Forschung

2/2015 - Begründungen und Ziele der Medienbildung

"Was haben wir denn eigentlich gelernt?"

Überlegungen zu den Ergebnissen aus dem Forschungsprojekt "teens talk"

AutorIn: Sabine Mayer

Haben Jugendliche das Gefühl, sie lernen nichts in der Schule? Eine Evaluationsstudie der KPH Wien/Krems und des Medienzentrums WienXtra über das Kommunikationsverhalten von Jugendlichen zeigt ernüchternde Ergebnisse für Lehrkräfte in Hinsicht Diskussionsführung.

Abstract

An der KPH Wien/Krems in Kooperation mit dem Medienzentrum Wien Xtra über das Kommunikationsverhalten von Jugendlichen zeigte sich bei der Frage: "In der Schule wurde mir beigebracht, wie man diskutiert", nur wenig Zustimmung der befragten Jugendlichen. Der Artikel "Was haben wir denn eigentlich gelernt?" beschäftigt sich mit dem subjektiven Empfinden von Jugendlichen Lerninhalte betreffend und sucht Ansätze über das Umfeld der Jugendlichen diese auch nachhaltig zu verankern.

An evaluation study by the University College of Teacher Education of Christian Churches Vienna/Krems in cooperation with ViennaXtra-media center on the topic how adolescents communicate showed little agreement among the young people surveyed regarding the question: "At school I was taught how to discuss". The article "What have we really learned?" deals with the subjective perception of what young people think they actually learn at school and looks for approaches how to teach in a sustainable way.


1. Einleitung

Eines der wichtigsten Anliegen einer Lehrkraft ist es, dass die Inhalte, die im Unterricht vermittelt werden, auch bei den SchülerInnen ankommen. Was aber, wenn Lehrende zwar Wissen vermitteln, SchülerInnen aber das subjektive Empfinden haben, "nichts" gelernt zu haben. Bei der Evaluationsstudie "teens talk" zeigte sich, dass bei der Frage: "In der Schule wurde mir beigebracht, wie man diskutiert", nur wenige Jugendliche zustimmen konnten, obwohl dies Unterrichtsgegenstand war.

Schon im Lehrplan der Unterstufe der AHS wird u. a. in Geschichte und Sozialkunde die Kompetenz des Diskutierens als Lernziel angegeben: "Der Unterricht soll die Bereitschaft und Fähigkeit zu politischem Handeln fördern. Dazu ist es erforderlich, eigene Positionen zu artikulieren, Positionen anderer zu verstehen und aufzugreifen, sowie an der gemeinsamen Entwicklung von Lösungen mitzuwirken." (bm:ukk 2011). Die Kompetenz des Diskutierens sollte also vermittelt werden. Daher wird in diesem Artikel untersucht, ob Jugendliche subjektiv empfinden, Diksussionskompetenz vermittelt bekommen zu haben. Außerdem werden Maßnahmen diskutiert, die verhindern sollen, dass Jugendliche das Gefühl haben "nichts" gelernt zu haben. Dabei spielt die Beschäftigung und das Verständnis von Lehrkräften für "Neue Medien" eine sehr große Rolle.

