Forschung

1/2014 - Display/Aktuelle Dynamiken und Herausforderungen kuratorischer und vermittelnder Praxis

Von Fotografien, Televisionen und symbolischen Maschinen

Pierre Bourdieus Bildungssoziologie als praxeologische Medientheorie. Teil 2

AutorIn: Alessandro Barberi

Kann Pierre Bourdieus Bildungs- und Kultursoziologie als Medientheorie gelten und der Medienpädagogik als sozialwissenschaftliche Grundlage dienen? Im zweiten Teil seiner Untersuchung bejaht Alessandro Baberi diese Frage und rekonstruiert in einer detailiierten Analyse Bourdieus "praxeologische Medientheorie".

Abstract

Alessandro Barberi unterzieht die Schriften Pierre Bourdieus hinsichtlich der Debatten zum Medialen Habitus einem Close Reading und betont auch im zweiten Teil seiner Untersuchungen, dass Bourdieus Bildungssoziologie als eine praxeologische Medientheorie begriffen werden kann.

Based on a closed reading Alessandro Baberi shows that Bourdieus sociology of education can be understood as a praxeological media theory.


1. Einleitung

Im Gesamtwerk Pierre Bourdieus lässt sich wie in Barberi 2013 gezeigt hinsichtlich des Diskurses und des Habitus eine breite Anzahl von Medienbegriffen nachweisen. So wird der Bereich des Sprechens, Handelns und Gebrauchens von Gegenständen im Sinne (s)einer von Karl Marx und Max Weber her gedachten Theorie der Praxis (Bourdieu 1979) konzipiert und mit medien-, kommunikations- und informationstheoretischen Termini umsetzt. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass derartige Begriffe und Konzepte sich auf der Ebene technischer Medien und auf der Ebene der technologischen Modellierung von Institutionen als Maschinen oder Apparate fortsetzen. Wie bereits in Barberi 2013 zusammengefasst, lassen sich im Rahmen des Bourdieu’schen Gesamtwerks insgesamt vier Ebenen einer praxeologischen Medientheorie isolieren und unterscheiden:

  1. Bourdieu begreift Sprache, Sprechen und Diskurs als Medien
  2. Bourdieu begreift Akteure, Felder und Habitus als Medien
  3. Bourdieu begreift Fotografie, Fernsehen und Aufzeichnungsgeräte als (technische) Medien, und
  4. Bourdieu begreift Institutionen wie die Universität als Maschinen bzw. Automaten und mithin auch als Medien.

Der folgende Artikel behandelt nach der Ausarbeitung der ersten beiden Ebenen in Barberi 2013 die dritte und die vierte Ebene und versucht, mediensoziologisch und medientheoretisch relevante Konzepte in der Praxeologie Bourdieus aufzuzeigen. Dabei wird ganz besonders im Umfeld der Bourdieu'schen Analysen von Fotografie, Fernsehen und Tonbandgerät deutlich, dass er ihre technologische Eigendynamik als materielle Produktionsinstrumente genauso berücksichtigt wie die Tatsache ihrer sozialen Verwendung, ihres gesellschaftlichen Gebrauchs. Schon in der Auseinandersetzung mit dem technischen Medium der Fotografie entfaltet Bourdieu dabei eine (mediale) Epistemologie im Sinne einer (medialen) Erkenntnissoziologie[1], die auch für seine Modellierung anderer technischer Medien von großer Bedeutung ist.

2. Technologie(n): Fotografie(n)

So ist es für die Bourdieu’sche Diskussion des Mediums Fotografie in Eine illegitime Kunst (1983) grundlegend, dass man ihr seit dem historischen Auftauchen des Fotoapparats im 19. Jahrhundert bestimmte gesellschaftliche Gebrauchsweisen eingeschrieben hat. In ihrem zentralperspektivischen Aufbau erscheint sie dabei als realistisch und objektiv. Demgegenüber ist es medientheoretisch bemerkenswert, dass Bourdieu die fotografische Zentralperspektive (vgl. auch Panofsky 1927) eher als "Technik der Sinnestäuschungen" (Bourdieu 1983, 87) beschreibt und untersucht, wie das technische Medium der Fotografie im Sinne von Roland Barthes einen "Realitätseffekt" (effet de réel) in Szene setzt und hervorbringt (Barthes 1968).

Im Sinne einer medienpädagogischen und -theoretischen Epistemologie ist dieser Umstand relevant, da Bourdieu in der Analyse der sozialen Gebrauchsweisen des technischen Mediums Fotografie diese als realitätskonstitutiv beschreibt. Darin besteht auch der neokantianische Anteil der Bourdieuschen Praxeologie (Bickel 2003, Magerski 2005), die auch als eine Theorie der konstruktivistischen Mediennutzung[2] aufgefasst werden kann. Hinsichtlich dieses praxeologischen Aspekts kann sie daher auch mit einer handlungsorientierten Medienpädagogik (Baacke 1997, 46–50, Tulodziecki et al. 1995, Hug 2011) verknüpft werden. Medientheoretisch kommt Bourdieu dabei bezeichnenderweise im Sinne einer "materialistische(n) Theorie der Erkenntnis" (Bourdieu 2002, 26) auf die marxistische Ästhetik Walter Benjamins zu sprechen, wenn er die Fotografie konzeptuell als praktisches Mittel und Bedingung der Realitätsherstellung und sogar der Realitätsauflösung begreift:

"Es ist ihre zeitliche Definition, in der sich das ganze Paradox der Photographie in ihrer gebräuchlichsten Version offenbart. Als plötzlicher Schnitt in die sichtbare Welt ist die Photographie das Mittel, die solide und kompakte Wirklichkeit der alltäglichen Wahrnehmung in eine unendliche Vielfalt flüchtiger Ansichten aufzulösen, einmalige Konstellationen, Aspekte der wahrgenommenen Welt festzuschreiben, die – darauf hat Walter Benjamin hingewiesen – ihrer Flüchtigkeit wegen im Grunde gar nicht wahrgenommen werden können." (Bourdieu 1983, 87)[3]

Dabei ist das Besondere an der Bourdieuschen Fassung der ästhetischen Produktionsbedingung des "Mittels" Fotografie, dass sie nachdrücklich mit dem "naiven Realismus" einer Abbild- oder Widerspiegelungstheorie bricht.[4] Denn gerade dem Medium der Fotografie wurde und wird oft bescheinigt, eine objektive Repräsentation des Wirklichen zu leisten. Ganz im Gegenteil begreift Bourdieu den Gebrauch der fotografischen Technik im Rekurs auf Gilbert Simondon (Simondon 2012)[5] in einem dialektischen Wechselwirkungsverhältnis: technische Voraussetzungen wie die Fotografie sind an den gesellschaftlichen Vorstellungen/Repräsentationen genauso beteiligt wie diese realistischen Vorstellungen/Repräsentationen den gesellschaftlichen Gebrauch dieser Technik praktisch mitbestimmen. Der Fotoapparat und das Bild der Fotografie sind mithin immer schon selbst technische und praktische "Produkte":

"Zweifellos liegt es ebensosehr an der gesellschaftlichen Vorstellung vom technischen Gegenstand, der sie hervorbringt, wie an dem gesellschaftlichen Gebrauch, der von ihr gemacht wird, wenn die Photographie als die treue Spiegelung des Wirklichen gilt. In der Tat, das >>mechanische Auge<< genügt der gängigen Vorstellung von ästhetischer Perfektion und Objektivität, definiert durch die Kriterien der Ähnlichkeit und der Lesbarkeit. Das so hergestellte Bild ist das Produkt eines Gegenstandes. Und – darauf hat Gilbert Simondon hingewiesen – Anbeter wie Verächter der Maschine stimmen jedenfalls darin überein, daß die Perfektion einer Maschine dem Grad der Automatisierung korrespondiere." (Bourdieu 1983, 89)

Die technische Medialität des Fotoapparats ist also vom maschinellen Perfektions- und Automatisierungsgrad der jeweiligen Produktionsverhältnisse abhängig. Diese bestimmen materialistisch noch die Vorstellungen, Repräsentationen und Bilder mit, die man sich von der oder einer Fotografie macht. Umgekehrt gehen aber diese objektivistischen und realistischen Vorstellungen unter Aktivierung traditioneller Bestände der Kunst(-Geschichte) durch die Formierung und Objektivierung des technischen Geräts in die soziale Klassifikation und Bestimmung der Fotografie ein. Deshalb analysiert Bourdieu neben der Funktionsweise des Fotoapparats immer auch die gesellschaftlichen Direktiven und Vorgaben, welche die Art und Weise bestimmen, wie der Apparat im Rahmen der Herstellung und Produktion von Bildern seitens der Akteure handelnd genutzt und eingesetzt wird. Hinter der Kamera befindet sich eben immer ein ästhetisch habituierter Kameramann bzw. eine Kamerafrau, die den Apparat praktisch verwendet:

