Schwerpunkt

4/2015 - Medienbildung im Kontext der "PädagogInnenbildung NEU"/Teil 2

Medienarbeit an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich im Rahmen der LehrerInnenbildung Neu

AutorInnen: Christian Kogler / Margit Steiner

An der PH Oberösterreich wird die praktische Arbeit mit Medien betont, da sie in den schulischen und hochschulischen Curricula viel zu wenig präsent sind. Christian Kogler und Margit Steiner stimmen in den Chor dieser Schwerpunktausgabe ein …

Abstract

Der Beitrag stellt die Verankerung der Medienpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich vor.

The paper presents the status of media education in the curriculum for teacher education at the University of Applied Siences Oberösterreich.


Da sich die gesellschaftliche Bedeutung von Massenmedien noch nicht ausreichend in den schulischen und hochschulischen Curricula widerspiegelt, ist es der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich in Linz ein Anliegen, Studierenden aller Lehramtsstudien Erfahrungen mit praktischer Medienproduktion und theoretischer Reflexion zu ermöglichen. Bisher organisiert im Rahmen von Wahlpflichtfächern und Lernfeldern, erhalten Studierende Grundkenntnisse in der Video- und Radioproduktion vor allem in zwei Schwerpunktbereichen: dem kompetenten Einsatz von Video und Audio in der Gestaltung des Unterrichtsablaufes (Tutorials, Triggervideos, Projektdokumentationen, etc.) und der kompetenten Anleitung und Organisation von Medienprojekten, die mit SchülerInnen durchgeführt werden können.

Damit diese Arbeit auch eine mediale Außenwirkung hat, wurden zwei PH-Medienangebote ins Leben gerufen: PHTV und TERA FM (Teacher Education Radio Austria). Während PHTV vor allem in Kooperation mit der Stabstelle PR der Pädagogischen Hochschule Beiträge über Tagungen, Vorträge, etc. produziert und zum Beispiel Livebild-Projektionen für Veranstaltungen wie Akademische Feiern, Konzerte etc. bietet, führt TERA FM regelmäßig von Studierenden abgewickelte Live-Sendungen durch, die auch einzelne vorproduzierte Beiträge enthalten. Hierbei kooperiert die PHOÖ mit dem Linzer Community-Radiosender Radio FRO (Freies Radio Oberösterreich) und mit Wired FM, einer von drei irischen Universitäten betriebenen Community-Radiostation in Limerick, Irland. Eine Kooperation mit der Linzer Community-TV-Station DORF TV für PHTV ist gerade im Entstehen. Dies wird auch regelmäßige Sendungen im TV-Bereich leichter durchführbar machen. Die TERA FM-Sendungen können mittlerweile auch live in einem an der PHOÖ eingerichtetem Radiostudio abgewickelt und terrestrisch wie über Live-Stream empfangen werden. Die Sendungen werden im Anschluss über die PH-Website mit einer direkten Verknüpfung zum sogenannten "Cultural Broadcasting Archive" zum Nachhören angeboten (http://terafm.ph-ooe.at/service/medien/tera-fm.html).

Vor einigen Jahren entstand durch einen Besuch einer Delegation von Lehrenden der Oulu University of Applied Sciences aus Oulu, Finnland eine zusätzliche Kooperation, die zur Planung und Durchführung eines internationalen Video in Education-Festivals führte. Das Festival 2015 fand in der ersten Dezemberwoche statt. Sieben europäische Hochschulen und Universitäten aus sechs Ländern (Finnland, Schottland, Deutschland, Rumänien, Spanien und Österreich) nahmen daran teil.

Das Festival, genannt EDIT 2015, wurde als Nachfolgeveranstaltung der Vorjahresveranstaltung EDIT 2014 im Stile einer Hackathon-artigen Challenge durchgeführt, bei der die Studierenden der teilnehmenden Hochschulen und Universitäten in 72 Stunden Educational Videos produzieren, die von einer internationalen Jury bewertet werden. Am ersten Tag der Challenge werden abstrakte Begriffe bekanntgegeben, die in den produzierten Videos in irgendeiner Form enthalten sein müssen. Spätestens 72 Stunden später müssen die Videos auf einer Videoplattform veröffentlicht sein. Detailinformationen dazu finden sich auf http://edit2015.blogspot.fi. Die Videos müssen einen "Educational Value" haben und für ein internationales Publikum verständlich sein.

Im Anschluss an die EDIT 2014 wurde eine Erhebung durchgeführt, die zeigt, dass die Studierenden einen hohen Kompentenzzuwachs in der Produktion von Educational Videos erreichen konnten. Die Ergebnisse der Kurzstudie wurden auf internationaler Ebene im Rahmen des CIDREE Seminars "Video in Teacher Education" in Lyon präsentiert und im Netz publiziert (http://www.je-lks.org/ojs/index.php/Je-LKS_EN/article/view/1018/937). Eine erweiterte Fortsetzung der Studie im Anschluss an die während der Redaktion dieses Artikels gerade durchgeführten EDIT 2015 ist geplant.

Die Neugestaltung der Curricula im Rahmen von LehrerInnenbildung neu in Österreich bedingt eine Umstellung der bisherigen Organisationsform, um die Verankerung der medienpädagogischen Angebote an der Pädagogische Hochschulen Oberösterreich auch in Zukunft zu ermöglichen. Vonseiten der Leitungsgremien der Hochschule besteht ein klares Bekenntnis zur Wichtigkeit eines derartigen Angebotes im Rahmen der LehrerInnenausbildung.

