Praxis

4/2012 - Soziale und Mediale Räume

Die PROJEKTE der M2.

Ein Erfahrungsbericht über 10 Jahre Medienproduktion mit Volksschulkindern.

AutorIn: Christian Schreger

Mit Projektarbeit lässt sich sehr viel mehr bewegen als mit dem Umblättern von Schulbüchern...

 

Abstract

In der M2 an der VS Ortnergasse sind in den letzten 15 Jahren eine ganze Reihe erfolgreicher Projekte durchgeführt worden, die viele Ausszeichnungen bis hin zum Multimedia Staatspreis-Förderpreis 2007 erhalten haben.


Rückblick – wie alles begann ...

Im Frühjahr 1994 teilte mir der zuständige Bezirksschulinspektor mit, dass er über meine „pädagogische Rührigkeit“ informiert sei und ein Versetzungsgesuch in einen anderen Bezirk binnen Wochenfrist erwarte: meine Arbeit in der Freinet Gruppe Wien, die mehrsprachige Klassenzeitung „Plapperkiste“, die „Kinderlieder“ (die am ORFF-Institut in Salzburg präsentiert wurden) unddie  „Radio Plapperkiste“ wären zwar lobenswert, aber einfach nicht „passend“ für die Schule und auch nicht für den 14. Bezirk. Was viele als Strafversetzung empfunden hätten, empfand ich eher als Qualitätssiegel meiner bisherigen Arbeit, die im wahrsten Sinn des Wortes in den Kinderschuhen steckte. Tatsächlich hatte ich unglaublich spannende vier Jahre hinter mir, die mein Leben und meine Arbeit völlig veränderten.

Mein erster Schultag war niederschmetternd gewesen: Mehr als 80% der Kinder hatten eine nichtdeutsche Muttersprache, knapp die Hälfte sprach kein Wort Deutsch. Nichts aus meiner Ausbildungszeit war auch nur ansatzweise anwendbar auf diese Situation. „Mach' halt irgendwas, da kann man eh nichts machen!“ lautete der mitleidige Rat aus dem Kollegium. Ja, und der war gut:

Wenn wir nicht miteinander sprechen können, dann können wir zumindest miteinander singen. Also sangen wir und dazu brauchte es Texte und die Texte verpackten Sprache in Musik. Auch Malen, Zeichnen, Basteln, Tanzen und Theater waren Medien, die Inhalte gelten ließen, weil sie in nonverbale Sprache konvertiert wurden - dabei aber ständig zum Deutschlernen animierten und so den eher einfallslosen Schulbüchern eine Alternative boten. Und vor allem gab es durch die kulturelle Vielfalt jede Menge Input seitens der Kinder, was ich unglaublich spannend fand. Das wiederum bemerkten die Kinder sehr rasch. Die Folge war gegenseitiger Respekt, der geradezu in Kommunikation explodierte.

Wir begannen eine dreisprachige Kinderzeitung zu produzieren, die fast zwei Jahre lang monatlich erschien und schließlich sogar an interessierte Klassen in viele Bundesländer verschickt wurde: die „Plapperkiste“. Nicht das Nachbeten der Sätze aus dem Deutschbuch war wichtig, sondern das kreative Gestalten der Inhalte, anhand derer sich die Sprachkenntnisse exzellent entwickeln konnten.

Wir begannen Lieder zu schreiben: manchmal spielte ich den Kindern eine Melodie vor, die mir eingefallen war, manchmal kamen sie mit einem Text daher und der Aufgabe für mich, dazu eine Melodie zu erfinden. So entstand „Radio Plapperkiste“: Lieder und Geschichten aus unserer Zeitung wurden aufgenommen und auf Audiocassette an andere Klassen per Post verschickt, dazu kam die Bitte, die zweite Seite der Cassette mit eigenen Geschichten und Liedern zu füllen und wieder an uns zu schicken. Die Kinder lernten dabei Deutsch und ich, dass sehr viel mehr möglich ist, wenn man sich auf das einlässt, was in jeder Klasse vorhanden ist - nämlich auf die Kinder selbst.

