Schwerpunkt

4/2013 - Medialer Habitus

Von Medien, Übertragungen und Automaten

Pierre Bourdieus Bildungssoziologie als praxeologische Medientheorie. Teil 1

AutorIn: Alessandro Barberi

Alessandro Barberi unterzieht die Schriften Pierre Bourdieus hinsichtlich der Debatten zum Medialen Habitus einem Close Reading und betont in seinem Beitrag, dass Bourdieus Bildungssoziologie als eine Medientheorie avan la lettre begriffen werden kann.

Abstract

Im Zuge der Debatten zum Medialen Habitus wurde vielfach betont, dass die >Theorie der Praxis< von Pierre Bourdieu aus unterschiedlichen Gründen als Referenz medienpädagogischer Argumentationen und Ansätze herangezogen werden kann. Weniger oft wurde dabei betont, dass sich die Bourdieusche Bildungssoziologie selbst als eine Medientheorie begreifen lässt. Dabei zeigt eine eingehende Auseinandersetzung mit den Schriften Bourdieus, dass er an mehreren Stellen den Begriff des Mediums verwendet hat und mithin von einer >praxeologischen Medientheorie< des Medialen Habitus avant la lettre gesprochen werden kann. Dieser Artikel untersucht – ausgehend von den Debatten zur "Medienkompetenz" – wie Bourdieu Sprache, Sprechen und Diskurs, sowie Akteure, Felder und Habitus als Medien begreift und betont dabei die Nützlichkeit der Bourdieuschen Bildungssoziologie im Rahmen einer sozialwissenschaftlichen Grundlegung der Medienpädagogik.


1. Einleitung

Es ist mehr als bezeichnend, dass Dieter Baacke im Umfeld seiner vierstufigen Definition der Medienkompetenz als Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung (Baacke 1999) deutlich darauf verweist, dass zwischen seinem Begriff der Medienpädagogik und der Bildungssoziologie Pierre Bourdieus mehrere Korrespondenzen bestehen und folglich eine Verbindung der Medienpädagogik mit der Praxeologie Bourdieus[1] wünschenswert wäre. Baacke hält in diesem Zusammenhang nachdrücklich fest:

"Der französische Soziologe Pierre Bourdieu (1970) erweiterte die Debatte um soziologische Aspekte. Bourdieu bezog sich wie Habermas (und Baacke in seiner Schrift >Kommunikation und Kompetenz< 1972) auf Chomskys Begriff und Konzept der "Kompetenz". Bourdieu betonte freilich stärker die >generative Grammatik< und verstand >Habitus< als ein System von Mustern, die der Mensch verinnerlicht hat und die es ihm ermöglichen, variabel Wahrnehmungen, Gedanken und auch Handlungen eines kulturellen Raums zu erzeugen. […] Dieser soziologische Diskurs ist in vielfältiger Hinsicht anschlussfähig." (Baacke 1999, 33)

In der Folge haben MedienpädagogInnen die Bourdieusche Bildungssoziologie im weiteren Umfeld der Debatten zum "Medialen Habitus" diskutiert (Niesyto 2002, Biermann 2009, Kommer 2006/2010, Swertz 2011), wobei im Zuge dieser Diskussionen insgesamt selten darauf verwiesen wurde, dass sich bei Bourdieu selbst eine gehäufte Verwendung des Medienbegriffs nachweisen lässt und mithin im Gesamtwerk Bourdieus bereits eine "praxeologische Medientheorie" avant la lettre rekonstruiert werden kann, die vor allem vier Ebenen umfasst:

  1. Bourdieu begreift Sprache, Sprechen und Diskurs als Medien
  2. Bourdieu begreift Akteure, Felder und Habitus als Medien
  3. Bourdieu begreift Fotografie und Fernsehen als Medien, und
  4. Bourdieu begreift Institutionen wie die Universität als Maschinen bzw. Automaten und mithin ebenfalls als Medien.

Der folgende Artikel arbeitet die ersten beiden Ebenen heraus und rekonstruiert die Bourdieusche Medientheorie auf der Ebene von Sprache, Sprechen und Diskurs, sowie auf der Ebene von Akteur, Feld und Habitus, um die medienpädagogischen Diskussionen zum "medialen Habitus" anhand eines Close Readings der Schriften Bourdieus zu intensivieren. Das Hauptargument ist dabei, dass die Bourdieusche Bildungssoziologie im Sinne einer praxeologischen Medientheorie gefasst werden kann und daher künftig auch für eine sozialwissenschaftliche Grundlegung der Medienpädagogik geeignet ist.

2. Kompetenz(en): Sprache, Sprechen und Diskurs als Medien

Zuvorderst kann im Sinne einer medienpädagogischen Fragestellung festgehalten werden, dass Pierre Bourdieu im Rahmen seiner praxeologischen Bildungssoziologie das Sprechen, die Sprache bzw. den Diskurs an mehreren Stellen explizit als Medium im Sinne eines "kommunikativen Mittels" und "interaktiven Instruments" in gegebenen Sprechsituationen begriffen hat. Dabei ist vorauszuschicken, dass mit der Bourdieuschen Diskussion und Verwendung eines an der Praxis orientierten Kompetenzbegriffs auch diskursanalytisch die Möglichkeit gegeben ist, seine Bildungssoziologie mit einer handlungsorientierten Medienpädagogik (vgl. etwa Hug 2011) und dabei vor allem mit dem Terminus der u. a. von Dieter Baacke definierten "Medienkompetenz" (Baacke 1999, Schorb 2009) zu verbinden. Der Kompetenzbegriff ist dabei nach Bourdieu immer mit einer Soziolinguistik verknüpft wie im Folgenden knapp skizziert werden soll, um dann in einem zweiten Schritt zu zeigen, dass Bourdieu selbst die Sprache, das Sprechen und den Diskurs nicht nur als Medien bezeichnet, sondern auch begriffen hat.

Zuerst gilt es aber zu betonen, dass Bourdieu in einer kritischen Aufnahme und gleichzeitigen Abgrenzung von Noam Chomskys generativer Grammatik die (Sprach-)Kompetenz nicht als angeborenes und biologisches Sprachvermögen konzipiert (wie Chomsky 1981, 187–217)[2], sondern eher im Sinne einer "kommunikativen Kompetenz" (Hymes 1979, 23f. und auch Habermas 1971) soziologisch und soziolinguistisch davon ausgeht, dass Kompetenz(en) in verschiedenen Sozialräumen bzw. Feldern wie Familie, Schule oder Berufswelt durch Lernprozesse und Erfahrungen praktisch erworben wird. Dies distanziert auch Chomskys Annahme eines "idealen Sprechers", da (Sprach-)Kompetenz immer in bestimmbaren sozialen und ökonomischen Konstellationen realisiert wird, was sich in der Folge auch auf Bourdieus Theorie des Sprachgebrauchs auswirkt, der das Medium zwischen symbolischen Formen und sozialer Wirklichkeit (Niesyto 2002) bildet. In Die feinen Unterschiede (1987) formuliert Bourdieu daher die soziale und ökonomische Einbindung der Kompetenz(en) folgendermaßen aus:

"Die je besondere Kompetenz (für klassische Musik oder Jazz, Theater oder Kino, etc.) hängt ab von den Chancen, welche die verschiedenen Märkte (der Familie, der Schule oder des Berufs) ihrer Akkumulation, Umsetzung und Verwertung zugleich einräumen, hängt mit anderen Worten davon ab, in welchem Ausmaß sie den Erwerb [sic! A.B.] einer derartigen Kompetenz in der Weise begünstigen, daß sie Gewinne suggerieren oder garantieren und damit zu neuer Investierung bestärken oder überhaupt veranlassen. Die Chancen der Nutzung und >>Rentabilisierung<< der kulturellen Kompetenz auf den verschiedenen Märkten tragen wesentlich bei zur Bestimmung des jeweiligen Hangs zu >>schulischen<< Investitionen und jenen anderen, die deswegen als >>freie<< bezeichnet werden, weil sie im Unterschied zu den durch die Schule organisierten sich weder den Zwängen noch den Anreizen dieser Institution zu verdanken scheinen. Kompetenz ist um so gebieterischer gefordert und >>zahlt<< sich um so mehr aus – Inkompetenz wird um so schärfer bestraft und ist um so >>kostspieliger<<, je höher der Legitimitätsgrad eines bestimmten Bereichs ist." (Bourdieu 1987, 152–153)

Medienpädagogisch relevant ist dabei der Umstand, dass (musische oder kulturelle) Kompetenzen bzw. Inkompetenzen sich nach Bourdieu vor allem in der Familie, der Schule oder den Berufswelten herausbilden und mithin konsequenterweise auch "Begabungen" oder "Anlagen" auf Lernprozessen und Erfahrungen beruhen. Dabei begreift Bourdieu Familie, Schule und Berufswelt als Märkte auf denen Kompetenzen erworben und ins Spiel gebracht werden. Auf diesen Märkten stellen dann die zirkulierenden (z. B. politischen oder ästhetischen) Kompetenzen immer auch symbolische Sprach- bzw. Sprechkompetenzen (der Distinktion) dar, die tief in den Denk- und Handlungsweisen von Akteuren verankert bzw. "inkorporiert" sind, wobei die Sprache über die Grammatik zu einer Art von Kode wird, der – so Bourdieu an die Informationstheorie angelehnt – aus praktischen "Informationsschemata" besteht:

"Sprache ist nicht von Anbeginn ein genuiner Kode. Zu einem solchen wird sie erst durch die Grammatik, die die quasi juridische Kodifizierung [sic! A.B.] eines Systems von Informationsschemata [sic! A.B.] darstellt." (Bourdieu 1992, 103)

In der Folge grenzt Bourdieu in Was heißt sprechen? (1990) seine praxeologische Theorie der Sprechhandlungen dezidiert von einer "internen Sprachwissenschaft" ab, die Worte und Zeichen zwar positiv und "objektiv" beschreiben kann, es aber unterlässt, sie auf singulär Handelnde in verschiedenen sozialen und ökonomischen Sprach- und Sprechsituationen der Performanz und damit auch auf Macht, Herrschaft und symbolische Gewalt zu beziehen. In einer Absetzbewegung zur strukturalen Linguistik in der Tradition Ferdinand de Saussures (Saussure 2001)[3] und Roman Jakobsons (Jakobson 1969) stellt die Sprachkompetenz, die neben der Performanz des Sprechaktes nur einen Teil des Sprachgeschehens abdeckt, nach Bourdieu kein abstraktes und vom Sprechen abstrahiertes Regelsystem dar, sondern muss auf diskursive bzw. kommunikative "Interaktion(en)" im Sinne einer "praxeologischen Semiotik" und daher auf die sozialen Bedingungen ihrer (Diskurs-)Produktion bezogen werden:

"[…] es macht jedoch die Irrtümer und Fehlschläge verständlich, denen die Sprachwissenschaft anheimfällt, wenn sie dem Sprechen in seiner konstellationsabhängigen Einzigartigkeit gerecht zu werden versucht, indem sie von nur einem der beteiligten Faktoren ausgeht, nämlich von der eigentlichen Sprachkompetenz, die sie abstrakt definiert, daß heißt losgelöst von allem, was sie den sozialen Beziehungen ihrer Produktion schuldet." (Bourdieu 2005: 42)

Die Sprachkompetenz ist des Weiteren bei Bourdieu immer auch auf das Problem des legitimen Sprechens bezogen, wodurch die Frage nach unterschiedlichen (und klassenspezifischen) Sprachkompetenzen im sozialen Raum (vgl. Bourdieu 1985) eindringlich vor Augen geführt wird:

"Sprecher ohne legitime Sprachkompetenz [sic! A.B.] sind in Wirklichkeit von sozialen Welten, in denen diese Kompetenz vorausgesetzt wird, ausgeschlossen oder zum Schweigen verurteilt. Nicht die im biologischen Erbgut angelegte universelle, also ihrem Wesen nach nichtdistinktive Sprechfähigkeit ist also selten, sondern diejenige Sprachkompetenz, die man braucht, um die vom sozialen Erbe abhängige legitime Sprache zu sprechen, die die sozialen Unterschiede in die genuin symbolische Logik der differentiellen Unterschiede oder, mit einem Wort, in die Logik der Distinktion übersetzt. Die Entstehung eines Sprachmarktes schafft die Voraussetzungen für die objektive Konkurrenz, in der und durch die legitime Sprachkompetenz als sprachliches Kapital [sic! A.B.] fungieren kann, das bei jedem sozialen Austausch einen Distinktionsprofit abwirft." (Bourdieu 2005, 60)

Kompetenz(en) sind nach Bourdieu also immer auch auf das Problem von klassenspezifischem Einschluss (Inklusion) bzw. Ausschluss (Exklusion) bezogen. Die Handelnden verwenden dabei im Spiel um den Distinktionsprofit auf dem Sprachmarkt das akkumulierte Diskurs- und d. i. "Informationskapital" – auch dies medientheoretisch bzw. medienpädagogisch relevant – als Mittel bzw. Instrument und eignen sich in den sozialen Kämpfen um (symbolische) Anerkennung (Bourdieu 1998a, 173–176)[4] verschiedene (ästhetische, politische oder pädagogische) Kompetenzen an, die sie dann – bewusst oder unbewusst – ins sozioökonomische Spiel von Akkumulation, Umsetzung und Verwertung einbringen. Die Worte und die Zeichen zirkulieren – ganz so wie in der Diskursanalyse Michel Foucaults (Foucault 1991/1971)[5] – in ihrer individuellen Einzigartigkeit als Werte im Rahmen einer auf Macht und Autorität bezogenen (Diskurs-)Ökonomie, die im Sinne einer Produktion, Distribution und Konsumtion von Diskursen seitens der Akteure in unterschiedlichen sozialen Feldern praktisch "getragen" wird. Eben diese Abhängigkeit des Sprechens von den singulären Handlungen der Akteure und ihren feldspezifischen Kontexten macht die Sprache und näher hin das Sprechen – gegen Ferdinand de Saussures langue und Noam Chomskys competence und in positiver Bezugnahme auf William Labovs Soziolinguistik (Labov 1980, Bourdieu 2005, 57)[6] – nach Bourdieu dezidiert zu einem praktischen "Instrument", das im Kampf um Anerkennung, Macht, Herrschaft und soziale Position im Sinne von parole und performance (inter-)aktiv gebraucht und benutzt wird. Dahingehend hält Bourdieu fest:

"Das sprachwissenschaftliche Modell ließ sich deshalb so leicht in den Bereich der Ethnologie und Soziologie übertragen, weil man der Sprachwissenschaft das Wesentliche zugestand, nämlich die intellektualistische Philosophie, die aus der Sprache mehr eine Objekt intellektueller Erkenntnis macht, als ein Instrument [sic! A.B.] des Handelns und der Macht." (Bourdieu 2005: 41)

Eine solche "instrumentelle" und "instrumentierte" Soziolinguistik und Diskurspragmatik, welche noch Bourdieus Theorie des symbolischen Kapitals (vgl. grundlegend Bourdieu 1983a) inspiriert und mitbestimmt, ist mithin immer eine Theorie des praktischen Gebrauchs von Worten und Zeichen, die Bourdieu – durchaus medientheoretisch – als "Wahrnehmungsprogramme" (Bourdieu 2005, 100) begreift, welche ihrerseits eine generative Funktion besitzen. Dabei ist es eben im Rahmen der von Bourdieu konzipierten Produktions- und Markttheorie des sprachlichen Austausches nicht nur die auf Erfahrung beruhende sprachliche Kompetenz, sondern – durchaus im Sinne der Sprechakttheorie von Austin und Searle (Austin 2002 und Searle 1971) – vor allem die "performative Wirkung des Diskurses" (Bourdieu 2005, 100), die das symbolische Sprachgeschehen ausmacht und bestimmt (vgl. zur "poststrukturalen" Theoretisierung des Sprechakts auch: Butler 1997 und Sontag 2012)[7]. Die Bourdieusche Argumentation besteht dabei nicht zuletzt darin, den Nachweis zu führen, dass sich in bestimmten Sprechweisen und Symbolisierungen immer auch Macht- und Herrschaftsverhältnisse ausmachen lassen. Dahingehend betonen auch Krais und Gebauer, dass die Sprache nach Bourdieu ein "mächtiges Medium symbolischer Herrschaft" darstellt. (Krais/Gebauer 2002, 11). Sprachliche Kompetenz ist also nach Bourdieu immer auch soziale und ökonomische Kompetenz an Distinktion und Definitionsmacht, die als (akkumuliertes) "Kapital an Information" performativ wirksam werden kann, um in die soziale Wirklichkeit in ihrer doppelten Konstitution einzugreifen. Sie vollzieht sich dabei im Sinne der Interaktion und Face-to-face-Kommunikation von Akteuren eben auch "interaktiv".

Es ist daher aus medienpädagogischer Sicht schon auf dieser primären Ebene des Sprechens, Zeichensetzens und Symbolisierens bemerkenswert, dass Bourdieu die Sprache und das Sprechen bzw. den Diskurs an mehreren Stellen mit dem Begriff des Mediums verbindet. Hatte schon Ernst Cassirer in seiner radikalidealistischen Philosophie der symbolischen Formen (1987/1988/1990) betont, dass beispielsweise die Kunst immer in einem (sprachlichen und symbolischen) Medium stattfindet, das den Formgebungsprozess allererst ermöglicht und jede kulturelle "Objektivierung" dahingehend auf "Vermittlung" und "Mediatisierung" beruht (Cassirer 1990: 27), so geht auch Bourdieu im Rahmen seiner materialistischen Soziologie der symbolischen Formen (1970) davon aus, dass Ausdrucksformen wie das Schreiben oder Zeichnen sich im Medium der symbolischen Formen – als Kapitalformen – und also im Medium der Sprache bzw. des Sprechens vollziehen (Magerski 2005). So thematisiert Bourdieu etwa den linguistischen Gegensatz von Denotation und Konnotation und betont die Vielfalt des "Instrumentariums", mit dem im Rahmen der Kommunikation vor allem die EmpfängerInnen (als KonsumentInnen und MediennutzerInnen) "symbolische(n) Aneignung einbringen" (Bourdieu 2005, 43) und fährt dann unter Verwendung des Medienbegriffs fort:

"Es ist das Paradox der Kommunikation, dass sie ein gemeinsames Medium [sic! A.B.] voraussetzt, aber ihr Ziel nur erreicht, wenn sie – wie an dem Grenzfall gut zu sehen ist, bei dem es, wie oft bei der Lyrik, um die Vermittlung [sic! A.B.] von Gefühlen geht – einmalige, das heißt sozial geprägte Erfahrungen erzeugt oder wiederaufleben lässt." (Bourdieu 2005, 43)

In Produktion und Rezeption erreicht die Nutzung des sprachlichen Mediums mithin nur dann ihr Gelingen, wenn ihr sozialer Charakter die Übereinstimmung der sozial geprägten Erfahrungen von SenderInnen (ProduzentInnen) und EmpfängerInnen (KonsumentInnen) vermittelt, einhält und erreicht. Da die verschiedenen Sprechweisen indes immer schicht- und klassenspezifisch auf Autorität und Macht bezogen sind, werden Sprache und Sprechen durch Distinktion auch Medien der sozialen Ungleichheit (Kreckel 1983). Und so begreift Bourdieu im Rahmen seiner Analyse der "konservativen Schule" (Bourdieu 2006b) auch und gerade die Universitätssprache der gelehrten Kultur erneut als Medium, das trennend zwischen der Kultur der Lehrenden und jener der Lernenden steht:

"Zwischen einem charismatischen Gebrauch der Sprache, die den Schüler durch verbale Verzauberung in den Stand der Gnade versetzen soll, und einem traditionellen Gebrauch der Universitätssprache als geweihtem Medium [sic! A.B.] einer geweihten Kultur schwankend, gehen die Lehrer von der Voraussetzung aus, dass zwischen dem Lehrenden und dem Lernenden eine Gemeinsamkeit der Sprache und der Kultur und ein vorgängiges Einverständnis in Bezug auf die Werte existiert, was aber nur dann der Fall ist, wenn das Schulsystem es mit seinen eigenen Erben zu tun hat." (Bourdieu 2006b, 42)

Bourdieu erinnert dahingehend immer wieder an Wittgensteins Sprachphilosophie der handlungsorientierten "Sprachspiele" (Wittgenstein 2001, Bourdieu 1979, 161f. und Bourdieu 1992, 27), die auch in der medienpädagogischen Diskussion eine eminente Rolle spielen (Hartwich/Swertz/Witsch 2007). Festzuhalten ist daher, dass die Sprache, das Sprechen und mithin der Diskurs bei Bourdieu nachdrücklich – und im wiederholten Rekurs auf die Marxschen Feuerbachthesen (Marx 1969) – in ihrem Gebrauch und mithin als materielle Handlung, Tätigkeit und Praxis in Betracht kommen. Wenn Sprache und Sprechen in der Bourdieuschen Bildungssoziologie mithin explizit als Medien (der ästhetischen oder schulischen Distinktion) begriffen werden, lässt sich schon auf der Ebene des Sprachlichen, Symbolischen oder Diskursiven eine praxeologische Theorie der Mediennutzung bzw. des Mediengebrauchs nachweisen, die in der Folge bei Bourdieu auch für andere Medien (von der Schrift bis hin zu Fernsehen, Fotografie und Institutionen) von Belang ist, aber schon für die Nutzung und den Gebrauch des "Diskursinstruments" im Sinne einer Theorie der Praxis (Bourdieu 1979) in Veranschlagung gebracht werden kann.

