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3/2013 - Visuelle Histografien/Comics zwischen Reflexion und Konstruktion von Geschichte(n)

Alternative Medienakademie November 2013

AutorInnen: Paula Pfoser / Hans Christian Voigt

Die Alternative Medienakademie lädt vom 7. bis 17. November 2013 all diejenigen ein, die Interesse an einer kritischen Medienarbeit haben. Sie können an Workshops, Diskussionsrunden und Vernetzungstreffen teilnehmen.

Medien selber machen, Öffentlichkeiten gestalten – lauten zwei der Grundsätze der Alternativen Medienakademie, die von 7. bis 17. November u.a. NIG der Uni Wien und – in Kooperation mit den Kritischen Literaturtagen – rund um den Yppenplatz stattfindet. Dass damit nicht irgendein beliebiger schriftlicher oder audio/visueller Output und Content für die Kulturindustrie gemeint sein kann, ist Kern der Auseinandersetzungen:

Die Alternative Medienakademie soll anti-diskriminatorische, gesellschaftskritische und emanzipatorische Medienproduktion unterstützen, fördern und lancieren. Dass damit viele angesprochen werden (sollen) ist erwünscht! Nicht zuletzt dient diese "AlMA13" dazu, den Austausch zwischen schon aktiven Medienmacher_innen ermöglichen. Und die für heuer das erste  Mal aus dem Boden sprießende Veranstaltung wird von Medienmacher_innen und Aktivist_innen selbst organisiert, grassroots style.

Das machen wir selber besser

Die Testphase ist sozusagen schon vorüber: Im Oktober 2012 gab es mit der so genannten "Linken Medienakademie" eine Veranstaltung, die vom Geschäftsführer des Berliner Vereins LiMA e.V. mit Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung ausgerichtet werden sollte. Dazu wurden Partner_innen vor Ort in Wien eingeladen, bei dieser LiMAwien mitzumachen. Die Zusammenarbeit hätte einfacher ausfallen können. Organisatorisch und finanziell wurde letztlich die Hauptlast von den Kooperationspartner_innen aus Wien getragen. Die kurz vor dem Veranstaltungstermin überraschend aus Berlin vorgetragene Forderung, die Referent_innen müssten gratis arbeiten, weil die ausrichtende Organisation LiMA e.V. leider gar kein Geld hätte, konnte nur mit einiger Mühe abgewendet werden.

Die LiMAwien fand statt, wenn auch kaum beworben. Das Konzept aber hatte sich bewährt. Die Diskussionen waren interessant. Die Workshops kamen gut an. Die Möglichkeiten zur Vernetzung wurden begrüßt. Und all das ließe sich sicher noch besser, solidarischer und fairer organisieren.

Verein zur Förderung kritischer Medienarbeit und Alternativer Medien

Für die diesjährige Veranstaltungskonzeption gelang es, einen zivilgesellschaftlichen Zusammenschluss alternativer Medienredaktionen, kritischer Medienarbeiter_innen und Aktivist_innen für eine kritische, demokratische Öffentlichkeit zu bilden. Einige der Beteiligten waren schon letztes Jahr involviert. Sie starteten die Initiative als offene Plattform, die seitdem langsam, aber beständig wächst. Gemeinsam wurde der Verein zur Förderung kritischer Medienarbeit und Alternativer Medien gegründet.

Unterstützung erfahren diese Initiative und das Projekt einer alternativen Medienakademie freilich nicht nur von diversen freien Print-, Radio- und Internet Communitymedien wie ZIGE.TV, sondern auch von der Studienrichtungsvertretung Politikwissenschaft, der IG Kultur, dem Netzwerk Frauensolidarität und dem ÖGB Verlag sowie der Bildungsabteilung der GPA-djp. Dann ist da noch die enge Kooperation mit den ebenfalls selbst organisierten Kritischen Literaturtagen, der Literaturmesse KriLit13 für gesellschaftskritische, unabhängige und nicht-kommerzielle Verlage.

Die alternative Medienakademie

Das Workshopprogramm der AlMA richtet sich an all diejenigen, die Interesse an kritischer Medienarbeit haben, an Aktivist_innen, Studierende, noch nicht oder schon in Medienarbeit involvierte, unabhängig davon, ob sie nun als freie oder angestellte Journalist_innen, in alternativen Zeitschriften, Radios oder Fernsehen, als Pressesprecher_innen von NGOs oder in Bewegungen eingebettete Medienaktivist_innen arbeiten.

