Praxis

1/2014 - Display/Aktuelle Dynamiken und Herausforderungen kuratorischer und vermittelnder Praxis

Kinder machen Literatur-Radio

Bericht eines Gespräches mit Doris Rudlof-Garreis über die Radioarbeit mit Kindern im Rahmen des Projekts Ohrenklick

AutorIn: Katharina Mildner (Sontag)

Katharina Sontag berichtet von dem Projekt >Ohrenklick<, mit dem die Medienpädagogin und Radiojournalistin Doris Rudlof-Garreis den Versuch unternimmt, Kindern und Jugendlichen Literatur durch Radioarbeit nahe zu bringen.

Doris Rudlof-Garreis ist Medienpädagogin und Radiojournalistin und seit über 25 Jahren in der Radioarbeit mit Kindern und Jugendlichen aktiv. Neben Ohrenklick veranstaltet sie auch medienpädagogische Workshops und bietet darüber hinaus Schulungen für LehrerInnen an.

Ohrenklick - ein einleitender Überblick

Ohrenklick wird von Frau Rudlof-Garreis als ein Literaturvermittlungsmodell vorgestellt, welches über das Medium Radio als "Lockmittel" den Kindern Literatur näher bringen und ihnen eine spezielle Form des Literaturerlebens ermöglichen will.

Im Kern geht es, so die Medienpädagogin, darum, Freude an der Auseinandersetzung mit Literatur und am Medienhandeln zu vermitteln sowie die Fähigkeit, gut zu kommunizieren. Ziel dabei ist es, literarische Neuerscheinungen von Kindern ganz anders vorstellen und präsentieren zu lassen, als dies normalerweise im Rahmen von Rezensionen der Fall ist.
Der Hintergrundgedanke, Ohrenklick ins Leben zu rufen, bestand für Frau Rudlof-Garreis darin, Kindern eine Möglichkeit zu bieten, sich über Bücher auszutauschen, die sie selbst gerne lesen und dadurch andere Kinder auf Kinderliteratur neugierig zu machen. Wichtig war für die Medienpädagogin in diesem Zusammenhang, dass es sich bei Ohrenklick nicht um ein leistungsorientiertes Projekt handelt.

Das seit eineinhalb Jahren bestehende Projekt Ohrenklick richtet sich, so Frau Rudlof-Garreis, in erster Linie an Kinder im Alter zwischen sechs und zehn bzw. elf Jahren, also an SchülerInnen der Primarstufe. Die Medienpädagogin bietet jedoch auch jüngeren Kindern im Kindergartenalter sowie älteren Kindern der Sekundarstufe I die Möglichkeit, Radiosendungen zu machen. Ihrer Einschätzung nach eignet sich diese Form der Literaturvermittlungsarbeit, wie sie bei Ohrenklick stattfindet, nicht so gut für Kinder ab dreizehn Jahren. Neben schulischen Bildungseinrichtungen können aber auch andere pädagogische Einrichtungen sowie einzelne Kinder(gruppen) auf sie zukommen, wenn diese an der Radioarbeit von Ohrenklick interessiert sind.

Ein Praxis-Einblick – so funktioniert Ohrenklick

Für ihre Arbeit bei Ohrenklick, so erklärt Frau Rudlof-Garreis, ist es wichtig, den Kindern auf Augenhöhe zu begegnen und ein Gespür dafür zu haben bzw. zu entwickeln, wo Kinder sich hineinziehen lassen und wo nicht, wo es also vonseiten der Kinder Grenzen gibt – vor allem in Bezug auf Themen und Inhalte.

Die Rolle der Kinder besteht hierbei darin, basierend auf den eingangs gegebenen Erklärungen zur Radioarbeit, möglichst frei und spontan zu sprechen und ihren Ideen freien Lauf zu lassen. Die Inhalte der Radiosendungen (also die literarische Schwerpunksetzung) können dabei in hohem Maße, nach einer vorhergehenden Absprache mit der Medienpädagogin, von den Kindern bestimmt werden. Sie sind aber nicht am Produktionsprozess (Schnitt, Komposition, musikalische Untermalung, etc.), in dem das aufgenommene Material zu einer Radiosendung fertiggestellt wird, beteiligt. Diese Aufgabe wird in erster Linie aus Zeitgründen im Moment ausschließlich von Frau Rudlof-Garreis übernommen.