Die Wahrnehmung, dass ich mit den Kindern etwas anfangen konnte und sie nicht einfach als Störfaktor meiner Lehrerherrlichkeit erlebte irritierte viele KollegInnen. Auch die Tatsache, dass ich kaum Schulbücher verwendete, erschien geradezu als Blasphemie, mir jedoch als Notwendigkeit: nichts, aber auch gar nichts in diesen Büchern hatte mit den Kindern zu tun, beschäftigte sich mit ihrem Leben oder nahm sie auch nur ansatzweise als Menschen wahr. Also verfasste ich ein Versetzungsgesuch:

Einer der über 100 Abonnenten der „Plapperkiste“, die per Post jeden Monat an Schulen in ganz Österreich versandt wurde, war Werner Mayer, der nach seiner Arbeit am Pädagogischen Institut der Stadt Wien gerade die Direktion der VS Ortnergasse übernahm. Gleichzeitig wechselte eine an der Schule beschäftigte Lehrerin nach Niederösterreich. In meinem Ansuchen stellte ich klar, dass ich an Arbeit mit nichtdeutschsprachigen Kindern interessiert und in der Freinetbewegung aktiv sei und nicht nach den üblichen Regeln der Schulbücher unterrichten, sondern die Kinder in den Mittelpunkt stellen würde. Zu meinem Erstaunen bekam ich anstandslos und sofort meine gewünschte Versetzung an die VS Ortnergasse. Heute weiß ich, dass dies in keiner Weise eine positive Reaktion auf meine Mitteilung, sondern einfach ein Durchwinken ohne Reibungsverlust für die Vorgesetzten war.

Da war ich also an der Ortnergasse - mit der naiven Vorstellung, dass das, was ich mir pädagogisch vorstellte, höheren Ortes akzeptiert würde.

Home@Ortnergasse

Die Volksschule Ortnergasse liegt im südlichsten Teil des 15. Bezirks, im Storchengrund nahe der Wien. 1898 errichtet ist sie eines jener typischen Wiener Schulgebäude mit amtsgelber Fassade, dessen architektonische Wiederholung wienweit das monarchistische Ideal einer staatlich verordneten Bildung repräsentiert, die allen wie eine Uniform zu passen hat. Die Generalsanierung des Gebäudes (2000 - 2002) bei laufendem Unterrichtsbetrieb ermöglichte die Unterbringung einer Nachmittagsbetreuung im ausgebauten Dachboden, die VS mutierte damit zur „Offenen Volksschule (OVS)“ und konnte somit eine ganztägige Kinderbetreuung anbieten.

Das machte sie trotz ihres Standorts auch für Eltern österreichischer Kinder attraktiv, entsprach den Bedürfnissen der lokalen Population und bewahrte die Schule vermutlich vor der Schließung: dafür muss man Werner Mayer danken, der 1994 Direktor der Schule wurde. Der 15. Bezirk galt und gilt als „Ausländerbezirk“, 1994 betrug der Anteil nichtdeutschsprachiger Kinder an der Schule 86%. Wer hier arbeitete, hatte entweder Vorstellungen zur Arbeit mit mehrsprachigen Kindern, Interesse an der Entdeckung pädagogischen Neulandes - oder Pech, ausgerechnet an der Ortnergasse gelandet zu sein. Es ist ein Kuriosum, dass sich aus diesem Irrtum unglaublich viel entwickelt hat, besonders die Zusammenarbeit mit Werner Mayer wurde zum Glücksfall:

Viele Fortbildungsveranstaltungen zur Freinet-Pädagogik boten nun den TeilnehmerInnen statt eines nüchternen Seminarraums die lebensnahe Klassenumgebung einer „echten“ Schule. 1996 fand ein dreitägiges internationales Freinet-Symposion zur Freinet-Pädagogik im damaligen Pädagogischen Institut der Stadt Wien statt, ein großer Teil der Arbeit wie etwa die Gestaltung der Ausstellung wurde in vielen Nächten im Turnsaal und im Klassenraum der M2 an der VS Ortnergasse durchgeführt. Der heute sehr erfolgreiche Schulversuch „Wiener Mehrstufenklassen“ entstand in vielen Diskussionen bei den regelmäßig stattfindenden Freinet-Treffen in der M2. Bevor das Wiener Schulnetz existierte, gab es in der M2 bereits Computer - zuerst als Ersatz für Schreibmaschinen, dann als Multimediageräte für die ersten CD-Roms.

