Editorial

4/2014 - Steuerung, Kontrolle, Disziplin/Medienpädagogische Perspektiven auf Medien und/der Überwachung

Editorial 4/2014: Steuerung, Kontrolle, Disziplin. Medienpädagogische Perspektiven auf Medien und/der Überwachung

AutorInnen: Thomas Ballhausen / Alessandro Barberi

Editorial 4/2014

Nicht zuletzt durch die Enthüllungen Edward Snowdens stellen sich den westlichen Demokratien Fragen der (digitalen) Überwachung. Dabei wurden nicht nur Geheimdienste wie die NSA, sondern auch (globale) Online-Dienste wie Google, Amazon oder Dropbox hinsichtlich der Debatten zum "gläsernen Menschen" eingehend diskutiert, um die Gefahren der gänzlichen Transparenz von BürgerInnen – aber auch Staaten – in den Blick zu nehmen. Damit erreichten die Diskussionen zur Souveränitäts-, Disziplinar- und Kontrollgesellschaft im Sinne Gilles Deleuzes und Michel Foucaults angesichts der neuen Medientechnologien auch eine breitere Öffentlichkeit, die sich am Beginn des 21. Jahrhunderts erneut Fragen zu den Themen Steuerung, Kontrolle und Disziplin stellen muss.

Sichtet man dahingehend in historischer Absicht die Geschichte der (Medien-)Pädagogik, so ist es bemerkenswert, dass sie spätestens am Beginn der 70er-Jahre durch die Übernahme kybernetischer und systemtheoretischer Modelle direkt am Paradigma dieser Steuerungswissenschaften beteiligt war. Norbert Wiener hatte als einer der Begründer der Kybernetik Kommunikation direkt mit Kontrolle verbunden, woraufhin Pädagogen wie Theodor Ballauff von einer "totalen Schule" sprachen und vielerorts der "programmierte Unterricht" diskutiert und umgesetzt wurde. Insofern stellte und stellt sich auch anhand der konkreten Unterrichtspraxis im Schul- und Klassenraum das medienpädagogische Problem der Medienpädagogik als Steuerung, Kontrolle und Disziplin.

Aus diesen Gründen hat sich die Redaktion der MEDIENIMPULSE entschlossen, der Trias von Steuerung, Kontrolle und Disziplin eine hiermit der Öffentlichkeit übergebene Schwerpunktausgabe zu widmen. Dabei standen vor allem folgende Fragen in den Raum:

  • Wie hat die Causa Snowden (oder auch die Aktivitäten von Wikileaks) unseren Blick auf (Neue) Medien als Überwachungstechnologien verändert und welche Konsequenzen wären daraus zu ziehen?
  • Welche demokratiepolitischen Probleme wirft die Tatsache der medientechnologischen Steuerung und Kontrolle von menschlichen Lebenswelten angesichts der Debatten zum "Gläsernen Menschen" auf?
  • Wie stark haben angesichts der Diskussionen zu Big Data Online-Dienste wie Google, Amazon oder Dropbox unseren Alltag schon im Griff?
  • Wie müssten die Diskussionen zur Disziplinar- und Kontrollgesellschaft fortgesetzt werden, um sie angesichts der Neuen Medien auf aktuellem Stand zu halten?
  • Welche Rolle spielte die Steuerungswissenschaft der Kybernetik beim Aufbau dieser Überwachungsmechanismen auch und gerade in den Modellen der (Medien-)Pädagogik?

