Kultur - Kunst

4/2012 - Soziale und Mediale Räume

Schulinitiative zum Kino-Dokumentarfilm Oh Yeah, She Performs!

AutorInnen: Nora Friedel / Beate Firlinger

Der Kino-Dokumentarfilm "Oh Yeah, She Performs!" ist ein medienspezifisches Angebot für Schulen.

Abstract

Mit dem Kino-Dokumentarfilm "Oh Yeah, She Performs!" von Mirjam Unger, der seit Anfang November 2012 in den österreichischen Kinos läuft, startet Mobilefilm Produktion 2012 / 2013 ein medienspezifisches Angebot für Schulen.

The cinema documentary "Oh Yeah, She Performs!" by Mirjam Unger is shown in Austrian cinemas since November 2012. Based on the film a media specific offer is made for schools.


Einleitung

Mit dem Kino-Dokumentarfilm Oh Yeah, She Performs! von Mirjam Unger, der seit Anfang November 2012 in den österreichischen Kinos läuft, startet Mobilefilm Produktion 2012 / 2013 ein medienspezifisches Angebot für Schulen. Ausführliche Unterrichtsmaterialien mit 32 praktischen Übungen zum Gratis Download dienen der fortführenden Auseinandersetzung mit den Inhalten des Films. Folgende Themenbereiche werden im Film und den Materialien behandelt: Musik, Pop, Jugendkultur, Stimme, Sound, Tontechnik, Instrumente, Songwriting, Performance, Kreativität, Social Media, Do it Yourself Culture, Medien, Film, Kunst, Karriere, Prekariat, Gender, Emanzipation, Selbstbestimmung, Lebensträume.

Der Film erzählt die Geschichte der Musikerinnen Gustav, Clara Luzia, Teresa Rotschopf und Luise Pop, die ein Traum verbindet: eigene Musik zu komponieren, zu produzieren und davon leben zu können, ohne Kompromisse! 15 Filmvorführungen in Wien, Graz, Linz und Salzburg bieten bis Ende Jänner 2013 SchülerInnen und StudentInnen die Möglichkeit den Film im Kino zu sehen und im Anschluss mit den Protagonistinnen, der Regisseurin und / oder Filmteammitgliedern ins Gespräch zu kommen. Zusätzlich besteht immer die Möglichkeit individuelle Vorführungen zu buchen. Eine weitere Vorführreihe mit Dialogveranstaltungen und Workshops im Sommersemester 2013 ist bereits in Planung.

Bei dem Projekt geht es um Empowerment junger Menschen. Jede Musikerin macht auf ihre Weise deutlich: Sinn kann nur ich mir verleihen. Persönlichkeitsbildung und soziales Lernen sind wesentliche Themen für Heranwachsende und so regt der Film mit anschließendem Gespräch an, über eigene Stärken und Begabungen und über einen Platz in der Gemeinschaft zu reflektieren. Das persönliche Gespräch mit Filmprotagonistinnen oder dem Filmteam bringt eine Ebene des direkten Kontaktes mit ein, die stark in Erinnerung bleibt. Es fügt dem Filmerlebnis eine persönliche Komponente hinzu, das Gefühl dabei zu sein, eine Möglichkeit der Empathie und des Austausches. Eine Welt kommt zum Greifen nahe.

Im Folgenden werden die Inhalte des Filmes genauer beschrieben, verschiedene Aspekte der Unterrichtsmaterialien dargestellt, sowie die Möglichkeiten von Filmvermittlung mit jungen Menschen weiter ausgeführt. Nach einer kurzen Beschreibung der Arbeit von Mobilefilm Produktion finden sich Links zu weiterführenden Informationen.

Inhalte des Filmes Oh Yeah, She Performs!

Gustav aka Eva Jantschitsch lässt uns hinein in die intimsten Bereiche ihres Schaffens, etwa in ihr ganz privates Heimstudio, in den abgefuckten Probekeller zu Bandproben und hinter die Bühne bei großen Auftritten. Sie spricht über das Gefühl des Ausgeliefertseins während der Performances, den Erwartungsdruck von außen und ihre Rolle als Mutter.

Clara Luzia aka Clara Humpel teilt mit uns all die Schwierigkeiten, die ihr das Musikerinnenleben eingebracht hat, etwa gesundheitliche Probleme und prekäre finanzielle Engpässe. Sie spielt und singt vor dicht gedrängtem Publikum bei großen Konzerten, lässt uns die Albumaufnahmen in einem verlassenen Bauernhaus filmen und sie zu Presseinterviews begleiten.