Bezüglich der Primarstufenausbildung soll dies folgendermaßen verwirklicht werden:

  1. Vermittlung von Grundkenntnissen in praktischer Mediengestaltung in den Bereichen Video und Audio bereits in der Studieneingangsphase im Modul "Kommunikation und Medienpädagogik" im ersten und zweiten Semester
  2. Da davon ausgegangen werden kann, dass bei den sogenannten "Querschnittsthemen" nicht genau determiniert werden kann, in welchem Ausmaß sie in individuellen Lehrveranstaltungen Platz finden, Schaffung eines praktischen medienpädagogischen und mediengestalterischen Angebots im vierten und im fünften Semester im Rahmen des interdisziplinären Wahlpflichtmoduls (WPI) mit 3 ECTS (pro Studienjahr)
  3. Ab dem 5. Semester gibt es den 24 ECTS Schwerpunkt Medienpädagogik über vier Semester. Diesem Schwerpunkt zugeordnet ist eine "Schwerpunktpraxis" im 7. und im 8. Semester. Der Bereich der Pädagogisch Praktischen Studien bietet ein weiteres Modul mit 9 ECTS, um Medienpädagogik auch in der direkten Arbeit mit SchülerInnen umzusetzen. Es ist geplant, im 3. und im 4. Semester ein Wahlfach (= Freigegenstand) anzubieten, das im 8. Semester zum Schwerpunkt angerechnet werden kann. Der Schwerpunkt selbst umfasst im fachlichen Bereich 4 Module mit je 6 ECTS. Im Schwerpunkt werden ausgehend vom Thema der intensiven Nutzung und aktiven Gestaltung mit Hilfe digitaler Ressourcen auch die Auswirkungen der Arbeit mit digitalen Medien auf Erziehungs-, Sozialisations- und Bildungsprozesse in den Fokus genommen. Die Beschreibung des Schwerpunktes Medienpädagogik im Curriculum der Primarstufe der PH OÖ ist ab Seite 310 zu finden (http://ph-ooe.at/fileadmin/Daten_PHOOE/Ausbildung_APS/Unterlagen_ab_Juli15/CurriculumPrimarstufe_PHOOE_08.07.2015.pdf).
Die folgende Auflistung der Modultitel mit den dazugehörigen Lehrveranstaltungstiteln gibt einen Einblick in die fachlichen Bereiche des Schwerpunktes:
  • Modul 1: Kompetenter Umgang mit Medien
    Multimediaanwendungen 
    Datensicherheit
    Digitale Medien und Recht
    Assistierende Technologien
  • Modul 2: Kritischer Umgang mit Medien
    Mediendidaktik
    Mediennutzung
    Digitale Kommunikation
    Medien in der Gesellschaft
  • Modul 3: Motivierender Medieneinsatz
    Medientechnik
    Social Software
    Digitales Wissensmanagement
    Assistierende Technologien – Perfektionierung
  • Modul 4: Erfolgreiche Medienprojekte im Team
    Projekte erfolgreich planen und durchführen
    Digitale Lern- und Arbeitsumgebungen gestalten

Der Schwerpunkt Medienpädagogik ist am Standort Linz im Bereich des Primarstufenstudiums für die Learning outcomes kooperativ entwickelt worden. Die Konzeption der Module und Lehrveranstaltungen erfolgte dann in den einzelnen Teams unabhängig voneinander. Beide Pädagogischen Hochschulen bieten diesen Schwerpunkt an. Im Bereich der Sekundarstufe im Cluster Mitte wird Medienpädagogik in den Bildungswissenschaftlichen Grundlagen explizit ausgewiesen.

Durch die vielfältigen Angebote im Studium der Primarstufe kann sichergestellt werden, dass die Studierenden in diesem Bereich über Grundkenntnisse hinausgehend Kompetenzen in Video- und Audioproduktion mit Schwerpunktsetzung auf den Einsatz in Bildungsinstitutionen lernen können und im Rahmen der PH-Medienprodukte PHTV und TERA FM praktisch üben und umsetzen können.

Obwohl es durch digitale Techniken in vielen Bereichen Überschneidungen gibt, erscheint es hier wichtig, eine klarere Trennung in den Ausbildungsangeboten vorzunehmen und nicht davon auszugehen, dass Medienpädagogik zum Beispiel als fächerübergreifende Querschnittsmaterie eingelöst wäre, nur weil die Studierenden lernen, Office-Anwendungen zu verwenden und ein LMS-System wie z. B. Moodle zu verstehen. Unserer Einschätzung nach würden durch ein solches Verständnis medienpädagogisch relevante Bereiche aus der praktischen Umsetzung innerhalb der Curricula ausgeklammert. Die Notwendigkeit, dies zu diskutieren, wurde während der Erstellung der neuen Curricula deutlich. Das einzige offizielle Angebot zur Mediengestaltung im Rahmen der LehrerInnenbildung in Oberösterreich gibt es derzeit an der Kunstuniversität Linz. 12 (!) Studierende jährlich werden dort mit starkem künstlerischem Schwerpunkt (was auch starke Auswirkung auf das Auswahlverfahren der Studierenden hat) ausgebildet und an ca. vier Schulen eingesetzt. Darin ist eine gefährliche Unterbewertung der Rolle und des Einflusses der Massenmedien auf die Gesellschaft zu sehen.

Eine weit gefasste Definition von Medienpädagogik, die praktische Mediengestaltung und -reflexion integriert, sollte in jeder LehrerInnenausbildung fixer Bestandteil sein. Nur so kann Medienpädagogik auch in den Schulen jene Bedeutung erlangen, die demokratie- und gesellschaftspolitisch nötig ist.

Tags