Praxis

3/2013 - Visuelle Histografien/Comics zwischen Reflexion und Konstruktion von Geschichte(n)

Über die Verknüpfung von Hörspiel und Pädagogik

Ergebnisse einer Bachelorarbeit

AutorIn: Leah Lobensommer

Welche geschichtliche Verbindung haben Hörspiel und Pädagogik? Wie sehen zeitgemäße Ansätze zur Umsetzung eines Hörspiels in der Klasse aus? Welche Erfahrungen haben Hörspielschaffende in der Audioarbeit mit Kindern und Jugendlichen gemacht?

Abstract

Dieser Artikel legt die Ergebnisse einer Bachelorarbeit zum Thema „Hörspiel als Lernmethode unter besonderer Berücksichtigung sonderpädagogischer Aspekte“ dar. Die Beziehung von Hörspiel und Pädagogik wird durchleuchtet und zeitgemäße Ansätze zur Verwirklichung eines Hörspielprojektes mit Jugendlichen werden dargestellt. Mit Hilfe der Aussagen der qualitativen Forschung wird ein Fazit und ein Ausblick in die Zukunft gewagt.

The following article focuses on the results of a Bachelor’s thesis on the subject of "Radio drama as a learning method in supportive educational settings". The link between pedagogics and radio drama and contemporary efforts to create radio dramas in class will be shown. The statements obtained by empiric research have the goal to transport insights of radio drama professionals in order to enlighten the subject. Finally, on the basis of the gained knowledge a conclusion will be made.


1. Einleitung

Das Hörspiel ist eine Gattung, die in Zeiten der Neuen Medien immer etwas verstaubt wirkt. Man erinnert sich vielleicht an große Hörspielklassiker, die man im Radio gehört hat, oder an die Kinder- und Jugendhörspiele von früher. Obwohl das Hörspiel oftmals einen etwas nostalgischen Beigeschmack hat, sind es genau die Neuen Medien, die neue Möglichkeiten für das Hörspiel und seine Laien – LiebhaberInnen beinhalten.

Dieser Artikel beschäftigt sich aber nicht nur mit dem Hörspiel als Kunstform, sondern zielt im Besonderen darauf ab, die Möglichkeiten des Hörspiels in der Pädagogik auszuloten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hier auf der Sonderpädagogik. Die Fragen, die sich dieser Artikel stellt lauten also: Wie kann das Hörspiel im Unterricht eingesetzt werden und hat sein Einsatz Auswirkungen auf die SchülerInnen? Diesen Fragen soll zuerst anhand einer Literaturrecherche nachgegangen werden, im zweiten Teil werden relevante Aussagen der empirischen Untersuchung dargestellt. Diese Aussagen konnten anhand von qualitativen Interviews gewonnen werden und beschreiben verschiedene Aspekte des Hörspiels als Lehr- / Lernmethode. Abschließend erlaubt sich die Autorin auf Basis der gewonnenen Informationen einen Ausblick in die Zukunft.

2. Jugendliche und Mediennutzung

Dieser Artikel richtet sich an (Jung-) LehrerInnen und deren Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche.

In welcher Beziehung also steht diese Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen zu den verschiedenen Medien und Medienangeboten? Durch Alltagsbeobachtungen und die Recherche zum Thema „Jugendliche und Mediennutzung“ hat sich der erste Eindruck verstärkt, dass Jugendliche vor allem als MedienkonsumentInnen in Erscheinung treten. Laut einer Untersuchung des Bildungsmedienzentrums Oberösterreich verwendet ein Teil der Jugendlichen zwischen 11 und 18 Jahren den Computer täglich oder fast jeden Tag dafür, Bilder und Videos zu bearbeiten (12 %), selbst Musik zu machen (6 %) oder Musik zu bearbeiten und zu schneiden (7 %) (vgl. Bildungsmedienzentrum 2007). Obwohl sich aus diesen Zahlen ein gewisses Interesse an der Erstellung eigener Medienprodukte bei Jugendlichen ableiten lässt, so nützt doch ein Großteil der Jugendlichen die Medienlandschaft eher als KonsumentInnen. Im Sinne einer umfassenden und ganzheitlichen Medienerziehung ist die Erstellung eigener Medienprodukte und die kritische Reflexion derselben in Zusammenhang mit medienkritischen Denkansätzen aber unerlässlich (vgl. BMUKK; Medienerlass 2012).