Teresa Rotschopf treffen wir zunächst als Frontfrau der Discoband „Bunny Lake“, von der sie sich mit der Zeit immer mehr emanzipiert. Sie beginnt eigene Songs zu schreiben und diese mit dem Wiener Produzentenwizzard Patrick Pulsinger einzuspielen. Der Film begleitet sie bis nach New York City, wo sie nun solo und völlig selbstbestimmt ihre eigenen Stücke performt.

Luise Pop aka Vera Kropf komponiert Songs in der Tradition des Surf Punk und der Riot Girls. Nicht nur dass sie singt, schreibt und die Band leitet, sie ist zudem eine herausragende E-Gitarristin und wir können ihr dabei zusehen, wie sie mit elektrischer Gitarre und ihrer Stimme über sich hinauswächst, bei der Probe im Kleingartenhaus sowie auf Tour durch die Nachbarländer.

Ein Leben auf der Bühne – On Stage / Off Stage

Viele junge Menschen träumen davon einmal ein Rockstar zu sein, Castingshows lassen diesen Traum scheinbar ganz nahe kommen – Oh Yeah, She Performs! wirft einen realistischeren Blick auf die Dinge. Hinter einer Karriere als MusikerIn steckt anfangs auch meist ein Traum und danach jahrelange, kontinuierliche Arbeit. Die Herangehensweise der 4 Musikerinnen dienen als Beispiel dafür wie man seinen Traum in die Realität umsetzen kann. Oh Yeah, She Performs! startet mit einer Szene on-stage, in der sich eine der Musikerinnen der Live-Situation aussetzt. Sie ergreift das Mikrofon, erhebt ihre Stimme, geht souverän mit Text, Ton und Technik um, exponiert sich öffentlich ... Scham, Scheu und Schüchternheit haben hier keinen Platz.

Man zeigt seine Wunden – um Beuys zu zitieren. Also, man gibt seine Zweifel preis. Und letzten Endes, die, die es ehrlich machen, sind nackt auf der Bühne.“ (Gustav aka Eva Jantschitsch)

Die Protagonistinnen treten hinaus und präsentieren dem Publikum die Ergebnisse ihres künstlerischen Schaffensprozesses. Der Film zeigt, wie sie sich mithilfe ihrer Alter Egos von Bühnenangst und Blockaden befreien. Mit Gesang und Klang, Tanz und Choreographie definieren sie eigene, neue Rollen. Individuelle Ausdrucksformen, die vom üblichen weiblichen Sex Appeal im Pop-Business abgehen. Die Musikerinnen hinterfragen das Gefallen-Wollen. Sie möchten vor allem sich selbst gefallen, das – eigene – Ding durchziehen.

Off Stage, zeigt Oh Yeah, She Performs!, ist die Existenz als Musikerin nicht nur mit Applaus und Anerkennung verbunden, sondern vor allem mit harter Arbeit und vielen Anstrengungen. So sind alle vier Protagonistinnen viel unterwegs und das Filmteam begleitet sie „on the road.“ Etwa Vera Kropf und ihre Band Luise Pop, die mit einem klapprigen Tourbus zu einem Konzert in die Slowakei gondeln. Das Gefährt frisst so viel Benzin wie gerade an Gage eingenommen wurde. Oder Gustav, die mit ihrer Band einen Gig bei einem Open-Air-Festival in Deutschland hat. Bevor es losgeht, regnet es in Strömen.

Zum Band-Alltag off-stage gehört eben auch all das: widrigen Wetterbedingungen trotzen, schwere Instrumente schleppen, in anonymen Hotellobbys herumhängen, sich in viel zu kleinen Garderoben für den großen Auftritt herrichten oder mit dem Techniker beim Soundcheck herumschlagen, nach dem Konzert selber CDs verkaufen und mit Fans kommunizieren, euphorisch und erschöpft bis in die Morgenstunden wach bleiben, dann mit Sack und Pack wieder retour ...

Dazu kommen jede Menge Checkereien, etwa mit dem Agenten die nächste Tour besprechen, die Präsentation des neuen Albums vorbereiten, den Medien Interviews geben, Geld für die nächste Produktion aufstellen oder das eigene Label managen. Gustav, Clara Luzia, Teresa Rotschopf und Luise Pop sind viel auf Achse, um ihre Projekte voranzutreiben und sich selbst zu vermarkten.

