Editorial

3/2015 - Handeln mit Symbolen

Editorial 3/2015: Handeln mit Symbolen

AutorInnen: Alessandro Barberi / Wolfgang B. Ruge

Editorial 3/2015

Editorial 3/2015: Handeln mit Symbolen

Die paradigmatische Unterscheidung zwischen Sozial- und Kulturwissenschaften, die spätestens seit den 1980er Jahren eingehend diskutiert wurde, lässt sich anhand des Bereichs des Symbolischen auf den Punkt bringen: Ist das Symbolische nur ein Effekt von sozialen, ökonomischen oder medialen Strukturen einer gegebenen Gesellschaft oder reproduzieren sich Strukturen nur durch die symbolischen Handlungen der AkteurInnen innerhalb einer gegebenen Kultur?

So hatte etwa der klassische "harte" Strukturalismus bei Claude Lévi-Strauss, Jacques Lacan und dem frühen Michel Foucault symbolische Ordnungen (und d. i. hier die Sprache) als eine unbewusst determinierende Voraussetzung von menschlicher Interaktion begriffen, woraufhin mit dem Post- bzw. Neostrukturalismus die Rückkehr der individuellen Äußerung, der parole, des speech acts (und d. i. hier das Sprechen), also der symbolischen Handlung in den Mittelpunkt rückte. Medienpädagogisch ist diese Unterscheidung gerade dann von Interesse, wenn es darum geht, wie Lehrende und Lernende sich zueinander verhalten, interagieren und dabei eben mit Symbolen handeln.

Insofern ist es bemerkenswert, dass – fast parallel zu Foucaults Unterscheidung von diskursiven und nicht-diskursiven Praktiken – auch Dieter Baacke 1973 von diskursiven und nicht-diskursiven Symbolen gesprochen hat. Denn – wie auch im Rahmen des "Symbolischen Interaktionismus" von George Herbert Mead argumentiert wurde – können Symbole nur im Rahmen einer gegebenen Diskursökonomie von AkteurInnen diskursiv ausgetauscht werden und konstituieren dabei Erfahrungen bzw. Wahrnehmungen und somit auch die soziale bzw. kulturelle Wirklichkeit. Insofern ist die Frage nach dem Symbolischen immer auch eine Frage nach den Möglichkeiten der Handlungstheorie (im Sinne Jürgen Habermas’) bzw. der Praxeologie (im Sinne Pierre Bourdieus).

Die Redaktion der MEDIENIMPULSE geht in diesem Zusammenhang theoretisch und praktisch von Entscheidungsimpulse setzenden AkteurInnen aus und möchte mit der hier veröffentlichten Ausgabe "Handeln mit Symbolen" explizit diskutieren, inwiefern AkteurInnen, AktorInnen oder AgentInnen in einer gegebenen Gesellschaft oder Kultur mit Symbolen handeln und damit praktisch soziale, ökonomische, kulturelle und mediale Strukturen – natürlich auch jene der Schule und des Unterrichts – reproduzieren. So ist das Thema "Handeln mit Symbolen" medienpädagogisch direkt mit der konkreten Unterrichtspraxis verbunden und soll die Diskussionen zur handlungsorientierten Medienpädagogik bereichern.

Deshalb standen für die Ausgabe 3/2015 der MEDIENIMPULSE insbesondere folgende Fragen am Beginn der Reise:

  • Wie lässt sich der Gegensatz von Sozial- und Kulturwissenschaft im Umfeld der Frage nach den menschlichen Symbolisierungen aus Sicht der Medienpädagogik genau argumentieren?
  • Wie lassen sich im Rahmen der Medienpädagogik Gegensätze wie Symbol/Wirklichkeit, Struktur/Handlung oder Kompetenz/Performanz mit Aktualitätsbezug diskutieren?
  • Wo spielte das Symbolische in der allgemeinen Wissenschaftsgeschichte eine Rolle (u .a. Strukturalismus/Post- bzw. Neostrukturalismus, Symbolischer Interaktionismus, Sozial-, Kultur- und Medienwissenschaft)?
  • Wie lässt sich die konkrete Unterrichtspraxis im Sinne des Symbolischen Interaktionismus beschreiben?
  • Inwiefern benötigt die handlungsorientierte Medienpädagogik einen geschärften Begriff des Symbolischen im Sinne des Sprach- und Zeichenproblems?