Insofern ist auch nachdrücklich hervorzuheben, dass Bourdieu seine Theoriebildung explizit als Diskursanalyse begriffen hat (Bourdieu 2005: 141ff). Gerade weil Menschen bzw. Akteure die Sprache gemäß ihrer Position im sozialen Raum und also auch gemäß ihrer Herkunft in bestimmten Sprechsituationen praktisch und handelnd benutzen und gebrauchen, reproduzieren sich im Medium des Sprechens die sozialen Unterschiede und Ungleichheiten durch die Distinktionsspiele in den unterschiedlichen Feldern des sozialen Raums. Dabei ist für die Medienpädagogik vor allem das von Bourdieu im Homo Academicus (1988) eingehend analysierte Feld des Bildungssystems von besonderem Interesse. Im Medium des Sprechens bzw. des Diskurses werden mithin klassenspezifische Klassifikations- und Distinktionsformen gesetzt, da beispielsweise das "Medium" der Universitätssprache von der stillschweigenden Voraussetzung getragen wird, dass es keine sozialen Unterschiede zwischen Lehrenden und Lernenden gibt. Eine an Bourdieu orientierte sozialwissenschaftliche Grundlegung der Medienpädagogik – die (wie auch Dieter Baacke betonte) als "durchaus marxistisch" (Baacke 1999, 33) zu begreifen wäre – geht indes von einer prinzipiellen Ungleichheit der Kompetenzverteilung aus und betont, dass die Sprache sich nach Bourdieu nur im individuellen und singulären Akt des Sprechens realisiert und dabei den Charakter eines (Primär-)Mediums – im Sinne von Dieter Baacke und Harry Pross (Pross 1972, 127–144) – besitzt. Dieser Zusammenhang sollte im Rahmen der Medienpädagogik eingehender diskutiert werden.

3. Habituierung(en): Akteure, Felder und Habitus als Medien

Lässt sich mithin bereits die praxeologische Diskursanalyse und d. i. Diskurspragmatik (vgl. dazu auch Deleuze 1993)[8] Bourdieus als medientheoretisch angereichert fassen, so ist es in einem weiteren Schritt bemerkenswert, dass auch Akteure, Felder, Habitusformen und gesellschaftliche Funktionen in den Schriften Bourdieus wörtlich als Medien aufgefasst werden. Sorgen die Performanzen, die Sprechakte und mithin die Diskurse gleichsam als (Primär-)Medien in gegebenen Spannungsfeldern für die Wirksamkeit der symbolischen Ordnung in der sozialen Wirklichkeit, da sie diese (diskurspraktisch bzw. diskursiv und praktisch) formen, so fasst Bourdieu davon ausgehend und darüber hinaus auch die Akteure selbst als Medien von sozialen und psychologischen Strukturen auf, welche sich umgekehrt durch die generative Vermittlung des Habitus "objektivieren" und vergegenständlichen. So kennt etwa die Arbeit Die Regeln der Kunst (2001), welche anhand von Flauberts Erziehung des Herzens den Versuch unternimmt, das literarische Feld Frankreichs im 19. Jahrhundert zu rekonstruieren, bemerkenswerterweise schon zu Beginn den Begriff des (akteur-und habitusspezifischen) Mediums:

"Und muß man sich nicht fragen, ob nicht die Arbeit an der Form genau das ist, was die partielle Anamnese tiefsitzender und verdrängter Strukturen ermöglicht, ob, mit anderen Worten, selbst der dem Formexperiment huldigende Schriftsteller – wie Flaubert und viele nach ihm – unwillkürlich als Medium [sic! A.B.] von (sozialen oder psychologischen) Strukturen wirkt, die durch ihn und seine Arbeit an den induzierenden Wörtern, gleichsam elektrische >Leiter< [sic! A.B.], aber auch mehr oder minder undurchsichtige Filter [sic! A.B.], zur Objektivierung kommen." (Bourdieu 2001, 20)

Der Akteur Flaubert wird mithin zum diskurspragmatischen und (medien-)kompetenten "Vermittler" gesellschaftlicher Gegebenheiten und besitzt daher im Grunde genommen schon bei Bourdieu selbst einen mediatisierten und medialen Habitus. Dabei ist es erneut – und an Marx angelehnt – eine "Synthesis durch gesellschaftliche Arbeit" (Habermas 1991, 36–59) und "Produktion", die mit den und durch die Worte(n) samt ihren Formen gebildet wird. Die Akteure können so eine reflexive und kritische "Objektivierung" der gesellschaftlichen Verhältnisse leisten und – je nach der sozialen Position – über den praktischen Einsatz des Symbolischen gesellschaftliche Wirksamkeit entfalten. Mag es auch nur auf einer metaphorischen Ebene argumentierbar sein, dass Worte wie "elektrische Leiter" funktionieren, so verweist diese Metapher – also auch diese "Übertragung" physikalischer Termini in den Bereich der Sozialwissenschaften – durchaus auf medientheoretisch relevante Grundannahmen in der Bildungssoziologie Bourdieus. Denn auch die Bourdieusche Theorie der Felder – schon Marx analysierte die Maschine der Fabrik als "Produktionsfeld" in dem verschiedene "Kräfte" (u. a. Bewegungskraft und Dampfkraft oder Muskelkraft und Pferdekraft, die als Arbeitskraft, Lebenskraft bzw. insgesamt als Produktivkraft synthetisiert werden)[9] wirksam sind – auch die Bourdieusche Theorie der Felder bedient sich nachdrücklich – und mit kritischer Distanz – einer Terminologie, die Elemente einer – medientheoretisch auswertbaren – "Sozialphysik" (vgl. Bourdieu 2006a, 24–30) aufweist:

"Das intellektuelle Kräftefeld ist mehr als nur ein simples Aggregat isolierter Kräfte, ein Nebeneinander bloß zusammengereihter Elemente. Es bildet vielmehr nach Art eines magnetischen Feldes [sic! A.B.] ein System von Kraftlinien: Die in ihm wirkenden Mächte bzw. deren Wirkungsgruppen lassen sich als ebensoviele Kräfte beschreiben, die dem Feld zu einem beliebigen Zeitpunkt kraft ihrer jeweiligen Stellung, gegeneinander und miteinander, seine spezifische Struktur verleihen." (Bourdieu 1970, 76)