2. Forschungsprojekt "teens talk"

Im Rahmen eines Forschungsprojekts an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems wurden Jugendliche, die am Workshop "teens talk" des Medienzentrums WienXtra teilnahmen, mittels standardisiertem Fragebogen zu ihren Diskussions- und Kommunikationsgewohnheiten befragt. Bei "teens talk" handelt es sich um eine monatliche Diskussionssendung, die im Radiosender ORANGE 94.0 seit März 2010 ausgestrahlt wird. Die Jugendlichen, die meist zwischen 14 und 18 Jahre alt sind, wählen die Themen selbst aus. Die technische Ausrüstung wird vom Medienzentrum zur Verfügung gestellt. Die Workshops dauern zwischen zwei und vier Stunden und werden von erfahrenen Coaches des Medienzentrums geleitet. Vor der Sendung werden die Jugendlichen in Radiotechnik, Moderationstechnik und Gesprächsführung eingeschult, die Gruppe bestimmt dann gemeinsam ein Thema und entscheidet, wer diskutieren und wer moderieren möchte. Die Jugendlichen nehmen freiwillig an den Workshops teil. Sie können sich über ein Kontaktformular der Webseite direkt mit dem Medienzentrum in Verbindung setzen und einen Termin vereinbaren. Eines der wichtigsten Anliegen des Workshops "teens talk" des WienXtra-Medienzentrums ist die Förderung der Diskussionskultur. Die Jugendlichen machen außerdem die Erfahrung, dass die eigene Meinung wichtig ist, gehört und veröffentlicht wird. (Gabriel 2014)

Für die Untersuchung erhielten die TeilnehmerInnen des Workshops einen Paper & Pencil Fragebogen, der von den Workshop-LeiterInnen im Anschluss an den Workshop ausgegeben und von den Jugendlichen ausgefüllt wurde. Durch Gruppeninterviews, die als Leitfadengespräche durchgeführt wurden, wurden vertiefende Erkenntnisse gewonnen. Hier konnten sich die Jugendlichen frei äußern und auf ihnen wichtige Themen näher eingehen. Außerdem wurde mittels Online-Fragebögen eine Kontrollgruppe von Jugendlichen befragt. Im Zeitraum Mitte September bis Ende Oktober 2013 war der Online-Fragebogen im Internet zugänglich.

Abgefragt wurden fünf verschiedene Kommunikationsanlässe: Neuigkeiten mitteilen, Probleme besprechen, Verabredung treffen, Themen diskutieren und ausführliche Gespräche führen. Dabei wurde die bevorzugte Art der Mitteilung bzw. das bevorzugte Kommunikationsmedium der Jugendlichen erfragt, wobei eine Auswahl an Vermittlungswegen vorgegeben wurde. Die Auswahl umfasste die Kommunikation im persönlichen Gespräch, per SMS, Handy bzw. Telefon, über soziale Netzwerke und per E-Mail. Hier war nur die Auswahl eines Mediums möglich, um konkretere Ergebnisse zu erzielen. Auf die einzelne Ergebnisse, die für die Schule von Relevanz sind, möchte ich nun in den folgenden Abschnitten eingehen.

3. "Was haben wir eigentlich gelernt?"

Zurück zur oben erwähnten Frage, wie die Jugendlichen im Forschungsprojekt "teens talk" ihr schulisches Vorwissen zum Thema "Diskussion" einschätzen, hat die Befragung ergeben:

3.1. In der Schule wurde mir beigebracht, wie man diskutiert. (gültige Prozent1 in Klammern)


Gesamt

N          %

weiblich

N          %

männlich

N          %

Stimme zu (5 + 6)

7

16,3 (17)

5

16,2

2

16,7 (20)

Eher neutral (3 + 4)

17

39,5 (41,5)

13

41,9

4

33,3 (40)

Stimme nicht zu (1 + 2)

17

39,5 (41,5)

13

41,9

4

33,3 (40)

Ungültig

2

4,7

0

0

2

16,7

1 Gültige Prozent: Als Basis wird die Gesamtsumme aller gültigen Angaben genommen.

Aus den Ergebnissen könnte sehr leicht geschlossen werden, dass sich Österreichs Lehrerinnen und Lehrer diesem Thema zu wenig annehmen.

Betrachtet man allerdings das Ergebnis der Frage, ob die TeilnehmerInnen des oben erwähnten Workshops "teens talk" viel über Diskussions- und Gesprächsführung im Workshop gelernt haben, dann zeichnet sich jedoch dort ein ähnliches Bild ab.

