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2/2013 - Freizeitpädagogik - Freiwillig, Selbstbestimmt, Selbstorganisiert?

Keine Bildung ohne Medien – Medienbildung JETZT!

AutorIn: Katharina Kaiser-Müller

Ohne Medien keine Kommunikation und ohne Kommunikation keine Bildung! Und ohne Bildung ...? Medien sind Teil unserer westlich industriellen Kultur und daher ist es unerlässlich mit und über Medien zu lernen. Das Motto lautet also: Medienbildung JETZT!

Der technische Zuwachs in den letzten 60 Jahren ist enorm. In der Vergangenheit wurden – neben den gängigen Printmedien – das Radio, das Fernsehen und das Telefon genutzt, um Botschaften zu übermitteln. Heute sieht die Welt anders aus, vielerlei Kommunikationsmittel stehen zur Verfügung und es werden ihnen gesellschaftlich existenzielle Bedeutungen zugeordnet.

Menschen kommunizieren, sie haben ein Mitteilungsbedürfnis. Man könnte sagen Menschen haben eine Affinität, wenn es um Kommunikationsmittel geht. Das ist auch weiter verständlich, weil Kommunikation eines der Lebenselixiere des Menschen darstellt. Der Mensch braucht die Außenwelt um sich selbst zu erfahren; manche sagen auch Bilden dazu. Der Mensch bildet sich, indem er sich ein Bild seiner Umwelt macht und diese in Beziehung zu sich selbst setzt. Je nachdem was er wie wahrnimmt und für wahr hält, bildet er sich seine Meinung, er macht sich eben ein Bild. Er setzt sich aktiv mit seiner Umwelt auseinander und gestaltet sie mit. Diese Interaktion zwischen Mensch und Umwelt kann als Sozialisation bezeichnet werden. Da die Umwelt von Medien geprägt ist, findet Sozialisation und Bildung auch mit bzw. über Medien statt. Demnach kann davon ausgegangen werden, dass der Mensch auch mittels Medien sozialisiert wird. Süss bezeichnet Medien als "Sozialisationsagenten" (Süss 2003: 34), da sie Teil unserer sozialen und materiellen Umwelt sind. Ohne Medien keine Kommunikation sowie ohne Kommunikation kein Leben und keine Bildung, diese Begriffe sind untrennbar miteinander verwoben, ebenso wie Kommunikation und Kultur, weil auch Kultur medial ausgehandelt wird. Für Daniel Süss gehört mithin der adäquate Umgang mit Medien zur Kulturtechnik der Wissens- und Informationsgesellschaft. Er sieht Medienkompetenz als Sozialisationsziel. (vgl. ebd.)

Der Mensch nutzt Medien (Buch, Film, Radio, Internet etc.) zur Kommunikation. Er teilt sich mit und tritt so in Kontakt mit anderen. Heutzutage ist es möglich, mit einem Familienmitglied, das hunderte oder tausende Kilometer weit entfernt ist – beispielsweise mittels Skype –in Kontakt zu treten. So weit von einander entfernt, und doch nur einen Knopfdruck voneinander getrennt. Ein Klick und viele Hürden sind überwunden und ein Hören und Sehen wird möglich. Und doch gab es eine Zeit, in der diese heute gängigen Kommunikationsmittel unvorstellbar erschienen und das ist noch gar nicht so lange her. Gab es eine Zeit in der Arbeitsstellen vorwiegend durch persönliches Aufsuchen des Arbeitgebers besetzt wurden, so wird der Erstkontakt beim Bewerbungsprozess heute fast ausschließlich über Email und Kontaktformular, eben über das Internet mit seinen vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten geknüpft. Demnach ist es in unseren westlichen Industrieländern unmöglich, ohne digitale Medien auszukommen, oder gar geschäftstüchtig zu sein.

Kommunikation findet heute weitgehend digitalisiert statt. Wer Zugang zu digitalen Medien hat, hat Zugang zu Kulturtechniken. Nehmen wir beispielsweise das Internet mit seinen vielfältigen Anwendungen, die wir nicht nur als Konsumenten, sondern auch als Produzenten nutzen können: Nicht nur Filme schauen, sondern auch selbst produzieren und für andere zugänglich machen. Demnach kann es als Werkzeug genutzt werden, um Kulturräume zu erschließen und um mehr über sich selbst zu erfahren, demnach trägt es zur Selbstbildung bei. Es ist in der Hinsicht ein Bildungswerkzeug, da davon ausgegangen werden kann, "dass die eigene Weltsicht nicht die einzige, sondern eine unter anderen ist" (Jörissen, Marotzki 2008: 12; Hervorhebungen im Original) und somit Reflexion ermöglicht. Bildungsprozesse finden demnach mit, in und über Medien statt. "Bildung muss als ein komplexes Gefüge multimedialer Kommunikationsarchitektur verstanden werden" (Jörissen, Marotzki 2008: 13). Medienbildung ist eine der elementarsten Bestandteile des Lebens und des Lernens. Medienbildung fördert einen selbstbestimmten, eigenverantwortlichen, kritischen und kreativen Umgang mit Medien und Medieninhalten und stärkt damit die Fähigkeit, sich zu orientieren, zu reflektieren und sich eigener Rollen/Identitäten bewusst zu werden – und damit im Sinne von Bildung selbstbestimmt und selbsttätig zu leben und zu handeln. Für Werner Sesink ist "die ‚flächendeckende‘ Vermittlung von Kulturtechniken eine wesentliche Voraussetzung für das traditionelle Bildungsziel der Mündigkeit" (Sesink 2002: 80).

