Schwerpunkt

2/2013 - Freizeitpädagogik - Freiwillig, Selbstbestimmt, Selbstorganisiert?

Medienarbeit in der Freizeitpädagogik – Von der Theorie zur Umsetzung

AutorInnen: Christian Sevcik / Jakob Rudelstorfer

Medienarbeit in der Freizeitpädagogik. Christian Sevcik und Jakob Rudelstorfer berichten von einem Hochschullehrgang an der PH Wien und diskutieren erste medienpädagogische Überlegungen zum Sektor "Freizeit". Dabei geht es sowohl um Theorie als auch um deren Umsetzung.

Abstract

Medienarbeit in der Freizeitpädagogik. Christian Sevcik und Jakob Rudelstorfer berichten von einem Hochschullehrgang an der PH Wien und diskutieren erste medienpädagogische Überlegungen zum Sektor „Freizeit“. Dabei geht es sowohl um Theorie als auch um deren Umsetzung. Die Offensive des bm:ukk in der Schulischen Tagesbetreuung umfasst nicht nur quantitative sondern auch zahlreiche qualitative Ausbaumaßnahmen. So wurden im Herbst 2011 mit dem neu geschaffenen Berufsbild des akademischen Freizeitpädagogen/der akademischen Freizeitpädagogin erstmals österreichweit einheitliche Qualifikationsstandards für den Freizeitteil der schulischen Tagesbetreuung festgelegt.

Christian Sevcik and Jakob Rudelstorfer report on an academic course at the University of Teacher Training Vienna, and discuss initial media-pedagogical reflections on the field of “leisure”. They address both theoretical questions as well as their implementation. The offensive of the Federal Ministry of Education, Art and Culture (bm:ukk) regarding school day-care involves not only quantitative but also a number of qualitative measures. Thus, in autumn 2011, uniform qualification standards for the leisure part of school day-care in the form of a job profile for academic leisure educators were introduced in Austria for the first time.


Die Offensive des bm:ukk in der Schulischen Tagesbetreuung umfasst nicht nur quantitative sondern auch zahlreiche qualitative Ausbaumaßnahmen. So wurden im Herbst 2011 mit dem neu geschaffenen Berufsbild des akademischen Freizeitpädagogen/der akademischen Freizeitpädagogin erstmals österreichweit einheitliche Qualifikationsstandards für den Freizeitteil der schulischen Tagesbetreuung festgelegt.

Die Pädagogische Hochschule Wien ist eine der ersten PHs Österreichs, die umgehend die Umsetzung eines Hochschullehrgangs für Freizeitpädagogik in Angriff genommen haben.

1. Kurz aber gut – der Weg der Umsetzung

Möglich wurde der Hochschullehrgang für Freizeitpädagogik durch zahlreiche Gesetzesnovellen, die Ende Oktober kundgemacht wurden. Daraufhin wurde in der Verantwortung der damaligen Vizerektorin für Fortbildung Mag. Ruth Petz (jetzt Rektorin) gemeinsam mit der damaligen Institutsleiterin Mag. Barbara Huemer (jetzt Vizerektorin für Lehre) umgehend ein Freizeitpädagogik-Team eingerichtet. Dieses Team erarbeitete, motiviert durch das breite Interesse an dieser neuen Ausbildung, binnen kürzester Zeit ein den neuen gesetzlichen Rahmenvorgaben entsprechendes Curriculum.

Das Ziel "Start Sommersemester 2012" vor Augen, gelang die zeitgerechte Erlassung des Curriculums durch die Studienkommission sowie die Genehmigung durch das Rektorat und das bm:ukk. Große organisatorische Anstrengungen machten es so möglich, bereits mit 16. April 2012 den ersten "Hochschullehrgang für Freizeitpädagogik" an der PH Wien mit 80 Teilnehmer/innen zu starten, von denen die meisten diesen bereits im Februar 2013 positiv absolvieren konnten.

Das Interesse an der neuen Ausbildung ist anhaltend groß – bereits mit Wintersemster 2012/2013 startete der zweite Hochschullehrgang für Freizeitpädagogik mit 200 Teilnehmer/innen und im Wintersemester 2013/14 wird der dritte Hochschullehrgang für Freizeitpädagogik starten.

2. Inhalte und Zulassungsbedingungen

Mit dem Abschluss als "Akademische Freizeitpädagogin/Akademischer Freizeitpädagoge" wird die Befähigung zur Arbeit im Freizeitteil der schulischen Tagesbetreuung erworben. Die Studiendauer umfasst 2 Semester und 60 ECTS (1500 Arbeitsstunden). Enthalten sind darin sowohl betreute als unbetreute Studienanteile. Basierend auf der Hochschul-Curriculaverordnung besteht der Hochschullehrgang für Freizeitpädagogik aus folgenden Modulen:

1. Semester

  • Hospitation und Praxis
  • Pädagogische Grundlagen
  • Freizeitpädagogische Grundlagen
  • Persönlichkeitsentwicklung und Kommunikation
  • Kunst und Kreativität

2. Semester

  • Hospitation und Praxis
  • Rechtliche Grundlagen
  • Diversität
  • Musik
  • Sport

Medienbildung

In den Modulen Kunst- und Kreativität und den Freizeitpädagogischen Grundlagen wird Medienbildung durch besonders ausgewählte Vortragende aus diesem Bereich gelehrt.