Es werden vier vielseitig begabte Künstlerinnen portraitiert, die alle eigene Lieder schreiben. Sie nehmen in ihren Texten private oder politische Standortbestimmungen vor, bringen darin persönliche Gemütszustände oder rebellischen Protest zum Ausdruck. Mit Worten und Melodien geben sie der Gesellschaft und einzelnen Persönlichkeiten etwas zurück, einen poetischen Blick aus einer anderen Perspektive, eine gekonnte Formulierung, die das System demaskiert, ein Lied, dass in schwierigen Momenten emotional aufrichtet. Ihre Songs spiegeln das Lebens- und Zeitgefühl einer jungen Generation wider, die einen unabhängigen und selbst bestimmten Weg gehen möchte.

Filme werden gemacht um gesehen zu werden

Mobilefilm hat zum Film Oh Yeah, She Performs! bereits zum zweiten Mal ein zusätzliches Vermittlungsangebot zusammengestellt. So wurden etwa mit dem Kino-Dokumentarfilm Little Alien (www.littlealien.at) von Nina Kusturica innerhalb eines Jahres über 20.000 SchülerInnen österreichweit erreicht und Nina Kusturica und ihr Team unter anderem mit den „Outstanding Artist Award für interkulturellen Dialog“ des BMUKK ausgezeichnet. Während der gesamten Produktionsphase wird Vermittlung mitgedacht, Strategien entwickelt und Ressourcen lukriert. Ist der Film einmal fertig, werden ausführliche Unterrichtsmaterialien unter Mithilfe von PädagogInnen erstellt, die Themen des Filmes aufgreifen und darüber hinaus Inhalte behandeln. Eine Internetpräsenz des Projektes wird aufgebaut, Netzwerke und KooperationpartnerInnen aktiviert, Materialien und Information erstellt und verbreitet. Weiters werden Schultour-Termine geplant und Dialogveranstaltungen organisiert.

Kinoverleihern fehlen leider oft die Zeitressourcen für eine derartige Filmvermittlung. Die Produktionsfirma jedoch hat großes Interesse, dass die eigenen Filme ihr Publikum erreichen, damit die oft jahrelange Arbeit ihren Sinn macht, trotz des harten internationalen Wettbewerbs. Es gilt „Filme schauen“ im Kino weiterhin zu kultivieren und auch der jungen Generation, abseits vom Mainstream, heimische Produktionen näher zu bringen, und darum dass Filmprojekte das erreichen wofür sie gemacht wurden: Auseinandersetzung!

Alles ist möglich - I've got the Power

Die in Oh Yeah, She Performs! vorgestellten Frauen positionieren sich auf der Bühne, machen sich öffentlich, mischen sich ein und kämpfen mit den Waffen ihrer Musik für eine bessere Welt. Sie verzichten dafür auf Sicherheit und entscheiden sich auch in Zeiten der Krise für Autonomie. Der Film handelt von ihrem Mut, einen selbst bestimmten Lebenstraum zu verwirklichen. Gustav, Clara Luzia, Teresa Rotschopf und Luise Pop stehen für eigenständige Frauenpersönlichkeiten in der aktuellen österreichischen Popmusik-Szene. Sie nehmen damit eine Vorbildfunktion ein und sind sich der Errungenschaften früherer Frauengenerationen sehr bewusst. Denn sie haben als Jugendliche Musik von Frauen gehört, die sie beeinflusst und bestärkt hat, selbst zum Instrument oder zum Laptop zu greifen und auf die Bühne zu gehen.

Das Rock- und Pop-Business ist zwar nach wie vor stark von Männern dominiert. In jüngster Zeit setzen sich in Europa und den USA dennoch immer mehr junge Musikerinnen durch, die ihre Songs selber schreiben, produzieren, live auftreten, sich nach eigenem Ermessen inszenieren und mit einem Künstlernamen ein starkes Alter Ego geben. Ein Grund dafür liegt in einem selbstverständlicheren Zugang jüngerer Generationen an Know How, Technik und Medien. Ein anderer liegt in der neuen Kultur des Do it Yourself (DIY). Diese Bewegung stammt eigentlich bereits aus den 1950er Jahren, ist aber heute populärer denn je. Bei DIY geht es um die Eigeninitiative, Dinge selber zu fertigen. Sei es aus Spaß, weil es die Kreativität herausfordert, billiger kommt, aus ethischen Gründen wichtig ist oder das Selbstgemachte besser erscheint als die Produkte der Industrie.