Die Erstellung eines Radiobeitrages läuft, wie Frau Rudlof-Garreis schildert, üblicherweise folgendermaßen ab:

Frau Rudlof-Garreis setzt sich in Verbindung mit Bibliotheken oder wird von Bibliotheken eingeladen, mit interessierten Schulklassen oder Kindergruppen Radiosendungen aufzunehmen. Innerhalb der eingeladenen und teilnehmenden Schulklassen werden meist Gruppen gebildet, bestehend aus jenen Kindern, die gerne bei dem Radiobetrag mitarbeiten wollen. An diese werden von Frau Rudlof-Garreis in der Regel neuerschienene Bücher geschickt, von denen sich die Kinder jene aussuchen können, die sie interessieren. Nachdem die Kinder die Bücher gelesen haben kommt die Medienpädagogin mit ihrem Equipment an die Schule oder in die Bibliothek, führt die Gruppe kurz in die Radioarbeit ein, skizziert in groben Zügen den üblichen Ablauf einer Radiosendung, erklärt, wie die Produktion einer solchen Sendungen abläuft und führt ihr Aufnahmegerät vor. Daraufhin wird die Radiosendung mit den Kindern aufgenommen, wobei sich die Kinder beim Besprechen des Buches meist gegenseitig interviewen und auch über die Inhalte des Werkes hinaus Anknüpfungspunkte zu ihrem alltäglichen Leben suchen. Dabei wird jedoch nicht die gesamte Geschichte erzählt, denn das Ziel des Beitrages ist, andere zum Lesen des Buches anzuregen und neugierig zu machen. Im Anschluss daran werden noch mit den beteiligten Kindern Fotos gemacht. Das Rohmaterial, das aus den Gesprächen mit einer Dauer von bis zu 45 Minuten resultiert, wird anschließend von Frau Rudlof-Garreis zuhause zu einer fertigen Radiosendung von etwa drei bis dreieinhalb Minuten weiterbearbeitet. Dabei ist es, der Medienpädagogin zufolge, sehr wichtig, auf die Wünsche der jungen RadiomacherInnen einzugehen und das Vertrauen der Kinder in sie, dass aus dem Gesagten eine "gute" Radiosendung wird, nicht zu enttäuschen.


Abb. 1: Die Ohrenklick-ReporterInnen aus Zirl

Von den Lehrpersonen, pädagogischen BetreuerInnen, etc. wird die Medienpädagogin dabei in der Regel nicht unterstützt, was, so Doris Rudlof-Garreis, aber auch nicht notwendig ist. Sie betont jedoch, dass jene LehrerInnen, die bei den Aufnahmen mit den Kindern anwesend sind, häufig positiv überrascht sind von der Arbeit der SchülerInnen und den Resultaten. Neben dieser Form von Buchbesprechungen liegt ein anderer Schwerpunkt auf der Arbeit mit "BücherreporterInnen unterwegs", bei der spontan, etwa auf Buchmessen, Kinder angesprochen und dazu eingeladen werden, als BücherreporterInnen aktiv zu sein. Nach einer kurzen Erklärung, wie beispielsweise das Aufnahmegerät funktioniert und wie Interviewpartner angesprochen werden und befragt werden können, werden die Kinder unmittelbar aktiv und starten ihre Befragungen.


Abb. 2: Die Ohrenklick-ReporterInnen auf der Buch Wien

Darüber hinaus gibt es auch die "Ohrenklick-Buchspione", bei denen, so Frau Rudlof-Garreis, Radioarbeit mit Informationen rund um die Bücher verknüpft wird. Ohrenklick wird hierbei als Datenbank verwendet, um – im ganzen Feld der Kinderliteratur schöpfend – Anknüpfungspunkte und Material für ein Quiz zu sammeln. In Verbindung damit werden Informationen rund um die Radioarbeit vermittelt.

Entwicklungs- und Veränderungsprozesse der Kinder

Danach gefragt, ob sie Entwicklungs- bzw. Veränderungsprozesse bei den SchülerInnen feststellen konnte, antwortet Frau Rudlof-Garreis, dass bei den jungen Menschen durch diesen, nicht alltäglichen Zugang zu Büchern Erfolgserlebnisse zustande kommen, die sich besonders in einer Steigerung des Selbstwertgefühls äußern. Auch die Phantasie der Kinder wird ihrer Erfahrung nach durch die Auseinandersetzung mit Literatur in Form eines Radiobeitrages in hohem Maße angeregt. Großes Potenzial von Ohrenklick erkennt sie auch in Hinblick auf Integrations- und Inklusionsbemühungen. So birgt die Arbeit mit Kindern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, die Möglichkeit, nicht nur ihnen Kenntnisse der deutschen Sprache zu vermitteln, sondern auch Zugänge zur Muttersprache und Ursprungskultur dieser Kinder für jene Kinder ohne Migrationshintergrund zu schaffen. Zudem bietet Radioarbeit, so Frau Rudlof-Garreis, die Möglichkeit, auf bereits vorhandenen Fähigkeiten und Kompetenzen der Kinder aufzubauen, diese einzubinden und kreativ mit dem vorhandenen Potenzial der jungen Menschen zu arbeiten, ohne eine Norm erfüllen zu müssen.

