Ankündigungen

1/2014 - Display/Aktuelle Dynamiken und Herausforderungen kuratorischer und vermittelnder Praxis

Rückblick auf das 3. Barcamp 2014

AutorIn: Katharina Kaiser-Müller

Das dritte Barcamp der Initiative >Medienbildung Jetzt!< versammelte eine große Zahl von MedienpädagogInnen in den Räumen des WienXtra-medienzentrums. Dabei wurde präsentiert, diskutiert, politisiert und konzipiert. Katharina Kaiser-Müller berichtet von den eineinhalb Tagen intensiven Austauschs.

"Wir nehmen im Leben viele Rollen ein, die sich durch Medien definieren, ob als BloggerIn, GamerIn, FotografIn oder social media-VerweigerIn. Medien sind – speziell für Kinder und Jugendliche – eine bodenlose Fundgrube an Identitäts-Bausteinen, Identifikationsfiguren, Vorbildern, Helden und Handlungsmustern ... Wir nutzen Medien für die Selbstdarstellung und inszenieren uns unterschiedlich in verschiedenen medialen Räumen. Was bedeutet all dies für die Medienbildung?". Unter diesem Motto lud die Initiative Medienbildung JETZT! zum barcamp 2014 ein. Medienbildung JETZT! ist eine österreichweite, unabhängige Initiative, die eine differenzierte Auseinandersetzung mit Medien im Kontext Bildung anregen will und sich für eine flächendeckende medienpädagogische Grundversorgung einsetzt.

Das 3. Barcamp fand am 24. und 25. Jänner 2014 in den Räumen des WienXtra-medienzentrums statt. Etwa vierzig Interessierte fanden sich zu einem regen Austausch zusammen, denn ein Barcamp lebt von der aktiven Teilhabe und dem Wissens- und Erfahrungstausch aller Beteiligten. Es erwarteten uns eineinhalb Tage Inspiration, Austausch und Diskussion, Auseinandersetzung mit Medien und deren praktische Anwendungen in Bildungskontexten, umringt von großartiger Verpflegung, die nicht zu knapp war und wie gewohnt sehr gut. Nochmals ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle.

Teils geplant und teils offen für Anregungen, so präsentierten Anu Pöyskö und Christoph Kaindl das barcamp.


Abb. 1: Das Programm des 3. Barcamps 2014

Das Programm bestand aus einigen eingereichten und eingeplanten Themen-Slots, die selbstverständlich zu Beginn vorgestellt und abgefragt wurden, als auch aus freien Slots, die spontan genutzt werden konnten. Folgende Themen und Räume füllten das dritte Barcamp:

Gleich zu Beginn startete das Barcamp mit einer Überraschung:

Am Podium diskutierten zum Thema Medienbildung JETZT aber wirklich! Susanne Krucsay und Christian Swertz, es moderierte Anu Pöyskö. Ausgehend davon, dass wir in der Praxis noch immer weit entfernt sind von einer medienpädagogischen Grundversorgung, drängten sich zentrale Fragen auf: Warum ist das noch immer so? Woran kann es liegen? Wie und wo kann politisch angesetzt werden? Welche praktischen Handlungsmöglichkeiten wenn nicht gar Chancen gibt es in Österreich?

Susanne Krucsay bedauerte, dass selbst nach fünf BildungsministerInnen die Notwendigkeit der Einbindung von Medienbildung in die LehrerInnenbildung nicht in dem Maße stattgefunden hat, wie sie es seit über 20 Jahren fordert. In ihrem, in den MEDIENIMPULSEN 1/2010 (http://www.medienimpulse.at/articles/view/189) publizierten Artikel, können die persönlichen Einschätzungen von Susanne Krucsay nachgelesen werden.

Christian Swertz stellte die Frage der verschiedenen Begrifflichkeiten in den Raum. Dabei kam es zwangsläufig zu einer Diskussion der Begriffe (Medien-)Kompetenz und (Medien-)Bildung, deren als Ziel- bzw. Prozess-Orientierung gegenübergestellt wurden.


Abb. 2: Christian Swertz und Susanne Krucsay am 3. Barcamp 2014

Den Anwesenden war bewusst, dass Handlungsbedarf besteht und gezielte Aktivitäten gesetzt werden sollten. Auch braucht es kein "Okay" und keine "Erlaubnis" seitens der Regierung oder der Politik, um etwas zu tun – notwendig ist aber die Solidarität durch viele gesellschaftliche Gruppen. Welcher Begriff (Medienkompetenz/Medienbildung) auch immer gewählt wird – es muss für eine medienpädagogische Grundversorgung gesorgt werden, um unseren Kindern und Jugendlichen die Möglichkeiten eines reflektierenden Umgang mit ihrer (medialen) Umwelt zu geben. Somit war auch klar, dass gezielte Aktivitäten gesetzt werden sollten. Welche das konkret sind und wie diese involviert werden können, belebte die Diskussion – nicht nur am Podium. Einzelne Beispiele, bei denen Schulen selbst aktiv wurden, geben Hoffnung, dass weitere kleine Schritte vielleicht nicht gerade das ganze Bildungssystem, aber zumindest einige Engagierte weiterbringt. Dabei wurden mehrere Projekte präsentiert und diskutiert:

  • Programme zur Kulturvermittlung/KulturKontakt Austria
    Irmgard Bebe stellte die verschiedenen Förderschienen vor und beantwortete alle Fragen.
  • Was soll ich nur kaufen?!
    Günther Trojan gab Orientierung und Kaufberatung für brauchbare Kameras und Peripheriegeräte. Er gab Entscheidungshilfe beim Kauf von Geräten durch Anlegen von Kriterien, die für die eigene Arbeit relevant sind. Am Beispiel einer Kamera: mit den richtigen Kriterien trennt sich schnell die Spreu vom Weizen und es bleiben gerade 2–3 vom gesamten Marktangebot über. Dazu wird es einen Beitrag in den MEDIENIMPULSEN geben.

  • Forschungprojekt: Audioproduktion als Lernform
    Katharina Luckner und Daniela Fürst haben drei Jahre lang Radioarbeit an Schulen erhoben und daraus einen systematisierten Methodenkatalog zur medienpädagogischen Audioproduktion erarbeitet. Sie stellten ihr aktuell noch laufendes Projekt sowie die bisher gewonnenen Ergebnisse der quantitativen Erhebung vor. Zwei Beiträge sind bisher im Rahmen der Projekts erschienen, in denen das gesagte ausführlich nachgelesen werden kann: Audioproduktion als Lernform. Forschungsstand und Perspektiven (http://www.medienimpulse.at/articles/view/528) von Radioaktivität im Unterricht sowie Ergebnisse einer repräsentativen Erhebung zur Didaktik der auditiven Medien bei LehrerInnen in Österreich finden Sie in den MEDIENIMPULSEN (http://www.medienimpulse.at/articles/view/607).

  • MedienPraxis: Interkultureller Fotokalender als Teamprojekt
    Klaudia Mattern präsentierte die Ergebnisse eines Modellprojekts, das in Kooperation mit dem Bildungsministerium 2013 durchgeführt wurde und gab Einblicke in die vielfältigen Umsetzungsprozesse bei den teilnehmenden Schulen. Sie zeigte auf, wie Medienbildung auf einfache und zugleich interessante Weise stattfinden kann. Die Ergebnisse aus dem Modellprojekt finden sich online und sollen zum Nachmachen inspirieren. Ein anderes Projekt, dass sie schon vor zehn Jahren kreiert hat und bis heute verschiedenste Ziel- und Altersgruppen begeistert, ist ein OnlineMEMO-Spiel. In der aktuellen Ausgabe der MEDIENIMPULSEE gibt sie einen kurzen Rückblick auf und einen detaillierten Einblick in dieses verspielte Angebot zur praktischen Medienbildung (http://www.medienimpulse.at/articles/view/627).

Nach dem gemeinsamen Abendessen machten es sich die TeilnehmerInnen im Studio bequem und ein bunter Youtube-Abend mit einer sehr subjektiv zusammengestellten Playlist nahm seinen Lauf. Geraume Zeit vor dem barcamp wurde eine Mail mit folgender Aufforderung an die TeilnehmerInnen ausgesendet: "Bitte schicke einen deiner all-time-favourite youtube-Clips, Länge max 7 min, ohne inhaltliche Kriteria, außer dass Dir dieses Video besonders gut gefällt". Viele blieben und stellten sich gegenseitig ihre Lieblings-Videos vor. Selbstverständlich durfte der Spaß nicht fehlen, so wurde Neues vorgestellt bzw. (wieder)entdeckt und manches regte besonders zum Nachdenken an. Es war ein bunter und durch eine Vielfalt von Eindrücken geprägter Abend.