Medienbildung ist demnach essentiell, um sich in einer Wissens- und Informationsgesellschaft zurechtzufinden und um schlussendlich mündig zu agieren. Jedoch gibt es eine große Diskrepanz: Obwohl einerseits die Notwendigkeit für Medienbildung dargelegt werden kann, findet sie andererseits viel zu wenig statt! Es hat den Anschein, als wüssten die wenigsten über die Möglichkeiten und Chancen, die ‚Neue Medien‘ bieten, um ein selbstbestimmtes, reflexives Leben zu führen. Zudem fehlt es leider vielerorts an einer medienpädagogischen Grundversorgung. Eine Initiative will auf diese Situation aufmerksam machen und startet eine Aktionswoche:

Medienbildung JETZT! ist eine österreichweite, unabhängige Initiative von medienbildungsaktiven Einzelpersonen, Institutionen und Organisationen aus schulischen und außerschulischen Bildungsbereichen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat den öffentlichen Diskurs anzuregen, um eine Medienbildungsperspektive einzubinden, die den Menschen dazu ermächtigt, Medien kompetent zu nutzen, zu gestalten und zu durchschauen.

Die österreichweite "Aktionswoche Medienbildung JETZT!" bündelt vom 17.–23. Juni 2013 erstmals Angebote verschiedenster Institutionen und Personen, die sich den Prinzipien von Medienbildung in Österreich verpflichtet fühlen. Das vollständige Programm kann unter http://www.medienbildungjetzt.at/aktionswoche heruntergeladen werden. Die Aktionswoche will die Vielfalt der AkteurInnen sichtbar machen und den Blick auf bereits bestehende medienpädagogische Angebote lenken. Ebenso will sie dabei aufzeigen, dass es einfach zu wenig gibt, um alle interessierten Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu erreichen.

Der Auftakt zur "Aktionswoche Medienbildung JETZT!" fand am 12. Juni, von 15 bis 17 Uhr im Künstlerhaus in Wien statt, durch das Programm führten Heidi Neuburger-Dumancic und Florian Danhel. Im Zuge eines Spiels hatten die TeilnehmerInnen die Gelegenheit die AkteurInnen sowie deren Initiativen zur Medienbildung in der Aktionswoche kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen. Zudem trugen ein Videobeitrag – gestaltet von 5erHaus/Jugend- und Stadtteilzentrum Margareten und [mla] media literacy award – und ein Audiobeitrag – gestaltet von Christian Berger, PH Wien– zum medialen Genuss bei und zeigten zudem auf, was mittels Medienarbeit geleistet werden kann. Abschließend gab es noch drei verschiedene Möglichkeiten (Stummer Dialog, Audio- und Video) der Reflexion, um der Medienbildung JETZT! Auftaktveranstaltung und deren AktivistInnen eine Rückmeldung zu geben und die Forderungen der Medienbildung JETZT!-Initiative zu reflektieren. Das Buffet – mit Brot und Wasser – sollte die Notwendigkeit von Medienbildung wiederspiegeln

Unterstützen auch Sie die Initiative Medienbildung JETZT! indem Sie die Forderung nach "Medienbildung für alle" (Link: http://www.medienbildungjetzt.at/?page_id=114) unterzeichnen. Gerne können Sie auch andere AkteurInnen auf die Initiative und ihre Forderungen aufmerksam machen und zur Teilnahme an der Aktionswoche motivieren.


Literatur:

Baacke, Dieter (1999): Medienkompetenz, in: Baacke, Dieter/Kornblum, Susanne et. al. (Hg): Handbuch Medienkompetenz, Bonn. 31ff: Link: http://www.lpb-freiburg.de/fileadmin/templ/pdf/Neue_Medien_im_Politikunterricht/baacke_medienkompetenz.pdf (letzter Zugriff: 13.06.2013).

Jörissen, Benjamin/Marotzki, Winfried (2009): Strukturale Bildungstheorie und Strukturale Medienbildung, in: Jörissen, Benjamin/Marotzki, Winfried (Hg): Medienbildung eine Einführung. Theorie – Methoden – Analysen, Bad Heilbrunn: Klinkhardt, 9–39.

Süss, Daniel/Schlienger, Armin et al. (2003): Jugendliche und Medien. Merkmale des Medienalltags, unter besonderer Berücksichtigung der Mobilkommunikation. Forschungsbericht, Zürich/Aargau. Link: http://www.zhaw.ch/fileadmin/user_upload/psychologie/Downloads/Forschung/F_Jugendliche_und_Medien.pdf (letzter Zugriff: 13.06.2013).

Sesink, Werner (2002): Stellungnahme der Experten, in: Medienkompetenz – Kompetenz für neue Medien. Studie und Workshop, Köln: Forum Bildung: 80–84 Link: http://www.blk-bonn.de/papers/forum-bildung/band12.pdf (letzter Zugriff: 13.06.2013).

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