Ziele der Arbeit von Ohrenklick

Die Ziele der Arbeit von Ohrenklick bestehen Doris Rudlof-Garreis zufolge darin, den Kindern eine ungezwungene Gesprächssituation und ein spezielles Leseerlebnis zu ermöglichen, gleichzeitig aber auch den NutzerInnen ein professionelles Hörprodukt anzubieten. Den Kindern soll ein vielfältiger Zugang zu Literatur geboten werden und sie sollen die Gelegenheit haben, Literatur sowie AutorInnen kennenzulernen. Dabei werden die Kinder, so Frau Rudlof-Garreis, nicht unter Leistungsdruck gestellt, da sie an der weiterführenden Verarbeitung und Bearbeitung des Gesagten zum fertigen Radiobeitrag nicht beteiligt sind und da die Beiträge nicht in Form von Noten, wie sie etwa in der Schule vergeben werden, beurteilt werden. Dafür, dass am Ende ein gutes Endprodukt herauskommt, sorgt die Medienpädagogin. Das Potenzial der Radioarbeit liegt, so Rudlof-Garreis, auch darin, dass die jungen Menschen die Möglichkeit haben, frei und spontan zu reden, sich zu präsentieren, sich hörbar zu machen und ihre eigene Stimme als etwas Aufregendes zu erleben – und zwar auf eine Art und Weise, die in der alltäglichen Schulpraxis ihrer Einschätzung nach so in der Form kaum möglich ist. Zudem liegt ein Vorteil des Mediums Radio darin, dass viele Informationen auf spielerische Art nebenbei vermittelt und angeeignet werden können.

Ein Ziel besteht für Frau Rudlof-Garreis zudem darin, Ohrenklick in den kommenden Jahren auf ganz Österreich auszuweiten. Dies erscheint ihr aufgrund der steigenden Nachfrage und der durch die Reihe positiven Rückmeldungen von Kindern, Eltern, LehrerInnen, etc. zunehmend notwendig. Zugleich stellt die Audioarbeit mit Kindern einen hohen Aufwand dar und es wäre von zentraler Bedeutung, PartnerInnen zu finden, die das Projekt in ihrem Sinne und orientiert an ihren Zielvorstellungen umsetzen.

Als Kinderliteratur-Webportal bietet Ohrenklick, so die Medienpädagogin, auch die Möglichkeit, dass Kinder sich gegenseitig hören können, dass Kinder im Osten Österreichs mitbekommen, was Kinder im Westen Österreichs lesen und online präsentieren und dass über dieses Projekt auch ein Austausch zwischen Schulen zustande kommen kann. Da es kein eigenes Ohrenklick-Studio gibt, werden die Radiobeiträge zumeist in Büchereien, die mit Ohrenklick zusammenarbeiten, aufgenommen. Aber auch andere Settings werden genutzt, die einen Bezug zu den Themen Radio und Literatur haben. So wurden etwa auch schon auf Buchmessen, im Museum oder in einer Druckerei Beiträge erstellt. Gerade in dieser höchst flexiblen Arbeitsweise erkennt Doris Rudlof-Garreis wesentliches Potenzial der Audioarbeit allgemein und von Ohrenklick im Speziellen.


Abb. 3: Die Ohrenklick-ReporterInnen erkunden die Druckerei Theiss in Wolfsberg:
Hier werden viele ihrer Lieblingsbücher gedruckt.

Danach gefragt, ob größere langfristige Kooperationen oder Projekte zwischen Ohrenklick und anderen PartnerInnen bestehen, erklärt Frau Rudlof-Garreis, dass es zwar bislang noch zu keinen solchen Formen der Zusammenarbeit gekommen ist, dass aber die Nachfrage an sie nach solchen Projekten von verschiedener Seite steigt und es wohl in absehbarer Zeit auch zu solchen Kooperationen kommen wird.

