Neue Medien

1/2013 - Normen und Normierungen

Movie and Comic-Review: Star Trek

AutorIn: Karl H. Stingeder

Ob als Film oder Comic: Star Trek ist eine Vision, eine Utopie voller atem­beraubender Bilder, mannigfaltiger Charaktere und gegensätzlicher (biologischer) Gruppierungen als Metapher zu den Gegensätzen und Gemeinsamkeiten auf unserem blauen Planeten.

Movie-Review: Star Trek

Studio: Paramount Home Entertainment
Erscheinungsjahr: 2009
DVD/Blu-ray (2 Disc Special Edition)

Seit Ende der 1960er-Jahre hat der Science Fiction-Kosmos von Star Trek ein Millionenpublikum begleitet und in zehn Kinofilmen und fünf Serien viel bewegt. Nach rund 40 Jahren verleiht J. J. Abrams, Schöpfer der bekannten Serie Lost, mit dem 11. Film dem Universum keinesfalls nur einen oberflächlichen Neuanstrich. Hier wird Rundumerneuerung von Grund auf geboten. Mit Abrams neuestem Streich wurde die längst überfällige Ära der wirklichen Next Generation eingeläutet. Jugendliche und drauf­gängerische Sternen­flotten-Offiziere – allem voran der Adrenalinjunkie James T. Kirk (Chris Pine) – sind in ihren besten Jahren; atemlose, intensive Action von Beginn weg und ohne unnötige Längen ist garantiert.

Der Film leistet jedoch mehr als nur ein kurzes Aufbäumen einer liebgewonnen Science-Fiction Reihe um alteingesessene Kenner erneut in den Kinosaal zu locken; er bietet glänzende Unterhaltung ohne dass Vorwissen notwendig wäre. Mit viel Augenzwinkern und einigen humorigen Slapstick-Einlagen werden sowohl Star Trek-Neuzugänge als auch Veteranen glänzend bei Laune gehalten. Zudem gelingt mit dem 11. Kinofilm das Kunststück einer ergrauten Vision neues Leben einzuhauchen: Ambitionierte schauspielerische Leistungen und ein visionärer Regisseur wecken daher dementsprechend hohe Erwartungen für künftige Projekte.

Beeindruckend ist auch die technische Aufmachung der Blu-ray Special Edition: Sowohl Bild- als auch Tonqualität können sich wahrlich sehen und hören lassen. Auch die großzügig bedachten Extras werden Trekkies zu Freudensprüngen veranlassen und gewähren sehenswerte Einblicke in das Herz und die Seele von Star Trek. Der mit Spannung erwartete 12. Kinofilm im von Gene Roddenberry gegründetem Universum ist Mitte 2013 in den Kinos zu sehen und voraussichtlich ab Herbst 2013 auf DVD und Blu-ray erhältlich. Der Titel: Star Trek – Into Darkness.

Comic-Review: Star Trek 6

Verlag: Cross Cult
Erscheinungsort: Ludwigsburg
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN-10: 3942649349

J. J. Abrams Verfilmung von Star Trek wurde auch eine Comic-Reihe zur Seite gestellt. Und auch mit Die neue Zeit wird das Universum von Star Trek zelebriert. Die neue Zeit 1 umfasst zwei Geschichten, bekannt aus der The Original Series-Crew mit Spock, James T. Krik und „Pille“ („Bones“) als Hauptcharaktere: Die Spitze des Eisberges (Where No Man Has Gone Before) und Notlandung der Galileo 7 (The Galileo 7). Getragen durch schöne Zeichnungen einschließlich authentischer Charakter-Gesichtszüge mit großem Wiedererkennungswert, werden in Cross Cults erstem Comic-Band der neuen Zeitlinie Episoden der „alten Enterprise“ neu aufgerollt.

Die Autoren greifen Geschichten der ursprünglichen Crew auf und betrachten diese aus dem Blickwinkel der neuen Zeitlinie. Mit welchen Konsequenzen? Einerseits werden mancherorts Figuren ganz ausgetauscht, andererseits werden Dialoge aus den bekannten Episoden übernommen beziehungsweise kommen Schlüsselaussagen über die Lippen eines anderen Besatzungsmitglieds. Alles in allem wurde auf die Kontinuität zwischen neuem und altem Universum besonderes Augenmerk gelegt. Hier muss den Autoren Respekt gezollt werden, da ein Drahtseilakt vollbracht wurde: Die Nähe zum Original auf der einen Seite und gezielte Neuerungen, um die Story mit Schwung voranzutreiben, auf der anderen Seite.

Dennoch muss die Frage erlaubt sein, warum bereits erzählte Geschichten im Zuge des Reboots nun als Comic aufgewärmt werden. Damit zusammenhängen mag der verspätete Start des zweiten Films (Star Trek – Into Darkness) im Jahr 2013. Hier liegt der Schluss nahe, dass die Fangemeinde mit den Comics bei Laune gehalten werden soll. Und dieser Plan geht auf: Der Band serviert sowohl für Greenhorns dieses Sci-Fi-Kosmos als auch für eingefleischte Fans gleichermaßen ein Trekkies-Gourmentmenü vom Feinsten. Eigenständige Geschichten, ohne Rückgriff auf die Storyline-Mottenkiste der „alten Enterprise“, stehen dennoch ganz oben auf der Wunschliste an die Autoren.

Fazit: Die Comic-Adaption der Kino-Neuauflage von Star Trek kann visuell und auch erzählerisch getrost als Comic-Perle bezeichnet werden. Obwohl mit dem Hintergedanken aufgelegt, die Wartezeit bis zum Kinorelease des zweiten Films der neuen Zeitlinie zu überbrücken, ist Die neue Zeit 1 eine Pflichtlektüre für alle Sci-Fi-Aficionados, egal ob Neueinsteiger oder Fan der ersten Stunde. In jedem Fall heißt es nun Daumen drücken, dass es nicht bei einer exklusiven „Verwurstung“ altbekannter Geschichten bleibt.

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