Praxis

3/2015 - Handeln mit Symbolen

Gratis Online Lernen – 100 Empfehlungen und mehr von Lehrenden für Lehrende

AutorIn: Angelika Güttl-Strahlhofer

Angelika Güttl-Strahlhofer stellt mit "Gratis, online und unwiderstehlich" Interessierten einen bunten Blumenstrauß mit handverlesenen Lernangeboten aus vier Bereichen zur Verfügung: Lernmaterialien, Lernwerkzeuge, Kurse und Lerngemeinschaften.

 

1. Über den Entstehungsprozess

Im Rahmen der Lehrveranstaltungs­reihe "Open Air"[1] lud die Arbeitsgemeinschaft Güttl/Krisper/Röthler im WS 14/15 LehrerInnen zum Besuch des MOOCs[2] "Gratis Online Lernen" der steirischen Plattform iMooX ein. Elf TeilnehmerInnen waren bereit, im Anschluss an die Teilnahme am Kurs ihre Erkenntnisse in ein Gemeinschaftswerk einfließen zu lassen, dessen Entstehung in der digitalen Werkstatt koordiniert wurde (Adobe Connect und Moodle). Aus der Überzeugung heraus, dass das gemeinsame Besuchen eines solchen Online-Kurses nur ein Teil eines Lernerlebnisses sein kann und das gemeinsame Erarbeiten für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein zusätzlicher Schritt zum Überblicken der schier unendlichen Angebotslandschaft darstellt. Diese diskutierten, entwickelten, verwarfen und evaluierten interessante Lernangebote. Vorbild war sowohl für den Entstehungsprozess als auch für das Ergebnis der Schummelzettel "Urheberrecht und OER". http://www.virtuelle-ph.at/mod/page/view.php?id=32645.

2. Reflexion Gratiskultur

Bei der Beschäftigung mit der Thematik "Gratis lernen" stößt man unweigerlich auf die Frage der "Gratis-Kultur" im Internet und der Haltung vieler Nutzenden im "Selbstbedienungsladen" World Wide Web – alles jederzeit, sofort und kostenfrei zu erhalten. Wer oder was steht hinter all diesen kostenfreien Angeboten? Diese Motivationen sind am häufigsten: Sie werden

  • von öffentlicher Hand oder Mäzenen bezahlt (wie z.B. die "Schummelzettel")
  • von Spenden mitgetragen (z.B. Wikipedia)
  • aus Idealismus angeboten (z.B. #edchat)
  • von Werbung bzw. Nutzerdaten-Verwendung finanziert (facebook) oder
  • sollen sich über künftige Gewinne rentieren (einige MOOC-Plattformen oder twitter).

Gerade bei der Nutzung von "Gratisquellen" gemeinsam mit SchülerInnen und Schülern ist es wertvoll, auch über die Motivation der Zurverfügungstellung Bescheid zu wissen und diese auch zu thematisieren. Ganz besonders wenn es um personenbezogene Daten geht, sind medienkompetente und verantwortungsbewusste Lehrende gefragt. Die Diskussion bei den digitalen Werkstatt-TeilnehmerInnen darüber, welche Ressourcen auf dem Plakat genannt werden sollen, war intensiv. Gerne führen die für die Auswahl Verantwortlichen den Diskurs mit anderen Interessierten (weiter). Als "Treffpunkt" bietet sich das Forum der OER-Community www.virtuelle-ph.at/oer an oder z.B. auch der von der Virtuellen PH angebotene Onlinekurs: In the Cloud – gemeinsam online arbeiten. http://www.virtuelle-ph.at/mod/datalynx/view.php?d=1&view=11&eids=965

3. Über das Ergebnis

Ziel des Schummelzettel No2 ist es, Lehrerinnen und Lehrern Einstiegspunkte vorzustellen, von denen aus sich das Universum an kostenfreien Lernangeboten erschließen lässt und zwar in den Bereichen Lernmaterialien, Lernwerkzeuge, Kurse und Lerngemeinschaften. Für erfahrene Online-Lernende bietet der Schummelzettel mit seinen über 130 Links einen Pool an, aus denen jede/r noch das eine oder andere Neue finden kann.

Folgende Qualitätskriterien wurden bei der Auswahl angewandt: Die Tipps sind idealerweise persönlich getestet, selbsterklärend, zeitschonend, universell verfügbar und vertrauenswürdig.

Die Auswahl erfolgte nach diesen Vorgaben:

  • Lehren und Lernen digital
  • Neue Lernkultur
  • Ungewöhnliche Methoden
  • Kreative Werkzeuge
  • Online-Zusammenarbeit
  • Fächerübergreifendes Lernen (außer bei den Fächerboxen)

Neben der ersten, der Erklärseite, sind die Empfehlungen auf einer vierseitigen "Blumenwiese" attraktiv dargestellt. In der Online-Version (herunterladen unter: www.virtuelle-ph.at/gol) sind alle Blumen mit Links hinterlegt. Führt man die Maus über die einzelnen Blumen, öffnen sich weitere Erklärungen (Mouse over) zum jeweiligen Inhalt; das Klicken auf die jeweilige Blume führt direkt zum Angebot. Der Blumentyp weist auf die Art der Empfehlung hin. Über die in den Blüten zusätzlich eingebauten Symbole kann man weitere Informationen über die Ressource erhalten.