Das führte zu grotesken Situationen: Verwaltungsbeamte, die die sofortige Entfernung der Geräte wegen des erhöhten Strombedarfs forderten, gaben sich mit jenen die Klinke in die Hand, die Bildungsdelegationen aus verschiedenen Ländern die Fortschrittlichkeit des österreichischen Schulsystems anhand des Computereinsatzes zeigen wollten. Der Anschluss ans Internet erfolgte lange via privat bezahlter Modemleitung, und als 2000 schließlich die Computer für das Wiener Schulnetz geliefert werden sollten, musste selbst die Spedition einsehen, dass man sie nicht einfach in den Bauschutt der gerade stattfindenden Generalsanierung stellen konnte.

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten 2002 hatte die Schulhomepage und einige an der Schule entwickelten Online-Projekte bereits zahlreiche Preise und Auszeichnungen gewonnen - nur leider war das an der Schule selbst unsichtbar geblieben. Die endlich in den Klassen stehenden Computer liefen mit Windows 95, waren technisch hoffnungslos veraltet und konnten mit aktuellen Medien wenig anfangen. Verstärkt wurde dies durch die beachtliche Zahl der KollegInnen, die mit den Geräten nichts anfangen konnten und wollten. Trotzdem - oder vielleicht gerade wegen all der Widrigkeiten - ist an der Ortnergasse unglaublich viel entstanden. Wo nichts ist, muss man selbst etwas schaffen, wenn man nicht in die Leere blicken will. Werner Mayer hatte seinen Blick, ich hatte meinen und viele KollegInnen entdeckten, dass sie einen eigenen haben durften und haben daran ihre Arbeit orientiert. Die VS Ortnergasse entwickelte sich zunehmend zu einer „Werkstatt für intelligente didaktische Lösungen“.

Druck- und Schreibschrifthefte entstanden, eine Computerdruckschrift (die Ortnergasse.ttf) wurde entwickelt, Werner baute Rechenmaschinen und programmierte die „1x1-Kiste“, die auch heute noch gerne von den Kindern verwendet wird. Die „Wöchentliche Ortnergasse“ erschien von Jänner bis März 2000 sowohl als Printausgabe, als auch online und bot allen Personen, die mit der Schule zu tun hatten die Gelegenheit dabei mitzumachen. Sie war ein wichtiger Impuls für das „Digitale Tagebuch“ der M2, das seit Mai 2000 quasi als Weiterentwicklung an jedem Schultag erscheint. In den Folgejahren entstandenen zahlreiche Projekte und vor allem ein Klima der Kooperation, an dem sich nahezu alle KollegInnen beteiligten.

Schule ohne Leiter

Als Werner Mayer im Winter 2005/06 aus gesundheitlichen Gründen die Schulleitung abgeben musste, folgte ihm Eva Karl im Mai als Direktorin nach und unterstützte die Vielfalt, die inzwischen an der Schule entstanden war. 2007 gewann das M2-Sprachprojekt „WeltABC“ einen Staatspreis, die „Kleinen Bücher“ lockten Sir Neil Kinnock vom British Council in die M2 und die Sprachwissenschaftlerin Brigitta Busch präsentierte sie in den vergangenen Jahren rund um die Welt: in Schweden, Lappland, Südafrika und im Herbst 2011 auch in Neuseeland. Wer nun denkt, dass man mit Preisgeldern reich wird irrt: sie ermöglichten ausschließlich die Finanzierung der Projekte. Eva Karl erkrankte völlig unerwartet im Sommer 2011 und wurde mit Februar 2012 pensioniert. Seit September 2011 hat die Ortnergasse daher nur eine provisorische Leitung, und da sich selbst nach vier Ausschreibungen niemand für die Schule interessiert, wird das wohl noch länger so bleiben. Schade. Unbegreiflich. Schmerzlich.

Die M2 hat bislang überlebt - eigentlich ein Wunder, wenn man an die bildungspolitischen Untiefen der letzten Dekade denkt. Die vielen ehemaligen Kinder und Eltern, die auch nach Jahren immer wieder zu Besuch kommen, belegen, dass in dieser Klasse etwas gut gegangen ist. Das Interesse, die eigenen Kinder in die M2 zu geben übersteigt die Kapazität bei Weitem, derzeit kommen Anfragen für das Schuljahr 2015/16. Es ist zu befürchten, dass derartige nichtstandardisierbare Tatsachen im heutigen Bildungssystem keinen Wert mehr haben und daher über kurz oder lang weggespart werden.

