Praxis

1/2014 - Display/Aktuelle Dynamiken und Herausforderungen kuratorischer und vermittelnder Praxis

Okto

Ein zukunftsträchtiges Modell medialer Partizipation

AutorIn: Georg Lindner

Als kleiner Sender mit großen Ideen ging Okto am 28. November 2005 um 20 Uhr on air. Seither haben an die 350 verschiedene Gruppierungen mit der Produktion eigener Sendereihen am Zustandekommen des vielfältigen Programms mitgewirkt. Georg Lindner wirft einen Blick hinter die Kulissen ...

Abstract

Als kleiner Sender mit großen Ideen ging Okto am 28. November 2005 um 20 Uhr on air. Seither haben an die 350 verschiedene Gruppierungen unterschiedlichster Zusammensetzung, was Alter, Herkunft, Interessen und Vorstellungen betrifft, mit der Produktion eigener Sendereihen am Zustandekommen des vielfältigen, spannenden und immer professioneller hergestellten Programm des Sender mitgewirkt. Diese Erfolgsgeschichte macht es deutlich: Partizipation ist aus der medialen Gegenwart nicht mehr wegzudenken und stellt, das zeigen die Bemühungen vieler – auch kommerziell orientierter Anbieter – eine der größten und spannendsten Herausforderungen für die Medienproduktion der Zukunft dar.


1. Ein Modell macht Schule

Nichtkommerzielle Medien des sogenannten dritten Sektors leben es seit Jahren vor: Wer sein Publikum wirklich beteiligt, hat nicht nur authentischere Inhalte und relevanteres Programm, sondern ist als Plattform attraktiver als viele der Angebote, die da lauten: "Wir stellen jetzt auch eine Nische für User Generated Content zur Verfügung". Denn bei Medien wie Okto wird Partizipation nicht nur seit Anfang an großgeschrieben, sie wird auch professionell organisiert und begleitet. Der Erfolg ruht dabei auf drei wichtigen Säulen:

1. Den Aus- und Weiterbildungsangeboten
2. Einer gut strukturierten und organisierten Qualitätssicherung
3. Einer professionell agierenden Programmkommunikation

In seinem Bemühen, Menschen dazu zu ermutigen und zu ermächtigen, selbst Programm zu gestalten, vermittelt Okto den ehrenamtlichen SendungsmacherInnen nicht nur das entsprechende Know-how und stellt die technische Infrastruktur (Kameras, Schnittplätze, TV- Studio) sowie die Programmplätze bereit. Wer bei Okto Sendung mach,t findet hier kontinuierlich AnsprechpartnerInnen, die die Entwicklung des eigenen Programmangebots unterstützen, Feedback begleiten und durch kontinuierliches Rückmeldung dafür sorgen, dass sich die Qualität des Produzierten kontinuierlich steigern kann. Darüber hinaus sorgt die Öffentlichkeitsarbeit des Senders nicht nur dafür, dass das große Ganze als spannende Marke wahrgenommen wird, sondern bemüht sich auch darum die größtmögliche Aufmerksamkeit für jede einzelne Sendung zu erzeugen.

Die Aus- und Weiterbildungsangebote des Senders stehen aber nicht nur künftigen SendungsmacherInnen, sondern allen interessierten BürgerInnen gegen eine geringe, sozial gestaffelte Kursgebühr zur Verfügung.

2. Okto eckt an

Kennzeichnend für Okto sind vielfältige, mitunter auch ungewöhnliche und widerspenstige Inhalte, die, da sie aus den Communities heraus entstehen, nicht selten von hohem inhaltlichem Kenntnisreichtum geprägt sind. Und wenn auch einige immer wieder dazu angetan sind, die RezipientInnen (heraus-)zu fordern, so ermöglichen sie doch Einblicke und Ausblicke, die einzigartig sind. Der Communitysender sorgt – nicht zuletzt durch sein mehrsprachiges Programm – für ein gesellschaftspolitisch wichtiges Komplementärangebot zum öffentlich-rechtlichen und privat-kommerziellen Fernsehen.

3. Okto – Zahlen & Fakten

Das Mitmachfernsehen ist österreichweit über A1 TV (Programmplatz 34) und UPC (analog: Programmplatz 8 | digital: Programmplatz 108) empfangbar. In Niederösterreich und dem Burgenland kann Okto auch im digitalen Programmbouquet von kabelplus (Programmplatz S31 | 386 MHz) empfangen werden. Darüber hinaus liefert im Großraum Wien sowie in Teilen Niederösterreichs und des Burgenlands die DVB-T Antenne Okto ins Haus. Auch via DVB-T2 | simpliTV ist Okto kostenlos empfangbar.

Mittlerweile können somit 1.443.000 ÖsterreicherInnen (Personen 12+ ) das TV-Programm von Okto empfangen. Der sogenannte "Weiteste SeherInnenkreis" (WSK: Personen, die im letzten Monat mindestens eine Minute lang durchgehend Okto geschaut haben) lag zuletzt bei 213.000. Folglich schauen knapp 15% jener ÖsterreicherInnen, die den Communitysender empfangen können, auch tatsächlich das Programm von Okto. (Quelle: AGTT / GfK Teletest, 2. Halbjahr 2013)

Abseits von Kabel und DVB-T läuft das Okto-Programm weltweit via Livestream (http://okto.tv/schauen/livestream). Und wer eine Sendung verpasst hat, kann diese jederzeit in der Oktothek (http://okto.tv/schauen/oktothek) "nachschauen".