Es ist diese "Metaphorologie" (Blumenberg 1997, Haverkamp/Mende 2009) und Terminologie "sozialphysikalischer" Art, die Bourdieu an verschiedenen Stellen von "Spannungen", "Mechanismen" und "Operationen" oder von (gesellschaftlichen) "Maschinen" und "Apparaten" sprechen lässt. Dabei kann bei Bourdieu auch eine Kenntnis von Kurt Lewins Feldtheorie aufgezeigt werden (Lewin 1963, dazu auch Güntzel 2008, Erwähnung findet Lewin u. a. in Bourdieu/Wacquant 2006a 125)[10]. Die Akteure binden mithin als Medien im Sinne einer Machtballung unterschiedliche und kollektive Spannungszustände und üben eine "Anziehungskraft" (Bourdieu 1988, 159) aus, die auf der jeweiligen Akkumulation der unterschiedlichen Kapitalsorten im (gleichsam elektromagnetischen) Feld (vgl. auch Deleuze 1993)[11] der sozioökonomischen Kraftlinien beruhen. Man kann mithin schon Bourdieus Feldbegriff buchstäblich als medientheoretisch "aufgeladen" bezeichnen, wobei – wie im Fall Flauberts – das Medium des Akteurs sich im Rahmen seiner gesellschaftlichen Rolle als Schriftsteller der formgebenden Medien des Diskurses und des Schreibens bedient, um je nach der Kapitalausstattung seiner "Anlage(n)" und "Kompetenz(en)" im Medium des (Kraft-)Feldes über seine Produktionen wirksam werden zu können. Im Blick auf diese mehrfache Funktion des Medienbegriffs in der Bildungssoziologie Bourdieus ist des Weiteren daran zu erinnern, dass auch die gesellschaftliche Funktion bzw. das Amt eines Akteurs von Bourdieu als Medium im Sinne eines "(Über-)Trägers" bezeichnet wird. Bourdieu formuliert dahingehend:

"Der wirkliche Ursprung der Magie der performativen Aussage liegt im Mysterium des 'Ministeriums‘, des Amtes, das heißt in jener Delegation von Macht, aufgrund derer ein einzelner Akteur – König, Priester, Wortführer – ermächtigt ist, im Namen der dergestalt in ihm und durch ihn konstituierten Gruppe zu sprechen und zu handeln; er liegt, genauer gesagt, in den sozialen Bedingungen der Institution des Amtes, die den legitimen Amtsträger [sic! A.B.] dadurch, dass sie das Amt als Medium [sic! A.B.] zwischen ihn und die soziale Gruppe stellt, dazu befähigt, mit Worten auf die soziale Welt Einfluss zu nehmen, indem sie ihn unter anderem mit Zeichen und Insignien versieht, die daran erinnern sollen, dass er nicht im eigenen Namen und nicht aus eigener Machtvollkommenheit spricht." (Bourdieu 2005, 82)

Dabei kann auch im Umfeld des Kernstücks von Bourdieus Bildungssoziologie – dem Konzept des Habitus – ebenfalls medientheoretisch und medienpädagogisch Relevantes herausgearbeitet werden. So stellt der Habitus per definitionem ein System dauerhafter und (von einer Generation auf die nächste) "übertragbarer" Dispositionen dar,[12] die sich über den Körper und den Leib der Akteure als "strukturierte und strukturierende Struktur" und als "System generativer Schemata von Praxis" (Bourdieu 1982, 279) auswirken. Dabei vermittelt der inkorporierte Habitus zwischen objektiven sozialen Strukturen und subjektiven Wahrnehmungs- bzw. Informationsschemata. Bourdieu begreift den Habitus daher – und hier greift seine kritische Rezeption der "generativen" Grammatik auch medientheoretisch – im Sinne eines "Generators", "Regulators" oder "Operators" für schöpferische Aktivität, für praktische Kreativität. Im Blick auf die Rolle des Habitus im Rahmen von Mediennutzung (Konsumtion) und Mediengestaltung (Produktion) ist es folglich äußerst interessant, dass Bourdieu den "Operator Habitus" angesichts des – nach Harry Pross und Dieter Baacke sekundären – Schriftmediums und im Blick auf die Praxis des Schreibens expliziert und dabei eingehend die diesbezüglichen "Materialitäten der Kommunikation" (vgl. dazu grundlegend Gumbrecht/Pfeiffer 1995) in den Blick nimmt:

"Ein vertrautes Paradigma für diesen Analogie stiftenden und auf Analogien basierenden Operator [sic!. A.B.], eben den Habitus, liegt im >>Schreiben<< vor: kraft dieser Disposition, d. h. dieser besonderen Art und Weise des Zeichnens von Buchstaben, wird stets die gleiche Schrift erzeugt, d. h. graphische Linien, die ungeachtet aller Unterschiede in Größe, Stoff und Farbe der Schreibunterlage (Blatt Papier oder Schiefertafel), oder des Schreibmaterials (Füller oder Kreide), ungeachtet also der Unterschiede des jeweils aufgewendeten motorischen [sic! A.B.] Gesamtkomplexes, auf Anhieb eine Art Familienähnlichkeit sichtbar werden lassen, ähnlich wie die stilistischen Merkmale oder die Manier, an denen man einen Maler oder Schriftsteller ebenso unfehlbar erkennt wie einen Menschen an seiner Gangart." (Bourdieu 1987, 282)

Ganz im Sinne des auf habituierter Alphabetisierung und praktischer Aneignung der Schrift beruhenden Akts des Schreibens entwickeln sich auch auf anderen Ebenen durch den praktischen Sinn bzw. durch den Sinn für das Praktische im Habitus eines menschlichen Körpers – besonders deutlich bei TänzerInnen oder SchauspielerInnen – "motorische Schemata und automatische Körperreaktionen" (Bourdieu 1987, 127) heraus, wobei der Habitus mit seinen Kompetenzen nach Bourdieu immer auch praktische Metaphern – und d. h. auch im psychoanalytischen Sinn – "Übertragungen" schafft und erzeugt (vgl. dazu auch Freud 1989).[13]

"Der Habitus erzeugt fortwährend praktische Metaphern, bzw., in einer anderen Sprache, Übertragungen [sic! A.B.] (worunter die Übertragung motorischer Gewohnheiten nur einen Sonderfall darstellt) oder besser, durch die spezifischen Bedingungen seiner praktischen Umsetzung erzwungene systematische Transpositionen […]" (Bourdieu 1987, 281)

Insofern kann aus mehreren Gründen das Argument ins Spiel gebracht werden, dass der Habitusbegriff bereits im Rahmen seiner näheren Spezifikation und Verwendung bei Bourdieu medientheoretisch bestimmt ist. Dafür spricht, dass der Habitus gleichsam an den Körpern und der Leiblichkeit der Akteure (vgl. auch Meder 2008)[14] samt ihrer Praxis haftet und nur durch ihre Materialität hindurch symbolische Ordnungen und soziale Strukturen "generativ operationalisieren", "verschalten" und strukturell "koppeln" kann, da er eine – durchaus technologisch gedachte – "Schnittstelle der Übertragung" von aktiv strukturierenden und passiv strukturierten Kräften darstellt. Wird mithin nach Bourdieu die Sprache im Sinne eines (Primär-)Mediums begriffen, so stellt in der Folge und bemerkenswerterweise der Leib eines Menschen – so wie die Sprache, der Diskurs – eine Form von "Speicher" dar, aus dem Informationen abgerufen werden können. Bourdieu spricht dahingehend auch von unterschiedlichen "Induktorzuständen" des Leibs, der insofern auch zum "Stromüberträger" (vgl. auch Deleuze/Guattari 1977)[15] von Gefühlen oder Gedanken bzw. Informationen werden kann:

"In allen Gesellschaftsordnungen wird systematisch ausgenutzt, daß Leib und Sprache wie Speicher [sic! A.B.] für bereitgehaltene Gedanken fungieren können, die aus der Entfernung und mit Verzögerung schon dadurch abgerufen [sic! A.B.] werden können, daß der Leib wieder in eine Gesamthaltung gebracht wird, welche die mit dieser Haltung assoziierten Gefühle und Gedanken heraufbeschwören kann, also in einen jener Induktorzustände [sic! A.B.] des Leibs, der Gemütszustände herbeiführen kann, wie Schauspielern bekannt ist. […] Symbolische Wirkung dürfte auf der Macht über andere und insbesondere über deren Leib und Glauben fußen, verliehen von der kollektiv anerkannten Fähigkeit, durch verschiedenste Mittel [sic! A.B.] auf die zutiefst verborgenen verbal-motorischen [sic! A.B.] Zentren einzuwirken, um sie zu neutralisieren oder um sie zu reaktivieren, indem man sie mimetisch fungieren lässt." (Bourdieu 1987: 127–128)

Vor diesem Hintergrund und in Erinnerung an die Voraussetzungen der soziolinguistischen Diskurspragmatik ist es auch bemerkenswert, dass Bourdieu die handelnden Akteure – und damit wohl auch ihren "Operator Habitus" – in Rekurs auf Leibniz über praktische Routinen und Motoriken im Sinne eines starken Materialismus mit "Automaten" vergleicht:

"Der Logozentrismus und Intellektualismus der Intellektuellen, in Verbindung mit der der Wissenschaft inhärenten Voreingenommenheit für die psyche, Seele, Seelenleben, Bewußtsein, Vorstellungen, einmal ganz abgesehen vom bürgerlichen Anspruch auf den Status der 'Person‘, haben die Einsicht verhindert, daß wir Menschen, laut Leibniz, >>in dreiviertel unserer Handlungen Automaten<< [sic! A.B.] sind, […]" (Bourdieu 1987: 740).

Dabei ist gerade angesichts dieses "technologischen" Arguments nachdrücklich festzuhalten, dass die Bourdieusche Praxeologie gerade nicht mehr strukturalistisch oder deterministisch ist, da diese Handlungstheorie des (Un)bewussten die routiniert maschinellen Medien der "leibhaftigen Akteure" im Medium ihrer "singulären (Sprach-)Äußerungen" – und im Sinne des vierten Viertels unserer Handlungen – gegen vollständige Determination und regelnde Strukturfunktionen stark macht und die Akteure – bei aller Medienbegrifflichkeit – keinen "mechanischen Gesetzen" folgen, die sich zur Gänze ihrem Bewusstsein entziehen. Sie sind eben doch nicht nur "geregelte(n) Automaten gleich Uhren". Denn sie befolgen nicht einfach eine Regel, sondern setzen ihren Habitus "noch in den kompliziertesten Handlungsverläufen" (Bourdieu 1992, 28) durch die Verwendung von Worten und über ihren Körper gemäß verschiedener Strategien und Regelmäßigkeiten praktisch aufs Spiel.

4. Conclusio und Ausblick

In diesem Sinne lässt sich zusammenfassen, dass Bourdieu nicht nur Sprache, Sprechen und Diskurs, sondern auch Akteure, Felder und den Habitus mit medienspezifischen Termini umschreibt, anhand derer – ganz im Sinne Dieter Baackes – eine sozialwissenschaftlich orientierte Medienpädagogik mehrfach ansetzen kann. Dabei soll im Rahmen der Diskussionen zum "medialen Habitus" das Argument stark gemacht werden, dass das Konzept des Habitus schon bei Bourdieu auf mehreren Ebenen medientheoretisch durchsetzt ist und mithin im Gesamtwerk Bourdieus – auch wenn der Begriff des "medialen Habitus" von ihm nicht verwendet wurde – von einem mediatisierten (strukturierten) und mediatisierenden (strukturierenden) Habitus insofern gesprochen werden kann, als das Konzept des Habitus sich schon bei näherer Betrachtung der Bourdieuschen Praxeologie mehrfach mit informations-, kommunikations- und medienwissenschaftlichen Termini verknüpft. Eine eingehende Diskussion dieser Termini kann auch die aktuellen Debatten der Medienpädagogik bereichern. Dies vor allem im Sinne der Grundlagenforschung: Denn wenn eine sozialwissenschaftlich orientierte Medienpädagogik auf die Bourdieusche Bildungssoziologie rekurriert, stößt sie dabei auf eine praxeologische Medientheorie. Erinnert man gleichzeitig daran, dass Dieter Baackes Medienpädagogik nicht zuletzt im Rekurs auf Jürgen Habermas’ Theorie des kommunikativen Handelns (Habermas 1995) von Beginn an sozialphilosophisch und sozialwissenschaftlich ausformuliert wurde, bestünde die von Baacke in Aussicht gestellte Verbindung beider Theoriebildungen in einer übergreifenden trans- und interdisziplinären Mediensoziologie. Eine Mediensoziologie, die (Baackes) Medienpädagogik und (Bourdieus) Bildungssoziologie im Sinne einer produktiven Synthese theoretisch und praktisch als "medienpädagogische Sozialwissenschaft" oder "sozialwissenschaftlich fundierte Medienpädagogik" verbinden könnte.

Wie einleitend erwähnt, untersucht der vorliegende Artikel nur zwei Ebenen des Medienbegriffs bei Bourdieu. Neben Sprache, Sprechen und Diskurs, neben Akteuren, Feldern und Habitus lassen sich im Gesamtwerk Bourdieus allerdings noch zwei weitere Ebenen einer praxeologischen Medientheorie isolieren: So geht seine Auseinandersetzung mit den Medien Fotografie (Bourdieu 1983b) und Fernsehen (Bourdieu 1998b) grundlegend von ihrem sozialen Gebrauch aus und stellt insofern eine praxeologische Theorie der "Mediennutzung" dar. Und so beschreibt auch seine Analyse der Institution Universität im Homo Academicus (1988) das Bildungssystem im bahnbrechenden Kapitel zu den "Kategorien des professoralen Verstehens" als "Bewertungsmaschine" (Bourdieu 1988, 355 und 376). Bourdieu hält dabei fest, dass es sich bei diesem Mechanismus der schulischen Bewertung und Klassifikation um eine Maschine handelt, …

"[…] die mit sozial bewerteten Produkten gefüttert wird, um dann schulisch bewertete Produkte auszuspucken. Allerdings fällt bei dieser Betrachtungsweise ein wesentliches Moment der von ihr geleisteten Transformation unter den Tisch: Tatsächlich sorgt diese Maschine [sic! A.B.] für eine enge Korrespondenz zwischen Eingangsbewertung und Ausgangsbewertung, ohne je die sozialen Kriterien und Prinzipien der Bewertung zu kennen oder offiziell anzuerkennen." (Bourdieu 1988, 363–364)

Auch MedienpädagogInnen wären als Akteure mit ihrem (medialen) Habitus mithin Teil dieser Maschine. Doch die nähere Auseinandersetzung mit den letztgenannten Ebenen der Bourdieuschen Bildungssoziologie und/als Maschinentheorie steht auf einem anderen (und kommenden) mediensoziologischen bzw. medienpädagogischen Blatt.