"Es ist ebenfalls richtig, daß die Grundprinzipien der gebräuchlichen Technik, die von den Photohändlern oder den Amateuren weitergegeben werden, hauptsächlich aus Verboten bestehen (nicht verwackeln, den Apparat nicht schräg halten, nicht im Gegenlicht oder bei schlechten Belichtungsverhältnissen photographieren), die aufgrund der schlechten Qualität der verwendeten Apparate und fehlender technischer Fertigkeiten im allgemeinen von der Erfahrung bestätigt werden." (Bourdieu 1983, 91)

Die gesellschaftlichen Funktionen sind also der Materialität des Fotoapparats selbst eingeschrieben. Umgekehrt ist die Fotografie als Praxis und ästhetische Klassifikationsform auch dem Habitus der Akteure und damit der symbolischen Auffassung und Behandlung von Fotoapparat und Fotografie eingelagert. Betont Bourdieu mithin die widerständige Materialität des Fotoapparats als Produktionsinstrument, gerät praxeologisch immer auch die Verwendung des Apparats durch habituierte und mediatisierte Akteure in den Blick. Insofern funktioniert der Fotoapparat nach Bourdieu als (technisches) Medium zwischen symbolischen Ordnungen und sozialer Wirklichkeit (Niesyto 2002). Die Fotografie ist ein praktisches Mittel zur Ordnung der alltäglichen Wahrnehmung und verweist als Apparat oder als Bild auf die ästhetischen Voraussetzungen jener Gruppen und Individuen, die sie gebrauchen und nutzen. Die fotografische Praxis mediatisiert in ihrer Gegenständlichkeit also die subjektive Aktivität der Handelnden und die objektive Materialität des technischen Mediums Fotografie. Technische Medien und ihr gesellschaftlicher Gebrauch konstituieren sich mithin gegenseitig. Schon in der Auseinandersetzung mit der Fotografie entwirft Bourdieu mithin eine praxeologische Mediensoziologie, die auch seine Konzeptualisierung anderer technischer Medien bestimmt.

Im Sinne einer reflexiven medienpädagogischen Deutung der Bourdieu’schen Bildungssoziologie als Medientheorie wäre darüber hinaus zu diskutieren, welche Rolle der Fotoapparat und die Fotografien in Bourdieus eigener (medialer) Forschungspraxis spielten. So unterstützt Bourdieu in Die feinen Unterschiede (1987) seine soziologisch-statistischen Tableaus auch durch das Einflechten explizierender Bilder und Fotografien (vgl. etwa Bourdieu 1987a, 246–247). Im Jahr 2009 sind darüber hinaus in einem schönen Band auch jene Fotografien publiziert worden, die zwischen 1958 und 1961 während seiner algerischen Feldforschungen entstanden sind.[6]

3. Technologie(n): Television(en)

Mit den zwei Vorträgen Über das Fernsehen (1998) verlängert und intensiviert Bourdieu dann die bisher vorgestellten medientheoretischen Aspekte seiner Bildungs- und Kultursoziologie: Allein durch die mediale Ausstrahlung im französischen TV[7] markieren diese beiden Vorträge eine selbstreflexive Form von Mediensoziologie. Im Sinne der Selbstkritik von Ein soziologischer Selbstversuch (2002) wird die wissenschaftliche Reflexion direkt auf die Funktionsweisen und Mechanismen der Akteure und Felder angesichts des technischen Mediums Fernsehen gelenkt. Dabei begreift Bourdieu als intellectuel engagé das Fernsehen erneut und im Marxschen Sinne als "Produktionsmittel" und "Kommunikationsinstrument" (Bourdieu 1998, 49) der Information, das immense symbolische Macht ausübt. Genauso wie das Sprechen, der Habitus oder die Fotografie setzt es dabei einen medialen "Realitätseffekt" (effet de réel) in Szene. Es sind jedoch nicht so sehr die durchaus bekannten und wichtigen Eigentumsverhältnisse der großen Fernsehanstalten, sondern erneut die feinnervigen mediensoziologischen Mechanismen der journalistischen und politischen Selbstzensur, die Bourdieu am Bildschirm, den er einen modernen "Spiegel des Narziß" (Bourdieu 1998, 43) nennt, in den Blick nimmt:

"Es ist nicht belanglos zu wissen, daß NBC der General Electric gehört (was heißt, daß bei eventuellen Interviews mit Anrainern von Atomkraftwerken wahrscheinlich … und übrigens würde niemand auf die Idee kommen …), daß CBS Westinghouse gehört, daß ABC Disney gehört und TF1 Bouygues [großes französisches Bauunternehmen, A.B.] gehört, was über eine ganze Reihe von Vermittlungsschritten durchaus seine Folgen hat. Klarerweise wird eine französische Regierung, die weiß, daß TF1 für Bouygues steht, bestimmte Schritte gegen Bouygues nicht unternehmen. Hinter diesen altbekannten, abgeklapperten Tatsachen, die noch die primitivste Kritik wahrnimmt, verstecken sich aber anonyme, unsichtbare Mechanismen, über die auf vielerlei Art eine Zensur ausgeübt wird, die aus dem Fernsehen ein phantastisches Instrument zur Aufrechterhaltung der symbolischen Ordnung macht." (Bourdieu 1998, 20)

Dabei existieren beim Auftritt und dem medialen Erscheinen der Akteure auf dem Bildschirm selbstredend ökonomische Zensurinstanzen, die sich der Medienkommunikation der Television gleichsam vom Außen her über Strukturhomologien mit andern Feldern auferlegen. Wichtiger aber sind feldspezifische Mechanismen wie das Ausrichten an der Einschaltquote oder das Nichthinterfragen der jeweiligen (klassen- und medienspezifischen) "Brille" (Bourdieu 1998, 29 oder auch 49) der Wahrnehmung, die JournalistInnen aufsetzen, wenn sie etwa über die proletarischen Wohnviertel der Pariser Banlieues berichten. Dabei sagen sie nach Bourdieu mehr über sich selbst aus als über die Lebenswelten der ArbeiterInnen oder Jugendlichen, die sie beschreiben. Die Sicht der Medien ist insofern immer schon sozial positioniert, gefärbt und gefiltert (Champagne 1997)[8]. Sie effektuiert die Wahrnehmung von sozialer Wirklichkeit viel mehr als dass sie ein Abbild von ihr liefert. In der Suche nach dem Aufregenden und auf der Jagd nach dem nächsten Scoop ist es nach Bourdieu darüber hinaus auch im Medium des Fernsehens und angesichts der Macht der Bilder das Medium des Wortes (und des Diskurses) durch dessen (Fernseh-)Übertragung symbolische Gewalt ausgeübt wird. Gibt das Fernsehen dabei vor, die Wirklichkeit abzubilden, ist es daher ganz im Sinne von Bourdieus "strukturalistischem Konstruktivismus" bzw. "konstruktivistischem Strukturalismus" (Bourdieu 1992, 135) ein mediensoziologisches Instrument zur Schaffung von mediensoziologischer Wirklichkeit. Dabei spielen das Produktionssetting, die Kamera, der Fernsehbildschirm und eben nicht zuletzt die Akteure im Feld eine maßgebliche Rolle. Das Kommunikationsinstrument Fernsehen ist daher nach Bourdieu als Massenmedium immer auch in der Gefahr der Instrumentalisierung und der Manipulation von Information durch gleichsam automatisierte Informatoren:

"Wenn man sich die naiv scheinende Frage stellt, wie die Leute sich eigentlich informieren, deren Aufgabe darin besteht, uns zu informieren, zeigt sich, daß sie, grob gesagt, von anderen Informanten informiert werden. Natürlich, es gibt die Presseagenturen, offizielle Quellen (Ministerien, Polizei usw.), mit denen die Journalisten auf komplexe Weise zusammenarbeiten müssen, usw. Das Entscheidende aber an der Information, jene Information über die Information nämlich, die zu entscheiden ermöglicht, was wichtig, was übermittelnswert ist, kommt zum großen Teil von anderen Informatoren. Und das führt zu einer Art Nivellierung, einer Homogenisierung der Wichtigkeitshierarchien." (Bourdieu 1998, 34–35)

Begreift Bourdieu die Habitusformen durchaus medientheoretisch als Generatoren, Regulatoren oder Operatoren (Barberi 2013), so funktionieren ganz in diesem medientheoretischen Sinne auch die Akteure des Journalismus vor und hinter dem Bildschirm partiell automatisiert und im Namen des Kommerzes als Informatoren und Manipulatoren (Bourdieu 1998, 21). Sie sind Kommunikatoren (Bourdieu 1998, 53) und Zensoren (Bourdieu 1998, 45) bzw. im alltäglichen Sinn des Fernsehens aktive Moderatoren (Bourdieu 1998, 43) der Informationsübertragung. Ihr medialer Habitus unterwirft sich dabei auch im Sinne der Informationstheorie dem praktisch eingesetzten "Meßinstrument" der Einschaltquote, die durch die medialen Zwänge zwischen Akteur und Feld eine subtile Medienzensur auf (gesellschafts-)kritische Reflexionspotenziale ausübt – Potenziale, die indes zu den höchsten Errungenschaften der Menschheit zählen. Bourdieu denkt dabei an Mathematik, Poesie, Literatur, Philosophie und auch an politisches Denken, linkes Bewusstsein und Gesellschaftskritik. Die neoliberal kommerzialisierten JournalistInnen stabilisieren indes und demgegenüber im Rahmen des televisionären Signal- und Informationsaustauschs nur allzu oft Informationsherrschaft, indem sie u. a. der Plattitüde oder dem Gemeinplatz gegenüber differenzierter Information großen Raum geben. Medientheoretisch wird die Information durch das Medium Fernsehen also eingeebnet. Dies bringt Bourdieu erneut medien-, informations- und kommunikationstheoretisch auf den Punkt:

"Nun lautet jedoch die Grundfrage aller Kommunikation, sei es eine Rede, ein Buch oder eine Fernsehbotschaft, ob die Voraussetzungen des Verständnisses erfüllt sind: Verfügt der Hörer über den Kode, mit dem er dekodieren kann, was ich sage? Wenn sie einen >>Gemeinplatz<< von sich geben, ist das Problem von vornherein gelöst. Die Kommunikation gelingt augenblicklich, weil sie in gewisser Hinsicht gar nicht stattfindet. Oder nur zum Schein. Der Austausch von Gemeinplätzen ist eine Kommunikation ohne anderen Inhalt als eben den der Kommunikation." (Bourdieu 1998, 39)

Gleichsam geschützt durch das symbolische Kapital und das "strahlende Charisma" als Professor (Bourdieu 1987b, 257; Krämer 2002)[9] wird Bourdieu auch von der audiovisuellen Abteilung des Collège de France, welche die beiden Vorträge Bourdieus Über das Fernsehen aufgenommen und ausgestrahlt hat, sozial abgeschirmt. So kann Bourdieu bei voller "Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel" (Bourdieu 1998, 15) im Medium des Fernsehens das Medium des Diskurses kommunikationspraktisch einsetzen, um im Rahmen dieser kritischen Informationsübertragung die Mechanismen und Funktionsweisen des Mediums Fernsehen im Fernsehen selbst zu sezieren und offenzulegen. Auf der Ebene dieser mikrosoziologischen Mechanismen sind die JournalistInnen nach Platons medientheoretisch bemerkenswertem Spruch nur "Marionetten der Gottheit" einer kommerzialisierten und damit abgeflachten Information:

"Das Fernsehen ist ein Universum, das den Eindruck vermittelt, daß die Akteure, trotz allem Anschein von Wichtigkeit, von Freiheit, von Autonomie und manchmal sogar einer erstaunlichen Aura (man braucht nur die Fernsehzeitschriften zu lesen), Marionetten eines Zwangszusammenhanges sind, der zu beschreiben, einer Struktur, die herauszuarbeiten und ans Licht zu bringen ist." (Bourdieu 1998, 53)

Dabei geht es Bourdieu nicht um eine Denunziation der JournalistInnen, sondern darum, in der Auseinandersetzung mit JournalistInnen und im Sinne der Aufklärung "Mittel zur gemeinsamen Überwindung der bedrohlichen Instrumentalisierung ausfindig zu machen." (Bourdieu 1998, 17) Insgesamt zeigen die beiden Vorträge Über das Fernsehen wie Bourdieu im Rahmen seiner Analyse des technischen Mediums Fernsehen erneut medien-, kommunikations- und informationstheoretische Begriffe verwendet, um die medialen Mechanismen des journalistischen Feldes zu modellieren. Im Rahmen von Bourdieus Analyse des Mediums Fernsehens stehen mithin wie bei der praxeologischen Analyse der Fotografie die Mechanismen des journalistischen Feldes und die in ihm eingesetzten Mittel und Instrumente vor Augen. Dabei ist der Signal- und Informationsaustauch am Bildschirm kommunikationstheoretisch durch eine Verknappung der Information gekennzeichnet. Unter den Voraussetzungen des technischen Mediums Fernsehen zirkuliert das diskursive Medium des Wortes als Überträger der Information im Rahmen allgemeiner symbolischer Herrschaftsverhältnisse. Dabei trägt das leibliche Medium des journalistischen Akteurs ein bestimmtes Informationskapital über den medialen Habitus und reproduziert so die Automatismen des journalistischen Feldes. Technische Medien und gesellschaftlicher Gebrauch konstituieren sich nach Bourdieu also gegenseitig. Insofern steht auch mit Bourdieus Analyse des technischen Mediums Fernsehen eine praxeologische Medientheorie vor Augen.

4. Technologi(en): Radiografie(n)

Des Weiteren ist hinsichtlich der Behandlung von technischen Medien bei Bourdieu auch hervorzuheben, dass er im Rahmen seiner Reflexion der soziologischen Interviewszenen von Das Elend der Welt (1997) eingehend auf die Problematik des Medienwechsels zwischen gesprochenem und geschriebenem Wort im Rahmen der Transkriptionsoperation zu sprechen kommt. Dabei reflektiert er an einigen Stellen auch das Aufzeichnungsgerät, also das Tonband, als technisches Medium. Wie bei der Fotografie ist es Bourdieu insbesondere darum zu tun, die sozialen Praktiken von Interviewern und Interviewten reflexiv in den Blick zu nehmen, um über das tatsächlich durch das Tonband Aufgenommene hinaus auch die sozialen Kontexte und Gebrauchsweisen von Sprache, Schrift und eben auch Tonband zu berücksichtigen. Das Transkriptions- und Analyseverfahren besteht dabei nach Bourdieu explizit in einem Medienwechsel, der seinerseits von technischen Medien unterstützt und getragen wird. Deren Eigenart besteht dabei aber auch in einer Informationsverkürzung, da u. a. die körperlichen und gestischen Eigenarten eines Akteurs vom Tonband nicht aufgenommen werden können:

"Das Protokoll, das der Autor der Transkription von dem auf Band aufgenommenen Diskurs anfertigt, ist zwei Arten von Ansprüchen unterworfen, die sich häufig schwer miteinander vereinbaren lassen: Um dem Anspruch gerecht zu werden, möglichst nah an dem zu bleiben, was während des Interviews in jeglicher Weise manifestiert wird und was sich nicht auf das tatsächlich auf Band Aufgenommene reduzieren lässt, müßte man eigentlich versuchen, dem Diskurs das zurückzugeben, was ihm die Verschriftlichung und die gewöhnlichen, sehr begrenzten und armseligen Instrumente der Zeichensetzung tendenziell nehmen, was gleichzeitig aber seinen ganzen Sinn und Zweck ausmacht. […] Transkribieren heißt also immer auch schreiben im Sinne von neu schreiben: Gleich dem Übergang vom Geschriebenen zum Gesprochenen, der im Theater vollzogen wird, erzwingt auch der Übergang vom Gesprochenen zum Geschriebenen durch diesen Wechsel des Mediums Ungenauigkeiten, die zweifellos die Voraussetzung für wahre Genauigkeit sind." (Bourdieu 1997, 797–798)

Aus dieser Perspektive lässt sich mithin nach Bourdieu die gesamte soziografisch-ethnografische Arbeit und Forschungssituation von Das Elend der Welt buchstäblich als mediale Operation eines sozialwissenschaftlich reflektierten und analysierten Medienwechsels begreifen. Die Interviewten beantworten Fragen und setzen so einen medialen Informationsaustausch in Gang. Durch die Praxis der Transkription, die ihrerseits unter Verwendung von Tonbändern und Transkriptionsgeräten erstellt wird, greift dann ein praktisch organisierter Medienwechsel, der durch die Verschriftlichung den empirischen Datensatz der Analyse konstituiert. Wie im Fall der Fotografie stellen auch die Medien Schrift und Tonbandgerät eine mediale Voraussetzung der Gegenstands- und Realitätskonstruktion, also der sozialwissenschaftlichen Objektivierung der untersuchten Akteure dar. Dabei wird im medientheoretischen Sinn eine "schonungslose Radiographie" der gesellschaftlichen Auswirkungen des Neoliberalismus erstellt wie Franz Schultheis in seinem Nachwort zur deutschen Ausgabe von Das Elend der Welt pointiert formulierte:

"In ihrer Zusammenschau ergeben die auf diesem Wege gewonnenen Lebens- und Gesellschaftsbilder >>von unten<< eine schonungslose Radiographie der französischen – und nicht nur der französischen – Gegenwartsgesellschaft, geprägt von zunehmendem Konkurrenzdruck in allen Lebensbereichen, struktureller Massenarbeitslosigkeit und gesellschaftlicher Marginalisierung bzw. Ausgrenzung immer breiterer Bevölkerungsgruppen, […]" (Bourdieu 1997, 829)[10]

Im Rahmen dieser mediensoziologischen Radiografie durch Tonbandaufzeichnung geht es wie angesichts des journalistischen Feldes erneut um die verborgenen Mechanismen und Automatismen der Macht, die nach Bourdieu keineswegs unveränderlich sind, da sie historisch von Menschen gemacht wurden. Um diese Mechanismen aber zu ändern, muss der (Medien-)Soziologe die von "Meinungs-Techniker(n)" (Bourdieu 1997, 825) in Szene gesetzten Wirklichkeiten fast im Sinne des ideologie- und gesellschaftskritischen Durchbrechens der Schein-Sein-Dialektik analysieren und aufdecken. Bei der Beschreibung dieses Umstands verwendet Bourdieu erneut medientheoretisch relevante Terminologien:

"Dazu muß man den Schirm von nicht selten absurden, ja oft sogar widerwärtigen Projektionen durchbrechen, durch die Unbehagen und Leiden zugleich und gleichermaßen zum Ausdruck gebracht und verschleiert werden. Die Mechanismen, die das Leben leidvoll und oft unerträglich machen, zu Bewußtsein zu bringen, heißt noch keineswegs, sie auszuschalten." (Bourdieu 1997, 825)

In diesem Sinne sind auch Bourdieus politische Engagements und Einsätze, etwa seine Solidaritätsaktion vor streikenden Bahnarbeitern am 4. Dezember 1995 im Gare de Lyon in Paris, die Unterstützung von Attac und die Gründung von raison d’agir, dezidiert als mediensoziologische und medienpolitische Angriffe auf neoliberal-kapitalistische Automatismen und Mechanismen zu interpretieren. Nach ihrer wissenschaftlichen und politischen Analyse können sie der Möglichkeit nach gesellschaftlich ausgeschaltet werden, weil sie zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt auch von bestimmbaren Akteuren und Interessensgruppen eingeschaltet wurden. Ein aktuelles Beispiel für derartige Schaltungsproblematiken stellen die Debatten zur Regulierung respektive Deregulierung der Finanzmärkte dar. Insofern ist die Soziologie eben immer auch ein schaltungstechnologisch instrumentierter "Kampfsport" (Carles 2009)[11], der die verborgenen Mechanismen und Maschinerien der Autoritäten enthüllt und im Blick auf soziale Veränderungen umprogrammieren will. Man möchte fast mit Heinz von Förster von einem kybernet(h)ischen (Förster 1993) Kampfsport sprechen. Kybernet(h)isch deshalb, weil sich die medialen Schaltungen der Macht im symbolischen Medium der Worte tief in den medialen Habitus und den Körper eingraben:

"Die Worte bringen die politische Gymnastik der Herrschaft bzw. der Unterwerfung nur deshalb so gut zum Ausdruck, weil sie, zusammen mit dem Körper, die Stütze der tief vergrabenen Schaltungen sind, in denen sich eine gesellschaftliche Ordnung dauerhaft verankert." (Bourdieu 2005b, 82–83)

Um es hinsichtlich technischer Medien in der Bildungssoziologie Bourdieus pointiert zusammenzufassen: Im Medium der Worte, die vom Medium des Körpers getragen und gespeichert werden, nutzen die Akteure mit ihrem (medialen) Habitus im jeweiligen Feld auch technische Medien wie Fotografie, Fernsehen und Tonbandgeräte. Dabei stellen technische Medien maschinelle Produktionsbedingungen im Sinne einer widerständigen Materialität dar, welche als mediale Voraussetzungen der menschlichen Praxis gelten können. Sie spielen dabei auch eine gewichtige Rolle bei der praktischen Konstruktion und Konstitution von sozialer Wirklichkeit, die ihrerseits über die Vermittlung des (medialen) Habitus wieder formend auf die Materialität von technischen Medien zurückwirken kann. Denn die symbolischen Ordnungen der menschlichen Klassifikations- und Wahrnehmungssysteme konstituieren auch die spezifische Struktur und Materialität technischer Medien. Auch im Fall des Fernsehen stehen technische Medien als Produktionsbedignungen und ihr gesellschaftlicher Gebrauch in einem Wechselwirkungsverhältnis. Dabei ist es vor allem diese praktische Nutzung der technischen Medien durch die habituierten Akteure, die eine Interpretation der Bourdieu’schen Bildungssoziologie als praxeologische Medientheorie legitimiert.

5. Institution(en): Die Staatsmaschine(n). Ein Exkurs

Im Zuge der hier vorgestellten Ausführungen wurde das Argument vorgetragen, dass sich bei Bourdieu auf mehreren Ebenen markante Medienbegriffe im Sinne einer praxeologischen Theorie der Mediennutzung nachweisen lassen. So ist der Diskurs ein symbolisches Instrument, so stellt der Habitus wie im Fall Flauberts ein Medium im Feld dar und so sind Fotografie, Fernsehen und Tonband explizit als technische Medien in ihrem gesellschaftlichen Gebrauch beschrieben. All diese mediensoziologischen Elemente können nun dort gebündelt werden, wo im Rahmen der Bourdieuschen Bildungssoziologie auch Institutionen mit medientheoretischer Relevanz als Maschinen oder Apparate begriffen werden. Schon in der Geschichte der Sozialwissenschaften finden sich mehrere AutorInnen, die Institutionen wie den Staat, eine Fabrik oder die Universität in diesem medientheoretischen Sinne konzipierten. Dies soll im Rahmen eines kurzen Exkurses verdeutlicht werden, um danach die bei Bourdieu vorhandene Maschinen- und Apparatustheorie der Institution(en) vor Augen zu führen.

Schon die sozialwissenschaftlichen Klassiker Karl Marx und Friedrich Engels kommen immer wieder auf die Staatsmaschine zu sprechen. So schreibt Engels etwa an einer von vielen Stellen von den "Triebrädern der Staatsmaschine" (Engels 1973, 486). Und Marx korreliert das materielle Interesse der französischen Bourgeoisie dezidiert mit dem Aufbau einer repressiven "Staatsmaschine":

"Aber das materielle Interesse der französischen Bourgeoisie ist gerade auf das innigste mit der Erhaltung jener breiten und vielverzweigten Staatsmaschine verwebt. Hier bringt sie ihre überschüssige Bevölkerung unter und ergänzt in der Form von Staatsgehalten, was sie nicht in der Form von Profiten, Zinsen, Renten und Honoraren einstecken kann." (Marx 1960, 150–151)

In der Folge hat auch Max Weber die innere Struktur von Parteien und mithin die Schaffung der plebiszitären Demokratie in Maschinenbegriffen ausformuliert:

"Der Tatsache nach liegt aber natürlich die Macht in den Händen derjenigen, welche kontinuierlich innerhalb des Betriebes die Arbeit leisten, oder aber derjenigen, von welchen – z. B. als Mäzenaten oder Leitern mächtiger politischer Interessentenklubs (Tammany Hall) – der Betrieb in seinem Gang pekuniär oder personell abhängig ist. Das Entscheidende ist, daß dieser ganze Menschenapparat – die >Maschine<, wie man ihn in den angelsächsischen Ländern bezeichnenderweise nennt, – oder vielmehr diejenigen, die ihn leiten, den Parlamentariern Schach bieten und ihnen ihren Willen ziemlich weitgehend aufzuzwingen in der Lage sind. Und das hat besonders Bedeutung für die Auslese der Führung der Partei. Führer wird nur derjenige, dem die Maschine folgt, auch über den Kopf des Parlaments. Die Schaffung solcher Maschinen bedeutet, mit anderen Worten, den Einzug der plebiszitären Demokratie." (Weber 1976, 843)

Des Weiteren hat auch Louis Althusser die sozialwissenschaftliche Debatte durch eine Erweiterung einer solchen maschinellen Institutionentheorie bereichert. Hier sei nur im Rahmen eines Zitats an seine "ideologischen Staatsapparate" erinnert:

"Ich bezeichne als Ideologische Staatsapparate eine bestimmte Anzahl von Realitäten, die sich dem unvoreingenommenen Beobachter in Form von unterschiedlichen und spezialisierten Institutionen darbieten. Ich schlage eine empirische Liste vor, die natürlich detailliert untersucht werden, in Frage gestellt, verbessert und verändert werden muß. Bei allen Einschränkungen, die dieses Erfordernis mit sich bringt, können wir im Augenblick folgende Institutionen als Ideologische Staatsapparate bezeichnen (die Reihenfolge der Aufzählung hat keine besondere Bedeutung):

  • der religiöse ISA (das System der verschiedenen Kirchen),
  • der schulische ISA (das System der verschiedenen öffentlichen und privaten Bildungsinstitutionen),
  • der familiäre ISA [In der Anmerkung hält Althusser fest: Die Familie erfüllt offensichtlich (auch) andere "Aufgaben" als die eines ISA. Sie greift ein in die Reproduktion der Arbeitskraft. Sie ist, je nach den Produktionsweisen, Produktionseinheit und (oder) Konsumtionseinheit.],
  • der juristische ISA [In der Anmerkung hält Althusser fest: Das "Recht" gehört sowohl zum (repressiven) Staatsapparat als auch zum System der ISA.],
  • der politische ISA (das politische System, zu dem u. a. die verschiedenen Parteien gehören),
  • der gewerkschaftliche ISA,
  • der ISA der Information (Presse, Radio, Fernsehen usw.),
  • der kulturelle ISA (Literatur, Kunst, Sport usw.)" (Althusser 1977)

Und auch Deleuze und Guattari haben auf unterschiedlichsten Ebenen und in der Tradition von Marx und Engels[12] den Maschinencharakter von gesellschaftlichen Institutionen und dabei vor allem des Staates hervorgehoben:

"Die Stadt Ur, Ausgangspunkt von Abraham oder des Neuen Bundes. Der Staat hat sich nicht nach und nach entwickelt, sondern taucht vollbewaffnet auf: Meisterstück, originärer Urstaat, ewiges Vorbild dessen, was jeder Staat sein will und begehrt. Die sogenannte asiatische Produktionsweise, einschließlich des Staates, der sie zum Ausdruck bringt oder deren objektive Bewegung er konstituiert, bildet keine distinkte Formation; sie ist vielmehr die Basisformation, die den Horizont der gesamten Entwicklung absteckt. Allseits stoßen wir auf imperiale Maschinen, die den traditionellen historischen Formen vorausgehen und sich durch die Besonderheit des Staates, durch isolierten Gemeinbesitz und kollektive Abhängigkeit definieren." (Deleuze/Guattari 1974, 279)

Darüber hinaus und ganz in diesem Sinne durchsetzt auch Michel Foucault Überwachen und Strafen (1976) mit einer ganzen Reihe von medientheoretisch bemerkenswerten Begriffen: So handelt Foucault von "Staatsapparaten" (Foucault 1976, 220), vom "Produktionsapparat" (Foucault 1976, 226), vom "Disziplinarapparat" (Foucault 1976, 230) und von "Räderwerken der Disziplin" (Foucault 1976, 244). Und so sind es bestimmte "Machtmechanismen" (Foucault 1976, 285), die das Panopticon als "Apparat-Gefängnis" und "Maschine" vor Augen führen:

"Die Wirkung der Überwachung >ist permanent, auch wenn ihre Durchführung sporadisch ist<, die Perfektion der Macht vermag ihre tatsächliche Ausübung überflüssig zu machen; der architektonische Apparat ist eine Maschine, die ein Machtverhältnis schaffen und aufrechterhalten kann, welches vom Machtausübenden unabhängig ist; die Häftlinge sind Gefangene einer Machtsituation, die sie selber stützen." (Foucault 1976, 258)

Insofern ist es auch bemerkenswert, dass Foucault an anderer Stelle Max Webers Idealtypen explizit durch institutionelle "Programme" ersetzt sehen wollte, nach denen Institutionen in ihrem Ablauf funktionieren:

"Das rationale Schema des Gefängnisses, des Hospitals oder des Asyls sind nicht allgemeine Prinzipien, die allein der Historiker durch retrospektive Interpretation wiederfinden könnte. Es sind explizite Programme; es handelt sich um Gesamtheiten kalkulierter und durchdachter Vorschriften, denen gemäß man Institutionen zu organisieren, Räume einzurichten oder Verhaltensweisen zu regeln hat." (Foucault 2005, 35)

Diesen Exkurs zusammenfassend lässt sich anhand dieser wenigen Beispiele hervorheben, dass in der Tradition der Sozialwissenschaften bereits mehrfach Institutionen wie der Staat, Fabriken, Gefängnisse oder Schulen und Universitäten als Apparate und Maschinen begriffen wurden, worauf Pierre Bourdieu unzweifelhaft aufbaut und reagiert.

6. Institution(en): Symbolische Maschine(n)

Parallel zu den anderen medientheoretisch relevanten Ebenen der Bourdieuschen Bildungssoziologie und Praxeologie lässt sich nun auch im allgemeinen Gesamtbild seiner (medialen) Bildungssoziologie der Umstand hervorkehren, dass Institutionen in medien- und maschinentheoretisch relevanter Art und Weise konzipiert werden. So formuliert Bourdieu bereits im Umfeld seiner Analyse der männlichen Herrschaft das Phänomen der Reproduktion von sozialer Ordnung auf allgemeinster Ebene unter Verwendung des Maschinenbegriffs aus:

"Die soziale Ordnung funktioniert wie eine gigantische symbolische Maschine zur Ratifizierung der männlichen Herrschaft, auf der sie gründet: Da ist die geschlechtliche Arbeitsteilung, die äußerst strikte Verteilung der Tätigkeiten, die einem der beiden Geschlechter nach Ort, Zeit und Mitteln zugewiesen werden." (Bourdieu 2005a, 21)[13]

Diese Maschine der rollenzugeteilten Geschlechterordnung funktioniert, weil sie sich in die Körper einschaltet, wie ein Wahrnehmungsprogramm, das vom vergeschlechtlichten Medium Habitus und mithin vom Medium des Körpers getragen wird:

"Die soziale Welt konstruiert den Körper als geschlechtliche Tatsache und als Depositorium von vergeschlechtlichten Interpretations- und Einteilungsprinzipien. Dieses inkorporierte soziale Programm einer verkörperten Wahrnehmung wird auf alle Dinge in der Welt und in erster Linie auf den Körper selbst in seiner biologischen Wirklichkeit angewandt." (Bourdieu 2005, 22)[14]

Ganz parallel zu dieser Analyse der programmierten Geschlechtlichkeit finden sich bei Bourdieu zahlreiche Stellen, an denen er Institutionen wie das Militär im Sinne der soeben knapp aufgezeigten sozialwissenschaftlichen Tradition als Apparate und Maschinen begreift:

"Man könnte endlos die Dispositionen aufzählen und analysieren, die das Getriebe des militaristischen Apparats bilden: […]" (Bourdieu 2013, 93)

Oder wenig später:

"Alle auf der sozialen Welt lastenden Notwendigkeiten tragen dazu bei, dass die Mobilisierungsfunktion, die an die mechanische Logik des Apparats appelliert, dazu tendiert, die Ausdrucks- und Repräsentationsfunktion in den Hintergrund zu drängen, […]" (Bourdieu 2013, 96)

Auch in einem kurzen Kapitel von Rede und Antwort (1992) mit dem Titel Die Delegierten des Apparats zeichnet Bourdieu ganz in diesem Sinne das Verhältnis von delegierten Akteuren und der Funktionsweise des bürokratischen Apparats nach:

"Das fundamentale Gesetz bürokratischer Apparate lautet, daß der Apparat all denen alles (nicht zuletzt die Macht über den Apparat) gibt, die ihm alles geben und alles von ihm erwarten, weil sie außer ihm nichts haben und nichts sind. Anders ausgedrückt: Der Apparat hängt am stärksten an denjenigen, die am stärksten an ihm hängen, weil er sie am festesten in der Hand hat." (Bourdieu 1992, 189)

Auch hinsichtlich der Bourdieu’schen Staatstheorie lässt sich diese institutionelle Maschinentheorie nachweisen. Die diesbezüglichen Vorlesungen am Collège de France mit dem Titel Sur l’Etat (2012)/Über den Staat (2014) sind soeben im Deutschen erschienen. Loïc Wacqant hat adahingehend festgehalten, dass die Staatsmaschine nach Bourdieu gleichzeitig als Repressions- und als organisiertes Befreiungsinstrument des Widerstands gegen Neoliberalismus und Kapitalismus eingesetzt werden kann:

"So erscheint der Staat [nach Bourdieu, A.B.] als eine janusköpfige Institution: einerseits als Vehikel, das jene, die am längeren Hebel sitzen, zum Zweck ihrer Bereicherung nutzen; andererseits als das Mittel, durch das das Allgemeine vorangebracht und Gerechtigkeit durchgesetzt werden kann." (Wacquant 2012, 334)

Die Liste an Stellen, die eine derartige Maschinen- oder Apparatustheorie[15] der Institutionen bei Bourdieu lesbar macht, ließe sich beliebig verlängern. Medientheoretisch und bildungswissenschaftlich äußerst wichtig ist aber, dass die Grundannahmen der hier vorgestellten praxeologischen Mediensoziologie Bourdieus ihr Kondensat und ihren Gipfelpunkt in der reflexiv-anthropologischen Analyse des Bildungssystems selbst finden. Denn ein Close Reading des Homo Academicus (1988) macht an mehreren Stellen die Verbindung der unterschiedlichen mediensoziologischen Ebenen der Bourdieu’schen Bildungs- und Kultursoziologie lesbar. So bündeln seine Reflexionen zur Reaktion von Institutionen auf Krisenerscheinungen und -zeiten mehrfach die hier diskutierten medientheoretischen Annahmen. Denn wenn eine Institution als Apparat von Apparatschiks als Akteuren getragen wird, so setzen sie zur Regulierung bzw. Deregulierung von Marktmechanismen verschiedene mediale Manipulationstechniken (etwa das Fernsehen), Redetechniken (das symbolische Medium des Diskurses) und organisatorische Techniken (etwa die Mobilisierung von AnhängerInnen) in Gang und greifen durch diese politische Automatisierung der institutionellen Maschine in die soziale Wirklichkeit effektiv und nachdrücklich ein. Diese technologischen und medialen Zusammenhänge finden sich in folgendem Zitat aus dem Homo Academicus bemerkenswert zusammengeführt und gebündelt:

"Diese Arbeit ist sicher niemals wichtiger als in Krisenzeiten, in denen der Sinn einer sozialen Welt, die sich weniger noch als sonst zu einer Totalität fügen will, einstweilen unentschieden ist. Und tatsächlich sind die politischen Apparate, vor allem aber die Apparatschiks, die durch den ständigen Umgang mit ihnen in den sozialen Techniken der Manipulation von Gruppen geübt sind – selbst wenn, wie im Falle so mancher politischen Grüppchen und Sekten, die Zahl der Führer größer ist als die aktive Basis – nie massiver und wirksamer vertreten als in solchen historischen Konstellationen. In den halbanonymen Versammlungen der kritischen Momente, in denen die Mechanismen der Konkurrenz um Formulierung und Durchsetzung der legitimen Meinung nach Art von Marktmechanismen, das heißt – wie Engels einmal sinngemäß bemerkt – trotz, in und durch Anarchie wirken, sind diejenigen im Vorteil, die sowohl über Techniken der Rede und Aneignung der Redeform, als auch über organisatorische Techniken der Vereinheitlichung und Monopolisierung des Sinns und der Artikulation von Sinn verfügen […]" (Bourdieu 1988, 299)

Zugespitzter und im Sinne der Aufklärung noch "militanter"[16] wird Bourdieus Kritik in der Auseinandersetzung mit den "Mechanismen der schulischen Segregation" (Bourdieu 1988, 268). Dies ist gerade für die Medienpädagogik und Bildungswissenschaft von größter Bedeutung. Denn davon handelt schlussendlich der Homo Academicus: von der Tatsache, dass die (professoralen) Bewertungsmaschinen durch klassifikatorische Adjektive wie etwa "einfältig", "ärmlich" oder "glanzlos" bis hin zu "fesselnd", "fein" und "meisterhaft" über "Rituelle Beschimpfung" und "Blütenlese(n) des Stumpfsinns" (Bourdieu 1988, 368–369) auf das Brutalste die sozialen Unterschiede einer gegebenen Gesellschaft reproduzieren, stabilisieren und verdecken. So werden entlang der "Kategorien des professoralen Verstehens" (Bourdieu 1988, 353–393)[17] die Kinder von Ärzten, Chirurgen oder Professoren durch diese Bewertungsmaschine deutlich besser bewertet und schneiden demgemäß in den schulischen Marktmechanismen auch besser ab als die Kinder von Kaufleuten, Handwerkern oder Steuerprüfern (Bourdieu 1988, 356–357). Das von Bourdieu untersuchte französische Bildungssystem ist mithin eine groß angelegte "Umwertungsmaschine", welche die soziale Bewertung mit der schulischen Bewertung korreliert. Klassenunterschiede werden so durch distinktive Klassifikationssysteme in den Schulklassen auf das Härteste reproduziert. Dabei ist die Analyse und Aufdeckung dieser Mechanismen nach Bourdieu eben immer auch maschinen- und damit medientheoretisch ausformuliert:

"Das Diagramm (der schulischen und außerschulischen Bewertung, A.B.) läßt sich als Schema einer Maschine ansehen, die mit sozial bewerteten Produkten gefüttert wird, um dann schulisch bewertete Produkte auszuspucken. Allerdings fällt bei dieser Betrachtungsweise ein wesentliches Moment der von ihr geleisteten Transformation unter den Tisch: Tatsächlich sorgt diese Maschine für eine enge Korrespondenz zwischen Eingangsbewertung und Ausgangsbewertung, ohne je die sozialen Kriterien und Prinzipien der Bewertung zu kennen oder auch (offiziell) anzuerkennen." (Bourdieu 1988, 363–364)

Und wenig später in gleichem Sinne:

"Die Klassifikationssysteme ermöglichen es ihnen (SchülerInnen wie LehrerInnen, A.B.), alles – also auch sich selbst – nach den schulischen Taxonomien zu bewerten und einzuordnen. Sie funktionieren in jedem von ihnen – nach bestem Glauben und Gewissen – im Sinne einer Maschine, die soziale Bewertungen in schulische Bewertungen – verstanden als anerkannte und als solche verkannte soziale Rangordnungen – transformiert." (Bourdieu 1988, 370)

Dabei sind es erneut die Medien des Diskurses und der Worte, durch die und mit denen sich Machtverhältnisse reproduzieren, wobei es Bourdieu auch kommunikationstheoretisch und diskursanalytisch um die Mechanismen geht "die gleichermaßen die Worte wie die Menschen hervorbringen, die sie aussenden und empfangen" (Bourdieu 1988, 373). Denn das universitäre Feld legt sich "den Sendern wie den Empfängern dieses Diskurses" (Bourdieu 1988, 373) ununterschieden auf und reproduziert so auf das Bedenklichste soziale Hierarchien und unhinterfragte Autoritarismen.

Wenngleich also die schulisch-akademischen Bewertungsmaschinen als kybernetische Selektionsmaschinen erscheinen und analysiert werden, warnt Bourdieu politisch und mit allem Nachdruck davor, die Mechanismen institutioneller Apparate als abgeschlossene Feedback-Schleifen im Sinne einer kybernetischen Durchsteuerung zu begreifen:

"Doch wenn der wissenschaftliche Bericht sich schon einmal der – bequemen – Sprache des >>Mechanismus<< bedient hat (zum Beispiel in Zusammensetzungen wie >>Rekrutierungsmechanismen<<), dann läßt sich auch die universitäre Körperschaft als Apparat begreifen, der in der Lage ist, ohne jeden bewußten oder unbewußten Eingriff der Akteure die festgestellten Regelmäßigkeiten hervorzubringen. Demographen und all jene, die die Geschichte am liebsten auf eine Naturgeschichte reduzieren würden, fallen nicht selten diesem spontanen Physikalismus anheim, der eine finalistische Konzeption im übrigen nicht ausschließt: Das Modell eines kybernetischen Mechanismus, der so programmiert ist, daß er die Auswirkungen seines Handelns registrieren und darauf reagieren kann, ist der erträumte Mythos zur Erklärung der immer wieder neu erfolgenden Rückkehr in den Gleichgewichtszustand – zum Entzücken des konservativen Szientismus." (Bourdieu 1988, 239)

Eine progressive und aufgeklärte Sozialwissenschaft in diesem Sinne könnte mithin auch nach Bourdieu als Mediensoziologie für eine handlungsorientierte Medienpädagogik fruchtbar gemacht werden. Dies wäre Aufgabe einer eigenen Studie, die genauer unter die Lupe nehmen müsste, wie die eingelagerten Schaltungen der sozialen Ungleichheiten unserer Gegenwart funktionieren, um deren Mechanismen aufzudecken. Man könnte dann auch diskutieren, wie die Bildungsmaschine in demokratischer und sozialer Abzweckung reformiert, umgestaltet oder sozusagen umprogrammiert werden könnte. Dabei wären medienpädagogisch und bildungswissenschaftlich mit allem Nachdruck die Aktivität der Lehrenden und Lernenden, ihre Rolle als "leibhaftige Akteure" (Bourdieu 1992, 28) sowie die Kontingenzen und Imponderabilien ihrer Entscheidungen und Handlungen zu berücksichtigen. Dies würde auch die Möglichkeit schaffen, sich jedweder (neoliberalen) Durchsteuerung der (pädagogischen) Lebenswelten positiv und im Sinne der Aufklärung zu widersetzen.

7. Conclusio: Bildungssoziologie als praxeologische Medienpädagogik

Ausgangspunkt der hier vorgestellten Überlegungen war die Tatsache, dass Dieter Baacke in der Konzeption seiner Medienpädagogik deutlich darauf verwiesen hat, dass die Bourdieu’sche Bildungssoziologie mit seiner Medienpädagogik verbunden werden kann (Baacke 1999, 33). Denn Baackes Begriff der Kompetenz ist nicht zuletzt durch seine Auseinandersetzung mit Habermas (Habermas 1971/1995) genauso explizit sozialwissenschaftlich ausformuliert wie die gesamte Handlungsorientierung seiner Medienpädagogik (vgl. erneut Baacke 1997, 46–50). Ausgehend von dieser Voraussetzung wurde das Gesamtwerk des Soziologen Pierre Bourdieu aus einer medientheoretischen und medienpädagogischen Perspektive gesichtet, um der Hypothese Nachdruck zu verleihen, dass sich im Rahmen der Bourdieuschen Bildungs- und Kultursoziologie auf mehreren Ebenen eigenständige Reflexionen des Medialen aufzeigen und nachweisen lassen.

So sind es im Nachhinein betrachtet nicht nur die "soziologischen Aspekte" (Baacke 1999, 33), die für eine sozialwissenschaftlich fundierte Medienpädagogik nach Bourdieu fruchtbar gemacht werden können. Vielmehr kann das Argument vorgetragen werden, dass in der Bourdieu’schen Bildungssoziologie auch vier Ebenen des Medialen thematisiert werden und daher schon bei Bourdieu selbst medien-, kommunikations- und informationstheoretische Begriffe, Argumente und Konzepte eine maßgebliche Rolle spielen. Rund um den Kompetenzbegriff konnte so anhand der Bourdieuschen Soziolinguistik und Diskursanalyse gezeigt werden, dass Bourdieu das Sprechen und den Diskurs in ihrer Materialität als Mittel und Instrumente von Kommunikationspraktiken begreift und sie insofern als Medien gelten können. Hinsichtlich der Debatten zum "Medialen Habitus" (Barberi/Swertz 2013) konnte in der Folge der Nachweis geführt werden, dass Bourdieu etwa den Akteur Flaubert explizit als Medium bezeichnet und auch in der Beschreibung des Habitus immer wieder auf medientheoretische Begriffe zurückgegriffen hat (Habitus als Speicher, Generator, Operator etc.).

