Neue Medien

3/2013 - Visuelle Histografien/Comics zwischen Reflexion und Konstruktion von Geschichte(n)

Rezension: Trotzphase von La Razzia

AutorIn: Katharina Kaiser-Müller

Unter dem Künstlernamen La Razzia veröffentlichte Doris Schamp ein Buch in der Edition Komische Künste, das im Holzbaum Verlag erschienen ist. Katharina Kaiser-Müller hat für die LeserInnen der MEDIENIMPULSE rezensiert.

Verlag: Holzbaum – Edition Komische Künste
Erscheinungsort: Wien
Erscheinungsjahr: 2013
ISBN: 978–3–9503508–3–8

Rezension: Trotzphase

Doris Schamp, eine junge österreichische Künstlerin, die sowohl an der Universität für Angewandte Kunst in Wien, sowie an der Kingston University in St. Pölten, als auch an der HLSU in Luzern studierte, gewann zuletzt 2013 beim 7. internationalen Cartoonwettbewerb in Aachen – zu dem Thema: "Money must be funny" – den ersten Preis. Unter dem Künstlernamen La Razzia veröffentlichte sie ein Buch in der Edition Komische Künste, erschienen im Holzbaum Verlag.

Trotzphase, so der Titel ihres ersten Cartoonbuches, enthält über vierzig Cartoons. Mit spitzer Feder zeichnet sie gesellschaftspolitische Facetten des Alltags nach. Im Vorwort von Bruno Haberzettl ist dahingehend zu lesen: „Die Bilder sind zeitlos aber dennoch immer aktuell. Ihre Inhalte reduzieren sich auf das Wesentliche: nämlich das Zwischenmenschliche!“ Zeitkritisch pickt sich La Razzia die verschiedenen alltäglichen Situationen mit so manchen Erwartungshaltungen unserer Gesellschaft heraus und nimmt diese mittels ihrer Vogelmenschen aufs Korn. Ihre Arbeiten reichen von aktuellen Konflikten zwischenmenschlicher Beziehungen – so etwa einer missverstandenen Facebookfreundschaft – bis hin zu den altbekannten Gegensätzen zwischen Mann/Frau oder Jung/Alt. Humorvoll und einfühlsam gelingt ihr eine besondere Art der Provokation.

In Zeiten, in denen digitale Kommunikationsformen einen Großteil unseres Lebens bestimmen, können so manche wiederkehrende Beobachtungen gemacht werden. Ob es, wie im oben angeführten Cartoon, um die Definition von Freund/Feind geht, oder ob es sich um die Thematik Privatheit/Öffentlichkeit handelt. Neue Medien eröffnen neue Wege sich anderen mitzuteilen. Dass diese neuen Wege auch neuer Formen des Umgangs bedürfen, kann als gegeben betrachtet werden. Und in diesem Sinne können die unterschiedlichen Medien – in diesem Falle Cartoons – genutzt werden, um neu ins Gespräch zu kommen. Gerade dann, wenn man der Pisa-Studie Glauben schenken will und die Lesekompetenz der Jugendlichen schwindet, kann ein Cartoon mit seiner Ein-Bild-Qualität pädagogisch genutzt werden. Es bedarf keiner langen Texte, um die Problematik zu diskutieren, ein Cartoon reicht vollkommen aus, um Reflexionen zu einem bestimmten Thema anzuregen.

Ein anderes Beispiel ist der Cartoon Journalistenfamilie – hier droht ein Vater seinem Sprössling, dessen Unzulänglichkeiten (das Nichtmachen der Hausübung) in der morgigen Zeitung zu veröffentlichen. Im Web 2.0 finden sich Einträge von Eltern, die die unterschiedlich lustigen oder peinlichen Situationen ihrer Kinder in diversen Plattformen posten. Unter dem Begriff ‚Public Shaming‘ wird das Öffentlichmachen von Situationen – die sofort oder auch in späterer Folge als peinlich oder deformierend wahrgenommen werden können – verstanden. Wenn davon ausgegangen werden kann, dass Eltern eine gewisse Vorbildwirkung auf Kinder und Jugendliche haben, dann kann mit Hilfe dieses Cartoons sehr gut aufbereitet werden, welche unvergesslichen Spuren im großen weiten Netz hinterlassen werden. Zudem verändern sich mit den neuen Medien auch die Reichweite bzw. die Verbreitung von Informationen.

Demnach eignen sich Cartoons besonders – in diesem Fall, die Cartoons von La Razzia – um pädagogische Arbeit leisten zu können. In Doris Schamps Trotzphase finden Sie Beispiele dafür, wie mittels eines Bildes eben diese Reflexion angestoßen werden kann.

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