Anmerkungen

[1] Der Begriff der "Praxeologie" hat sich im Rahmen der Soziologie und dabei vor allem im Umkreis der Bourdieurezeption für die Beschreibung der "doppelten Konstitution" der sozialen Wirklichkeit durchgesetzt. Die Praxis vermittelt dabei zwischen sozialen Strukturen und den Dispositionen der handelnden Akteure (vgl. Bourdieu 1979)

[2] So formuliert Chomsky in bezeichnenderweise organizistischen und technologischen Metaphern: "Das, was viele Linguisten >>Universalgrammatik<< nennen, kann als eine Theorie angeborener [sic! A.B.] Mechanismen betrachtet werden, als eine zugrundeliegende Matrix, die den Rahmen absteckt, in dem das Wachsen der Sprache [sic! A.B.] voranschreitet. Für den Linguisten gibt es keinen Grund, dieser Anfangsausstattung des Geistes keine Existenz zuzuschreiben. […] So gesehen ist die Linguistik eine abstrakte Untersuchung gewisser Mechanismen, ihres Wachstums und ihrer Reifung [sic! A.B.]. Wir können den für die Anfangs-, Zwischen- und Endzustände angenommenen Strukturen in genau demselben Sinn Existenz zuschreiben, wie einem Programm, von dem wir glauben, es sei irgendwie in einem Computer realisiert: […]" (Chomsky 1981, 189). Bourdieu übernimmt dabei rund um den Kompetenzbegriff die "Matrix", die "Mechanismen" und die "Programme", distanziert sich aber über den Erfahrungsbegriff von den lebenswissenschaftlich-biologischen Terminologien, um die Kompetenz in diskursiv-soziale Felder einzulagern.

[3] Zu erwähnen ist an dieser Stelle indes, dass die gegen Wandel, Prozess und Diachronie gerichtete strukturale, systematische und synchrone Ausrichtung der Saussurschen langue (Sprache), sich vor allem der Rezeption des Cours de linguistique générale aus dem Jahr 1916 verdankt. In den Notizen aus dem Nachlass Saussures lassen sich dem entgegen eingehende Auseinandersetzungen mit der Eigendynamik der parole (Sprechen) nachweisen. Vgl. dazu Saussure, Ferdinand de (2003): Linguistik und Semiologie. Notizen aus dem Nachlaß. Texte, Briefe und Dokumente, hg. von Johannes Fehr, Frankfurt/M.: Suhrkamp.

[4] Die Frage der Anerkennung, fr. reconnaissance, zieht sich wie ein roter Faden durch die Bildungssoziologie Bourdieus. So kann Kapital erst durch die soziale Anerkennung zu symbolischem Kapital werden, das allererst damit in den (diskursiven) Zirkulationsprozess eintritt.

[5] So formuliert Foucault: "Ich setze voraus, daß in jeder Gesellschaft die Produktion des Diskurses [sic! A.B.] zugleich kontrolliert, selektiert, organisiert und kanalisiert wird […]" (Foucault 1991, 10–11). An einer weiteren Stelle analysiert Foucault die soziale und ökonomische Funktionsweise von "Diskursgesellschaften" anhand der Marxschen Trias von Produktion, Zirkulation und Distribution, die im französischen Original manifest ist, allerdings in der Übersetzung Walter Seitters ein wenig verloren ging: "Ein teilweise abweichendes Funktionieren zeigen die >>Diskursgesellschaften<<, welche die Aufgabe haben, Diskurse aufzubewahren oder zu produzieren [sic! A.B.], um sie in einem geschlossenen Raum zirkulieren [sic! A.B.] zu lassen und sie nur nach bestimmten Regeln zu verteilen [sic! A.B.], so daß die Inhaber bei dieser Verteilung nicht enteignet werden." (Foucault 1991, 27). Das französische Original lautet: "D’un fonctionnement en partie différent sont les « sociétés de discours », qui ont pour fonction de conserver ou de produire [sic! A.B.] des discours, mais pour les faire circuler [sic! A.B.] dans un espace fermé, ne les distribuer [sic! A.B.] que selon des règles strictes et sans les détenteurs soient dépossédés par cette distribution [sic ! A.B.] même." (Foucault 1971, 41–42). Diskurse sind mithin in ihrer "Materialität" auch etwas, das – ganz im Sinne Marxens – enteignet wird und enteignet werden kann. Bourdieu schließt im Übrigen an mehreren Stellen an die Studien Foucaults an.

[6] William Labov ist für die Geschichte der Linguistik deshalb von großer Bedeutung, weil sein Erkenntnisinteresse im Gegensatz zur synchron-strukturalen Linguistik dem performativen und sozial bedingten "Sprachwandel" gewidmet ist: "Das Studium des Sprachwandels in seinem Kontext ist von einigen als ein unberührtes, von anderen als ein unfruchtbares Feld dargestellt worden. Eine kurze Durchsicht dessen, was in der Vergangenheit zu diesem Thema geschrieben worden ist, zeigt, daß es sich eher mit einem verlassenen Hinterhof vergleichen läßt, auf dem die verschiedensten Arten ineinander verschlungener, sekundärer Wissenschaft wuchern." (Labov 1980, 95) In seinen Studien ging es daher – so wie bei Bourdieu – immer auch um die sozial geschichteten Unterschiede der Sprachverwendung.

[7] Zu meinem Verständnis des "verletzenden Sprechakts", den Judith Butler in der Auseinandersetzung mit Austin (aber auch Lacan) konzipiert und der die Ebene der Performanz mit Geschichte und vor allem Macht verbindet, haben intensive Diskussionen mit Katharina Sontag beigetragen, der ich hiermit herzlich danke.

[8] Gilles Deleuze, den Bourdieu sehr schätzte und auch mehrfach zitierte, erörtert in den Unterhandlungen an mehreren Stellen, dass die französische Diskussion (vor allem) nach 1945 sich vom harten, klassischen Strukturalismus wegbewegte, indem die Forschungsprogramme mehrerer Autoren (etwa Barthes, Foucault und eben auch Bourdieu) sich von der Phonologie über die Syntax und Semantik hin zu einer Diskurspragmatik und Soziolinguistik entwickelten: "Für mich ist die Linguistik nicht wesentlich. Wenn Félix [Guattari, A.B.] da wäre, würde er vielleicht etwas anderes sagen. Aber Félix hat eine Bewegung miterlebt, die versucht hat, die Linguistik zu verändern: diese war ja zunächst phonologisch ausgerichtet, dann syntaktisch und semantisch, wurde aber immer mehr zu einer Pragmatik. Die Pragmatik (die Umstände, Ereignisse, Handlungen) ist lange als >>Müllhalde<< der Linguistik angesehen worden, aber jetzt wird sie immer wichtiger: die Sprache gewinnt Handlungscharakter, so daß die abstrakten Einheiten oder Konstanten der Sprache immer mehr an Bedeutung verlieren." (Deleuze 1993, 45). Insofern könnte der Unterschied zwischen Strukturalismus und sog. "Poststrukturalismus" rund um den Mai 68 und in genau dieser "Rückkehr der parole" ausgemacht werden. Bourdieu müsste dann ebenfalls im Sinne eines "Poststrukturalismus" diskutiert werden. Dieser Entwicklung entspricht auch das Kapitel Postulate der Linguistik in den Tausend Plateaus (Deleuze/Guattari 2005, 105–153), das gegen die "Despotie des Signifikanten" die kontextbezogene "Parole" und "kollektive Gefüge der Äußerung (énonciation)" im Gegensatz zur "Aussage (énoncé)" setzt und untersucht.