3. Das Hörspiel in Kunst, Literatur und im Unterricht der Sekundarstufe 1

Das Hörspiel ist die ureigene Kunstform des Radios. Erst mit der Entwicklung und Einführung des Radios für den täglichen Gebrauch in den 1920er Jahren wurde das Hörspiel überhaupt erst möglich (vgl. Krug 2008: 18f). Dennoch wird das Hörspiel in der Geschichte immer wieder als literarische Gattung angesehen, was sich auch in den Publikationen in Buchform niederschlägt. Viele der großen Hörspielautoren brachten Hörspielbücher heraus, in denen ihre Hörspieltexte abgedruckt waren. Nur so glaubte man einem kurzlebigen, schnell über den Äther gesendeten Hörspiel die gleiche Gewichtung geben zu können, wie einem Buch oder einem Theaterstück (vgl. Krug 2008: 58). „Ich bin froh, dass es für das Hörspiel keine Hamburger Dramaturgie gibt, und ich fühle mich in diesem anarchistischen Zustand, der Experimente weder fordert noch verbietet, recht wohl.“ (Günther Eich 1953, zit. n. Krug 2008: 65) Dieses Zitat von Günter Eich soll zunächst einmal die grundsätzliche Freiheit des/der Hörspielschaffenden abbilden.

Für das Hörspiel gibt es keine allgemeingültigen Regeln, nach denen es seine äußere Form zu richten hat. Dennoch kann man das Hörspiel grob nach zwei sehr unterschiedliche Herangehensweisen einteilen. Auf der einen Seite das klassische Hörspiel (bis Mitte der Sechziger Jahre) und auf der anderen Seite das Neue Hörspiel. Das klassische Hörspiel kennt zwar Geräusch und Musik, die Stimme und mit ihr das gesprochene Wort stehen aber im Vordergrund (vgl. Kolb 1931 in: Scheffner (Hrg.) 1978: 10). So ist das klassische Hörspiel eine Hörfassung der Literatur, die sie als Grundlage verwendet. Das Neue Hörspiel entwickelte sich seit den Anfängen der Sechziger Jahre abseits der populären und hauptsächlich literarischen Hörspiele. Es definierte sich nicht mehr nur über die erzählende Tradition des klassischen Hörspiels, sondern suchte die Nähe zur akustischen Kunst. Diese Veränderung fiel nicht zufällig in die Zeit des aufkommenden Fernsehens. Das Radioprogramm wurde immer spezialisierter und vor allem wortärmer. Immer mehr Musiksender und Jugendwellen wurden populär und die Anteile des Hörspiels am Sendeprogramm schwanden enorm. Zugleich begünstigte aber eine Entwicklung das Aufkommen von Tonexperimenten: die Stereophonie (vgl. Krug 2008: 81f).

Als eines der exemplarischen stereophonen Stücke, die dem Neuen Hörspiel zugerechnet werden, gilt „Fünf Mann Menschen“ (1968) von Jandl und Mayröcker. Das Neue Hörspiel arbeitet mit Techniken, wie der Collage, oder dem Originaltonverfahren, die zwar zuvor nicht unbekannt waren, die aber erst im Zuge dieser Entwicklung des Neuen Hörspiels einen festen Platz im Repertoire des Hörspiels bekamen (vgl. Krug 2008: 84). Das Neue Hörspiel zeichnet sich durch einen besonders experimentellen Zugang aus, der oftmals das gesprochene Wort in den Hintergrund stellt und das Geräusch als lautmalerisches Element hervorhebt.
In den Unterricht der Sekundarstufe 1 ist, dank seiner großen AutorInnen wie Aichinger, Bachmann, Böll, Brecht, Dürrenmatt, Frisch und vielen Anderen (vgl. Krug 2008: 57f) eher das literarische Hörspiel eingegangen. Einige Publikationen greifen das Thema „Hörspiel im Unterricht“ auf, darunter zum Beispiel Fuhrmanns „Das Hörspiel im Unterricht“ (1976), oder Scheffners (Hrsg.) „Arbeitstexte für den Unterricht – Theorie des Hörspiels“ (1978). Beide Autoren/Herausgeber sehen das Hörspiel als einen Vermittler von literarischen Texten, diese werden als Hörspiel nachgestellt oder ein schon bestehendes Hörspiel wird interpretiert (vgl. Fuhrmann 1976: 19f).

