwert. Laut Kommer sind (angehende) LehrerInnen, die aus einem bildungsbürgerlichen Habitus stammen, den neuen Medien zumeist ablehnend eingestellt (vgl. Kommer 2013, o.s.). Um dem entgegenzuwirken, ist es wichtig, dass medienpädagogischem Inhalt in der LehrerInnen-Ausbildung mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht wird. Dadurch können reflexive Denkprozesse angeregt werden, welche den angehenden LehrerInnen neue Handlungsmöglichkeiten aufzeigen können und sollen. So ist eine Reflexion der eigenen Mediennutzung der Lehrkräfte oft hilfreich, um die Mediennutzung der SchülerInnen zu verstehen. Dieses beidseitige Erlangen von Medienkompetenzen ist essenziell, um der gesellschaftlichen Rolle von neuen Medien gerecht zu werden.

In diesem Kontext schrieb Baacke, dass Medienkompetenzen jeder Person die Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen sollen. Die Vermittlung von Medienkompetenzen ist eine zentrale Aufgabe und jeder kann und soll diese erlernen. (vgl. Baacke 2007: 96f) Somit ist es auch ein demokratiepolitisches Interesse, dass alle SchülerInnen Medienkompetenzen erwerben.

Das Individuum soll befähigt werden mit den Möglichkeiten der Massenmedien und der neuen Technologien eigenständig umgehen zu können. Das Verstehen und das Zurechtfinden in der Medienwelt ist eine Voraussetzung der gesellschaftlichen Integration. (vgl. ebd.: 98)

Will die Schule ihrer eigenen Rolle als Bildungsinstanz gerecht werden, dann muss sie sich auch mit neuen Medien und Medienkompetenz auseinandersetzen. Wenn SchülerInnen sich in unserer medialen Gesellschaft zurechtfinden sollen, dann ist es notwendig, dass sie Medienkompetenz erlangen. Diese kann aber nur vermittelt werden, wenn auch LehrerInnen sie besitzen. Dazu ist es wichtig dies auch in der LehrerInnen-Ausbildung zu verfestigen.


Literatur

Bundesministerium für Bildung und Frauen (2012): Grundsatzerlass Medienbildung, online unter: https://www.bmbf.gv.at/ministerium/rs/2012_04.pdf?51oyce (letzter Zugriff: 17.12.2015).

Kommer, Sven (2013): Das Konzept des 'Medialen Habitus', online unter: http://medienimpulse.at/articles/view/602 (letzter Zugriff: 17.12.2015).

Universität Wien (2014): Allgemeines Curriculum für das Bachelorstudium zur Erlangung eines Lehramts im Bereich der Sekundarstufe (Allgemeinbildung) an der Universität Wien, online unter: https://studentpoint.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/studentpoint_2011/Curricula/Lehramt/Allgemeines_Curriculum_BA_Lehramt.pdf (letzter Zugriff: 17.12.2015).

Prensky, Marc (2001): Digital Natives, Digital Immigrants, online unter: http://www.marcprensky.com/writing/Prensky%20-%20Digital%20Natives,%20Digital%20Immigrants%20-%20Part1.pdf (letzter Zugriff: 17.12.2015).

Baacke, Dieter (2007): Medienpädagogik, Tübingen: Niemeyer.

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strv biwi, medienpädagogik, lehrerinnenbildung