Qualitätskriterium Praxisbezug

Die Pädagogische Hochschule Wien sieht sich in besonderer Weise der Verschränkung von Theorie und Praxis verpflichtet. Besonderes Qualitätsmerkmal des Hochschullehrgangs für Freizeitpädagogik an der PH Wien ist daher der hohe Praxisanteil (wöchentliches Tagespraktikum und eine Praxiswoche pro Semester), der aktiv in der schulischen Tagesbetreuung an zahlreichen Wiener Schulen absolviert wird.

Der starke Praxisbezug macht es auch möglich, dass theoretisch Erlerntes direkt in der Praxis umgesetzt werden kann, sowie es die nachfolgenden drei Best-Practice Beispiele des Teilnehmers Jakob Rudelstorfer am zweiten Hochschullehrgang für Freizeitpädagogik zeigen.

3. Erstes Praxisbeispiel – Pivot

Mit dem Freeware-Programm Pivot (http://pivotanimator.net


Screenshot vom Freeware Programm 'Pivotanimator'

Ein kleines Strichmännchen kann durch die Benutzerin oder den Benutzer platziert und verändert werden (Position und Haltung). Bei jeder Veränderung wird ein neues Einzelbild abgespeichert (durch Klick auf NEXT FRAME) und mit diesen Einzelbildern entsteht dann ein bewegter Film ähnlich einem Daumenkino. (Arbeitszeit für Vor- und Volkschüler/innen: 10–15 min, dann müsste der erste Film fertig sein.)

Fortgeschrittene NutzerInnen können vorab ein Hintergrundbild einfügen (unter FILE – LOAD BACKGROUND), der Hintergrund muss aber mit einem anderen Zeichenprogramm (Paint, Gimp usw.) gezeichnet werden. Es gibt auch die Möglichkeit, andere (unter FILE – LOAD FIGURE TYPE) oder mehrere Figuren einzusetzen. Auch eigene Figuren können gebaut werden (unter FILE – CREATE FIGURE TYPE).

Wichtig ist, den Kinder zu vermitteln, je mehr Bilder sie produzieren und umso kleinere Veränderungen sie zwischen den einzelnen Bildern machen, desto flüssiger werden die Bewegungen im fertigen Film. Ich habe das Programm ab dem Kindergarten bis zur Unterstufe eingesetzt und es wurde immer sehr gut aufgenommen.

4. Zweites Praxisbeispiel Papercraft

Papercraft ist im Moment sehr "in" und im Internet gibt es Tausende Druckvorlagen und Anleitungen in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen und Themengebieten, aus denen dreidimensionale Figuren entstehen, z. B. auf http://paperkraft.blogspot.co.at/.


http://minecraftpapercraft.com

Benötigt werden ein PC mit Drucker und Internet sowie Papier, Schere und Klebstoff. Das Schöne an Papercraft ist: Die Schülerinnen und Schüler können ihre Helden aus TV oder Comics ausdrucken und aus Papier herstellen. Es gibt auch die Möglichkeit, die Figuren-Modelle selbst zu bemalen.

So kann man vor allem für ältere Kinder ein Angebot machen, mit dem man dann auch in Medienprojekten weiter kreativ arbeiten kann: z. B. große Landschaften mit Figuren und Häusern bauen und diese dann etwa als Kulisse für einen Stopmotion-Trickfilm verwenden. Es bietet sich auch sehr an, Papercraft-Figuren aus dem Spiel Minecraft www.minecraft.net) zu verwenden, da dieses Spiel sehr beliebt ist, die Figuren leicht zu bauen sind und sich Kinder, die das Spiel haben, sogar ihre eigenen Spielfigurenskins ausdrucken können. Unter www.pixelpapercraft.com gibt es zum Beispiel einige Vorlagen zum Download.


Papercraft-Projekt in der Unterstufe. Fotos: Jakob Rudelstorfer

5. Drittes Praxisbeispiel - Childsplay

Childsplay ist ein Freeware-Tool (www.schoolsplay.org), das gleich mehrere Lern- und Geschicklichkeitsspiele mitbringt:

  • verschiedene Memospiele (Klang-, Kleinbuchstaben-, Großbuchstaben-, Zahlen-Memory),
  • Maus- und Tastaturtrainingsspiele
  • Puzzles und Geräuschzuordnungsspiele
  • und ein Pac-Man-Spiel, in dem es darum geht, ein Wort zu lesen und dann im Labyrinth zu den entsprechenden Buchstaben in der richtigen Reihenfolge (mit den Pfeiltasten) zu fahren

Das Programm richtet sich an Vorschüler/innen und Erstklässer/innen. Damit können spielerisch Buchstabenlernen, Lesen und Schreiben wie auch der Umgang mit dem Computer vertieft werden. Das Programm eignet sich gut für ein freies Angebot, da es viele Varianten bietet und wenig Betreuung erfordert.

 

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