Die Webseite ohrenklick.at

Auf die Frage, ob die Webseite www.ohrenklick.at intensiv besucht wird, antwortet die Medienpädagogin, dass dies für sie überraschenderweise tatsächlich der Fall ist. So hat die Ohrenklick-Webseite bereits im ersten Jahr über 10.000 Besucher zählen können. Diese hohe Zahl an Zugriffen, die vor allem vor dem Hintergrund bemerkenswert ist, dass es sich um ein Non-Profit-Projekt handelt, erklärt sich Frau Rudlof-Garreis unter anderem damit, dass sich viele Gruppen von der Webseite angesprochen fühlen: Bibliotheken, Verlage, AutorInnen, Schulen, etc. Dazu kommt, dass jene Kinder, die an einem Radiobeitrag mitgewirkt haben, den Link zu diesem Beitrag auch an Freunde und Bekannte weiterleiten, welche dann ebenfalls die Seite besuchen und den Link weiterverbreiten.

Die Webseite bietet darüber hinaus auch die Möglichkeit, mit der Medienpädagogin in Kontakt zu kommen – telefonisch oder per Mail – und ein Treffen für die Produktion eines Ohrenklick-Beitrages zu vereinbaren. Mittlerweile, so Frau Rudlof-Garreis, ist es so, dass Interessierte vermehrt auf sie zukommen. Zu Beginn von Ohrenklick war es jedoch notwendig, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, was der Medienpädagogin zufolge im Alleingang äußerst aufwendig war.

Für Frau Rudlof-Garreis steht der Schutz und die Sicherheit der Kinder an oberster Stelle. Deshalb, so erklärt sie, ist die Webseite www.ohrenklick.at auch nutzungsrechtlich geschützt und dies ist auch der Grund dafür, weshalb die Sendungen nicht unter creative commons freigegeben werden. Zum Schutz der Kinder müssen, wenn in Verbindung mit den einzelnen Radiobeiträgen Fotos der beteiligten Kinder online gestellt werden, Nutzungserklärungen von den Eltern eingeholt werden. In diesem Zusammenhang erklärt die Medienpädagogin auch, dass die Musik, welche die Radiobeiträge der Kinder einleitet, von einem ihrer Mitarbeiter selbst komponiert wurde. Die Aufklärung über medienrechtliche Aspekte spielt, so Rudlof-Garreis, aber auch im Rahmen der praktischen Radioarbeit mit den Kindern eine wichtige Rolle.

Hier ist anzumerken, dass die lizenzrechtliche Einschränkung (Urheberrecht) bei Online Veröffentlichung keinen "Schutz" für die Kinder bietet, sondern lediglich nutzungsrechtliche Konditionen für die Vermarktung der Werke definiert. Während nutzungsrechtlich restriktiv geschützte Werke (auch Hörbeiträge) an anderer Stelle (z.B. Vervielfältigung für Nutzung im Unterricht) nur durch nutzungsrechtliche Abklärung mit den jeweiligen Urhebern und ProduzentInnen möglich ist, bietet Creative Commons ein Lizenzmodell für die UrheberInnen, das eine freie Nutzung für nicht-kommerzielle Verwendung ohne weiteren Rechercheaufwand ermöglicht. Der Persönlichkeitsschutz für Kinder basiert viel mehr auf medienethischen Überlegungen der OnlineredakteurInnen (vgl. dazu auch Beiträge der Medienimpulse in der Kolumne "Recht und Links"). Die Einverständniserklärungen der Erziehungsberechtigten (das sind nicht immer die Eltern) sind erforderlich, da die Kinder dem Gesetz nach noch nicht als Rechtspersonen zeichnungsfähig sind.


Abb. 4: Screenshot der Webseite http://ohrenklick.at/nachlese (04.03.2014)

Radioarbeit in der Schule – Stichwort Medienkompetenz

Zwar gibt Frau Rudlof-Garreis an, dass die Radiobeiträge nicht über Ohrenklick hinaus genutzt werden, doch sie erkennt in der Radioarbeit – vor allem in der Form, wie sie bei Ohrenklick praktiziert wird – viel Potenzial für den Einsatz im schulischen Kontext. So können die ansonsten schriftlich abzugebenden Hausaufgaben auch in Form von Hör-Hausübungen abgeliefert werden. In diesem Zusammenhang macht die Medienpädagogin auch deutlich, dass das Interesse von Lehrpersonen an dieser Form von Medienarbeit im Unterricht ihrer Erfahrung nach durchaus gegeben ist und die Akzeptanz der Medienarbeit vor allem im schulischen Kontext seit einiger Zeit wächst. Das Potenzial dieser Form der Radioarbeit erkennt sie vor allem darin, dass die Medienkompetenz der Kinder gefördert werden kann. Zentral muss es bei Medienarbeit darum gehen, Informationen über das Medium Radio und die Möglichkeiten, damit gestalterisch umzugehen, zu vermitteln, die Kinder jedoch auch in medienkritischer Hinsicht zu sensibilisieren.