Nach dem Vorbild eines Reiseführers wurden alle Empfehlungen in folgende Kategorien eingeteilt:

  • Einige wenige Blumen je Seite sind in einem intensiven Pink gehalten – sie bedeuten "Nicht versäumen" – diese Empfehlungen sollte man sich jedenfalls ansehen und sollen für Lehrerinnen und Lehrer mit wenig Online-Lernerfahrung als Einstiegspunkte dienen.
  • Die dunkelgelben Blumen mit den Fotos repräsentieren "persönliche Empfehlungen" – einzelne Werkstatt-TeilnehmerInnen stellen dabei ein Angebot vor, das für sie persönlich von Bedeutung ist. Bei diesen Blumen sind sowohl die Links anklickbar, als auch kurze Videos, in denen die ProtagonistInnen beschreiben, was es mit ihrem Favoriten auf sich hat. Alle Videos sind auch im Youtube-Kanal der Virtuellen PH gesammelt: http://www.bit.ly/vphvideos-gol.
  • Die rosa Blumen stellen weitere Angebote dar. Diese sind insbesondere für jene gedacht, denen die wichtigsten (pinken) Tipps schon bekannt sind – eine Art "Wühlkiste" in der man stöbern kann, wenn sich die Gelegenheit bietet.
  • Die blauen Blumen stehen für "Weiterführende Literatur", "Hintergrundinformationen" oder "Leseempfehlungen". Meist sind sie ebenfalls online und gratis, aber nicht immer.
  • Gelbe Blumen mit rosa Innenleben kennzeichnen Ressourcen, die Angebote für bestimmte Unterrichtsgegenstände bzw. Themen bieten. (Fächerbox)
  • Auf der Seite der Lerngemeinschaften findet sich noch ein spezieller Blumentyp: rosa Blüten mit gepunktetem Rand: damit sind österreichische Schulnetzwerke gekennzeichnet.

Darüber hinaus enthalten einige Blüten noch Symbole:

  • der rot-weiß-rote Kreis verrät, dass es sich um eine Empfehlung aus Österreich handelt;
  • die rot-grün-blauen Kreise, die ineinander gehen, weisen auf eine Quelle hin, in der fächerübergreifende Materialien zu finden sind;
  • das grüne OER-Zeichen kennzeichnet Links, die offene Bildungsmaterialien in einer strengen Auslegung (http://open-educational-resources.de/was-ist-oer/) sind: Nur Materialien, die entweder Materialien mit einer PD (Public Domain), CC0, CC BY oder CC BY SA Lizenz[3] enthalten, sind so markiert.
  • das weiße Teilungszeichen auf blauem Grund, mit dem einige Lerngemeinschaften versehen sind, markiert Communities mit einem Schwerpunkt auf digitalen Medien.
  • Einige Spezialblume mit kleinen "Auswüchsen" rundherum sind nicht nur mit einem sondern mit mehreren Links bestückt: so z.B. auf der Lernmaterialseite die Blume der Online-Services der Bildungsservices und Landesmedienzentren führt zu Ressourcen in allen 9 Bundesländern.

Wer sich zwar über die attraktive Aufbereitung der Empfehlungen freut, aber findet, als Tabelle, die durchsuchbar und nach verschiedenen Kriterien ordenbar ist, wäre dieser Schummelzettel viel hilfreicher, der/die findet diese unter bit.ly/links-gol. Vorteil dabei: Diese Tabelle ist auch kommentierbar und kann mit weiteren Links ergänzt werden.

Der Schummelzettel No2 kann als zweidimensionales Plakat ausgedruckt werden oder in der interaktiven Version mit Links zu den Empfehlungen bzw. zu Videoempfehlungen von österreichischen Lehrenden und WeiterbildnerInnen online geöffnet werden.

4. Verbreitung

Aufgrund der Interaktivität ist es am sinnvollsten, sich die Online-Version von www.virtuelle-ph.at/gol herunterzuladen. Die gedruckten Exemplare werden an Kontaktstellen an österreichischen PHs verteilt.

Übrigens, der Schummelzettel steht unter einer Creative commons-Lizenz: CC BY SA 4.0 . Er kann also verwendet, verbessert und verändert werden. Wir hoffen, dass das auch geschieht.


Verweise

[1] Es geht bei Open Air um die Erkundung digitaler Lernformen und Ressourcen weltweit und das Festhalten der Erkenntnisse. Siehe Vorläufer http://www.virtuelle-ph.at/oer.

[2] Abkürzung von Massive Open Online Course. Offene Kurse, meist unversitär, mit unbeschränkter TeilnehmerInnenzahl. Bisher kostenlos, zunehmend kostenpflichtig.

[3] Details zu den Lizenzen siehe http://www.creativecommons.org/licences

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