Bildung - Politik

1/2013 - Normen und Normierungen

Rezension: Ditfurth, Jutta (2013): Zeit des Zorns

Warum wir uns vom Kapitalismus befreien müssen, Frankfurt/M.: Westend.

AutorIn: Alessandro Barberi

Mit >Zeit des Zorns< hat Jutta Dittfurth ihre Erfahrungen als Politikerin in der BRD zusammengefasst und zu einer umfassenden Kritik gebündelt. Von sozialen, ökonomischen und ökologischen Schäden, die der Kapitalismus hinterlässt, handelt ihre politische Philosophie. Alessandro Barberi hat rezensiert ...


Jutta Dittfurth (2012) Zeit des Zorns

I. Fragen über Fragen

Haben Sie gewusst, dass die deutsche Bank die Stadt Cleveland besitzt und derzeit (nicht nur) deshalb mit einer ganzen Reihe von kommunalen Klagen aus den Vereinigten Staaten zu kämpfen hat? Haben Sie gewusst, dass die Bundesrepublik Deutschland im Moment der drittgrößte Waffenhersteller und Rüstungsindustrielle der Welt ist, weshalb in den letzten zehn Jahren Wiederbewaffnung (u. a. mit Drohnen und Kampf-U-Booten) zum politischen Tagesgeschäft gehört? Haben sie gewusst, dass die öffentliche Entschuldung der Banken nach der Krise von 2008 direkt auf das Konto sozialer, gesundheitlicher, ökologischer und kultureller Leistungen schlägt und dabei die Löhne im Sinne einer Umverteilung von Oben nach Unten schrumpfen? Haben Sie noch in Erinnerung, dass es den Aralsee eigentlich nicht mehr gibt? Und glauben Sie, dass sich die Finanzmarktdiktatur durch eine love parade oder ein Lichtermeer abschaffen lässt?

Wenn Sie es nicht gewusst haben und der Meinung sind, dass man zur Lösung der derzeitigen sozialen und ökonomischen Probleme kantige und deutliche politische Positionen braucht, dann ist Jutta Ditfurths Zeit des Zorns genau die richtige Lektüre für Sie. Denn Ditfurth (*1951) gibt äußerst hellsichtige Antworten auf die Frage, warum wir uns vom Kapitalismus befreien sollten.

II. Medientechnologien des Kapitalismus

Dies beginnt schon damit, dass die aus dem Ökosozialismus kommende Top-Journalistin und Politikerin daran erinnert, dass der Begriff „Globalisierung“ nur eine Ersatzterminologie für das darstellt, was seit rund 220 Jahren – namentlich seit der französischen Revolution – in Europa Kapitalismus genannt wird und gut 500 Jahre alt ist. Denn die Kritik an schrankenlosem Profitdenken und an der Polarisierungstendenz dieser Form von Wirtschaft ist keineswegs jungen Alters. Im Grunde globalisiert der Kapitalismus seit dem 15. und 16. Jahrhundert mit Kolonialismus, Imperialismus, doppelter Buchführung und schon mit Christoph Kolumbus im Jahre 1492.[1] Die grundlegenden Konjunkturtendenzen mit manisch-depressiven Kurven zwischen Haute und Baisse sind seit sehr langer Zeit bekannt und mithin auch das Wissen um die notwendige Regulierung eben dieser devastierenden, die Ausbeutung der Menschen fordernden und in Gang setzenden ökonomischen Polarisierungen. Jutta Ditfurth erinnert deshalb mit Marx vollkommen zu Recht daran, dass die Weltmärkte immer schon Teil der Globalisierung waren. Marx und Engels dazu (durchaus medienpädagogisch relevant):

„Die große Industrie hat den Weltmarkt hergestellt, den die Entdeckung Amerikas vorbereitete. Der Weltmarkt hat dem Handel, der Schiffahrt, den Landkommunikationen eine unermeßliche Entwicklung gegeben. Diese hat wieder auf die Ausdehnung der Industrie zurückgewirkt, und in demselben Maße, worin Industrie, Handel, Eisenbahnen sich ausdehnten, in demselben Maße entwickelte sich die Bourgeoisie, vermehrte sie ihre Kapitalien, drängte sie alle vom Mittelalter her überlieferten Klassen in den Hintergrund.“[2]