Ganz anders sehen das diejenigen, für die all das geschieht. Was die Arbeit in der Klasse für die Kinder so anregend macht und dem Begriff „Schule“ in ihren Ohren einen positiven Klang gibt hat sicherlich mit den vielen Projekten zu tun, die über die Jahre entstanden sind. In diesem und weiteren Artikeln möchte ich einen Einblick in verschiedene große und kleine Projekte bieten, allem voran aber eine Lanze brechen für den Projektunterricht.

Projektarbeit

ist sehr viel mehr als die temporäre Beschäftigung mit einem festgelegten Thema. Sie setzt ein genaues Hinsehen auf die Interessen und Fähigkeiten der Kinder voraus. Projektarbeit findet auch nicht an Stelle des regulären Unterrichts statt, sondern integriert diesen ins Projekt und macht ihn anschaulicher und produktiver. Übliche Unterrichtsabläufe bleiben erhalten, das Projektthema stellt eine ständige Motivationsquelle dar, aber auch eine Möglichkeit „Nein“ zu sagen, wenn Thema oder Art der Durchführung nicht zu den eigenen Interessen oder Fähigkeiten passen: nicht jedes Kind möchte ein „Kleines Buch“ schreiben oder ist in der Lage, ein „Tier der Woche“ vorzustellen, manche fühlen sich unbehaglich bei dem Gedanken, in ein Mikrofon sprechen zu müssen für eine „Tagebuchgeschichte“.

All das darf sein - und trotzdem wird niemand ausgeschlossen, der einfach nur zusieht bei dem, was andere bereits für sich entdeckt haben. Schließlich besteht eine Klasse aus vielen Individuen und nicht aus dem heute wieder geforderten einsprachigen „Schülermaterial“ mit standardisierter Lesekompetenz. Projekte entstehen aus den Fragen der Kinder und bestehen den Praxistest nur, wenn der Prozess des „entdeckenden Lernens“ nicht durch vorgefertigte Antworten im Keim erstickt wird.

Klare Regeln

Spiele sind erfolgreich, weil sie klare Regeln besitzen. Das gilt genauso für Projekte, denn sie stellen einen definierten Rahmen her, innerhalb dessen etwas geschehen kann. Die meisten Schulbücher versuchen das zu imitieren: jeden Montag ein neues Wochenthema, das sich der jeweilige Autor ausgedacht und gestaltet hat, damit es bis Freitag „erledigt“ ist - und die Lehrer/innen entlastet von „Vorbereitungsarbeit“.

Entscheidend ist dabei die Zeit - fünf Unterrichtstage müssen reichen. So werden Kinder zu reinen Konsumenten erzogen, verlieren Raum für Eigeninitiative und den eigenen, bereichernden Blick auf die Themen: den Bildungshorizont bestimmt ausschließlich die Fantasie des approbierten Schulbuchautors.

Bei den Projekten der M2 handelt es sich um Tätigkeiten, die Zeit haben dürfen und ohne die Kinder unmöglich wären. Es ist auch kein Widerspruch, wenn mehrere Projekte gleichzeitig ablaufen: so bietet sich den Kindern immer wieder Gelegenheit zum Einstieg, anderen jene zur nachhaltigen Vertiefung in bereits Entdecktes.

Die Zeit ...

Manche Blitzideen haben sich ganz unerwartet in echte „Dauerbrenner“ verwandelt:

Vielen Kindern der heutigen M2, die mit Begeisterung ihre Geschichten für das „Digitale Tagebuch“ ins Mikrofon sprechen ist nicht bewusst, dass sie noch nicht einmal geboren waren, als die erste Tagebuchgeschichte erschien und dass das Projekt eigentlich nur für zwei Monate geplant war. Wenn sie in den Geschichten der vergangenen Jahre schmökern, fragen sie manchmal, wer denn die „fremden Kinder“ da in ihrer Klasse seien. Sie erleben dabei zugleich Vergangenheit und die Macht, die ihr Mitgestalten besitzt – schöne Momente.

Langzeitprojekte machen nur dann Sinn, wenn man sich - wie der Name schon sagt - lange Zeit dafür nimmt und bereit ist, sich auf Entwicklungen einzulassen. Dabei ist es notwendig, die Kontrolle an den laufenden Prozess abzugeben und in den Dialog mit den Kindern einzutreten, die ihn beflügeln. Dies erfordert eine vertrauensvolle, offene Haltung den Kindern und ihren Ideen gegenüber und eben nicht ein starres Ziel, das innerhalb eines beschränkten Zeitrahmens erreicht werden muss. Gerade dadurch ermöglichen Langzeitprojekte in vielen Fällen weitaus fernere Ziele zu erreichen und dokumentieren dabei auch noch den Prozess des Lernens, wenn man sie aufmerksam begleitet.