Am Anfang des Schwerpunktes steht dabei der Beitrag von Valentin Dander, welcher sich einer methodologischen Fundierung einer praxeologisch gewendeten Diskursanalyse widmet. Mit dieser, so Dander, könne das Medienhandeln der AkteurInnen im Digitalen Raum, das Datenhandeln, angemessen erfasst werden. In seiner Argumentation beginnt der Autor damit, die im Call-for-Papers genannte Differenz von Sozial- und Kulturwissenschaften kritisch zu hinterfragen und statt einer Opposition für eine Verbindung beider Forschungstraditionen zu plädieren. Dabei ist es Dander insbesondere darum zu tun, den Gegensatz von Diskurs/Symbol und Praxis/Handlung einzuebnen, um deutlich einer Praxeologie – auch im Sinne Bourdieus – das Wort zu reden. Als Bindeglied zwischen den Sozial- und Kulturwissenschaften sieht Dander die Kategorie der (performativen und symbolischen) Deutungsakte, die in beiden Kontexten eine hohe Bedeutung haben. In diesem Rahmen begreift Dander auch "Subjektivierungen" als symbolische, bedeutsame und damit machtvolle Ordnungen. Die Trennung zwischen Diskursen und Praxen löst er, Andreas Reckwitz folgend, zu einem Diskurs/Praxis-Komplex im Sinne des Dispositivbegriffs von Deleuze und Foucault auf und thematisiert dabei auch den widerständigen Eigensinn der Subjekte/Subjektivierungen. Im Folgenden argumentiert er deshalb der praxeologischen Diskursanalyse folgend, Digitale Daten sollten als Forschungsgegenstand der Medienpädagogik betrachtet werden. Praxeologisch gesehen ginge es jedoch weniger um Oberflächenstrukturen und den subjektiven Sinn, den die NutzerInnen diesen zuschreiben, sondern um ein Nachzeichnen der "wabernden Rahmungen […], in welchen möglicherweise so etwas wie subjektiver Eigensinn figurieren kann, der durch die Subjektivierung überhaupt erst denkbar wird". So würden die Einschränkungen individueller Handlungsmacht deutlich, auf die medienpädagogische Praxis reagieren müsse.

Subjekttheoretisch argumentiert auch Katharina Sontag in ihrem Beitrag zum symbolischen Tod des Subjekts anhand des gegenwärtigen "Flüchtlingsdiskurses". Der Sprach- und Subjektivierungstheorie Judith Butlers folgend, fragt sie nach dem Verhältnis zwischen Subjekt und Symbol. In der Butlerschen Theorie werde das Subjekt erst durch seine diskursive Anrufung und Be-Zeichnung (hier erinnert Sontag auch an Louis Althussers Anrufung/appelation) hervorgebracht: Es sei mithin ohne Sprache nicht denkbar. Erst durch einen symbolischen Signifizierungsprozess wird das Subjekt mit einem sprachlichen Zeichen, einem Symbol der Identität versehen, das ihm als Subjektivierung die Möglichkeit gibt einen (erneut symbolischen) Sprechakt zu setzen. Nur unter diesen symbolischen Bedingungen hat ein gegebenes (individuelles oder kollektives Subjekt) daher die Möglichkeit, sich im Diskurs gegen die ihm zugedachte Bezeichnung und Identifizierung zu wehren, um aufzubegehren. Wenn dieser Widerstand dem Subjekt allerdings verwehrt wird, also nur über und nicht mit ihm gesprochen werde, tritt – so Sontag – der symbolische Tod des Subjekts ein. Dabei ist der symbolische Tod kein biologischer, sondern ein diskursiv-sozialer. Das Subjekt wird dabei zum bloßen Zeichen, dessen sich die symbolisch noch lebenden Diskursteilnehmer unter Ausschluss des Bezeichneten bedienen würden. Diese These illustriert die Autorin eingehend am Beispiel des aktuellen Flüchtlingsdiskurses, in dem die namensgebenden "Flüchtlinge" kaum die Möglichkeiten haben, sich gegen die Adressierung als "Flüchtling" oder "Asylant" zu wehren, um so auch im Sinne politischer Partizipation an der eigenen "Symbolizität" nur geringfügig teilnehmen zu können. Diesen Adressierungen, so Sontag, sei gemeinsam, dass sie die Tatsache, dass es sich bei sog. "Flüchtlingen" um Menschen handle, in den Hintergrund stelle. Dementgegen will Sontag die verdeckten Rechte der "Flüchtlinge" durchaus im Sinne der Aufklärung zu Bewusstsein bringen und fordert so eine nachdrückliche Politisierung des "Flüchtlingsdiskurses".