[9] Marx formuliert – bezeichnenderweise im Rahmen des Kapitels zu "Maschinerie und große Industrie" – in Das Kapital: "Ein großer Trost für die pauperisierten Arbeiter soll sein, daß ihre Leiden teils nur 'zeitlich‘ ('a temporary inconvenience‘), teils daß die Maschinerie sich nur allmählich eines ganzen Produktionsfelds [sic! A.B] bemächtigt, wodurch Umfang und Intensität ihrer vernichtenden Wirkung gebrochen werde." Vgl. Marx, Karl (1989): Das Kapital, Kritik der Politischen Ökonomie. Erster Band, Berlin: Dietz, 454. Vgl. auch zu weiteren medientheoretischen Aspekten bei Marx den bemerkenswerten Band: Schröter, Jens/Schwering, Gregor/Stäheli, Urs (Hg.) (2006): Media Marx. Ein Handbuch, Bielefeld: transcript.

[10] Für den Hinweis und Diskussionen zur Feldtheorie bei Lewin und Bourdieu danke ich Wolfgang Neurath.

[11] Im Blick auf Michel Foucaults späte Widerstandslehre der Subjektivierungslinien formuliert Deleuze: "Ich glaube sogar, daß die Subjektivierung [bei Foucault, A.B.] sehr wenig mit einem Subjekt zu tun hat. Es handelt sich eher um ein elektrisches oder magnetisches Feld [sic! A.B.], eine Individuierung, die über Intensitäten verläuft (niedrige sowohl wie hohe), über individuierte Felder und nicht Personen oder Identitäten." (Deleuze 1993, 135)

[12] Dieses Bourdieusche Verständnis der "Übertragung" von Dispositionen wie dem Bildungskapital ließe sich medienpädagogisch auch anhand der Definition diskutieren, die Richard Hönigswald vom pädagogischen Verhalten gibt. Er definiert es "als Sachverhalt der Überlieferung [sic! A.B.] eines bestimmten Wissens- bzw.  Geltungsbestandes von einer Generation an die nachfolgenden durch die Vermittlung [sic! A.B.] der zeitlich nächsten." Christian Swertz nutzt diese Definition um die Grundlagen der Medienpädagogik handlungstheoretisch über den Gebrauch von Medien zu bestimmen: "Es ist möglich, mit einem Medium im Gebrauch [sic! A.B.] des Mediums eine Verständigung über das Medium zu erreichen. Über das Sprechen kann gesprochen [sic! A.B.] werden und über das Schreiben kann geschrieben [sic!. A.B.] werden." (Swertz 2007, 213). Diese Definition des Mediengebrauchs lässt sich direkt mit Bourdieus Praxeologie verbinden. Für diesbezüglich äußerst erhellende Diskussionen danke ich an dieser Stelle Christian Swertz.

[13] Bezeichnenderweise ist es in Freuds Traumdeutung das Kapitel zur Traumarbeit in dem er Verdichtung und Verschiebung als die wesentlichen "Mechanismen" des Traums beschreibt und dabei von der "Übertragung des Traumgedankens in eine andere Ausdrucksweise" spricht. Im darauf folgenden Kapitel Zur Psychologie der Traumvorgänge vergleicht Freud dann bemerkenswerterweise den "psychischen Apparat" mit technischen Übertragungsmedien: "Wir bleiben auf psychologischem Boden und gedenken nur der Aufforderung zu folgen, daß wir uns das Instrument [sic! A.B.], welches den Seelenleistungen dient, vorstellen wie etwa ein zusammengesetztes Mikroskop, einen photographischen Apparat u. dgl. [sic! A.B.] Die psychische Lokalität entspricht dann einem Orte innerhalb eines solchen Apparates, an dem eine der Vorstufen des Bildes zustande kommt. Beim Mikroskop und Fernrohr sind dies bekanntlich zum Teil ideelle Örtlichkeiten, Gegenden, in denen kein greifbarer Bestandteil des Apparats gelegen ist." (Freud 1989, 437). Diese technologischen Begriffe der Psychoanalyse spielen durchaus in der Terminologie Bourdieus eine manifeste Rolle. Vgl. auch die Einführung (von Joseph Vogl) und die diesbezügliche Textzusammenstellung des Kapitels Technologien des Unbewussten in: Pias, Claus/Vogl, Joseph/Engell, Lorenz/Fahle, Oliver/Neitzel, Britta (2004): Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard, Stuttgart: DVA, 372–425.

[14] In seiner Auseinandersetzung mit der Luhmannschen Systemtheorie und dem Medienbegriff begreift auch Norbert Meder den Leib als Medium: "In meiner theoretischen Grundlegung der Medienpädagogik bildet der Leib in seiner spezifischen Sinnlichkeit deshalb auch das Urmedium. Es ist nach den fünf Sinnen gegliedert. Denn jeder dieser fünf Sinne ist ein eigenes Medium als Gewühl von Empfindungen mit eigener spezifischer Formbildung, was Helmuth Plessner unabweisbar nachgewiesen hat." (Meder 2008, 41)

[15] Deleuze und Guattari entwerfen im Anti-Ödipus eine Theorie des Libido- und Diskursstroms, der in sozialen Feldern eingespannt ist und über die Organe des Körpers läuft bzw. laufen kann. So formulieren sie im Rahmen der Ausführungen zur Wunschproduktion: "Unaufhörlich bewirkt der Wunsch die Verkopplung der stetigen Ströme [sic! A.B.] mit den wesentlich fragmentarischen und fragmentierten Partialobjekten" (Deleuze/Guattari 1977, 11). An anderer Stelle kritisieren Deleuze und Guattari die psychoanalytische Situation zwischen Arzt und Patient marxistisch anhand ihrer "Stromtheorie" des Diskurses und des Geldes: "Am Eingang des Analytikerzimmers steht geschrieben: lass deine Wunschmaschinen [sic! A.B.] draußen vor der Tür, verzichte auf deine elternlosen zölibateren Maschinen [sic! A.B.], auf dein Tonband [sic! A.B.] und dein kleines Fahrrad [sic! A.B.], tritt ein und laß dich ödipalisieren. Alles erwächst dem, angefangen mit dem unbeschreibbaren Charakter der Behandlung, ihrem endlosen, zutiefst kontraktuellen Charakter: Redestrom gegen Geldstrom [sic! A.B.]" (Deleuze/Guattari 1977, 70). Insofern steht eine eingehende Verknüpfung des Anti-Ödipus mit der Bourdieuschen Praxeologie noch aus.


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