... vergeht

Das „WeltABC“ war von Anfang an als Langzeitprojekt ausgelegt, heute wissen viele Eltern und Kinder der M2 nicht einmal, dass es in „ihrer“ Klasse entstanden ist - mit und durch Kinder, die sie kennen, weil diese auch noch nach Jahren immer wieder zu Besuch kommen. Der Jubel über das 700ste Wort war aber nicht kleiner als der, als endlich die magische Zahl „100 Wörter" erreicht war: auch die heutigen Kinder betrachten es noch als „ihr“ Projekt, das weitergepflegt wird.

Viele Projekte sind miteinander verwoben oder stellen eine Weiterentwicklung bereits realisierter Projekte dar, eine neue Möglichkeit sich zu beteiligen, wenn man bisher noch keinen Zugang gefunden hat. Projektunterricht schließt nicht aus, sondern bietet an.

So finden sich etwa in den „Kleinen Büchern“ Fotodokumentationen, die als Tagebuchgeschichte einfach zu lang gewesen wären. Sie haben nicht nur zum Projekt „Kinderkamera“ geführt: zugleich haben sie eine neue Variante „Kleiner Bücher“ entstehen lassen, die ebenso spannend ist wie die ursprünglich angedachten Zeichnungen. Mancher Text kommt direkt aus dem Deutschschularbeitsheft und wurde mit nachträglichen Zeichnungen versehen zum „Kleinen Buch“.

Elternarbeit

In den letzten Jahren ist ein zunehmendes Interesse seitens der M2-Eltern zu erkennen, sich an Projekten der M2 zu beteiligen. Bahnbrechend war dafür sicherlich das Projekt „Freitagskochen“:

„Gesunde Ernährung“ steht zwar in jedem Schulbuch, aber essen kann man die bunt aufgezeichneten Äpfel und Birnen darin nicht. Warum also nicht selbst etwas kochen und vom Einkaufen bis zur fertigen Speise alles mitmachen und miterleben können? Anfangs einfach als Möglichkeit für die Kinder gedacht, einen Entstehungsprozess mitzugestalten, folgten bald Anfragen der Eltern, ob sie die Rezepte bekommen könnten. Schließlich tauchte der Gedanke auf, dass ja auch sie selbst zum Kochen kommen könnten - warum nicht? Die Idee, Gerichte aus allen möglichen Ländern einmal „echt“ gekocht  zu bekommen war verlockend. Sie stellte eine großartige Gelegenheit dar, sowohl den Eltern einen Einblick in die Klasse zu bieten, als auch einen Einblick in ihre (Koch)kultur zu erhalten und sie dabei persönlicher kennen zu lernen. Während sich Elternkontakt im Schulwesen meist als hierarchisches Herunterblicken auf unerwünschte Kundschaft manifestiert, wurde eine herzliche Begegnung auf Augenhöhe im klaren Rahmen des M2 Kochprojekts zum Berührungspunkt, der Tür und Tor öffnete - die Eltern erlebten sich eingebunden und angesprochen, auch wenn sie selbst schlechte Erfahrungen mit der Institution Schule gemacht hatten. Es ist ein schöner Erfolg, wenn sie immer wieder ihre Kompetenzen anbieten, um die Klassenarbeit zu bereichern – und dabei muss es keineswegs um Kochen gehen.

Projektarbeit bewegt also wesentlich mehr als vielleicht ursprünglich gedacht - wenn man ihr den Raum zur Entfaltung lässt. Wem dieser klare Mehrwert des Projektunterrichts als zu hoher Arbeitsaufwand erscheint, der blättere weiter Schulbücher um – die Strafe heißt (wohl ironisch) „Burnout“, weil nie etwas gebrannt hat: eine sich bis zum Horizont erstreckende Steppe unerträglicher Langeweile, Lebensfremdheit und Dauerwiederholung zwischen approbierten Schulbuchdeckeln, die den Kindern als spannender Spielplatz eingeredet werden soll, während diese längst im nächsten Park auf die echten Bäume klettern.

In der nächsten Ausgabe erscheint der Beitrag: Das „Digitale Tagebuch“ und ein Exkurs zum „FreitagsKochen“.

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