Doch etwas blieb besonders hängen. Interessanterweise nicht durch ein Video, sondern durch eine Aussage angeregt. Wir erfuhren, dass die Europäische Union eine Umfrage zum Thema Urheberrecht durchführt und diese Aktion in wenigen Tagen vorbei sein werde. Augrund dieser Tatsache wurde spontan eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, deren Aufgabe darin bestand, das besagte EU-Papier durchzugehen, aus medienpädagogigscher Sicht zu beantworten und bekannt zu machen. So begann eine Handvoll Menschen, sich der Sache anzunehmen und eine Stellungnahme (http://www.medienbildungjetzt.at/?p=859) zum Konsultationsverfahren der Europäischen Kommission in Bezug auf das EU-Urheberrecht zu veröffentlichen. Zudem schickten die Beteiligten einen ausgefüllten Fragebogen an die EU und stellten des Weiteren eine Vorlage (http://www.medienbildungjetzt.at/wp-content/uploads/2014/02/consultation-document_en_MBJETZT_AUSTRIA.pdf) mit möglichen Antworten als Ausfüllhilfe anderen MedienuserInnen zur Verfügung. Wer mehr über das Thema Urheberrecht und dessen Wirren lesen will, ist herzlich eingeladen den Artikel von Simone Mathys-Parnreiter in der aktuellen Ausgabe der MEDIENIMPULSE (http://www.medienimpulse.at/articles/view/626) abzurufen.

Mit Kaffee & Kipferl startet der zweite Tag gemütlich und ging in ein offenes Arbeits- und Vernetungstreffen der Initiative Medienbildung Jetzt! über. Dabei bestand das Barcamp erneut aus mehreren Präsentationen:

  • Audiovisuelle Medienwerkstatt für Menschen mit besonderen Bedürfnissen
    Ernst Tradinik zeigte einen Zusammenschnitt seiner Medienarbeit mit Menschen mit Behinderung/besonderen Bedürfnissen, erzählte Anekdoten und präsentierte künftige Pläne.
  • Das Mashup-Videoprojekt – Vernetzte Medienarbeit mit Jugendlichen
    Hannes Heller und Felix Studencki präsentierten ihre Erfahrungen und Schlussfolgerungen aus dem Pilotprojekt mit einer Neuen Mittelschule. Lesen Sie mehr über dieses Projekt in der Ausgabe 4/2013 der MEDIENIMPULSE (http://www.medienimpulse.at/articles/view/612).
  • Medienbildung für ALLE! – Vom Slogan zur Praxis
    Klaudia Mattern stellte Infos, Aspekte und Beispiele zu barrierefreier(er), inklusiver Medienbildung vor und plädierte für aktiv gelebte Kooperationsprojekte, um Medienbildungsangebote wirklich für alle Interessierten zugänglich zu machen.
  • Medien-Projektarbeit mit Tablets
    Hannes Heller und Felix Studencki luden zum Erfahrungsaustausch und zum Ausprobieren von brauchbaren Apps für die Projektarbeit (Video, Audio, Foto).
  • "Medienwelten" am GRg5 – Wenn die Ausnahme zur Regel wird
    Eva Reinbacher präsentierte tiefe Einblicke in die Unterrichtspraxis, diverse Inhalte, Methoden, Hindernisse und Highlights in ihr mla-prämiertes Blogprojekt "Medienwelten2013".
  • Medienbildung JETZT! – Thematische Presseaussendungen für die Schublade
    Anu Pöyskö moderierte eine Arbeitsgruppe, die sich das Ziel gesetzt hat, zu den medienpädagogischen (Dauer)Aufregerthemen (Mediengewalt, OnlineMobbing ...) Aussendungstexte und Positionspapiere zu produzieren, um schneller auf kommende, aktuelle Ereignisse reagieren zu können.

Nach einem stärkenden, verspäteten und gemeinsamen Mittagessen fanden sich alle noch einmal zusammen, um sich abschließend Gedanken zur Frage zu machen: Wie sehen eigentlich Trolle aus? Christoph Kaindel lud zu einer offenen Diskussion zum Thema "Analoge vs. digitale Rollen/Identitäten" ein und gemeinsam wurden die (oft sehr persönlichen) Grenzen und Wechselwirkungen zwischen beiden Welten ausgelotet.

Das Abschlussplenum mit kurzen Zusammenfassungen aus den Themen und Aktivitäten beim diesjährigen Barcamp moderierte Anu Pöyskö – alle wurden persönlich eingeladen, ihre Beiträge in die Onlinedokumentation einzubinden und beim nächsten Vernetzungstreffen wieder bei der Initiative oder den Arbeitsgruppen teilzunehmen

Resümierend kann festgehalten werden, dass das Barcamp Räume für regen Austausch in unterschiedlichen Gruppenzusammensetzungen und Zweiergesprächenbot und dabei ein formeller und informeller Wissentransfer stattgefunden hat. Nach eineinhalb Tagen intensiver Arbeit ging das dritte Barcamp der Initiative Medienbildung JETZT! zu Ende, wobei Ende wohl kaum der richtige Begriff dafür sein kann. Beginn trifft es wohl eher, denn manche von uns haben sich Arbeitsaufträge bzw. Arbeitspakete mit nach Hause genommen. Ganz unter dem Motto: Das Barcamp 2014 ist vorüber und es gibt noch viel zu tun ...

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barcamp, medienbildung, mediennutzung