4. Das Hörspiel als zeitgemäße Lehr-/ Lernmethode in der (Allgemeinen Sonder-) Schule

Neben diesen sehr lehrerInnenzentrierten Ansätzen aus den 70er Jahren hat sich eine Tendenz zu offeneren Konzepten, auch im Bereich der Sonderpädagogik, abgezeichnet. So wurden Hörspiele eingesetzt, um blinden SchülerInnen Zugänge zu nonverbaler Kommunikation mittels der Stimmlagen zu vermitteln (Rademacher 2000) und um handlungsorientierte Medienpädagogik an einer Schule für Lernbehinderte zu machen (Zilliken 1997). In der Allgemeinen Sonderschule ist, durch die unterschiedlichen Vorerfahrungen und Lernniveaus bedingt, ein Unterricht besonders wünschenswert, der sich an unterschiedliche Anforderungen anpassen kann und der einen Bezug zu den realen Alltagserfahrungen und Interessen der Kinder und Jugendlichen herstellt (vgl. Speck in: Kanter, Speck (Hrsg.) 1980: 103).

Die Anwendung Neuer Medien ruft bei vielen Kindern und Jugendlichen Interesse hervor. Dieses Interesse kann auch für das Produzieren von Hörspielen genutzt werden, da vor allem das Internet viele Möglichkeiten bietet. Musik, Geräusche und dergleichen mehr können leichter gefunden und geteilt werden. Anhand dieser Tätigkeitsfelder können auch medienrechtliche Themen angesprochen und diskutiert werden. Laut der deutschen Studie KIM (Kinder und Medien) benutzten 2010 schon beinahe 90 % der Jugendlichen das Internet zumindest selten (vgl.  Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2010).  So setzt die Hörspielarbeit am Besten an dieser Lebenswirklichkeit der SchülerInnen an und ermöglicht ihnen einen sicheren Rahmen, in dem sie verschiedene Aspekte dieses Mediums handelnd erfahren werden können. Die Aufgabenstellungen, die eine Hörspielproduktion mit sich bringt, birgt viele Schauplätze für die aktive Auseinandersetzung mit menschlichen und fachlichen Diskursen (vgl. Bloech, Fidler, Lutz 2005: 13).

Im Rahmen dieses Artikels wird die Produktion eines Hörspiels in der Klasse auf ihre einzelnen Komponenten untersucht. Die Unterteilung orientiert sich an praxisnahen Erfahrungsberichten und Ratgebern. So soll die Lehr-/ Lernmethode Hörspiel in praxistaugliche Arbeitsschritte unterteilt werden. Des Weiteren werden didaktisch- methodische Überlegungen zur Umsetzung eines Hörspiels in der Allgemeinen Sonderschule angestellt.

Bei der Planung eines Hörspiels in einer sehr heterogenen Lerngruppe, müssen die unterschiedlichen Vorkenntnisse der SchülerInnen zum Thema berücksichtigt werden. Dem kann Rechnung getragen werden, indem vor der Erstellung eines eigenen Klassenhörspiels vorbereitende Übungen durchgeführt werden. So kann es interessant sein, eine statistische Erhebung innerhalb der Klasse über das Vorwissen der SchülerInnen durchzuführen (vgl. Bildungsserver Rheinland – Pfalz 2012). In einer heterogenen Lerngruppe können hier durchaus sehr unterschiedliche Ergebnisse zu Tage treten. So werden Sprechanlässe zum Thema Hörspiel geschaffen, die es erlauben, dass die SchülerInnen Informationen zum Thema austauschen. Auch die Erstellung von ersten eigenen Geräuschen und deren Aufnahme kann eine Hinführung zur späteren Hörspielarbeit darstellen. Weitere vorbereitende Übungen können kleine Hörrätsel oder Geräuschgeschichten sein, die die SchüleIinnen selbst erstellen und in der Klasse vorstellen. Hier wird das aktive Zuhören gefordert und gefördert, man muss sich ganz auf den Hörsinn konzentrieren, will man das Rätsel lösen, oder die Geschichte verstehen (vgl. Bildungsserver Rheinland – Pfalz 2012). Auch der Unterschied zwischen einem audiovisuellen und einem rein auditiven Medium kann hier bewusst gemacht werden. Eine Geschichte die nur aus Geräuschen besteht, kann im Vergleich zu einem audiovisuellen Medium durchaus sehr unterschiedliche Interpretationen hervorrufen.