Auch angesichts der Feldbegriffe ließ sich medientheoretisch Relevantes aus den Arbeiten Bourdieus isolieren. Darüber hinaus wurde gezeigt, dass Bourdieu auch technische Medien wie Fotografie, Fernsehen oder Tonbandgeräte reflektierte und dabei Grundlagen für eine "praxeologische Mediensoziologie" zur Verfügung stellt, die für die Medienpädagogik von großer Relevanz sein können. Die drei zuerst untersuchten medialen Ebenen in der Bildungssoziologie Bourdieus, die hier als 1. Kompetenz(en), 2. Habituierung(en) und 3. Technologie(n) zusammengefasst und diskutiert wurden, lassen sich dann viertens auf den allgemeinen Rahmen einer mediensoziologischen und praxeologischen Theorie der Institution(en) beziehen. Denn Bourdieu hat Institutionen als symbolische Maschine(n) und Apparat(e) begriffen, innerhalb derer die anderen drei mediensoziologischen Ebenen eine maßgebliche Rolle spielen oder zumindest spielen können.

Damit steht auch auf allgemeinster Ebene das Argument im Raum, dass die Bourdieu’sche Bildungssoziologie als praxeologische Mediensoziologie begriffen werden kann, wodurch sie, um noch ein Mal mit Dieter Baacke zu reden, für die Medienpädagogik buchstäblich "anschlussfähig" (Baacke 1999, 33) ist. Die hier vorgestellten Ausführungen reden dabei insgesamt der Annahme das Wort, dass die Bourdieusche Bildungssoziologie im Sinne der Grundlagenforschung für eine sozialwissenschaftliche Fundierung der Medienpädagogik mehr als geeignet ist. Um die Verbindungslinie zur sozialwissenschaftlich orientierten Medienpädagogik Dieter Baackes deutlich hervortreten zu lassen, wird es indes notwendig sein, bei Baacke selbst die sozial- und medienwissenschaftlichen Grundannahmen präzise herauszuarbeiten, um sie direkt mit der Bourdieuschen Bildungssoziologie zu vergleichen und zu verknüpfen. Hier werden künftige Forschungen zu den (sozial-, kultur- und medienwissenschaftlichen) Grundlagen der Medienpädagogik ansetzen können und ansetzen müssen.


Anmerkungen

[1] Die Bourdieusche Praxeologie beruht zu einem Gutteil auf der Auseinandersetzung mit der französischen (Historischen) Epistemologie i. e. Erkenntniskritik. Vgl. dazu Canguilhem, Georges (1979): Wissenschaftsgeschichte und Epistemologie, Frankfurt/M.: Suhrkamp. Vgl. dazu auch Rheinberger, Hans-Jörg (2007): Einführung in die Historische Epistemologie, Hamburg: Junius. Von dieser Traditionslinie her ist auch zu verstehen, weshalb Bourdieu sich immer wieder auf die Radikalität der Kantschen Kritik beruft: "Und der Rückgriff auf Kant ist nun nicht zu sehen als Mittel zur Überschreitung der Hegelschen Tradition durch Rettung des Universellen, wie es bei einigen deutschen Denkern der Fall ist, vielmehr als ein Weg zur Radikalisierung der Kritik in dem Sinne, daß in jedem Einzelfall nach den gesellschaftlichen Bedingungen der Möglichkeit gefragt wird – einschließlich der Möglichkeit der Kritik selber" (Bourdieu 1992, 38). Damit ist auch der Schritt von einer "reinen" Erkenntniskritik zu einer Erkenntnissoziologie angedeutet.

[2] Zur Argumentation des Konstruktivismus vgl. grundlegend Glasersfeld, Ernst von (1996): Der Radikale Konstruktivismus. Ideen, Ergebnisse, Probleme, Frankfurt/M.: Suhrkamp, und: Watzlawick, Paul (2006) (Hg.): Die erfundene Wirklichkeit. Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben? Beiträge zum Konstruktivismus, München: Piper.

[3] Benjamin formuliert im Rahmen des Kunstwerkaufsatzes: "Und unverkennbar unterscheidet sich die Reproduktion, wie illustrierte Zeitung und Wochenschau sie in Bereitschaft halten, vom Bilde. Einmaligkeit und Dauer sind in diesem so eng verschränkt wie Flüchtigkeit und Wiederholbarkeit in jener." Deshalb winkt auch aus den frühen Fotografien die Aura zum letzten Mal im "flüchtigen" Ausdruck eines Menschengesichts. Vgl. Benjamin, Walter (1934/35): Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Pias, Claus/Vogl, Joseph/Engell, Lorenz/Fahle, Oliver/Neitzel, Britta (2004): Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard, Stuttgart: DVA, 18–33, hier: 23.

[4] Für die Entwicklung der marxistischen Epistemologie formulierte Friedrich Engels in den Materialien zum Anti-Düring ganz im Gegensatz zu Bourdieu und in erkenntnistheoretisch vereinfachender Weise: "[Ideen – Spiegelbilder der Wirklichkeit] Die Ideen alle der Erfahrung entlehnt – richtig oder verzerrt – der Wirklichkeit." Vgl. Engels, Friedrich (1962): Materialien zum "Anti-Dühring", MEW Band 20, Berlin: Dietz, 573–596, hier: 573. Bezeichnend ist aber auch, dass Engels seine Unterschrift unter folgende Sätze, die wohl eher von Marx stammen, gesetzt hat: "Nachdem unser wahrer Sozialist die Natur so mystifiziert hat, mystifiziert er das menschliche Bewußtsein, indem er es zum >>Spiegel<< der so mystifizierten Natur macht. Natürlich, sobald die Äußerung des Bewußtseins den Gedankenausdruck eines frommen Wunsches über menschliche Verhältnisse der Natur untergeschoben, versteht es sich von selbst, daß das Bewußtsein nur der Spiegel ist, in dem die Natur sich selbst beschaut. Wie oben aus der Qualität des Menschen als bloßer Naturkörper, so hier aus seiner Qualität als bloßer passiver Spiegel, in dem die Natur zu Bewußstsein kommt, wird bewiesen, daß >>der Mensch<< den in der Natur als nicht existierend unterstellten Zwiespalt ebenfalls in seiner Sphäre aufzuheben habe" (Marx/Engels 1969, 460–461). Mit diesen Sätzen in Händen lässt sich mithin bei Marx selbst eine Kritik an der (Wider-)Spiegelungstheorie nachweisen. Die Abbild- oder Widerspiegelungstheorie hat aber in bestimmten Formen des orthodoxen Marxismus u. a. die (neo-)kantianische Erkenntniskritik oft dogmatisch negiert. Dass indes über die Frage nach den Möglichkeits- und Produktionsbedingungen der menschlichen Erfahrung (ohne Widerspiegelung) eine Verbindung von Kant und Marx möglich ist, wurde nicht zuletzt im Umfeld der Frankfurter Schule eingehend diskutiert. Vgl. dazu Negt, Oskar (2005): Kant und Marx. Ein Epochengespräch, Göttingen: Steidl. Vgl. auch Sohn-Rethel, Alfred (1990): Das Geld, die bare Münze des Apriori, Berlin: Wagenbach. Auch der Austromarxismus suchte im Umfeld des Begriffs "Sozialapriori" eine diesbezügliche Verbindung von Kant und Marx. Vgl. dazu Adler, Alfred (1936): Das Rätsel der Gesellschaft. Zur erkenntnis-kritischen Grundlegung der Sozialwissenschaft, Wien: Saturn.

[5] Vgl. Simondon, Gilbert (2012): Die Existenzweise technischer Objekte, Zürich: diaphanes.

[6] Vgl. Bourdieu, Pierre (2009): In Algerien. Zeugnisse der Entwurzelung, Konstanz: UVK.

[7] Die beiden Vorträge in Über das Fernsehen (1998) stellen die Transkription der Aufzeichnung von zwei Fernsehsendungen dar, die vom Collège de France produziert und am 18. März 1996 vom französischen Privatsender Paris Premiére ausgestrahlt wurden.

[8] Patrick Champagne hat diesen "Sozialperspektivismus" der Medien eingehend herausgearbeitet. Vgl. dazu: Champagne, Patrick (1997): Die Sicht der Medien, in: Bourdieu, Pierre et al.(Hg.): Das Elend der Welt. Zeugnisse und Diagnosen alltäglichen Leidens an der Gesellschaft, Konstanz: UVK, 75–86.

