Neue Medien

2/2013 - Freizeitpädagogik - Freiwillig, Selbstbestimmt, Selbstorganisiert?

Vor Google. Eine Mediengeschichte der Suchmaschine im analogen Zeitalter

von Thomas Brandstetter, Thomas Hübel und Anton Tantner (Hg.)

AutorIn: Raffaela Rogy

Neun Autoren blicken im vorliegenden Sammelband auf unterschiedlichste Art und Weise auf die Vorläufer der heutigen, digitalen Suchmaschinen und starten somit den Versuch, ein Stück überaus relevanter Mediengeschichte zu analysieren.

Verlag: Transcript
Erscheinungsort: Bielefeld
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN: 978-3-8376-1875-4

Digitale Suchmaschinen wie etwa "Bing", "Google" oder "Yahoo!" prägen maßgeblich das gegenwärtige Alltagsbild und schleichen sich sogar mit Verben wie "googlen" in den selbstverständlichen Sprachgebrauch ein. Michel Serres spricht in diesem Zusammenhang vom "Menschen ohne Fähigkeiten", der in Sekundenschnelle sich jegliches Wissen ohne große Mühe aus dem Netz saugen kann und dieses mit gleicher Geschwindigkeit wieder vergisst. Aller Kritik zum Trotz sind digitale Datenbanken, auf die man dank Suchmaschinen hingeführt wird, ein großer Fortschritt. Doch gibt es eine Vorgeschichte von "Google" und Co? Laut den Herausgebern des Bandes "Vor Google. Eine Mediengeschichte der Suchmaschine im analogen Zeitalter" Thomas Brandstetter, Thomas Hübel und Anton Tantner lassen sich zumindest Vorläufer der digitalen Suchmaschinen im analogen Zeitalter festmachen.

Nun stellt sich die Frage was man überhaupt als Suchmaschine bezeichnen kann. Die Autoren des Sammelbandes haben sich mit neun Beiträgen dieser Thematik und Fragestellung angenommen. Stefan Rieger erzählt in seinem Beitrag über den Zwang zur Wissensordnung und macht dabei einen botanisch-literarischen Exkurs in Adalbert Stifters "Nachsommer". Auf biblischen Pfaden wandert Daniel Weidner, der das Suchen in heiligen Texten beschreibt und dabei auf Konkordanzen, Polyglotten und Synopsen eingeht. Alix Cooper gewährt Einblicke auf die Zeit der frühen Aufklärung, in der Fragelisten über ökologische, zoologische oder gar kulinarische Thematiken herumgereicht wurden, um eine Art Weltinventur zu tätigen. Über das Recherchieren im 18. Jahrhundert, das sich großteils auf eine Personensuche in Staatskalendern, sowie Staatshandbüchern beschränkte, weiß Volker Bauer zu berichten. Ein interessiertes Auge wirft Andreas Golob auf die "Grazer Anzeigeblätter", die als Informationsdrehschreibe für das Suchen in Rubriken wie Immobilien, Viehzucht, Bankgeschäfte, Arbeits- und sogar Partnervermittlung dienen. Das Kernstück des Sammelbandes "Vor Google. Eine Mediengeschichte der Suchmaschine im analogen Zeitalter" bildet der Aufsatz von Markus Krajewski, der über den Diener als Informationszentrale aufklärt. Krajewski schließt den Diener, der die Informationen seines Herrn beobachtet, analysiert, auswertet und gezielt weitervermittelt, mit digitalen Suchmaschinen kurz und arbeitet Parallelen der Weitergabe an Information "von den humanoiden Medien zu den Dingen" (S 155) am Beispiel der Suchmaschine "Ask Jeeves" heraus. Henning Trüper stützt sich in seinem Beitrag "Suchen und Finden" auf die Grammatiken des Orientalisten Theodor Nöldeke, und Bernhard Rieder erläutert in "Zentralität und Sichtbarkeit" die frühe Bibliometrie und deren Umgang mit Informationen. Martin Schreiber pickt sich in seinem Aufsatz zur frühen Suchmaschine und Speichermöglichkeit von Daten Vannevar Bushs "Memex" heraus, veranschaulicht gekonnt dessen Philosophie und überträgt diese in die Gegenwart.

Der Sammelband "Vor Google. Eine Mediengeschichte der Suchmaschine im analogen Zeitalter" eröffnet ein breites Feld an Vorläufermedien der digitalen Suchmaschinen und greift einerseits auf konventionelle und vorhersehbare Gedankenstränge zurück; anderseits werden der Leserschaft neue Modelle eröffnet, die ein handgeknüpftes Seil zu digitalen Strings spannen. Illustrationen veranschaulichen und lockern die gelungenen und interessanten Beiträge auf und laden zur weiteren Forschung ein.

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