3.2. Ich habe im Workshop viel Neues über Diskussions- und Gesprächsführung gelernt. (gültige Prozent2 in Klammern)


Gesamt

N          %

weiblich

N          %

männlich

N          %

Stimme zu (5 + 6)

4

9,3 (10)

4

12,9 (13,3)

0

0

Eher neutral (3 + 4)

22

51,2 (55)

16

51,6 (53,3)

6

50 (60)

Stimme nicht zu (1 + 2)

14

32,5 (35)

10

32,3 (33,3)

4

33,3 (40)

Ungültig

3

7

1

3,2

2

16,7

2 Gültige Prozent: Als Basis wird die Gesamtsumme aller gültigen Angaben genommen.

Interessant wäre hier, ob sich das Ergebnis daraus herleiten lässt, dass die Jugendlichen in der Schule doch Einiges zu dem Thema gelernt haben und ihnen dies durch den Workshop wieder bewusst wurde oder ob sie auch hier das Empfinden haben, nicht viel gelernt zu haben, obwohl der Schwerpunkt hier auf der Vermittlung der Kompetenz von Kommunikations- und Diskussionsverhalten liegt. Für die Antwort auf diese Frage bedarf es aber eines weiteren Forschungsprojektes. Es zeigt aber, wie wichtig es ist, die Zusammenhänge zu untersuchen, um Lernerfolge in der Schule zu verbessern. Was wir bei diesem Ergebnis feststellen können ist, dass die subjektive Empfindung von Jugendlichen, nicht mit dem übereinstimmt, was erzielt wurde, sowohl in der Schule als auch bei "teens talk", wo die Förderung von Diskussionskultur sogar im Vordergrund steht. Die Schlussfolgerung aus diesen Ergebnissen ist, dass wir uns darauf konzentrieren müssen, wie Jugendliche "funktionieren", uns mehr auf "ihre" Welt einlassen, um die Gewissheit zu bekommen, dass Inhalte, die in der Schule, gelehrt werden auch bei den SchülerInnen ankommen und uns und jenen immer wieder vor Augen führen, was das Ziel ist. Zwei Aspekte sollten hier näher betrachtet werden:

  1. Das Phänomen der Langenweile im Unterricht
  2. Die Ergründung der Lebenswelt von Jugendlichen als Schlüssel zu einer besseren Wissensvermittlung in der Schule

4. Langeweile im Unterricht

Dr. Dorothé Salomo schreibt in ihrem Artikel "Jugendliche lernen anders – Warum sind Jugendliche im Unterricht oft gelangweilt?":

"Bildungsforscher haben herausgefunden, dass sich ein Großteil der Schülerinnen und Schüler im Unterricht langweilt – besonders in der Sekundarstufe." Sie weist darauf hin, dass nicht nur persönliche Erfahrungen von Lehrerinnen und Lehrern, sondern auch empirische Untersuchungen zeigen, dass es sich bei Langeweile im Unterricht ein sehr häufig auftretendes Phänomen ist. Dieses Phänomen haben schon Larson &Richard unter Anwendung der Experience-Sampling-Methode (ESM, Csikszentmihalyi & Larson, 1987) festgestellt mit dem Ergebnis, dass sich die Teilnehmer (5. bis 9. Jahrgangsstufe, N = 392) durchschnittlich 32% der Unterrichtszeit langweilten. (Götz/Frenzel/Pekrun 2007: 313)

Von besonderer Bedeutung für Lehrkräfte ist, dass Langeweile immer dann entsteht, wenn die Relevanz des Unterrichtsstoffes nicht klar ist, in Lernsituationen, die Schüler als unwichtig erleben. Man spricht in diesem Zusammenhang von "subjektiv unwichtigen Situationen. Studien zeigen, dass die Unterrichtsstunden, in denen sich Lernende langweilen, von 72 Prozent der Schüler als nicht oder wenig wichtig angesehen werden. Das heißt, den Jugendlichen ist nicht klar, wozu sie etwas lernen müssen und was sie mit dem Gelernten anfangen können." (Götz 2007: 324)