Die Arbeit am Dokumentarfilm

Der Film Oh Yeah, She Performs! gibt einen lebensnahen Einblick in die Welt seiner Protagonistinnen. Kameras und Mikrofone begleiten die vier Musikerinnen und dokumentieren ihren bewegten Arbeitsalltag. Es sind Nah- und Momentaufnahmen in Bild und Ton, verdichtet zu einem fürs Kino geschaffenen Dokumentarfilm.

Der Film überlässt das Erzählen seinen Protagonistinnen. Sie berichten zum einen vor der Kamera über private wie berufliche Angelegenheiten. Die Anwesenheit des Filmteams ist dabei kaum, aber doch spürbar. Zum anderen findet die Kommunikation vor allem im Dialog mit anderen Personen statt. Die Musikerinnen sprechen mit Menschen, die sie auf ihrem Weg treffen oder die in ihrem Leben einen wichtigen Platz einnehmen, seien das die Mitglieder der Band, die Lebensgefährtin oder der Freund, eine Journalistin beim Interview oder der Booker beim checken. Das Publikum wird in diese Gespräche einbezogen, ohne Adressat zu sein.

 

Einblicke in Kamera, Ton und Schnitt

„Was die Arbeit an einem Dokumentarfilm einer Kamerafrau abverlangt, ist vor allem Spontaneität und Flexibilität. Z.B. wir wussten, dass wir mit der Band Clara Luzia am Donauinsel Festival ein Konzert drehen werden, aber wie es dort genau aussieht und was sein wird, wussten wir nicht. Alles was dann rund um das Konzert passierte wurde mitgefilmt. Wir waren Teil der Szenerie und schauten mit der Kamera bei allem zu, wir waren die stillen BeobachterInnen und haben nicht in das Geschehen eingegriffen, zumindest theoretisch, weil auch eine beobachtende Kamera ist bereits ein Eingriff und verändert das Verhalten der Menschen und somit die dargestellte Realität.“ (Kamerafrau Eva Testor über ihre Arbeit bei Oh Yeah, She Performs!)

„Bei Konzerten musste einerseits der Originalton aufgenommen werden, das heißt, ich lief mit der Kamera mit und angelte mit einem an einer ausfahrbaren Stange montierten Mikrophon den Ton vor der Kamera, immer ganz nah an unseren Musikerinnen. Anderseits musste der Konzertton auf mehreren Kanälen aufgenommen werden. Hierfür hatten wir immer einen zweiten Tonmeister dabei, der für die Aufnahme der einzelnen Instrumente und des Gesanges mit jeweils einem eigenen Mikrofon verantwortlich war. Dies ermöglicht nämlich ein späteres Mischen der einzelnen Soundspuren von den im Film verwendeten Szenen.“ (Tonmeister Peter Utvary über seine Arbeit bei Oh Yeah, She Performs!)

„Die Schnittzeit am Film Oh Yeah, She Performs! war eine intensive Zeit, die sich über sechs Monate erstreckt hat, mit Pausen dazwischen. Wir haben den Film immer wieder angesehen und untersucht. So haben wir herausgefunden, was wir kürzen wollen und in welcher Reihenfolge die einzelnen Ereignisse am besten liegen, damit alles zusammen eine spannende Filmstory wird. Außerdem haben wir begonnen, das von Mirjam Unger selbst gedrehte 16mm Filmmaterial mit den „realistisch“ gedrehten Szenen zu verweben, wodurch sich der Stil des Films / sein „Look“ mehr und mehr durchgesetzt hat. Wir haben gemerkt, dass es zu dieser Geschichte der Musikerinnen besonders gut passt, wenn die Form keine strenge, sondern eine sehr freie, experimentelle ist.“ (Cutterin Karina Ressler über ihre Arbeit bei Oh Yeah, She Performs!)

Informationen und Buchung

schule@mobilefilm.at

+43 (1) 890 2404

Mobilefilm Produktion

Hofgasse 4/4, 1050 Wien

 

Homepage, Trailer: http://www.ohyeahsheperforms.com

Unterrichtsmaterialien: Gratis Download

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Facebook: http://www.facebook.com/OhYeahShePerforms

 

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