Ganz in diesem Sinne versucht sich Valentin Dander an Antworten auf die Frage, wie Medienpädagogik auf Big Data und die Leaks von Edward Snowden reagieren kann. So geht sein Beitrag vom steigenden Interesse an der Big Data-Debatte aus, um festzustellen, dass trotz mehrerer Publikationen eher vage bleibt, was Big Data eigentlich meint. Sind die Größe von Daten, Datensätzen und Datenbanken entscheidend? Oder meint Big Data den Komplex der Technologien, die zum Sammeln und Auswerten dieser Datenmengen verwendet werden? Dabei ist unbestritten, dass digitale Daten in unseren Wissens- und Informationsgesellschaften erheblich an Bedeutung gewonnen haben. Big Data meint in diesem Zusammenhang vor allem jene Daten, die in so großer Menge vorliegen, dass damit neue algorithmische Operationen funktional werden. Dabei plädiert Dander vor allem angesichts personenbezogener Daten für einen neuen Kantianismus: "Habe Mut, Dich Deiner eigenen Daten zu bedienen!" und plädiert auf allgemeinster Ebene für eine handlungsorientierte Medienpädagogik. Von ihr ausgehend fordert er von der konkreten Unterrichtspraxis, dass sie die medienkritische Analyse mit der praktischen Arbeit anhand von Daten verbinde, um auch SchülerInnen die Probleme der Steuerung, Kontrolle und Disziplin vor Augen zu führen. Bevor indes das Phänomen Big Data als bedeutsame mediale Form für Lernende greif- und angreifbar gemacht werden kann, muss, so betont Dander nachdrücklich, ein solcher Lernprozess innerhalb der Disziplin Medienpädagogik selbst stattfinden.

In seinem Essay zu Zwang und Verführung geht dann auch Konrad Becker vom "Postskriptum über die Kontrollgesellschaften" von Gilles Deleuze und dem Begriff der Disziplinargesellschaft von Michel Foucault aus, um in 16 Thesen ihre Aktualität anhand von Big Data zu diskutieren. Die Dispositive der kontrollierenden Gegenwart sind dabei zutiefst mit Informationstechnologien verbunden. Dabei löst Selbststeuerung die Fremdkontrolle etwa im Umfeld von Ich-AG’s ab, um internalisierte Zwänge zur Selbstdarstellung und Selbstvermarktung zu erzeugen. Dabei weist Becker auch darauf hin, dass der Begriff Governence denselben griechischen Wortstamm wie Kybernetik hat, wodurch man auch in der Medienpädagogik auf technokratische Modelle der Menschenlenkung verwiesen ist. Auch ist es bemerkenswert, dass soziometrische Modelle, die historisch zur Emanzipation der Menschen gebaut wurden, heute der Kontrolle dienen. Namentlich die Soziometrie von Jacob Morenno oder Otto Neuraths statistische Wissensvermittlung kehrten sich so in ihr machtpolitisches Gegenteil um. In diesem Sinne kann auch der Sozialdarwinismus als symbolischer Klassifizierungskampf westlicher Eliten im Neoliberalismus begriffen werden. Zusammenfassend betont Becker hinsichtlich dieser Verschränkung von Technologie und Gesellschaft als "Steuerung, Kontrolle und Disziplin", dass es aus medienpädagogischer Sicht unbedingt eine starke Förderung von Medienkompetenz braucht, die zur kritischen Dekonstruktion und Aufklärung mediatisierter Wirklichkeiten beitragen kann.

Bei der französischen Debatte zu Souveränitäts-, Disziplinar- und Kontrollgesellschaften setzt in der Folge auch Wolfgang Neurath an, wenn er aktuelle kapitalistische Überwachungstechnologien wie den Einsatz von Drohnen zum Gegenstand einer wiederständigen und kritischen Machtanalyse werden lässt. Dabei konstatiert Neurath gemeinsam mit dem italienischen Philosophen Franco "Bifo" Berardi, dass in unseren westlichen Demokratien das Proletariat durch den digitalen Wissens- und Produktionsprozess zum "Kognitariat" geworden ist. Diese neue Arbeiterklasse produziert vor allem immaterielle Güter, was die Intensität der Ausbeutung, der Steuerung und der Kontrolle indes keineswegs verringert hat. Die digitale Wissensökonomie produziert dabei aber immer auch subversive individuelle Subjektivierungsformen im Sinne Foucaults und widerständige kollektive Habituierungen im Sinne Bourdieus. Der Begriff des Netzwerks ist für Neurath in der Folge entscheidend, um die Dynamik des kybernetischen Kapitalismus und seiner Überwachungs- und Normalisierungstechnologien zu deskribieren. Und so analysiert Neurath wie technologische Entwicklung, Wissenschaft und Forschung, Sport und Entertainment, Universitätsrankings, olympische Medaillenspiegel und Oscarverleihungen als Testläufe einer imperialen Soft-Power in Gang gesetzt werden, um das Herrschaftssystem des Kapitalismus gerade über das höchst selektive Bildungssystem zu stabilisieren. So werden im Moment etwa 1,2 Millionen Amerikaner systematisch überwacht, weshalb der Cyberspace als "fünfte Dimension" des Semiokapitalismus auf allen Ebenen steuert, kontrolliert und diszipliniert und deshalb im Sinne einer Gesellschaftskritik eine humane Medienpädagogik herausfordert.