Salomo weist darauf hin, dass der Unterricht zum Großteil so gestaltet werden sollte, dass Langeweile gar nicht erst entsteht. (Salomon 2014). Dazu ist es notwendig, dass Unterrichtsinhalte so vermittelt werden, dass sie für Jugendliche persönlich relevant sind und sich an der Lebenswelt der Jugendlichen orientieren. Ein näherer Blick auf das, was Jugendlichen wichtig ist und welche Bedürfnisse sie haben, ist notwendig. LehrerInnen sollten außerdem immer wieder auf den Nutzen des Gelernten hinweisen, beziehungsweise den Sinn und was man mit dem Gelernten anfangen kann mit den SchülerInnen gemeinsam erarbeiten.

5. Die Lebenswelt von Jugendlichen

In der Zeit des Überganges vom Kind zum jungen Erwachsenen kommt es zu einer Umgestaltung der sozialen Beziehungen, da die Peers eine immer wichtigere Rolle einnehmen und der Einfluss der Eltern nachlässt. (Mietzel 2002: 351)

In einem Artikel von Dr. Dorothé Salomo, der Leiterin des Projekts "Jugendliche lernen anders", weist diese auf die 2009 durchgeführten Umfragen von Caroline L. Bokhorst, Sindy R. Sumter und P. Michiel Westenberg in "Social Support from Parents, Friends, Classmates, and Teachers in Children and Adolescents Aged 9 to 18 Years: Who Is Perceived as Most Supportive?" hin. Diese stellten fest, dass Freundschaften und Kontakte zu Gleichaltrigen nicht nur den Lebensmittelpunkt in der Jugendphase bilden, sondern man beobachtete auch, dass im Unterricht die SchülerInnen häufig miteinander in Gespräche vertieft sind, anstatt sich auf den Lernstoff zu konzentrieren: "Da es für Jugendliche in dieser Phase besonders wichtig ist, bei Gleichaltrigen zu "punkten", rücken Lehrerinnen und Lehrer (aber auch die Eltern) häufig an die zweite Stelle." (Salomo 2014)

Im Forschungsprojekt "teens talk" wurden einzelne Themenbereiche abgefragt, wobei die Befragten angeben sollten, mit welchem Personenkreis – zur Auswahl standen Freund/innen, Eltern, Geschwister, andere Erwachsene – sie über die jeweiligen Bereiche sprechen. Die Themen waren Pläne, Wünsche für die Zukunft, Dinge, über die die Jugendlichen viel nachdenken und Dinge, über die sie sich ärgerten, über Ausbildung, Schule und Arbeit, die eigene Familie, über aktuelle Nachrichten, Fernsehen, Musik und Kino, über schöne Erlebnisse, Hobbies und Freizeit, Ereignisse im Freundeskreis und über Beziehungen und Liebeskummer.

Als wichtigste GesprächspartnerInnen haben sich die FreundInnen herausgestellt – vor allem in den Bereichen "Dinge, über die ich viel nachdenke" und "Dinge, über die ich mich geärgert habe", "Fernsehen, Musik, Kino", "Hobbies, Freizeit" und "Schöne Erlebnisse". Besonders die Bereiche "Beziehungen, Liebeskummer" sowie "Ereignisse im Freundeskreis" sind für weit mehr als 80 % der Befragten Themen, die beinahe ausschließlich in der Peergroup besprochen werden. (Gabriel 2014)

Während die Erwachsenen bei den Jugendlichen für Themen, wo es um "Ausbildung, Schule und Arbeit" und "Pläne, Wünsche für die Zukunft" geht, hinzugezogen werden. Gleichaltrige spielen in vielen Fragen des Lebens eine sehr große Rolle. In der Shellstudie von 2006 lesen wir sogar: "In pädagogischer Perspektive sind sie zu mächtigen 'Miterziehern' der Jugendlichen geworden, zumal über sie auch der überwiegende Kontakt zur Medienwelt läuft." (Shell Jugendstudie 2006: 4)

So finden wir hier wichtige Aspekte, die zum Verständnis der Jugendlichen beitragen. Einerseits die Wichtigkeit der Peers und auch jene Themen, bei denen Erwachsene Zugang zu den Jugendlichen finden können.