Das Medium Radio eignet sich Frau Rudlof-Garreis zufolge auch deshalb so gut für die Arbeit mit Kindern, da die Möglichkeit, die Kinder zu schützen und anonym zu halten, eher gegeben ist, als bei anderen Formen der Medienarbeit, etwa Videos. Dabei merkt sie jedoch an, dass Kinder häufig überraschend gut über Medien und den Umgang damit informiert sind. Bezogen auf Ohrenklick, so meint sie, sei ein vielfältiger Bezug zur Medienkompetenz gegeben, da hier drei Medien eingebunden sind: Bücher, das Radio und das Internet. Berücksichtigt werden muss in diesem Zusammenhang Doris Rudlof-Garreis zufolge jedoch, dass, wie sie im Rahmen ihrer praktischen Radioarbeit erfahren hat, nicht alle (Volks)Schulen in Österreich ausreichend mit Computern, etc. ausgestattet sind, was die Möglichkeiten schulischer Medienarbeit nicht nur mit Ohrenklick einschränkt.

In Verbindung mit Ohrenklick veranstaltet Frau Rudlof-Gareis mit Kindern und Jugendlichen auch medienpädagogische Radioworkshops, welche das Ziel haben, vertiefender Kenntnis über das Medium Radio und über die Arbeit als "RadioreporterIn" zu vermitteln. Hierbei geht es vor allem darum, den Produktionsprozess und die technische Entwicklung im Rahmen der Produktion transparent zu machen und zugleich das Medium Buch ins Spiel zu bringen. Dabei wird beispielsweise vermittelt, wie die jungen "RadioreporterInnen" Interviews – etwa mit BuchautorInnen – führen, an Informationen herankommen können und wie der Aufbau einer Dramaturgie vonstattengeht. Zudem wird näher darauf eingegangen, wie sich was an Literatur im Radio aufgreifen und umsetzen lässt.


Abb. 5: Die Ohrenklick-ReporterInnen mit Peter Turrini in Graz

Problemfelder

Da Frau Rudlof-Garreis auf eine langjährige Erfahrung in der Radioarbeit mit Kindern zurückblicken kann, ist sie bereits mit viel Routine in das Projekt Ohrenklick hineingegangen.

Der finanzielle Aspekt stellt neben dem zeitlichen für die Arbeit von Ohrenklick, so Frau Rudlof-Garreis, ein zentrales Problem dar. Denn Ohrenklick wird zwar und wurde von Anfang an vom Land Steiermark gefördert, jedoch ist der finanzielle Rahmen sehr begrenzt, weshalb die Medienpädagogin auch häufig zugunsten der Medienarbeit mit Kindern auf Bezahlung verzichtet. Dies verdeutlicht den idealistischen Aspekt, der hinter Ohrenklick steht.

Da Frau Rudlof-Garreis alleine dafür zuständig ist, die von den Kindern aufgenommenen Inhalte zu Radiobeiträgen zu formen, kann sie nur eine begrenzte Zahl von Anfragen übernehmen. Die Qualität der Beiträge geht hierbei über die Quantität. Auf eine sehr selbstreflektierte Weise ist sie sich dabei jedoch dessen bewusst, dass die Beiträge dadurch in hohem Maße subjektiv gefärbt sind.

Probleme bestehen zudem in der Zusammenarbeit mit vor allem österreichischen Verlagen, da es häufig schwierig ist, an (ausreichend) Bücher zu gelangen, die sie den Kindern zur Verfügung stellen bzw. auch im Rahmen von Gewinnspielen verschenken kann.

Obwohl sie in der Arbeit mit auditiven Medien allgemein ein großes Potenzial sieht, meint die Medienpädagogin, dass diese Arbeit einen großen Aufwand darstellt und sie befürchtet, dass es nicht allzu viel Nachwuchs in dieser Richtung geben wird.