Abbildung 1: Richard Fuld vor (l.) und nach der Krise (r.)
Quellen: Ferguson, Charles H. (2007): Inside Job, Sony Pictures Classic, 00:43:52,
Trailer unter: http://www.youtube.com/watch?v=bZg2eoVnPSg
und: Smith, Guy/Caron, Jean-Christoph (2010): Der große Crash: Die Pleite der Lehman Brothers,
phoenix TV, 00:42:43, unter: http://www.youtube.com/watch?v=aGErIIkS5ec (letzte Zugriffe: 01.03.2013).

Daran hat sich gegenwärtig nur geändert, dass der Charakter von Bankern wie Richard Fuld von Lehman Brothers tatsächlich feudale Züge trägt (siehe Abb.1). Im Prinzip aber gilt auch nach der dritten industriellen Revolution des 20. Jahrhunderts durch Computertechnologien immer noch, so Ditfurth: „Ohne Dampfschifffahrt kein britisches Imperium. Ohne Internet, also ohne die zeit- und grenzenlose Kommunikation von Wort und Bild, kein moderner Kapitalismus“ (50). Die Verteilungsgesetze blieben durch die Zeit hindurch gleich: der (innere) Reichtum der Menschheit kommt nur dem geringsten Prozentsatz eben dieser Menschheit zu gute und zerstört gerade deshalb Mensch und Natur.

Dafür liefert die Autorin eine erstaunliche Anzahl an Fakten, Argumenten und Tatbeständen mit denen sie ein düsteres doch – und das ist bemerkenswert – nicht hoffnungsloses Bild unserer Gegenwart malt. Fast könnte man annehmen, sie sei eine Schülerin Pierre Bourdieus, wenn sie betont, dass „Bildung und sozialer Aufstieg […] maßgeblich von der sozialen Herkunft und dem Einkommen der Eltern“ (39) abhängig sind. Auch zeigt sie, weshalb die „Obdachlosigkeit […] explodiert, Teile des Gesundheitssystems […] zusammengebrochen“ sind und „faschistische Organisationen […] arme Ausländer“ jagen (39). Des Weiteren hebt sie hervor, weshalb erstens „Befriedung“, zweitens „Propaganda“, drittens „Überwachung und Bespitzelung“, viertens „Repression“ und fünftens „Militarisierung“ (42–44) nach wie vor zum globalen und profitmaximierenden Standardrepertoire der Regierungsmentalität (Foucault) der herrschenden Klassen gehören und die „Zerstörungswucht des Kapitalismus in jeder Phase untrennbar zu ihm gehört“ (48). Als gute deutsche PolitikerIn, welche die Geschichte und Gegenwart der Bunderepublik kennt wie ihre eigene Westentasche, belegt sie dies vor allem anhand ihres Herkunftslandes und bringt dabei erstaunliche Zusammenhänge zu Tage.

III. Bankster, Rüstungsindustrielle und Ökonomismus

Denn die Deutsche Bank (DB) – die viertgrößte Bank der Welt – hat tatsächlich in Cleveland im Zuge der Weltwirtschaftskrise 7000 Häuser zwangsräumen lassen, weil sie durch hochspekulativen Immobilienhandel diese Stadt de facto besaß. Ditfurth spricht von einer (und belegt eine) „Flut von Informationen darüber, dass die Deutsche Bank an vorderster Stelle etliche Städte der USA durch Immobilienspekulation, faule Kredite, Zwangsräumungen und Verfallenlassen ruiniert. […] im Jahr 2007 seien täglich 20 Hausbesitzer gewaltsam [sic! A.B.] aus ihren Häusern geworfen worden“ (62–63). Die Strategie der DB besteht dabei darin, die Häuser verfallen zu lassen, um dann den Kommunen die Aufräumarbeit zu hinterlassen, was auch Norbert Walter, Manager der DB, nach einem Vortrag von Ditfurth zumindest kalte Füße einbrachte. Derartige Zusammenhänge korreliert die Autorin z. B. mit historischen Passagen zur erneuten Legitimierung von Leiharbeit, die zur „Lohnarbeit in drei Klassen“ zählt: „regulär ausgebeutete Lohnarbeit, Leiharbeit, Werkvertrag“ (80), und hält dabei fest, dass immer mehr Menschen sich für immer schlechtere Löhne kaputtarbeiten müssen.