Als Einstieg in das Thema eines Hörspiels bieten sich viele verschiedene Möglichkeiten an. Hörspiele lassen sich durch Bildmaterialien, wie etwa Gemälde anregen, hier könnten zum Beispiel Ausstellungsbesuche einen Einstieg bilden (vgl. Richter 2012). Einstiegsmöglichkeiten zum Thema Hörspiel können aber auch in Geschichten, Fabeln und Märchen zu finden sein. Hier werden oftmals Themen bearbeitet, die einen universellen Anspruch haben, die auch heute noch Bedeutung haben (vgl. Hostnig 2013 und 2009). Weitere Einstiegsmöglichkeiten können aber auch nur Geräusche oder einzelne Figuren sein, mit denen man arbeitet.

Egal welchen Einstieg man wählt, ist es wichtig, die zentrale Idee der Geschichte festzumachen, man einigt sich also auf eine Hörspielidee (Plot). Aus der zentralen Idee wird eine „Hörspielpartitur“ entwickelt. Die fertige Hörspielgeschichte wird auf ihre unterschiedlichen Sprechrollen, die Geräusche und den Einsatz von Musik hin untersucht. Die Hörspielpartitur kann Angaben über die Stimmlagen der SprecherInnen, über die Raumakustik, den Einsatz von Musik, Geräuschen und Atmos enthalten. Diese Angaben ergeben in Reinschrift ein Konzept des Hörspiels. Diese Arbeit ersetzt jedoch nicht das Üben der Sprechrollen, bei dem auch die Beziehungen zwischen den Rollen stimmlich herausgearbeitet werden sollten. Des Weiteren müssen Überlegungen zu Geräuschen, Musik und Atmos angestellt werden. Was kann selbst erzeugt werden, was muss im Internet (Medienpädagogische Fragestellung: Urheberrecht) gesucht werden (vgl. Bildungsserver Rheinland – Pfalz 2012). Bei einer Erstlingsproduktion im Bereich Medien der Klasse kann hier die Erstellung eines „Klassenjingles“ angedacht werden. Auch bei Hörspielen, die nicht im Radio gesendet werden, sondern auf CD oder als MP3 „veröffentlicht“ werden, kann eine An- beziehungsweise Abmoderation und ein Jingle die Komposition abrunden. Ein eigener Klassenjingle kann auch, ist er einmal erzeugt, für alle weiteren Audioprodukte der Klasse als Erkennungsmelodie verwendet werden. Nach erfolgreicher Vorbereitung geht es an die digitale Aufnahme. Dabei werden alle Elemente des Hörspiels aufgenommen, die selbst produziert werden. Die Stimmen der SprecherInnen können dabei schon in der richtigen Reihenfolge aufgenommen werden. Sie bilden das Grundgerüst, für das spätere Einfügen von Geräuschen und Musik (vgl. Mediencamp Deutschland 2010). Beim Schnitt / Mischen werden die Aufnahmen noch einmal bereinigt, Pausen können herausgeschnitten werden, oder Lautstärken angepasst werden. Die einzelnen Elemente des Hörspiels werden nun in die richtige Reihenfolge gebracht und zusammengeführt.

Weitere Arbeitsfelder ergeben sich aus der Gestaltung des Covers (für die CDS) oder der Dokumentation des Arbeitsprozesses. Zur Umsetzung dieser Arbeitsschritte im Unterricht der Allgemeinen Sonderschule sollen hier noch einige Überlegungen vorgestellt werden. Besonders in einem Unterricht für lernbehinderte und verhaltensauffällige SchülerInnen ist es wichtig, dass Erfolgserlebnisse den Produktionsprozess begleiten, damit auch SchülerInnen mit einer geringeren Frustrationstoleranz motiviert bleiben. Dazu muss die Produktion eines arbeitsaufwändigen Medienbeitrages in „kleinschrittige Phasen“ (Zilliken 1997: 32) eingeteilt werden. So können im Verlauf einer Hörspielproduktion mehrere, aufeinander aufbauende Erfolgserlebnisse erzielt werden und es ist eine ständige Kontrolle der vorhergegangenen Arbeitsschritte möglich (vgl. Zilliken 1997: 32f). Im Umgang mit SchülerInnen der Allgemeinen Sonderschule muss der Einsatz strukturierender Elemente innerhalb eines offenen Unterrichtes sinnvoll durchdacht werden. Die Offenheit des Mediums Hörspiel liegt in dessen Inhalten und den künstlerischen und technischen Gestaltungsmöglichkeiten. Um eine Überforderung der SchülerInnen zu vermeiden, ist es nötig, den äußeren Ablauf zu strukturieren und die kurz- und langzeitigen Ziele im Zuge des Projektes Hörspiel offen zu legen (vgl. Sertl 2007 in: Heinrich, Prexl-Krausz (Hrsg.) 2007: 80ff).