[9] Bemerkenswert ist, dass Bourdieu im Rahmen seiner Theorie des Charismas, die er in kritischer Auseinandersetzung mit Max Weber gewinnt, selbiges durchaus marxistisch und damit auch medientheoretisch als Produkt von Kreditübertragungen begreift. Bourdieu spricht vom entfremdeten Bewusstsein und bestimmt dann das Bewusstsein näher: "[…] Ein Bewußtsein, das keine Ahnung davon hat, daß es das, was es erkennt, selbst hervorbringt, und deshalb gar nicht wissen will, daß der tiefinnerste Reiz seines Bezugsobjekts, nämlich dessen Charisma, lediglich das Produkt unzähliger Kreditübertragungen ist, mit denen die Subjekte dem Objekt Kräfte zuschreiben, denen sie sich dann unterwerfen" (Bourdieu 1987b, 257). Medientheoretisch relevant ist auch der Umstand, dass Max Weber in Wirtschaft und Gesellschaft vom "Träger des Charismas" spricht, in dem eine "Sendung" verkörpert wird (Weber 1976, 658). Eine Seite weiter spricht Weber auch von einem "Apparat von Leistungen und Sachgütern", der dem "Charismaträger" angepasst ist (Weber 1976, 659). Damit zeigt sich auch hier (bei Weber und Bourdieu), dass eine medienwissenschaftliche Ausdeutung der sozialwissenschaftlichen Klassiker allemal lohnend ist und die sozialwissenschaftliche Grundlegung der Medienpädagogik bereichern kann.

[10] Vgl. Schultheis, Franz (1997): Deutsche Zustände im Spiegel französischer Verhältnisse. Nachwort zur deutschsprachigen Ausgabe, in: Bourdieu, Pierre et al. (Hg.): Das Elend der Welt. Zeugnisse und Diagnosen alltäglichen Leidens an der Gesellschaft, Konstanz: UVK, 827–838, hier: 829. Für diesen luziden Hinweis danke ich Reinhard Sieder sehr herzlich.

[11] Das von Pierre Carles gedrehte Bourdieu-Portrait "Soziologie ist ein Kampfsport" (Carles 2009) wäre seinerseits einer medienreflexiven und praxeologischen Feinanalyse zugänglich. In verschiedenen Situationen und von Beginn an wird im Rahmen dieser Dokumentation die Mediennutzung des Pierre Bourdieu (Mikrofon, Radio, Fernsehen, Schrift, Wort etc.) sicht- und hörbar und müsste eigens analysiert werden. Auf YouTube findet sich der Film unter: http://www.youtube.com/watch?v=5Joz5G94L7U (letzter Zugriff: 21.02.2014).

[12] Gilles Deleuze verbindet seine gemeinsame Arbeit mit Félix Guattari in einem Interview, das Toni Negri bezeichnenderweise 1990 mit ihm führte, deutlich und klar mit Marx und dem Marxismus: "Ich glaube, daß Félix Guattari und ich Marxisten geblieben sind, alle beide, wenn auch vielleicht in verschiedener Weise. Denn wir glauben nicht an eine politische Philosophie, die nicht auf eine Analyse des Kapitalismus und seiner Entwicklungen gerichtet ist. Bei Marx interessiert uns am meisten die Analyse des Kapitalismus als immanentes System, das seine eigenen Grenzen immer wieder hinausschiebt, auf einer höheren Ebene jedoch immer auf sie stößt, denn die Grenze besteht im Kapital selbst." Vgl. Deleuze, Gilles (1993): Kontrolle und Werden. Gespräch mit Toni Negri, in: Deleuze, Gilles: Unterhandlungen. 1972–1990, Frankfurt/M.: Suhrkamp, 243–253, hier: 246. Dass Deleuze immer wieder die "Größe von Marx" vor Augen stand, belegt auch die Tatsache, dass er kurz vor seinem Tod im Jahr 1995 mit den Arbeiten zu einem Buch mit dem Titel La Grandeur de Marx begann.

[13] Es wäre äußerst interessant, Bourdieus Begriff der "symbolischen Maschine" über Ernst Cassirer und unter Berücksichtigung der Mechanismen des "symbolischen Kapitals" mit der Promotionsschrift Sybille Krämers zu vergleichen und zu verbinden, deren Erkenntnisinteresse nicht zuletzt darin besteht, das Umkippen des Symbolischen ins Technische epistemologisch und medientheoretisch zu beschreiben und zu analysieren. Vgl. dazu Krämer, Sybille (1988): Symbolische Maschinen. Die Idee der Formalisierung in geschichtlichem Abriss, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Welche Bedeutung "symbolische Maschinen" und damit auch "Neue Medien" für die (doppelte) Konstitution unserer Wirklichkeitsvorstellungen haben, wird deshalb auch in folgendem Band kultur- und medienwissenschaftlich diskutiert: Krämer, Sybille (1998) (Hg): Medien – Computer – Realität. Wirklichkeitsvorstellungen und Neue Medien, Frankfurt/M.: Suhrkamp. Dabei ist es bezeichnend, dass keiner(r) der überaus kompetenten AutorInnen dieses Bandes auf den Begriff der "symbolischen Maschine" bei Bourdieu zu sprechen kommt, obwohl damit Sozial- und Kulturwissenschaften sehr produktiv verbunden werden können. Könnte dies ein blinder sozialwissenschaftlicher Fleck der medienwissenschaftlich orientierten (Berliner) Kulturwissenschaft sein?

[14] Erwähnt sei hier am Rande, dass Bourdieu im Rahmen der Anmerkungen auf eben dieser Seite sein ethnografisches Instrumentarium als >Analysegerät< bezeichnet. (Bourdieu 2005, 22: Anmerkung 8.)

[15] An dieser Stelle sei auch darauf hingewiesen, dass der französische Begriff dispositif im angelsächsischen Raum mit apparatus übersetzt wird. Insofern ist auch die Debatte zum Begriff Dispositiv medientheoretisch eingehend zu berücksichtigen. Vgl. Agamben 2008, Deleuze 2005 und Foucault 1978. Dabei ist es mehr als bemerkenswert und – im Sinne der hier vorgestellten sozialwissenschaftlichen Argumentation – von großer Bedeutsamkeit, dass Foucault im Umfeld seiner Definition des Dispositivs (Foucault 1978, 119–120) den Bereich des Nicht-Diskursiven explizit als jenen der gesellschaftlichen Institution(en), also als den Bereich des "Sozialen" begreift: "Was man im allgemeinen 'Institution' nennt, meint jedes mehr oder weniger aufgezwungene, eingeübte Verhalten. Alles was in einer Gesellschaft als Zwangssystem funktioniert, und keine Aussage ist, kurz also: alles nicht-diskursive Soziale ist Institution" (Foucault 1978, 125). Das Gesellschaftliche, das Soziale und das Institutionelle werden von Foucault dann erneut an verschiedenen Stellen mit Maschinenbegriffen verbunden und beschrieben. So thematisiert Foucault u. a. nicht-diskursive "Relais" und "Mechanismen" (Foucault 1978, 108), "Staatsapparate" (Foucault 1978, 130), "Moralisierungsprogramme(n) für die Arbeiterklasse" (Foucault 1978, 133), den "Verwaltungsapparat" (Foucault 1978, 139) die "Bestrafungsmaschine" (Foucault 1978, 137) oder allgemeiner unterschiedliche "Technologieformen" (Foucault 1978, 195).

[16] Militant versteht sich hier im Bourdieuschen Sinne als die "Militanz der Aufklärung", die er sich für die Intellektuellen im Gespräch mit Axel Honneth wünschte: "Ich glaube, daß die Zeit der Intellektuellen als Propheten vorbei ist. Ich glaube auch, daß wir die Rolle als Experten zur Lösung von Management-Problemen nicht akzeptieren können. Man müßte es fertigbringen, Wissenschaft und Militanz zu versöhnen, den Intellektuellen die Rolle von Militanten der Vernunft wiederzugeben, die sie etwa im 18. Jahrhundert innehatten. Dazu ist den Intellektuellen wieder Vertrauen in ihre >>Mission<< einzuflößen, in ihre Aufgabe, ihren Beruf" (Bourdieu 1992, 48–49).

[17] Dieses Kapitel zu den "Kategorien des professoralen Verstehens" zählt zu den radikalsten Leistungen Bourdieus hinsichtlich einer soziologischen Erfassung von (professoralen) Bewertungsschemata. Dementsprechend groß waren auch die Widerstände seiner Kollegen, von denen Bourdieu in einem Interview mit Roger Chartier berichtet: "Einer meiner Kollegen am Collège de France, der ein bedeutendes Mitglied des Instituts ist, sagte mir, meine Arbeiten hätten bei gewissen Mitgliedern (certains membres, A.d.Ü.) des Instituts gewisse Widerstände (certaines résistances A.d.Ü.) hervorgerufen, sogar gesicherte Widerstände (résistances certaines, A.d.Ü.). Und unter meinen Arbeiten war ein Artikel am schockierendsten, den ich unter dem Titel >>Die Kategorien des professoralen Verstehens<< veröffentlicht habe und mit viel Ironie versetzte […]" (Bourdieu/Chartier 2001, 26–27). Die professoralen Widerstände sind angesichts dieses Meisterwerks nur allzu verständlich. Vgl. dazu auch Barberi (2011): Wer prüft die Prüfer? Von den Blue-Chips der Wissenschaft. In Erinnerung an Pierre Bourdieu und Michel Foucault, in: 0816, Ausgabe 6/2012, online unter: http://homepage.univie.ac.at/alessandro.barberi/Wer%20pr%FCft%20die%20Pr%FCfer.html (Letzter Zugriff: 03.03.2014)


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