Abbildung 2: Der Leopard-1-Panzer,
Quelle: Wikipedia (letzter Zugriff: 01.03.2013)

Ebenso klar und deutlich arbeitet Jutta Ditfurth die Verflechtungen von (deutschem) Finanzkapital und Rüstungsindustrie heraus, wenn sie im Rahmen einer konzisen Analyse der (militärischen) Rechtslage in der Bundesrepublik diagnostiziert, dass in den letzten zehn Jahren Stück für Stück bereits überwundene Kriegsstratageme wieder eingeführt wurden. So haben allein die Rüstungsexporte bundesrepublikanischer Unternehmen zwischen 1999 und 2008 einen Wert von 2,3 Milliarden Euro: „Und was da eingekauft wird, braucht jedes Kind, jeder Handwerker, jede Studentin in Griechenland dringend: 861 Leopard-1- und 2-Kampfpanzer der deutschen Rüstungsfirma Krauss-Maffei Wegmann GmbH&Co KG. 24 Panzerhaubitzen, 122 Haubitzen, 150 Raketenwerfer. 160 Maschinenkanonen von Rheinmetall Defence AG, vier Fregatten und 12 U-Boote von Thyssen Krupp Marine Systems AG sowie 22 F-4 Phantom Kampflugzeuge (nur eine Auswahl).“ (40) Diese Lieferungen verbindet die Autorin mit deutschen Friedenseinsätzen in – auch von Teilen der BRD kriegsstrategisch in die „Sozialstaatszerstörung“ gestürzten – krisengebeutelten Gegenden.


Abbildung 3: Der Aralsee 2011
Quelle: Wikipedia (letzter Zugriff: 01.03.2013)

Da darüber hinaus für Ditfurth „die ökologische Frage immer ein Teil der sozialen Frage“ (91) ist, wird auch „biologische“ Gesundheit immer auf soziale und ökonomische Verhältnisse bezogen. Und so ist es nur konsequent, dass Ditfurth ihr ökologisches Bewusstsein am dramatischen Verschwinden des Aralsees prüft, um dabei aufzuweisen wie die ökonomistische und technizistische Wirtschaftspolitik der Sowjetunion zur Gänze dafür verantwortlich ist, dass das ehedem viertgrößte Binnenmeer – eines der größten Ökosysteme der Welt – zusammengebrochen ist: „Heute sind seine zerteilten Reste zusammen nur noch so groß wie Unterfranken und viel flacher als früher, zudem versalzen und vergiftet.“ (106) 1989 war der Aralsee wegen sowjetischer Misswirtschaft „biologisch tot“. Die Säuglingssterblichkeit lag mit 118 auf 1000 Kindern so hoch, dass „jedes neunte bis zehnte Kind“ in der Region an „Mangelernährung, Tuberkulose, Infektionskrankheiten, Hepatitis, Blutarmut, Typhus und Krebs“ verstarb (108). Dafür sind hochgradig salzhaltige Sandorkane verantwortlich, die durch die Austrocknung des Sees entstanden sind und den „Leichenstaub des sterbenden Meeres“ nach „Mitteleuropa, Asien und Afrika“ (109) tragen. Ditfurth zeigt auch in diesem Fall, dass es kapitalistische Markt- und d. h. Machtstrukturen sind, die den Naturschutz bekämpfen und damit direkt das Leben gefährden. Auch damit dekonstruiert sie das unreflektierte Funktionieren des Bestehenden.

