Neue Medien

3/2012 - PädagogInnenbildung Neu

Mondo Lux. Die Bilderwelten des Werner Schroeter

von Elfi Mikesch

AutorIn: Katharina Prazuch

Ein eigenwilliger Dokumentationsfilm über einen eigenwilligen Regisseur: Elfie Mikesch liefert mit ihrer Hommage an Werner Schroeter einen gelungenen Versuch, seine filmische Synchronizität und künstlerische Identität zu reflektieren.

Label: Filmgalerie 451
Erscheinungsort: Berlin
Erscheinungsjahr: 2011
ISBN: 978-3-941540-37-8

Die Verläufe der Filmgeschichte lassen sich anhand einer Vielzahl von Verfahrensweisen nachzeichnen. Doch nicht jeder Versuch des Nachzeichnens vollzieht sich mehrwertig. „Mondo Lux“ sei nicht zuletzt deshalb besonders hervorgehoben: Sein Mehrwert liegt darin, einen schöpferischen Filmkünstler dank kunstvoller Machart und verdichtetem Informationsbezug als solchen dargestellt zu haben und dem Publikum näherzubringen.

Eine der bedeutendsten Figuren internationaler Filmgeschichte, Werner Schroeter, ist Brennspiegel der filmischen Montage von Elfie Mikesch. Die Regisseurin, langjährige Freundin und aktive Mitarbeiterin Schroeters, erschafft einen feingliedrigen Einblick: Ausgesuchte Filmsequenzen, pointierte Interviewauszüge von Gefährten und Aufnahmen Schroeters bei seiner (schon immer) intermedial angelegten Arbeit werden assoziativ verbunden. Somit erkundet und entwirft Mikesch einen eigenwilligen Bilderkosmos, ohne eine psychologische oder stereotype Ausrichtung anzustreben. Zuvor vielleicht nicht vertraute Nuancen des deutschen Filmemachers werden eingeführt. Es schwingt dabei stets die Hingabe an die Kraft des Inszenierens mit – wofür Schroeter selbst einstand. Nur so lässt sich das Verstehen-Können von Wirklichkeit begreifen.

Schroeter trat an das Leben und die damit verbundenen Fragen künstlerisch heran, stets im Gegenentwurf zur plakativen Begrifflichkeit. Sein Werk lässt sich kaum auf konventionelle Nenner zurückführen, da es dank zahlreicher Überschreitungen intermedialer und intertextueller Art entsteht. Man erkennt an seiner Produktivität, wie begeistert er von der synergetischen Kraft der Künste, vor allem der Oper, profitierte. Dies entfaltet sich nicht nur in direkten Kunstgriffen (stilisierte Körpersprache, Stellenwert von Musik und Gesang) und indirekten Verweisen  (Ironisierung und Entikonisierung nationalsozialistischer Verkörperungen von Weiblichkeit, man denke an Schroeters „Magdalena Montezuma“). Mittels der von Mikesch sorgsam verlesenen Informationen bezeugen ebenso Gefährten (Rosa von Praunheim, Isabelle Huppert, Wim Wenders uvm.) mit welcher Einzigartigkeit und ambivalenten Wirkung Schroeter einen künstlerischen Blick auf Menschlichkeit entwarf. Unermüdlich bis zu seinem Tode infolge einer Krebserkrankung suchte der Autodidakt Antworten auf die sogenannten großen Fragen des menschlichen Lebens. Er gehört der Generation jener Filmemacher an, deren Werke niemals aus politischen und ästhetischen Gussformen kamen, sondern diese umformten, übergingen oder lächerlich machten.

„Mondo Lux“ bietet einen ungezwungenen Informationsreichtum in sehr sehenswerter Aufmachung. In Anbetracht des einzigartigen Protagonisten, seiner Vieltätigkeit und künstlerischen Komplexität wäre ein außergewöhnliches, da angemessenes Porträt zu erwarten, was Elfie Mikesch eindeutig gelungen ist. Ihre Hommage wirkt wie eine Einladung über die Bildwelten Werner Schroeters zu staunen oder den Kopf zu schütteln, sie nicht gänzlich freilegen zu können, doch nichtsdestotrotz nie verschütten zu lassen.

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