Finanziert wird der nichtkommerzielle Sender vorwiegend aus Subventionen der Stadt Wien (MA 13) und aus Mitteln des "Fonds zur Förderung des Nichtkommerziellen Rundfunks" der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR-GmbH).

4. Aus- und Weiterbildung

Die Abteilung Aus- und Weiterbildung hat sich als zielgruppenorientierter und professioneller Anbieter zeitgemäßer Workshops im Bereich audiovisueller Bildung etabliert. Durchschnittlich 800 Teilnahmen sowie rund 300 Stunden an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen – all das bei sehr guten Bewertungen der Kurse und Unterlagen – sprechen eine eindeutige Sprache.

5. Die Workshops im Überblick

Okto bietet ein grundlegendes und umfassendes Kursprogramm zum Thema Fernsehmachen – von Videojournalismus über Studioproduktion bis hin zu Moderation u. v. m. Im Fokus steht dabei stets der praxisbezogene Zugang mit Augenmerk auf den interkulturellen Aspekt.

Beim monatlichen Infoabend lernt man/frau Okto näher kennen. MitarbeiterInnen des Programmteams stellen das Wiener Communityfernsehen vor und erklären dabei alle Schritte auf dem Weg zur eigenen Sendung.

Anschließend geht es um folgende Fragen: Wie plane ich eine Sendung? Was muss ich beim Umgang mit Mikrofon und Kamera beachten? Und wie klappt das mit der Postproduktion? An drei Abenden bietet der Workshop Videojournalismus I einen ersten Einblick in die Bereiche Beitragsgestaltung, Kamera, Ton und digitaler Videoschnitt. Das perfekte Einstiegspaket für angehende Okto-ProduzentInnen! Im darauf aufbauenden Workshop Videojournalismus II wird an drei Abenden die gesamte Produktion einer TV-Reportage durchgespielt: In der Redaktionssitzung wird ein Konzept entworfen, ein Drehplan erstellt sowie Kameraführung und Lichtsetzung besprochen. Dann geht es zum Dreh und anschließend in die Postproduktion. Zu guter Letzt werden die Beiträge präsentiert und analysiert.

"Ab ins TV-Studio!", heißt es für die TeilnehmerInnen des Kurses "Grundlagen der Studioproduktion" (Moderation, Kamera, Floordirector, Maske, Ton, Bildmischung und Regie).

Dass das Fernsehmachen ganz spezifischen rechtlichen Rahmenbedingungen unterliegt, wird im Workshop "Medien- und Urheberrecht" zum Thema gemacht. Von Fragen der journalistischen Sorgfalt bis hin zur korrekten Verwendung von Fremdmaterial (z. B. Filmausschnitte, Videos aus dem Internet, …) reichen dabei die Themen.

Gutes Sprechen will gelernt sein, wenn man Off-Texte für einen Videobeitrag aufnimmt oder vor laufender Kamera moderiert. Das Rüstzeug dazu vermittelt der Workshop "Sprechen in den Medien und Moderation".

Spezial-Workshops wie "Medien und Migration" (Erarbeitung von Leitlinien für die eigene interkulturelle Videoarbeit) und "Untertitelung" komplettieren das Aus- und Weiterbildungsangebot.

Neben diesem Regelbetrieb erfreuen sich auch Workshops für Schulklassen großer Beliebtheit. SchülerInnen können bei Okto ihre eigene Talk-Show, ihre Magazinsendung oder worauf sie sonst Lust haben, produzieren. Wichtig ist dabei, dass die Kinder die Inhalte selbst bestimmen und auch selbst umsetzen lernen. Sie gestalten das Studiosetting, legen die Rollen fest (Moderation, Gäste, …), übernehmen die Regie und produzieren so ihre eigene Sendung. Das Thema wird entweder in der Schule vorbereitet oder spontan im Studio entwickelt.

Gerne gebucht werden auch Führungen durch die Okto-Räumlichkeiten. Nach einer Einführung mit Vortrag, Diskussion und Videobeiträgen führen MitarbeiterInnen der Aus- und Weiterbildung durch den Sender.

6. Medienpädagogische Projekte und Kooperationen

Zusätzlich zum regelmäßigen Kursbetrieb ist der Communitysender auch Teil zahlreicher medienpädagogischer Projekte und Kooperationen. Am "Wiener Töchtertag" etwa bringt Okto alljährlich interessierten Mädchen die Arbeit in einem Fernsehstudio näher. Ebenso können Kinder im Rahmen des Bezirksferienspiels "wienspielt" einen Blick hinter die Kulissen des Fernsehmachens werfen. Studierende des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Uni Wien haben seit dem Sommersemester 2011 die Möglichkeit, im Rahmen einer Lehrveranstaltung bei Okto Fernsehpraxis zu sammeln. Und um die Medienkompetenz von Lehramtsstudierenden zu stärken, kooperiert Okto seit 2010 auch mit dem Zentrum für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Wien. Weiters existiert seit 2013 eine Kooperation mit der VHS Polycollege Margareten/Wieden.

Auch über die Grenzen hinaus ist das Wiener Communityfernsehen medienpädagogisch aktiv. So war Okto etwa Partner im Projekt MEDIAREGION, dessen Fokus auf der Entwicklung und Errichtung eines gemeinsamen slowakisch-österreichischen Medienzentrums in Bratislava lag.

Tags

okto, partizipation, medien, community-media, dritter sektor