Aus der Perspektive der hochschuldidaktischen Praxis argumentieren Julius Othmer und Andreas Weich. In ihrem Beitrag parallelisieren sie eine lern- und eine medientheoretische Lesart eines Planspiels. Als medientheoretische Reflexionsfolie fungiert die Zwei-Welten-Theorie Hartmut Winklers, welche unterschiedliche Qualitäten der symbolischen und materiellen Sphäre und ihre praktischen Verbindungen, die insbesondere in der Computertechnologie sichtbar würden, angemessen erfassen würde. Dabei können Medien in ihrer materiellen Widerständigkeit nicht zur Gänze dem Pol des Symbolischen zugeordnet werden, da sie als Gegenstände bzw. Objekte sich dem Symbolischen gerade entziehen. Und so wie die Beiträge von Dander und Sontag nähern sich Weich und Othmer daher dem Phänomen der Performativität, das per se mit der Frage nach dem Symbolischen verbunden ist. Dabei geht es vor allem darum, dass AkteurInnen Symbole und Zeichen dazu verwenden, in die Welt einzugreifen, um sie zu steuern und zu regeln. Als konkretes Fallbeispiel diskutieren die Autoren deshalb das Planspiel Holistic und dessen Einbindung in eine Lehrveranstaltung. In der Vorlesung wurden verschiedene Theorien, Modelle und Methoden zum ganzheitlichen Life-Cycle-Management vermittelt. Das didaktische Design der Vorlesung beruhte in erster Linie darauf, seitens der Lehrenden auf symbolischer Ebene durch Sprache, Schrift, Diagramme etc. Informationen zu kommunizieren, die von den Lernenden in ihre kognitiven Strukturen integriert werden sollen. Die vergleichende didaktische Lesart folgt Gabi Reinmanns Arbeiten zum didaktischen Design, aus welchem die Autoren eine pluralistische Lesart ableiten können, die eine Betrachtung des Planspiels aus den klassischen psychologischen Lerntheorien heraus erlaubt. Nicht zuletzt deshalb können die Autoren betonen, dass den Studierenden ein Möglichkeitsraum eröffnet wurde, in dem sie ihre Konstrukte im Hinblick auf "Symbolisches" und "Tatsächliches" erweitern, dekonstruieren und anschließend neu konstruieren konnten.

Eine weitere Praxisperspektive bietet Ursula Dopplinger in ihrem Beitrag. Zunächst begründet sie die hohe Relevanz von Medien mit einem Verweis auf die der kritischen Theorie folgenden Diagnosen zur Kulturindustrie. Diese verbindet sie in kritischer Absicht mit verschiedenen Zeichentheorien, um daran zu erinnern, dass das Symbolische und also die Zeichen nach Saussure dyadisch konzipiert wurden, indem zwischen Signifikant (Lautbild) und Signifikat (Vorstellung) ohne Rekurs auf den Gegenstand/das Objekt unterschieden wurde. Dem steht die pragmatistische Zeichentheorie von Peirce insofern entgegen, als sie zwischen Zeichen, Objekt und Interpretant triadisch unterschieden hat. Dabei kommt im Pragmatismus – einem Vorläufer des Symbolischen Interaktionismus – immer auch der Zeichengebrauch in Betracht, wodurch Symbole prinzipiell mit einer Handlungstheorie verbunden sind. Bedeutungen von Dingen und Situationen sind demnach als Grundlage von Handlungen zu verstehen. Sie sind – so Dopplinger – vom Menschen geschaffen und sind nicht konstant. Der Mensch gestaltet somit seine Umwelt selbst und er kann aus Situationen lernen. Eine Gesellschaft besteht darüber hinaus aus Gruppen von handelnden Personen. Diese wiederum bilden sich entlang von Handlungen aus. Um nun in einer Gruppe zusammenleben zu können, muss es zu Interaktionen zwischen den Mitgliedern kommen. Diese Interaktionen finden vielfach symbolisch statt, wobei sie vom Individuum ausgehen und nicht von Werten und Normen. Dabei ist die Sprache das entscheidende Symbolsystem menschlicher Kommunikation, weshalb sich auch aus der Perspektive der Handlungsorientierten Medienpädagogik eine Neusichtung der Arbeiten von G. H. Mead empfiehlt. Denn sein Symbolischer Interaktionismus – so die folgende Argumentation – biete auch eine ädaquate Möglichkeit, mediales Handeln angemessen zu beschreiben. Eine solche Beschreibung deutet Dopplinger abschließend und medienpädagogisch anhand der Beispiele mediengestützten Unterrichts und der Smileyverwendung im Internet an.