Besonders erscheint es auch sehr wichtig, ein Verständnis für die digitale Welt zu bekommen. Die Erfindung des Internets und die Erfindung und Weiterentwicklung von Handys, vergrößerten die Kommunikationsmöglichkeiten dramatisch.Das Kommunikationsverhalten von Jugendlichen hat sich in den letzten Jahren dadurch sehr verändert. Die Jugendforscherin Dr. Beate Großegger drückt dies folgendermaßen aus:

"Dass diese Jugendlichen anders ticken als der Durchschnittserwachsene, ist bekannt. Sie sind intuitive Technologienutzer ohne große Berührungsängste gegen über Neuem. Ihre Interessen gehen meist weit über Online-Recherche, Email-Korrespondenz und Standardanwendungen von Microsoft Office hinaus. Sie stellen sich auf Innovationen, die der Informations-, Kommunikations- und Unterhaltungstechnologie-Sektor bietet, schnell ein. Und sie erwerben Anwendungskompetenz, oft ohne eine spezielle Einschulungshilfe zu benötigen – einfach indem sie sich nach dem 'Trial-and-error-Prinzip' an neue 'Tools' heranarbeiten oder mit den Peers austauschen und sich auf ein gemeinsames 'learning by doing' verständigen."

Somit gehört es zu der größten Herausforderung für Lehrkräfte, sich einerseits den technischen Neuerungen zu stellen, in der Welt des sozialen Netzwerkes mitzuspielen und andererseits ihre pädagogischen Aufgaben wahrzunehmen. Eine aktiv im Netzwerk tätige Lehrkraft wird schnell bemerken, dass die Grenzen zwischen Privatperson und Profession leicht verschwimmen können.

Wenn den Anforderungen der "neuen" Welt jedoch zu wenig Beachtung geschenkt wird, dann ist die Gefahr gegeben, den Zugang zu Jugendlichen zu verlieren. Ein "Kopf schütteln" und Verbote bringen hier nicht viel. Facebook, Twitter, Youtube und Co. sind nicht nur Kommunikationsplattformen, sie sind auch Bildungsplattformen. Wenn sich LehrerInnen, DirektorInnen und Eltern vor dieser Welt verschließen, verdammen sie damit die Lern- und Kommunikationswelt der SchülerInnen. Verbote und Einschränkungen verstärken die Mauern und verhindern, dass die gemeinsamen neuen Chancen genutzt werden. Denn die Jugendlichen werden auch trotz Verboten Kommunikationsplattformen nutzen, ob nun in ihrer Freizeit oder auch für Schulzwecke. Vielmehr sollte der Fokus auf den kompetenten Umgang mit digitalen Medien gelegt werden, da diese Plattformen ein Teil unserer Gesellschaft sind, vor allem der Welt der Jugendlichen.

6. Schlussfolgerungen

Somit kann abschließend festgestellt werden, dass ohne die intensive Beschäftigung mit der Lebenswelt der Jugendlichen Lehrkräfte den Zugang zu ihren SchülerInnen nur schwer beziehungsweise nicht finden werden. Dabei spielen "Neuen Medien" eine sehr wichtige Rolle, die nicht zu unterschätzen ist. Es sollten außerdem im Unterricht vor allem jene Themen berücksichtigt werden, wo SchülerInnen Vertrauen zu Erwachsenen haben (siehe Ergebnis "teenstalk").

Bei den anderen Themen ist es ratsam, die Kommunikation der SchülerInnen (siehe Ergebnisse "teenstalk") untereinander zu fördern, da diese, wie oben erwähnt, eine Art "Miterziehungsrolle" einnehmen.