IV. Kapitalismus, Monopole und der Staat

Jutta Ditfurth hat theoretisch sehr viel der These vom Staatsmonopolkapitalismus zu verdanken. Und in letzter Zeit häufen sich Diagnosen, nach denen diese Theorie doch einiges für sich hat:[3] die Kapitalverteilung – (nicht nur) in der BRD – konzentriert sich mehr und mehr zu Oligopolen bzw. Monopolen, der Kapitalismus produziert auf den Weltmärkten Devastierungen wie kaum zuvor und die Institutionen der Postdemokratie (Habermas) scheinen in vielen Fällen als Marionetten der Finanzmärkte zu operieren, wenn etwa sieben Premierminister Europas aus dem Netzwerk von Goldman Sachs stammen. 1% der Weltbevölkerung hält den Reichtum der 99% des Commonwealth[4] in Händen und ist an einer Umverteilung keineswegs interessiert. Das nennt die Marxistin Ditfurth nicht zu Unrecht eine Konstellation des Klassenkampfs. Die Finanzmärkte operieren keineswegs reguliert, sondern funktionieren – nicht zuletzt durch Kapitalflucht – genauso wie zuvor und höhlen die Reste an Demokratie Stück für Stück durch Deregulierungen und Privatisierungen aus, an deren Ende kein öffentliches Eigentum, kein faires, gleiches und gemeinsames Bildungssystem und mithin auch keine Demokratie mehr existieren kann. All dies spricht – und ähnlich argumentiert Ditfurth – für die Tatsache, dass der Kapitalismus (auch und gerade in China) durch seine Monopolisierungstendenz totalitäre Züge trägt und gesellschaftliches wie tierisches Leben auf dem gesamten Globus zerstört.


Abbildung 4: Bourdieu in den Medien, Quelle: Establishing Shot aus Carles, Pierre (2009):
Soziologie ist ein Kampfsport – Pierre Bourdieu im Portrait (OmU),
Filmedition Suhrkamp, 3 DVD-Box, Frankfurt/M.: Suhrkamp, 00:00:19,
unter: http://www.youtube.com/watch?v=5Joz5G94L7U (letzter Zugriff: 11.01.2013)

Eine mögliche Kritik an Ditfurths Argumentation wäre indes in ihrer Staatstheorie auszumachen: Der späte Pierre Bourdieu hat uns daran erinnert, dass wir alle – mit Zivilcourage, Engagement und im Namen des Rechts(staates) – Teil des Staates sind und diesen Staat – wie das deutsche Grundgesetz es vorsieht – als Sozial- und Wohlfahrtsstaat demokratisch und sozial gestalten müssen. Das Problem in der Argumentation Ditfurths – und auch vieler anderer linker AktivistInnen – liegt mithin in der prinzipiellen Ablehnung des Staates, der tendenziell nur als kapitalistisches Repressionsinstrument erscheint, wo doch seine demokratische Infrastruktur als Organisationsbasis für die Anliegen der Bevölkerung(en) dienen könnte, gerade weil er die „Zentralbank des symbolischen Kapitals“ ist.[5] Dies ist aber – neben dem Umstand, das Jutta Ditfurth ein besseres Lektorat zu wünschen wäre – ein singulärer Einwand, der gegen Zeit des Zorns vorzubringen ist, denn Jutta Ditfurth hat ein wichtiges, ein kenntnisreiches und überzeugendes Buch geschrieben, dass mit politischen Daten gespickt ist, die in den Mainstream-Medien – durchaus aus politischen Gründen – meist untergehen oder gar verfälscht werden.

Es ringt daher Bewunderung ab, wenn eine Frau, die an allen maßgeblichen regierungskritischen und progressiven Bewegungen seit den 70er-Jahren teilgenommen und die Grünen in der BRD mitgegründet hat – um sie zu einem erstaunlichen Zeitpunkt zu verlassen – ihren grundlegenden Überzeugungen – so etwa der Verurteilung der Remilitarisierung der BRD – nicht abschwört, sondern in ihrer Kritik und Argumentation so jugendlich bleibt wie eh und je. Jutta Ditfurth hat ein herausragendes politisches Buch geschrieben, dass an mündiger Informationsdichte kaum seinesgleichen findet. Wäre es nicht eindeutig ein aktivistischer Aufruf zur Abschaffung des Kapitalismus, man hätte besten investigativen Journalismus im Sinne der Watergate-Affäre vor sich. Leider haben sich die Zeiten geändert und nachgewiesene Unfassbarkeiten führen nur in Einzelfällen zu Konsequenzen oder Rücktritten. Ein Grund mehr, die Regierungsmentalität (auch) der Deutschen zu analysieren und sattelfest recherchiert aufzudecken, welchen Tendenzen der weltweit integrierte Kapitalismus (Félix Guattari) folgt und was dabei alles falsch läuft. Ein Grund mehr, die politische Haltung der Demokratie auch in schweren Zeiten nicht zu verraten. Ein Grund mehr in der Zeit des Zorns auf die bestehenden Verhältnisse wütend zu sein. To be (dis)continued …