Dem Problem des Symbolischen nähert sich auch Wolfgang Neurath, der es vornehmlich in der französischen Wissenschaftsgeschichte zwischen Strukturalismus und Poststrukturalismus verortet. Hatten etwa Claude Lévi-Strauss und Jacques Lacan die symbolische Ordnung als das unbewusst vorausgesetzte Regelsystem von Handlungen gedacht, so lässt sich der sog. Poststrukturalismus gerade durch die Rückkehr der parole, der individuellen Äußerung, der Performanz kennzeichnen. Diese Frage nach dem Status und der Politik des "Symbolischen" im Sinne der Performanz wurde in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts – und damit direkt nach dem Mai 68 – intensiv und unablässig gestellt, wodurch das strukturale Denksystem zum Tanzen gebracht wurde. Denn die Ausarbeitung einer allgemeinen "symbolischen" Ökonomie der Gesellschaft verlangt auch, dass das menschliche Handeln – wie bei Pierre Bourdieu und Michel de Certeau – in den Blick kommt, die Prozesse der Artikulation und der Kommunikation, wobei diese "Praxeologie" mit einer umfassenden Kritik aller Formen sozialer Entfremdung verbunden ist, die das Symbolische verlangt und deren Aufhebung gleichzeitig immer wieder versprochen wird. Eine solche umfassende Gesellschaftswissenschaft des Symbolischen wird gerade als Praxeologie dann auch reflexiv sein (müssen). Deshalb wäre im Rahmen der Handlungsorientierten Medienpädagogik gerade angesichts des Symbolischen zu diskutieren, inwiefern sie als "Reflexive Anthropologie" (Bourdieu/Wacquant) konzipiert werden kann. Dabei hebt Neurath im Rekurs auf Husserl und Schütz auch den eminent wichtigen Begriff der Lebenswelt hervor, in der die produktive Aneignung mit und von Symbolen praktisch stattfindet. Was also bei der Rekonstruktion der sozialen Welt – und sei es angesichts der Unterrichtspraxis – entscheidend ist, ist die Erfassung der bestimmenden Strukturen gesellschaftlicher Produktions- und Lebensbedingungen. Allerdings – so Neurath – dürfen dabei die Praktiken und die Sinnhorizonte der AkteurInnen nie nur rein negativ bestimmt werden.

Aber auch die anderen Ressorts der MEDIENIMPULSE haben wieder Einiges zu bieten: So berichtet im Ressort Forschung Anton Reiter davon, dass am Beginn des Schuljahrs 2011/2012 eine Volksschulklasse der im 21. Wiener Gemeindebezirk gelegenen Praxisschule der katholischen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems mit Tablet-PCs ausgestattet wurde. Die Geräte wurden von der Institution und den Eltern finanziert und allen SchülerInnen einer dritten Klasse zur Verfügung gestellt. Evaluation und Dokumentation des Projekts wurde vom österreichische Ministerium für Unterricht und Frauen finanziert. Wie aktuelle internationale Studien zeigen, gewöhnen sich neunjährige SchülerInnen schnell an solche Geräte, wie Reiter betont. Die SchülerInnen waren sehr motiviert und haben verschiedene Anwendungen erprobt. Die Tablets wurden auch außerhalb des Klassenraums verwendet, was als wesentlicher Vorteil mobiler Computer gesehen werden kann. Tablet-PCs ermöglichen individuelles Lernen und können für kooperative, soziale und interaktive Lernformen während des Unterrichts und in der Freizeit verwendet werden. Als persönliche mobile Geräte katalysieren die Tablet-PCs selbstgesteuertes "just-in-time" Lernen. Alle SchülerInnen – so Reiter abschließend – sollten daher im 21. Jahrhundert solche Geräte zur Verfügung haben.