Fazit

Auf die Frage, was sich für sie bei der Radioarbeit mit Kindern als wesentlich herauskristallisiert hat, fasst Doris Rudlof-Garreis zusammen, dass es darum geht, mit Freude und Gelassenheit auf die jungen Menschen zuzugehen, offen für das Geschehen und die Situation zu sein und sich weniger Sorgen darüber zu machen, ob irgendwo störende Nebengeräusche auftauchen. Stattdessen gilt es aufmerksam und präsent zu sein, die Kinder in ihrem Tun zu bestärken und zu motivieren.

Resümee

Abschließend ist festzuhalten, dass das Projekt Ohrenklick für Kinder einen sicherlich spannenden, nicht alltäglichen Anlass bietet, sich über das Medium Radio mit Literatur auseinanderzusetzen. Ihnen wird nicht nur die Möglichkeit geboten, Bücher vorzustellen, AutorInnen zu interviewen, sondern auch allgemein – über das einzelne Werk hinaus – Zugang zu Informationen über Bücher zu erhalten, etwa deren Produktion (Druckerei), deren Zugänglichkeit (Bibliotheken, Büchereien, Buchmessen, etc.) oder die Arbeit von AutorInnen betreffend.

Es stellen sich jedoch auch einige Fragen, die an dieser Stelle angesprochen werden sollen:

Zwar ist verständlich, dass den Kindern ein bestimmtes Literatur- und Radioerlebnis vermittelt werden soll, welches im Vordergrund steht, aber es stellt sich die Frage, ob für die Kinder damit, dass sie am weiteren Produktionsprozess der Radiobeiträge unbeteiligt sind, nicht eine Möglichkeit, Erfahrungen mit Medien, insbesondere dem Radio, zu sammeln, verloren geht. Denn diese Form der Radioarbeit, wie sie bei Ohrenklick betrieben wird, könnte durchaus auch als Anlass dazu genutzt werden, dass Kinder über das Reden hinaus kennenlernen könnten, wie viel Arbeit hinter Radiosendungen steckt.

Fraglich ist auch, wie nachhaltig ein Projekt ist, das jungen Menschen einen einmaligen Zugang, ein eher oberflächliches Kennenlernen von Radioarbeit bietet. Wichtig wäre es hier, den Kindern eine längerfristige oder wiederholte sowie eine vertiefende Auseinandersetzung zu ermöglichen. Berücksichtig werden muss hier allerdings, dass Ohrenklick nur eine Form des Zugangs zu Radioarbeit darstellt, den Frau Rudlof-Garreis anbietet – in anderen Trainings und Workshops arbeitet sie gezielt daran, vertiefende Kenntnisse zu den Themen Radio und Literatur zu vermitteln; sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene.

Problematisch erscheint zudem, wie Frau Rudlof-Garreis selbst dargestellt hat, dass sie alleine für die weitere Verarbeitung der Radiosendungen verantwortlich ist, um sie sende- bzw. "hörreif" zu machen. Dadurch fallen jedoch möglicherweise andere Zugänge zum aufgenommenen Material in Hinblick darauf weg, wie die gesprochenen Inhalte und vor allem auch welche dieser Inhalte hörbar gemacht werden. Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass der Medienpädagogin dieses Problem bewusst ist und in erster Linie auf die begrenzten finanziellen Mittel, die dem Projekt zur Verfügung stehen, zurückzuführen ist.

Unklar ist darüber hinaus, wie Frau Rudlof-Garreis zur Einschätzung der genannten Veränderungs- und Entwicklungsprozesse der an den Radioaufnahmen beteiligten Kinder kommt, denn als externe Projektbetreuerin hat sie nur kurze Zeit Kontakt mit den Kindern und kaum die Möglichkeit, langfristige Effekte ihrer Arbeit festzustellen. Anzunehmen ist jedoch, dass sie von LehrerInnen oder pädagogischen MitarbeiterInnen über diese positiven Einflüsse ihres Projektes Rückmeldungen erhält, welche sie zu ihrer Einschätzung bringen.


Bildquellen

Abb. 1: www.ohrenklick.at (04.03.2014) Die Fotografie wurde zur Verfügung gestellt von Doris Rudlof-Garreis.

Abb. 2: www.ohrenklick.at (04.03.2014) Die Fotografie wurde zur Verfügung gestellt von Doris Rudlof-Garreis.

Abb. 3: www.ohrenklick.at (04.03.2014) Die Fotografie wurde zur Verfügung gestellt von Doris Rudlof-Garreis.

Abb. 4: © 2012-2014 Ohrenklick, Doris Rudlof-Garreis.

Abb. 5: www.ohrenklick.at (04.03.2014) Die Fotografie wurde zur Verfügung gestellt von Doris Rudlof-Garreis.

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