Paul Winkler erweitert dann mit seiner historischen Studie das Problemfeld der Steuerung, indem er die kinematografische Propaganda und Zensur in Österreich-Ungarn von 1914–1918 als den Versuch beschreibt, ein (proto)kybernetisches Modell in Gang zu setzen. Denn die sog "Volkserziehung" im Ersten Weltkrieg lässt sich als Regelkreismodell beschreiben und ist insofern auch eine Medienpädagogik avant la lettre. Denn schon im Ersten Weltkrieg ging es darum, durch das Kino dem Publikum Führungsgrößen vor Augen zu führen und es zu einer Art von Selbstregulation zu motivieren. Es ging dabei auch um die Homogenisierung der Vorstellungs- und Wertewelten, die "das System" stabilisieren sollten. Offenes Feed-Back (im Sinne einer demokratischen Kybernethik) war daher unerwünscht. Dabei wurden Kriegsbilder zu einem geeigneten Werkzeug der Propaganda. Besonders in den letzten Jahren des Krieges wurde das Kino so zu einem wertvollen Ventil und Stabilisator der Massen. Es übte dabei zivile genauso wie militärische Zensur aus: So durften etwa keine Abschiedsszenen von ins Feld ziehenden Soldaten mit ihren Angehörigen gezeigt werden. Auch Szenen, welche die Grausamkeit des Kriegs darstellten, wurden zensuriert. Zusammenfassend und aktualisierend betont Winkler, dass nicht nur im Ersten Weltkrieg die Wahrheit zuerst stirbt. Das Kontroll- und Zensurdispositiv der österreichisch-ungarischen Militärkinematografie kann dabei als einer der entscheidenden Orte ausgemacht werden, an dem die Moderne damit beginnt, sich selbst zu belügen. So wirft Winklers Archäologie der bewegten Bilder auf allgemeinerer Ebene die Frage nach Manipulation und Steuerung, nach Kontrolle und Blick-Disziplin auf, wie sie uns auch heute noch täglich in und mit den Medien begegnet.

Und auch Katharina Stöger folgt den Fragestellungen dieser Ausgabe, wenn sie im Rahmen einer Filmgeschichte die Möglichkeiten der Videoüberwachung in Jörg Kalts Film Crash Test Dummies aus dem Jahr 2008 befragt. Dabei betont sie, dass bei Kalt die Videoüberwachung ihrem eigentlichen Zweck der Kontrolle enthoben wird, um als reziprokes Kommunikationsinstrument in Szene gesetzt zu werden. Stöger arbeitet dabei heraus, wie in Crash Test Dummies Videoüberwachung dargestellt wird, indem die Möglichkeit einer anderen Nutzung von Überwachungskameras in einem Dispositiv aus Blicken und Sehverhältnissen kinematografisch durchgespielt wird. Denn in einer Kontrollgesellschaft zu leben, bedeutet scheinbare Freiheit bei vollständig kontrollierter Bewegung. So sind auch bei Kalt die sich bewegenden Personen und Figuren ständiger Kontrolle unterworfen. Die Personen in Kalts Film sind Crash Test Dummies im sozialen Raum, ihre Körper stoßen auf einander, sie bewegen sich auf einander zu, sie kontrollieren und beobachten sich in einem Energiefeld, das ihren Körpern Spannung verleiht. Durch Kalts persönlichen Einbruch in den Film mithilfe der Schrift und der suggerierten Nähe zum New Austrian Cinema "crashed" Kalt daher nicht nur die filmische Handlung, sondern auch den abgeschlossenen Bereich "Neues österreichisches Kino", in dem er nie sichtbar wurde. In diesem Sinne scheint Jörg Kalt mit seinem letzten Film einen medienreflexiven Wunsch zu äußern, der viel zu spät Gehör gefunden hat: "Beobachten Sie mich!"