Hier ist allerdings die Steuerung und das wiederholte Fragen der Lehrkraft verstärkt notwendig. Die SchülerInnen sollten öfter reflektieren, was sie aus den Inhalten gelernt haben und welchen Nutzen sie aus dem Gehörten bzw. dem Erarbeiteten ziehen können, um Nachhaltigkeit zu erzielen. Denn ohne die Lehrkraft ist es für SchülerInnen oft zu wenig nachvollziehbar, welche und vor allem wie viele relevanten Dinge sie gelernt haben, wie das Beispiel von "teenstalk" zeigt. Das Nachfragen, wie die Inhalte im Unterricht von Nutzen sein können und was die SchülerInnen für ihr zukünftiges Leben aus diesen mitnehmen können, ist ein Ansatz das subjektive Empfinden der Jugendlichen in positiver Weise zu beeinflussen. Im Workshop "teenstalk" ist die Zeit dafür zu kurz. In der Schule jedoch verbringen LehrerInnen und SchülerInnen ein Vielfaches an Zeit miteinander. Zeit, die Feingefühl und Durchhaltevermögen vor allem der Lehrkraft in Anspruch nehmen. Sind diese Anstrengungen nicht langfristig gesehen eine Investition, die sich lohnt?


Literatur

Gabriel, Sonja (2014): Kommunikationsverhalten von Jugendlichen – Erste Ergebnisse einer Untersuchung zur Nutzung von Kommunikationsmedien, in: Benischek, I./Forstner-Ebhart, A./Schaupp, H./Schwetz, H. (Hg): Empirische Forschung zu schulischen Handlungsfeldern. (Band 4), Wien: facultas, 395–410.

Großegger, Beate (2013): Wenn alle senden, denkt niemand mehr nach. Onlinekommunikation als Chance und Herausforderung für die Pädagogik, Kommentar zum aktuellen Thema. Oktober 2013, online unter: http://jugendkultur.at/wp-content/uploads/Digital_lernen_Kommentar_Grossegger_2013.pdf (letzter Zugriff: 20.06.2015).

Götz, Thomas/Frenzel, Anne C./Pekrun, Reinhard (2007): Regulation von Langeweile im Unterricht. Was Schülerinnen und Schüler bei der "Windstille der Seele" (nicht) tun Unterrichtswissenschaft 35, Heft 4.

Kern, August (2011): Lehrplan & Recht, Lehrpläne AHS, Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung, Didaktische Grundsätze, Politische Kompetenzen, 2. Absatz, online unter: http://www.gemeinsamlernen.at/ (letzter Zugriff: 20.06.2015).

Lohrmann, Kathrin (2008): Langeweile im Unterricht. Ergänzende Darstellung des Forschungsstands: Zusammenfassung von Einzelstudien, online unter: http://www.waxmann.com/kat/1896.html (letzter Zugriff: 20.06.2015).

Mietzel, Gerd (2002, 4. Auflage): Wege in die Entwicklungspsychologie. Kindheit und Jugend, Weinheim: Beltz PVU.

Salomon, Dorothé (2014): Peers, Lernen im Jugendalter, Goethe Institut, online unter: http://www.goethe.de/lhr/jug/lue/de11553499.htm (letzter Zugriff: 20.06.2015).

Salomon, Dorothé, in: Schulen – Partner der Zukunft, Jugendliche lernen anders – Warum sind Jugendliche im Unterricht oft gelangweilt?, online unter: http://www.pasch-net.de/pas/cls/leh/med/jla/de3349291.htm (letzter Zugriff: 20.06.2015).

15. Shell Jugendstudie – Jugend 2006 (2006): Eine pragmatische Generation unter Druck, online unter: http://www.21-kom.de/fileadmin/user_upload/PDFs/03_Jugendliche/zusammenfassung_jugendstudie2006.pdf (letzter Zugriff: 20.06.2015).

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kommunikationsverhalten, diskussionsverhalten, medienpädagogik, meienkompetenz