Angelika Güttl-Strahlhofer bespricht dann im Ressort Praxis die Möglichkeiten des Gratis Online Lernens und liefert mehr als 100 Empfehlungen von Lehrenden für Lehrende. Dabei stellt sie unter dem Motto "Gratis, online und unwiderstehlich" Interessierten einen bunten Blumenstrauß mit handverlesenen Lernangeboten aus vier Bereichen zur Verfügung: Lernmaterialien, Lernwerkzeuge, Kurse und Lerngemeinschaften. Karin Gregorich thematisiert dann das Volksgruppenradio am BRG Oberpullendorf im Burgenland. "Hättest du Lust, Schülerradio zu unterrichten?", wurde sie vor acht Jahren gefragt ohne je vorher etwas von Moderations-, Schnitt- oder Interviewtechnik gehört zu haben. So stieß sie im Schuljahr 2006/07 zum Radioteam des BRG Oberpullendorf und ist heute eine Expertin auf diesem Gebiet. Gregoritch berichtet eingehend für die MEDIENIMPULSE. Christoph Kaindel präsentiert dann – ebenfalls im Ressort Praxis – von spannenden Spielereien mit Textgeneratoren und Interactive Fiction. Könnte etwa Herbert Kickl durch einen einfachen – und im Betrieb deutlich günstigeren – Textgenerator ersetzt werden? Kaindl meint: ja, denn Phrasendreschautomaten funktionieren mittlerweile ganz gut, wie im Rahmen dieses Textes anhand vieler Beispiele erläutert wird. Harry Axmann, Alexander Schmelzer und Martin Kern berichten dann vom "Saferinternet Day" an der GTVS Dopschstraße in Wien Floridsdorf, den sie als nachhaltiges Projekt zur Medienerziehung und Medienkompetenzförderung präsentieren. Denn im Februar 2015 fanden die speziellen "Saferinternet-Tage" bereits zum fünften Mal an der GTVS Dopschstraße statt. Diesmal haben die Autoren ihre Workshopreihe 'Impulse.Schule.Internet' mit den Kindern durchgeführt.

Karl H. Stingeder beleuchtet dann im Ressort Bildung/Politik für die MEDIENIMPULSE den Status Quo und das Entwicklungspotenzial von Cyber Security, die sich mit rasanten und dynamisch entwickelnden Cyber Crime- und Cyber War-Reservoirs des World Wide Webs konfrontiert sieht. Dabei stellen sich Fragen wie: Welche Rolle spielt Cyber Crime gegenwärtig? Was unterscheidet Cyber Crime von Cyber War? Wie muss Cyber Security gestaltet sein, um effektiven Schutz nachhaltig zu gewährleisten? Daniel Autenrieth fordert dann mit seinem Beitrag zu (Medien)bildung und Informatik, dass informatische Bildung mehr sein muss als Coding. Denn informatische Bildung gewinnt durch Forderungen der Wirtschaft in der Politik immer mehr an Bedeutung. Welche Rolle sollte die Medienbildung in diesem Diskurs also spielen und wie sieht eine sinnvolle Integration informatischer Konzepte im Rahmen einer umfassenden Medienbildung aus? Der Autor versucht auf breiter Ebene diese Fragen zu beantworten. Barbara Hornberger diskutiert dann Probleme der E- und U-Kultur: Denn mit "Bildung in der Idiot Box?" beleuchtet sie das Spannungsfeld, in dem populäre Kultur und Bildung stehen. Sie wirft Fragen nach potenziellen Widersprüchen auf, die entstehen, wenn die meist informell rezipierte Unterhaltungskultur in institutionalisierte Bildungskontexte integriert wird. Die Implementierung von informellem Lernen und populärer Kultur in den normativen Kontext von Bildung wird – so Hornberger zusammenfassend – langfristig nicht ohne Konzepte auskommen, mit denen diesen Widersprüchen und Fragen begegnet werden kann.