Auch im Ressort Forschung wird das Schwerpunktthema diskutiert, wenn etwa Stefan Iske und Dan Verständig anlässlich des 25jährigen Bestehens des World Wide Web in ihrem Beitrag daran erinnern, dass durch digitale und vernetzte Technologien zentrale Kategorien wie Bildung, Erziehung und Sozialisation eminent berührt werden, eben weil gesteuert und kontrolliert wird. Dabei geht es medienpädagogisch vor allem darum, dass die Handlungsautonomie von Subjekten, die Möglichkeitsräume von und die Teilhabe an Gesellschaft debattiert werden. Die zentrale Frage dieses Beitrags ist: Welche Anforderungen und Herausforderungen ergeben sich aus technologisch-strukturellen Veränderungen für medienpädagogische Theoriebildung, Forschung und Praxis? Dabei analysieren die Autoren in der Befragung von Software-Codes sowohl die Architektur von Programmen und Apps als auch die Architektur des Internets selbst. So sind eben in der Wissens- und Informationsgesellschaft soziale und technologische Handlungsweisen auf vielfältige Art ineinander verwoben, weshalb auch das Internet als sozio-technisches System begriffen werden kann. Denn es geht in der Medienpädagogik eben immer auch um Fragen der Regulierung, der Kontrolle und der Überwachung im Web 2.0 und im Internet der Dinge. Klar ist dabei, dass Systeme der Regulierung und Kontrolle in einem engen Zusammenhang mit Prozessen der Bildung, der Identitätsentwicklung und des selbstbestimmten Lernens stehen und so nach einer gesellschafts- und ideologiekritischen Medienpädagogik verlangen.

Neben dem Schwerpunktthema wollen wir im Ressort Forschung aber auch darauf verweisen, dass Audioproduktion in allen Schulformen als mediendidaktische Methode erfolgreich verwendet werden kann. Das zeigen dann die Ergebnisse einer qualitativen Studie, die von AutorInnen des Wiener Medienkollektivs vorgestellt wird. Das Projekt FOPA wird vom Institut für Forschung an der Pädagogischen Hochschule Wien in Kooperation mit der Wiener Medienpädagogik am Institut für Bildungswissenschaft an der Universität Wien und der Pädagogischen Hochschule Salzburg durchgeführt und vom österreichischen Bundesministerium für Bildung und Frauen gefördert. Ziel des Gesamtprojekts ist es, gegenwärtige Praktiken der Arbeit mit auditiven Medien in österreichischen Schulen zu erheben und ausgehend von den gewonnenen Ergebnissen und Erkenntnissen einen Methodenkatalog für die Arbeit mit und den Einsatz von Audioproduktionen im Unterricht zu entwickeln. So wurden im Zeitraum von März bis Juni 2014 im Rahmen des Forschungsprojektes "Audioproduktion als Lernform" qualitative Interviews mit LehrerInnen durchgeführt, die mit Audioproduktionen im Unterricht gearbeitet haben. Die Ergebnisse zeigen, dass die Audioproduktion als mediendidaktische Unterrichtsmethode in vielen Schultypen und Fächern erfolgreich verwendet wird. Der Einsatz wird entweder durch Lehrpläne oder persönliche Präferenzen der Lehrenden motiviert, die als Ausdruck des medialen Habitus verstanden werden können.