Workshops werden denn auch von Redaktionen alternativer Zeitschriften angeboten, wie von “an.schläge – Das feministische Magazin”, MALMOE, „dérive – Zeitschrift für Stadtforschung“ oder “Kurswechsel”, der Zeitschrift für gesellschafts-, wirtschafts– und umweltpolitische Alternativen von BEIGEWUM. Radiomacher_innen verschiedener Sendungen auf Radio Orange 94.0 bieten ihre Radio-Workshops mit diversen Schwerpunkten an. Das Grafikbüro Toledo i Dertschei trägt mit einem Workshop zu politische Grafik, Bild und Schrift ebenso zum Programm bei wie die Frauensolidarität, die u.a. einen Workshop zu Website-Gestaltung für FLIT (Frauen, Lesben, Inter- und Transpersonen) abhält. Schulungsangebote gibt es auch von cryptoparty.at, der Open Knowledge Foundation und derer gleich mehrere von der GPA-djp und dem ÖGB Verlag.

Diskurs, politische Bildung und Organisierung

Neben den Workshops zur Schulung sind Diskussionsveranstaltungen und Vernetzungs- bzw. Organisierungstreffen geplant. Der Diskurs über die Bedingungen kritischer Öffentlichkeiten soll vorantrieben werden. Hier kommen Produktions- wie auch Arbeitsbedingungen ins Blickfeld, die Ambivalenzen einer zunehmend digitalen Welt mit neuen Zugängen und Möglichkeiten bei gleichzeitig totaler werdenden Formen der Überwachung und Kontrolle.

Besonders wichtig ist den Initiator_innen des Vereins zur Förderung kritischer Medienarbeit und Alternativer Medien, über das Ansprechen gegenwärtiger Bedingungen hinaus zu gehen und zu gemeinsamer Organisierung und politischer Organisationskraft zu kommen. Dieser Anspruch, gemeinsam die Stimme zu erheben und gehört zu werden, kam sowohl bei der LiMAwien 2012 als auch allgemein in den vorangegangenen Jahren zu kurz. 1999 hatte es noch die Linzer Medienkonferenz gegeben, 2000 den Tag der freien Medien, 2003 das Mediencamp Karlsplatz. Nach Sicherstellung der Infrastruktur-Finanzierung der Freien Radios sowie freien Fernsehkänalen wie OKTO und kurzlebigen, umstrittenen Versuchen wie Netznetz sind spartenübergreifende Aktivitäten alternativer und kritischer Medien deutlich abgeflaut.

Die geplanten Organisierungsaktivitäten möchten der Vereinzelung etwas entgegen setzen, mit der prekär arbeitende Medienmacher_innen aus allen Sektoren konfrontiert sind. Thema wird dabei auch die Suche nach Möglichkeiten der Verbesserung der Arbeitsbedingungen alternativer Medienarbeiter_innen sein – den Rahmen dazu bildet die „asamblea“ am 16.November und zwei Diskussionsveranstaltungen, die in Kooperation mit den Kritischen Literaturtagen schon vor dem Kernwochenende der AlMA (16.-17.November) stattfinden.

Zum Auftakt der Akademie findet am Do, 7. November im kleinen Rahmen des Republikanischen Clubs ein von Robert Foltin moderiertes Kamingespräch mit diversen Akteur_innen statt. Für den Mo, 11. November ist eine Podiumsdiskussion, oder eher eine gemeinsame Untersuchung, zu den Bedingungen der Möglichkeit kritischer Öffentlichkeiten im Angesicht aktueller Bedrohungen angesetzt: Die Philosophin Regula Stämpfli, SPÖ-„Rebellin“ Sonja Ablinger und „Data Dealer“ Wolfie Christl diskutieren mit Soziologen über die Einschränkungen durch die Überwachung durch Geheimdienste, Big Data, den Umbau der Mediensysteme, die marktkonforme Demokratie und das fortschreitende neoliberale Regime. Der Mi, 13.11. stellt dann die Produktions- und Arbeitsbedingungen in den Sektoren öffentlich-rechtlicher, privater und freier Medien sowie dem Verlagswesen in den Mittelpunkt der Analyse und Frage: Wie damit umgehen, wie zusammen vielleicht etwas erreichen? Die "organizing asemblea für die Durchsetzung kritischer Öffentlichkeiten" am Sa, 16.11. lädt zur Versammlung von Medienaktivist_innen, kritischen Journalist_innen und zivilgesellschaftlichen Akteur_innen. Die Frage einer übergreifenden Plattform steht im Raum, einer gemeinsamen Stimme, die sich Gehör verschafft.

Mehr dazu unter http://alternative-medien-akademie.at/

Die Workshop-Anmeldung ist mit Ende September möglich.

Paula Pfoser

Hans Christian Voigt

Tags

medienpolitik, tagung, journalismus, alternative medien, freie medien