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Rezension: Romy & Alain. Eine Amour fou

von Günter Krenn

AutorIn: Raffaela Rogy

Sie waren die Verlobten Europas: Romy Schneider und Alain Delon. Dieser irrsinnigen Liebe der beiden Weltstars geht Günter Krenn in der Biografie "Romy & Alain. Eine Amour fou" auf packende Weise und mit feiner Feder nach.

Verlag: Aufbau
Erscheinungsort: Berlin
Erscheinungsjahr: 2013
ISBN: 978-3-351-03551-8

Alles beginnt im Jahr 1958, als die junge Romy Schneider, die bereits durch ihre Sissi-Filme als großer Filmstar gefeiert wird, bei den Dreharbeiten zu Christine – der Schnitzler-Verfilmung von Liebelei – auf den damals noch unbekannten, rebellischen Franzosen Alain Delon trifft. Die anfängliche Ablehnung der beiden Schauspieler füreinander legt sich rasch bei Walzerproben und gemeinsamen nächtlichen Streifzügen. Nach Drehschluss verabschiedet Romy ihren Alain tränenreich am österreichischen Flughafen Schwechat und beschließt kurzerhand ihm nach Paris nachzufliegen. In diesem Moment entschließt sich Romy Schneider nicht nur für die Liebe, sondern begeht auch einen emanzipatorisch gewagten Schritt auf ihre Freiheit zu, indem sie sich von der dominanten Mutter Magda Schneider und dem wirtschaftlich-einflussreichen Stiefvater Hans Herbert Blatzheim befreit. Das junge deutsch-französische Paar verlobt sich, sorgt für Empörung in Deutschland, da die Sissi nun in Frankreich lebt, und erregt regelmäßig Aufsehen in der Klatschpresse, durch fremde Liebeleien des Herrn Delon.

Die Karriere von Romy Schneider geht nur schleppend voran, während Alain Delon immer mehr zum Schauspielstar avanciert – nicht zuletzt durch die Unterstützung von Filmgrößen wie Luchino Visconti. Doch auch für Romy wird Visconti ein wichtiger Mentor und Freund: Sie nimmt Sprechunterricht in Französisch, spielt unter Viscontis Regie Theater und arbeitet in Filmen wie Ludwig II ihr verhasstes Sissi-Image auf. 1963 löst Alain Delon die Verlobung auf und teilt Romy Schneider, die gerade in Hollywood für Leih mir deinen Mann vor der Kamera steht, in einem Brief mit, dass er sich für eine andere Frau entschieden hat. Dies trifft Romy Schneider so hart, dass sie darauf einen Selbstmordversuch unternimmt. Sie erholt sich kaum, flüchtet sich in zwei unglückliche Ehen und muss zwei weitere Schicksalsschläge – den Unfalltod ihres Sohnes David und den Selbstmord ihres ersten Mannes Harry Meyen – hinnehmen. Romy Schneider bestreitet ihren Alltag mit Alkohol und Pillen. Sie findet lediglich in der Schauspielerei, vor allem in Filmen von Claude Sautet, ihr persönliches Auffangnetz. Und da ist noch eine Person, ein Freund, mit dem sie nicht zuletzt in Der Swimmingpool beginnt wieder Filme zu drehen, und der ihr bis zu ihrem Herzversagen 1982 und weit darüber hinaus zur Seite stand und steht: Alain Delon.

Es ist bereits viel über Romy Schneider geschrieben worden. Dies verwundert kaum in Anbetracht der Strahlkraft, die von dem Menschen Romy Schneider ausgeht, und der Faszination, die sie auf das Publikum und SchauspielkollegInnen älterer und jüngerer Generationen ausübt. Umso erfreulicher liest sich die vorliegende Biografie Romy & Alain. Eine Amour fou von Günter Krenn, die nicht nur erzählt, sondern vor allem würdevoll geschrieben ist. Krenn braut keine Gerüchteküche mit Skandalgarnierung auf Kosten der Beziehung zwischen Schneider und Delon zugunsten einer voyeuristischen Befriedigung, vielmehr zeigt der Autor Licht- und Schattenseiten dieser Schauspielgrößen auf humane Weise, wenn er Briefe von Marlene Dietrich und Leute wie Gilles Deleuze oder Orson Welles zu Wort kommen lässt. Der Fokus liegt allerdings nicht nur auf der menschlichen Verbindung zwischen Romy und Alain. Die LeserInnen bekommen auch ein Gefühl für die zur jeweiligen Zeit vorherrschende gesellschaftliche Lage in Europa und können ein Stück Filmgeschichte Revue passieren lassen. Günter Krenn schildert nicht lediglich die Romanze eines berühmten Paares, vielmehr stellt er zu Anfang, wie auch zum Ende des Buches mit einem „unzivilisierten Muskel in der Brust“ intellektuelle Überlegungen über Liebe und Freundschaft an und holt dazu Größen wie Roland Barthes oder Denis de Rougemont in den Zeugenstand. Nicht zuletzt deshalb ist Romy & Alain. Eine Amour fou ein äußerst lesenswerter Band.

Tags

romy schnieder, alain delon, kinogeschichte, filmgeschichte, freundschaft