Helmut Hostnig liefert dann im Ressort Praxis Gedanken und Tipps zur schulischen Weblogarbeit, indem er die Vorteile der schulischen Netzarbeit an zwei praktischen Beispielen erläutert. Digitale Netzwerkarbeit, d. h. die Nutzung der Web 2.0 Technologie für schulische Projektarbeit, gehört nach Hostnig direkt in die Curricula der LehrerInnenausbildung eingelassen, weshalb der Beitrag PädagogInnen ermutigen will, mit dem Erstellen eines Weblogs die SchülerInnen an der Projektarbeit zu beteiligen.

Die in den MEDIENIMPULSEN immer wieder geführte Diskussion zu Fragen des Urheberrechts wird dann von Angelika Güttl-Strahlhofer und Lotte Krisper-Ullyett fortgeführt. Denn sie berichten aus der "Fallambulanz Urheberrecht" der Open Educational Research-Community, die im Sommersemester 2014 ihre Pforten öffnete und – von LehrerInnen eingelieferte –  PatientInnen behandelte. Dabei wird die OER-Community auch 2015 für alle LehrerInnen offen sein. Sie soll dazu animieren, die Herausforderungen des Urheberrechts im LehrerInnenberuf wahrzunehmen und gemeinschaftlich Lösungswege zu erarbeiten.

Pamela Bartar diskutiert dann im Ressort Bildung/Politik aktuelle Projekte und Online-Präsenzen im Bereich der Wissenschaftsvermittlung und reflektiert dabei die partizipative Übertragung von Bildungsinhalten und Wissen im Rahmen der Wissenschafts-PR. Dabei stellt sie drei Projekte eingehend vor: Roadkill, Socientize und NanOpinion, die alle dafür gemacht sind von Bürgerinnen genutzt zu werden. Die Bürgerinnen partizipieren so intensiv – und dies ist demokratiepolitisch äußerst relevant – an der Wissen(schaft)sproduktion.

Wie es um die Medienbildung in Österreich bestellt ist, diskutieren dann Anu Pöyskö und Katharina Kaiser-Müller. Wie hoch oben steht die Medienpädagogik eigentlich auf der bildungspolitischen Agenda in Österreich? Um das herauszufinden, hat die Initiative Medienbildung JETZT! in diesem Herbst BildungssprecherInnen aller Parteien kontaktiert und sie um ein Gespräch und eine Stellungnahme zum Thema Medienbildung gebeten. Die AutorInnen fassen die Diskussion zusammen und laden dazu ein, Teil der Initiative zu werden.

Als ein Zeichen für aktive Integrationspolitik berichtet dann Klaudia Mattern vom ÖZIV-Medienpreis, mit dem Inklusion durch differenzierte Medienberichte gefördert werden soll. Denn seit 2006 zeichnet der ÖZIV (Österreichischer Zivil-Invalidenverband) gemeinsam mit dem ÖJC (Österreichischer Journalistinnen und Journalisten Club) Medienbeiträge aus, die Menschen mit Behinderungen als aktive und selbstbestimmte Mitglieder unserer Gesellschaft zeigen. Noch bis zum 31. Dezember 2014 können dahingehend eigene Medienbeiträge eingereicht werden.

Christiana Wintersteiger macht sich dann im Ressort Kunst/Kultur auf die Suche nach dem eigentlichen Sinn eines Kultfilms. Dabei bestimmt sie Paul Morrissey’s drei Filme Flash (1968), Trash (1970) und Heat (1972), die in Andy Warhols Factory entstanden, aus guten Gründen als ebensolche "Kultfilme". Von den einen als Avantgarde, im Sinne der Warhol’schen (Film-)Kunst, von den anderen als Sexploitation oder Kommerzfilm gesehen, lassen sich anhand dieser drei Filme Spannungen zwischen den Polen "Kunst" und "Trash" ausmachen. Neben einem kurzen Versuch einer Definition des Kultfilms unternimmt es Wintersteiger, im Rekurs auf TheoretikerInnen wie Susan Sontag, Pierre Bourdieu oder Steven Shaviro, diese drei Filme auf ihre spezielle Ästhetik und ihren gesellschaftlichen und poetischen Inhalt hin zu analysieren.