5. Ergebnisse der Befragungen

Um die Realität derjenigen einzufangen, die sich mit Hörspielproduktionen in Klassenräumen und mit Jugendlichen beschäftigen, habe ich im Zuge meiner Bachelorarbeit (vgl. Lobensommer 2013) an der PH-Wien qualitative Interviews mit den Mitgliedern vom Verein Gecko Art und mit einer Sonderschullehrerin gemacht. Diese Interviews wurden anhand des Leitfadens für qualitative Sozialforschung von Flick ausgewertet.
Die Ergebnisse werden als Aussagen präsentiert, die ihren Beleg in den Interviews finden. Die wichtigsten dieser Aussagen werden hier dargelegt:

Aussage 1:
Kinder und Jugendliche gehen mit dem Verständnis eines / einer KonsumentIn an eine Audioproduktion heran. Sie haben wenig Vorstellung von den tatsächlichen Prozessen, die zur Erstellung eines komplexen Produktes, wie es ein Hörspiel ist, nötig sind.

Aussage 2:
Die Interessenschwerpunkte liegen eindeutig im Bereich „Geschichten erzählen“, diese werden entweder von den Jugendlichen frei erfunden, oder sie haben einen Bezug zur realen Lebenswelt der Kinder / Jugendlichen, wie etwa persönliche Problemstellungen, Alltagsgeschichten, etc.

Aussage 3:
Für keine Gruppe von SchülerInnen wird von vorne herein eine Differenzierung vorgenommen. Dies ist auch nicht nötig, da die Jugendlichen aus sich selbst heraus differenzieren, indem sie verschiedene Aufgaben innerhalb der Produktion forcieren. Das Hörspiel bietet genügend Bereiche, um eine solche differenzierende Auswahl treffen zu können. Solche Aufgabenbereiche könnten zum Beispiel AutorIn, RegisseurIn, Sprechrollen, TechnikerIn (etwa in der Nachbearbeitung, Internetrecherche, Geräuschaufnahme, etc.) sein. Wichtig ist aber die zeitlichen Ressource, die in ausreichendem Maß vorhanden sein sollte, damit jedem Schüler/ jeder Schülerin auch die benötigte Zeit zugestanden werden kann.

Aussage 4:
Durch die Arbeit an Hörspielen und anderen auditiven Projekten kann sich das Selbstbewusstsein der Betroffenen enorm steigern. Sie entwickeln einen „Blick für das Ganze“ und eine große Motivation selbstständig zu arbeiten.

Aussage 5:
Neben der Steigerung des Selbstbewusstseins können noch in anderen Bereichen Förderungen beobachtet werden, so zum Beispiel im auditiven und feinmotorischen. Vor allem auch der sprachliche Bereich wird immer wieder erwähnt und er scheint eine unmittelbare Verbindung zum zuvor genannten Selbstbewusstsein zu haben. Eine Wechselwirkung scheint zu bestehen, da durch eine Förderung der Sprache auch das Selbstbewusstsein gesteigert wird und auch umgekehrt (Sprechlautstärke, sprachlicher Ausdruck, etc.)

Aussage 6:
Der Produktionsprozess wird in die Abschnitte „Diskussion“, die den Punkt „Dramaturgie“ enthält, „Schreibwerkstatt“, „Probe“, „Aufnahme“ und „Schnitt“ unterteilt. Die Grundidee muss immer von den SchülerInnen kommen, damit das Interesse wach bleibt und gewährleistet ist, dass keine inhaltsleeren Produktionen entstehen. Von der Grundidee ausgehend werden dann alle anderen Parameter gesetzt

Aussage 7:
Die Audioarbeit im Hörspielbereich ist in den verschiedensten sonderpädagogischen Schulbereichen einsetzbar und für viele verschiedene Kinder und Jugendliche interessant, weil die Audioproduktionen für sie anwendbar sind und Werte vermitteln, die über den Fächerkanon der Schule hinausgehen. In den Interviews wurden zum Beispiel Produktionen mit Integrationsklassen, mit SchülerInnen mit Körperbehinderungen, Autismus – Spektrumstörung und Verhaltensauffälligkeiten erwähnt und als für die SchülerInnen positiv bewertet.