Abbildung 5: Jutta Ditfurth in Hart aber fair (2010)

P. S.: Jutta Ditfurths Beiträge sind aus der deutschen Öffentlichkeit kaum wegzudenken. So hat sie – selbst aus aristokratischem Haus – in prognostischer Art und Weise Karl Theodor von Gutenberg bereits lange vor der Plagiatsaffäre vor mehreren Aristokraten, die zu ihm hielten, als Blender durchschaut und damit Recht behalten. Vgl. dazu die – Frau Ditfurth auch gut präsentierende – deutsche Sendung Hart aber fair auf Youtube unter: http://www.youtube.com/watch?v=L48StvIV2M8. (letzter Zugriff: 01.03.2013). 2012 war die engagierte Intellektuelle u. a. mit Jean Ziegler zum Thema „Ungerechte Welt, arm u. reich“ in Pro/Contra zu sehen, unter http://www.youtube.com/watch?v=GxEIQepUmeQ (letzter Zugriff: 01.03.2013).


[1] Vgl. dazu Braudel, Fernand (1990): Sozialgeschichte des 15.–18. Jahrhunderts. 3 Bände, München: Kindler. Es sei angemerkt, dass schon die Titelübersetzung Braudels Intentionen verschoben hat. Das Original handelt von „Materieller Zivilisation, Ökonomie und Kapitalismus vom 15.–18. Jahrhundert“. Vgl. ders. (1979): Civilisation matérielle, économie et capitalisme. XVe–XVIIIe siècle, Paris: Armand Colin. Wer die Geschichte des Kapitalismus historisch bis ins 20. Jahrhundert untersuchen will, tut gut daran, sich mit Eric Hobsbawm auseinanderzusetzen: Vgl. Hobsbawm, Eric (1994): Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, München/Wien: Hanser. Auch die rezent erschienene Sammlung theoretischer Texte ist äußerst lesenswert: Vgl. ders. (2012): Wie man die Welt ändert. Über Marx und den Marxismus, München: Hanser.

[2] Vgl. Engels, Friedrich/Marx, Karl (1972): Manifest der kommunistischen Partei, Berlin: Dietz, 461–493, hier: 463–464.

[3] Knapp vor seinem frühen Tod hat auch der deutsche Politiker der SPD Hermann Scheer zu Protokoll gegeben, dass er der These vom Staatsmonopolkapitalismus angesichts der Atom-Lobby einiges abgewinnen kann, obwohl – oder gerade weil – er sie immer kritisiert hat. Vgl. dazu eine der letzten Wortmeldungen von Scheer im deutschen Bundestag unter: http://www.youtube.com/watch?v=XU0MJwdlbUE. Dieter Dehm bezeugt die Scheersche Wende zur Staatsmonopolismusthese in seinem Nachruf unter: http://www.youtube.com/watch?v=BEuFYliorAc (letzte Zugriffe: 01.03.2013).

[4] Vgl. Hart, Michael/Negri, Toni (2009): Commonwealth, Cambridge/London: Harvard University Press.

[5] Vgl. Bourdieu, Pierre (2013; im Erscheinen): Über den Staat: Vorlesungen am Collège de France 1989–1992, Frankfurt/M.: Suhrkamp. Loïc Wacquant hat die Bourdieusche Staatstheorie knapp und gut zusammengefasst: „So erscheint der Staat als eine janusköpfige Institution: einerseits als Vehikel, das jene, die am längeren Hebel sitzen, zum Zweck ihrer Bereicherung nutzen; andererseits als das Mittel, durch das das Allgemeine vorangebracht und Gerechtigkeit durchgesetzt werden kann.“ Vgl. Wacquant Loïc (2012): Bourdieu im Innersten, in: Das Argument 297/2012, 330–334, hier: 334.

Tags

zorn, aktivismus, kapitalismuskritik, bourdieu, aral-see, rüstungsindustrie