Und wie immer hat Thomas Ballhausen für die LeserInnen der MEDIENIMPULSE im Ressort Neue Medien eine ganze Reihe lesenswerter Bücher rezensieren lassen: Besonders hervorzuheben ist Fabian Faltins Besprechung des nanopolitics handbook, dass die aus den Londoner Studentenprotesten hervorgegangene nanopolitics group kostenlos ins Netz gestellt hat. Wie entgeht man der kapitalistischen Steuerung, Kontrolle und Disziplin? Die Nanopolitik reagiert auf die jahrelangen Kämpfe im neoliberalen Großstadtmoloch und setzt in Erinnerung an Deleuze, Guattari und Foucault auf die Mikro-Räume der körperlich-physikalischen Erfahrbarkeit jeglicher Theorie, Information und Kommunikation.

Karl H. Stingeder beleuchtet dann einen bemerkenswerten Games-Studies-Sammelband. Grundkonsens aller 14 Beträge des Bandes ist die zentrale Bedeutung von Konflikten in der Menschheitsgeschichte, wie sie in einer großen Zahl von Computerspielen verarbeitet werden. Virtuelle Spielräume sind dabei heterogene Zonen der Widersprüchlichkeit. Christian Berger diskutiert den von unseren Innsbrucker medienpädagogischen KollegInnen herausgegebenen Band "Freie Bildungsmedien und Digitale Archive: Medien – Wissen – Bildung" und fasst so für die LeserInnen der MEDIENIMPULSE die Diskussion zum Bereich der Open Educational Ressources (OER) zusammen. Valerio Furneri rezensiert in der Folge ein schönes, soeben in Italien erschienenes Buch zum 'Tod in Venedig' bei Thomas Mann und Luchino Visconti, das erneut das interessante Forschungsfeld zwischen Kino und Literatur zum Gegenstand hat.

Valeska Ringhof stellt des Weiteren einen bemerkenswerten Band vor, in dem Peter Rabenalt der Kinogeschichte von Auge und Ohr nachgeht, um deren Synästhesie eingehend zu erläutern. Dabei rekapituliert Rabenalt die Geschichte des Filmtons von seinen Anfängen an. Stefanie Wild rezensiert die soeben publizierte Dissertation von Rosa Reitsamer, die sich der Geschichte und Gegenwart der Wiener DJ-Kultur widmet. Dabei wird erneut die Fruchtbarkeit von Pierre Bourdieus praxeologischer Kultursoziologie deutlich. Und Valerie Strunz hat für die LeserInnen der MEDIENIMPULSE die "Österreichische Archivgeschichte" von Michael Hochedlinger rezensiert. Der Band ist eine Fundgrube für alle, die sich für Geschichte und das Archiv interessieren.

Und last but not least hat unsere wunderbare Redaktionsassistentin Katharina Kaiser-Müller noch drei Veranstaltungsankündigungen hochgeladen: So erinnert sie an das CINEMAGIC, ein Programmkino für junge Filmfans ab 3 Jahren. Darüber hinaus wird vom 6. bis 8. März 2015 die DaFWEBKON 2015 abgehalten, die vierte Online-Konferenz speziell für Deutsch als Fremdsprache Lehrende. Die WebKonferenz, die seit 2012 jährlich durchgeführt wird, richtet sich an die Zielgruppe der DaF/DaZ-Lehrenden und Interessierten. Und schlussendlich wird am 10. Februar 2015 bereits zum zwölften Mal der internationale Safer Internet Day stattfinden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf einem "besseren Internet für Kinder und Jugendliche", ganz nach dem Motto: "Let’s create a better internet together!"

Wir hoffen sehr, dass sie sich in den Weiten der MEDIENIMPULSE diesmal nicht gesteuert, kontrolliert oder diszipliniert fühlen, denn uns wäre am genauen Gegenteil gelegen. Wir freuen uns daher über jeden einzelnen ihrer Zugriffe, erinnern an unseren nächsten Call und senden Ihnen

die herzlichsten Neujahrswünsche für das Jahr 2015,

Thomas Ballhausen und Alessandro Barberi

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