Aussage 8:
Die Erfolge, die verzeichnet werden können, liegen immer im persönlichen Bereich. Damit ist gemeint, dass die Kinder und Jugendlichen durch die Beschäftigung mit dem Hörspiel und somit dem Audiobereich, der Sprache, der Gruppe, etc. eine persönliche Entwicklung gemacht haben, die sie nachhaltig in ihrem Leben beeinflusst hat. Die Misserfolge werden zum Beispiel in schlechter Gruppendynamik und unkollegialem Verhalten von Seiten der SchülerInnen festgemacht, die eben solche positive Entwicklungen negativ beeinflussen können.

Aussage 9:
Die Hörspielarbeit ist geeignet für den sonderpädagogischen Bereich, es muss jedoch wohl überlegt werden, unter welcher Definition von einem Hörspiel man arbeitet. Vor allem mit einer unerfahrenen Gruppe, ist es ratsam mit kleinen Arbeiten im Audiobereich zu beginnen, um einer möglichen Frustration vorzubeugen. Der Begriff „Hörspiel“ ist umfangreich und muss mit den SchülerInnen erarbeitet und bearbeitet werden.

6. Persönliches Fazit und Ausblick in die Zukunft

Durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema der vorliegenden Arbeit wurde der erste Eindruck der Autorin bestätigt, dass das Hörspiel als Lehr- / Lernmethode für die Vermittlung schulischer Inhalte und die individuelle Förderung von SchülerInnen der verschiedensten Sonderschulsparten geeignet ist. Durch die Offenheit in der Themenwahl lässt sich ein Bezug zur Lebenswelt der SchülerInnen herstellen, der eine tiefgründige Beziehungsarbeit ermöglicht. Sensible Themen können im Rahmen einer solchen Produktion adäquat aufgegriffen werden und in der Gruppe bearbeitet werden. Die besondere Eignung des Hörspiels für den sonderpädagogischen Unterricht ergibt sich auch daraus, dass seitens der Lehrerin keine vorab differenzierten Arbeitsaufträge erteilt werden, sondern sich die Differenzierung durch das konkrete Interesse der SchülerInnen an den verschiedenen Aufgabenbereichen, wie zum Beispiel Sprechrollen oder Technik, entwickelt.

In einer sicheren Lernumgebung ist es den SchülerInnen möglich, ihre eigenen Kompetenzen an den Tag zu legen und diese optimal in den Schaffensprozess einzubauen. Unter einer sicheren Lernumgebung wird ein sozialer Rahmen verstanden, der Fehler erlaubt und SchülerInnen nicht bloßstellt. Hier soll auf Sensibilität im Umgang mit der menschlichen Stimme als „unser erstes Instrument“ geachtet werden.  Wird diese Sensibilität nicht gewahrt, kann die Förderung des Selbstbewusstseins und der Sprache auf keinen Fall einsetzten. Die fehlende Differenzierung für bestimmte SchülerInnengruppen besagt aber keinesfalls, dass sich ein Hörspiel im „Laissez – faire – Stil“ selbst ergibt. Eine Gliederung in kleine Schritte, die immer wieder die Möglichkeit zur Überprüfung und vor allem für  Erfolgserlebnisse bietet, ist unerlässlich, damit die SchülerInnen nicht die Motivation verlieren. Besonders diese beiden Elemente, die Struktur in der Erarbeitung und dass diese Struktur für alle Kinder gleich nutzbar ist, macht die besondere Eignung des Hörspiels im Unterricht aus.

