Neue Medien

1/2013 - Normen und Normierungen

Rezension: Die Kultur des 20. Jahrhunderts im Überblick

von Werner Faulstich (Hg.)

AutorIn: Raffaela Rogy

Im Sammelband „Die Kultur des 20. Jahrhunderts im Überblick“ geben AutorInnen wie Knut Hickethier einen kultur-, kunst-, sowie mediengeschichtlichen Abriss des vorherigen Jahrhunderts. Die Rezension hat Raffaela Rogy übernommen.

Verlag: Wilhelm Fink
Erscheinungsort: München
Erscheinungsjahr: 2011
ISBN: 978-3-7705-5144-6

Der vorliegende Band Die Kultur des 20. Jahrhunderts im Überblick bildet nun den Abschluss der Reihe über die „Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts.“ Die dreizehn Beiträge, die sich unter der Herausgeberschaft Werner Faulstichs zu diesem Werk formieren, warten u. a. mit Blicken auf Bildung, Literatur, Recht oder Religion im Zeitraum von 1900 bis 2000 auf.

Dabei erweist es sich als geraume Schwierigkeit einen kulturgeschichtlichen, zusammenhängenden Eindruck eines ganzen Jahrhunderts, der Blicke verschiedener Disziplinen zulässt, zu vermitteln. Für Werner Faulstich bietet der Sammelband somit den „Reichtum fachkompetenter Einzelbeiträge ohne eine alles übergreifende Leitidee“ (8). Kultur versteht Faulstich „im Kern pragmatisch [...] als die Ausbildung von Sinnkonzepten und handlungsorientierten Wertemustern und Leitbildern“ (7). Allerdings scheint der Band ohne eine Leitidee nicht auszukommen; ist doch eine Akzentuierung auf „fundamentale mediengeschichtliche ,Sprünge‘“ (8), die auf ein Gesellschaftssystem, das auf ökonomischen Interesse basiert, fußen, deutlich zu erkennen. Zudem sei erwähnt, dass sich die Beiträge in Die Kultur des 20. Jahrhunderts im Überblick ausschließlich auf Deutschland beziehen und des öfteren nur oberflächliche Betrachtungen zulassen.

Knut Hickethier gelingt es meisterhaft in seinem Beitrag Medienkultur im Wandel das 20. Jahrhundert elementar zu interpretieren und beschreibt es als ein „Jahrhundert der Medien.“ Siegfried Gohr legt seinen Fokus auf die Entwicklungsgeschichte bildender Künste und Carola Schormann setzt gekonnt die Medienwandlungen der Musikkultur sowie deren bildungsbürgerliche Reaktionen ins Zentrum ihrer Betrachtungen. Werner Faulstich konzentriert sich auf die Entwicklungsprozesse literarischer Kulturen und arbeitet unterschiedliche, intermediale Wechselbeziehungen heraus. Karin Knop berichtet über die Geschichte der Wirtschaftswerbung und einen abstrakt historischen Abriss über die räumliche Einbettung von Kultursystemen gewährt Karlheinz Wöhler. Hans-Dieter Kübler vermittelt sachlich Entwicklungen und Zäsuren von Jugend- und Kinderkulturen und  Ricarda Strobel schreibt prägnant über die Alltagskultur und setzt dabei den Schwerpunkt auf Ernährung, Kleidung sowie Wohnen. Detlev Gaus gibt einen Überblick über das ambivalente Verhältnis von Bildung und Erziehung. Stephan Meder verschafft der Leserschaft einen nachvollziehbaren Blick auf die Rechtskultur, und Gerhard Ringhausen gewährt Einblicke über die christliche Kirche. Dirk Stegman liefert sozialgeschichtliche Eindrücke und das Autorenduo Günter Bentele und Jens Seifert widmet sich in seinem Aufsatz der deutschen Unternehmerkultur.

Denken, Beobachten und Schreiben ziehen sich nicht nur überblicksmäßig durch die Jahrhunderte, diese drei Komponenten haben bis heute – wie die dreizehn AutorInnen des Sammelbandes auf durchaus hohem Niveau beweisen – Bestand. Allem Platzmangel zum Trotz sind die Beiträge strukturiert, spannend und gut geschrieben. Es ist stets erfreulich viele AutorInnen in einem Buch wie Die Kultur des 20. Jahrhunderts im Überblick zu wissen, die dem Werk gemeinsam etwas Individuelles verleihen. Deutlich mehr Wertschätzung hätten die Aufsätze seitens der redaktionellen Arbeit verdient, da sich mangelnde Angaben zu Zitaten, falsch geschriebene Namen oder Rechtschreibfehler, die sich bereits am Buchrücken abzeichnen, durch den Sammelband ziehen.

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