Unser verdienter Ressortleiter und Autor Thomas Ballhausen diskutiert dann im Ressort Kultur/Kunst in einem Reviewartikel die nach wie vor faszinierende Philosophie des römischen Dichters Lukrez. Denn mit seiner wunderbaren, ausführlich kommentierten Prosaübertragung "Über die Natur der Dinge" hat Klaus Binder dem Klassiker eine neue Gegenwärtigkeit verliehen. Ballhausen präsentiert daher Notizen zu einem Werk, das zwischen Philosophie und Literatur steht. Daran anschließend führt die Künstlerin Annette Krauss die LeserInnen der MEDIENIMPULSE mit ihrem englischsprachigen Beitrag in die geheimen Lehrpläne, die Hidden Curriculums ein: Das Hidden Curriculum wird dabei parallel zu den schulischen Curricula als eine Methode präsentiert, mit der die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen nachdrücklich befördert werden kann … Dabei steht immer auch die medienpädagogisch relevante Frage im Raum: Was ist legitimes Wissen?

Darüber hinaus freut sich die Redaktion der MEDIENIMPULSE, Ihnen im Ressort Neue Medien erneut mehrere Rezensionen vorstellen zu können. So kümmert sich Thomas Ballhausen um die Neuerscheinung der Hauptwerke und Briefe von und an Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Denn der Felix Meiner Verlag macht mit Sonderausgaben der Hauptwerke und der Briefe zentrale Schriften des idealistischen Philosophen in vorbildlich edierter und erschwinglicher Form zugänglich. Raffaela Rogy rezensiert dann "Kunst am Ursprung. Das Nachleben der Bilder und die Souveränität des Antiquars" von Hans Christian Hönes. Sie fragt: Wo liegt der Keim, der Ansatz, der Ursprung der Kunst? Dieser Frage, die die Geburt und das "Nachleben" der Bilder gleichermaßen verbindet, geht Hönes in seiner nun publizierten Dissertationsschrift mit Hilfe von schillernden Antiquaren nach. Auch unser verdienter Historiker Paul Winkler ist wieder dabei: Er liest "Europa im Bild – Imaginationen Europas in Wochenschauen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Österreich 1948–1959" von Eugen Pfister und betont, dass es dem Autor gelungen ist auf Grundlage eines Katalogs von Europabildern das Bild zu rekonstruieren, welches sich EuropäerInnen jenseits intellektueller Zirkel in Wochenschauen von der europäischen Einigung machten. Auch ein besonderes Juwel findet sich derzeit auf dem Markt: Einer der ersten und wohl eigentümlichsten deutschen Propagandafilme des Ersten Weltkriegs "Die Entdeckung Deutschlands" war lange verschollen. Johanna Lenhart rezensiert deshalb Britta Langes Geschichte einer filmischen Wiederentdeckung. Last but not least präsentiert unsere verdiente Ressortleiterin Petra Missomelius dann noch "Digitale Körperinnenwelten" von Sven Stollfuß. Sie betont in diesem Rahmen, dass Stollfuß’ Studie sich zwischen medienwissenschaftlicher Theoriebildung, Bildtheorie und Science and Technology Studies bewegt und empfiehlt den Band daher nachdrücklich.

Zum Ende dieser Ausgabe hin, wünschen wir uns noch, dass Sie Ihren Kalender zücken und sich einige Termine vormerken, die ein Muss für MedienpädagogInnen darstellen: Denn der 7. Informatiktag der TU Wien steht neben der Preisverleihung des media literacy awards genauso ins Haus, wie das Mobile Clip Festival und die FROG 2015.

Uns bleibt nur Ihnen schöne Stunden in den symbolischen Weiten der MEDIENIMPULSE zu wünschen. Klicken Sie sich durch und handeln Sie mit Symbolen ...

Es grüßen Sie herzlich im Namen der ganzen Redaktion,

Alessandro Barberi und Wolfgang B. Ruge

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