Um ein solches Projekt aber gelingen zu lassen, ist die persönliche Definition eines Hörspiels von Seiten der Lehrperson sehr wichtig. Eine Produktion schon zu Beginn unter den großen Titel des Hörspiels zu stellen, kann großen Druck beinhalten. Die Länge eines Hörspiels sagt nichts über dessen Qualität aus und sollte daher auch nicht als Merkmal herangezogen werden. Es ist also hilfreich, zuerst einmal kleine Audioproduktionen, Stimmspiele und dergleichen mehr zu produzieren, um die Erwartungshaltungen nicht unrealistisch zu überhöhen. Problemstellungen mit dem Hörspiel als Unterrichtsmethode werden in der Bereitstellung von technischen Geräten und anderen Ressourcen gesehen. Lehrpersonen die auf dem Gebiet der Medienpädagogik im Bereich „Erstellung eigener Medienprodukte“ tätig werden wollen, müssen hier ihr eigenes Equipment zur Verfügung stellen. Im Bereich der Technik werden auch Hemmschwellen für LehrerInnen gesehen, diese neuen Vermittlungsmöglichkeiten einer Audioproduktion aktiv im Unterricht einzusetzen. Hier müsste schon in der Ausbildung von LehrerInnen noch mehr Wert auf die Kompetenzen in der Handhabung von Hard- und Software junger LehrerInnen gelegt werden, um digitale Möglichkeiten noch mehr in den Unterricht einzubinden.

Im Alltag der schulpflichtigen Jugendlichen nehmen digitale Geräte und die Kommunikation über Netzwerke einen immer größeren Stellenwert ein. Die Arbeit mit Hörspielen im Unterricht bietet die Möglichkeit eines zeitgemäßen Unterrichts, der an der Realität der Kinder und Jugendlichen ansetzt. Hier wäre es wünschenswert, diesen Benefit seitens der LehrerInnen nutzbar zu machen, indem leichterer Zugang zu Gerätschaften möglich gemacht wird und die medienpädagogische Ausbildung in allen Bereichen des Studiums zum / zur LehrerIn vorangetrieben wird.


Literaturliste

Bibliographie

BLOECH, Michael; FIEDLER, Fabian; LUTZ, Klaus (2005): Junges Radio. Kinder und Jugendliche machen Radio. München: kopaed Verlag.

FLICK, Uwe; KARDOFF, Ernst von; STEINKE, Ines (2000): Qualitative Forschung. Ein Handbuch. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag.

FUHRMANN, Werner (1976): Das Hörspiel im Unterricht der Sekundarstufe 1. München: Paul List Verlag.

KANTER, Gustav O.; SPECK, Otto (2. Auflage1980): Pädagogik der Lernbehinderten. Berlin: Carl Marhold Verlagsbuchhandlung.

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KRUG, Hans-Jürgen (2. Auflage 2008): Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH.

LOBENSOMMER, Leah (2013): Hörspiel als Lernmethode unter besonderer Berücksichtigung sonderpädagogischer Aspekte. Bachelorarbeit an der PH Wien. Wien.

RADEMACHER, Bianka (2000): Didaktischer Einsatz von Hörspielen zur Vermittlung nonverbaler Kommunikationsmittel bei blinden Kindern (Examensarbeit). München: GRIN Verlag.

SCHEFFNER, Horst (Hrsg.) (1978): Arbeitstexte für den Unterricht. Theorie des Hörspiels. Stuttgart: Reclams Universalbibliothek.

SERTL, Michael (2007): Offene Lernformen bevorzugen einseitig Mittelschichtkinder! Eine Warnung im Geiste von Basil Bernstein. in: Heinrich, Martin; Prexl-Krausz, Ulrike (Hrsg.): Eigene Lernwege - Quo vadis? Eine Spurensuche nach „neuen Lernfomen“ in Schulpraxis und LehrerInnenbildung. Wien, Münster: LIT-Verlag, 79-97.

ZILLIKEN, Helmut (1997): Möglichkeiten und Grenzender Medienerziehung an einer Sonderschule für Lernbehinderte am Beispiel des Experiments „Schüler machen Radio“ (Examensarbeit). München: Examicus Verlag.

Internetadressen

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HOSTNIG, Helmut (2013): Methodenvorschläge zur radiophonen Realisierung eines Märchens am Beispiel von Sonne und Mond. Abrufbar unter: http://www.medienimpulse.at/articles/view/490 (29.8.2013).

HOSTNIG, Helmut (2009): Faszination „SchülerInnenradio“ - Ein Erfahrungsbericht. Abrufbar unter: http://www.medienimpulse.at/articles/view/98 (29.8.2013).

MEDIENCAMP Deutschland (2010): Hörspiele selber machen. Abrufbar unter: http://www.mediencamp.net/hoerspiel/text-zum-workshop/index.html (29.8.2013).

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RICHTER, Herbert (2012): Sommerfest - Hörspiel zu einem Mondbild. Abrufbar unter: http://www.lehrer-online.de/hoerspiel-mondbild.php sid=51590355513219781236723222322580 (29.8.2013).

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