Editorial

2/2012 - Biomacht, Biopolitik, Biomedien

Editorial 02/2012 Biomacht, Biopolitik, Biomedien

AutorInnen: Alessandro Barberi / Wolfgang Sützl

Editorial 02/2012 Biomacht, Biopolitik, Biomedien

 


Embryonic Stem Cells,
Bild: Wikimedia Commons, Nissim Benvenisty

Liebe LeserInnen,

unter dem Titel Biomacht, Biopolitik, Biomedien versammelt diese Ausgabe der MEDIENIMPULSE Beiträge, die sich mit Fragen der Medientheorie und der medienpädagogischen Praxis in biopolitischen Kontexten beschäftigen. Biomacht und Biopolitik – operative Begriffe, mit denen Michel Foucault die Veränderung und den Einsatz von politischer Macht im Sinne des Liberalismus und des Neoliberalismus analysierte – stellen die Medientheorie vor spezifische Fragen und ermöglichen es, die wesentlichen inneren Zusammenhänge zwischen medienspezifischen Diskursen, Technologien und Lebenswissenschaften sichtbar zu machen, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben.

Zu diesen Fragen gehören die vielfältigen Spielarten des Körper-Technik-Verhältnisses ebenso wie der Eingriff und die Gestaltung des Lebendigen durch Biotechnologien. Das Zusammenwirken von Medien und Leben als solchem betrifft die Frage der Artengrenzen und der Subjektivität ebenso wie die medialen Repräsentationen dieser Interaktion. Mit den Biomedien hat die Biopolitik eine spezifisch mediale Form hervorgebracht, in der biologische Prozesse als Medium fungieren oder umgekehrt Computertechnologien Abläufe des Lebens optimieren.

Es handelt sich dabei um ein spezifisch modernes, wenn nicht um ein spätmodernes Dispositiv, das keineswegs ahistorisch und transversal die Quellen der Geschichtsschreibung durchschneidet, sondern das im Kontext gesellschaftspolitischer Veränderungen zu verorten und zu bestimmen ist. Verkürzt zusammengefasst könnte man mit Rücksicht auf Foucaults Argumentation sagen, dass Leben zwar schon immer Gegenstand der Politik und Ausdruck von Machtbeziehungen war. Allerdings haben sich die Vorzeichen dieser Beziehungen im 17. und in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert allmählich, aber doch verändert. Bis in die frühe Neuzeit war der Bezug der Politik auf das Leben, so Foucaults Analyse, ein tendenziell negativer, der sich in seiner archetypischen Fassung als Macht des Souveräns über das Leben seiner Untergebenen und Feinde begreifen lässt. Dieses Machtgefüge nun, das Foucault mit dem Terminus souveräne Macht bezeichnet und das er unter anderem in der klassischen (neuzeitlichen) staatsphilosophischen Literatur und Praxis verankert sieht, gerät zu Beginn der politischen Moderne – also um 1800 – in zunehmendem Maße unter Druck. Das Ergebnis dieser umfassenden Restrukturierung zwischenmenschlicher Beziehungen ist, dass sich eine zweite Machtform herauszuschälen beginnt, welche die souveräne Macht zwar nicht gänzlich verdrängt, aber doch überlagert und nachhaltig relativiert. Die Rede ist von der Biomacht, die im Unterschied zur souveränen Macht unter diametral entgegengesetzten Vorzeichen auf das Leben Bezug zu nehmen versteht. Deshalb hielt Foucault mehrfach fest, dass das alte Recht der Souveränität, nämlich „sterben zu machen und leben zu lassen“ sich um 1800 als neues Recht präsentiert, und zwar als das Recht, „leben zu machen und sterben zu lassen.“

Was aber hat es aktuell mit der Biomacht und der in ihrem Sinn betriebenen Biopolitik auf sich, und warum sind diese operativen Begriffe möglicherweise relevant, um zu verstehen, wie Leben historisch bzw. politisch unterschiedlich medialisiert werden kann?

Diese Frage lässt sich ebenso auf die vielfältigen Spielarten und Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine beziehen wie auf den Eingriff und auf die Gestaltung des Organischen durch Biotechnologien. Das Zusammenwirken von Medien und Leben betrifft die Frage der Artengrenzen und der Subjektivität, sie betrifft aber auch die medialen Repräsentationen dieser Interaktion. Mit den Biomedien, welche von Eugene Thacker wiederholt zum Gegenstand wissenschaftlicher Aufmerksamkeit gemacht wurden, hat die aktuelle Biopolitik mithin eine spezifisch mediale Form generiert, in der biologische Prozesse als Medium fungieren, oder umgekehrt Computertechnologien Abläufe des Lebens optimieren – und politisch bedeutsam werden.

Deshalb eröffnet Martin Müller in seinem Beitrag anhand der Unterscheidung von bios und techné, die auch für den Gegensatz von Leben und Computer steht, die Diskussion und beschreibt wie durch die Kopplung von Informationstechnologien und Biologie die materiellen und medialen Dimensionen der Lebenswissenschaften gerade im Werk Thackers beispielgebend behandelt wurden. Thackers Begriff der „Biomedien“ dient ihm dabei u. a. zur eingehenden Analyse informationstheoretischer Denkfiguren (man denke nur an den genetischen „Code“), welche das Aufkommen der modernen Genetik und (digitalen) Biologie im Sinne einer „Performanz des Biologischen“ als „Tiefengrammatik“ begleiteten. Dabei erläutert Müller präzise, welche Rolle die automatisierte und standardisierte DNA-Sequenzanalyse in der Bioinformatik spielt und erwägt davon ausgehend, inwiefern Dinge zu (biologischen) Agenten werden können, die in der Lage sind, Handlungen anzustoßen. Ein Umstand, der ob seiner medientheoretischen und wissenssoziologischen Relevanz noch darauf wartet, im Rahmen der Medienpädagogik eingehend reflektiert zu werden.

Chris Boge beschreibt dann in seinem Beitrag die innere biopolitische Strukturierung von US-amerikanischen Superheldenfilmen und untersucht dabei, weshalb für die Dauer einer Kinovorstellung eine Immersion stattfindet, in der Realität und Virtualität der Biopolitik verschwimmen. Denn von Superman bis X-Men oder von Batman bis zu The Avengers wird in den Räumen des Filmischen die Frage genetischer Manipulation verhandelt und bietet so eine Matrix zur Analyse unserer eigenen genetischen Modellbildungen und Erklärungsmuster. Boge dechiffriert dabei, wie in der kinematografischen Darstellung „übermenschlicher Kräfte“ biopolitische Aspekte des genetic engeneering wiederkehren und zeigt, dass auch in unseren öffentlichen Debatten zu Biotechnologie, Nanotechnologie, Pharmakogenetik, Gentherapie oder gentechnisch veränderten Lebensmitteln – im Rahmen des biopolitischen Dispositivs – sehr ähnliche diskursive Konstellationen wie in den „biologischen“ Narrationen des Mediums Spielfilm auftauchen. Dass sich diese genetischen Verhandlungen direkt auf die RezipientInnen – und mithin auch auf Kinder und Jugendliche – auswirken, muss dabei nicht eigens betont werden.

Dass die Biomacht aber auch ihre eigenen Formen des Gegendiskurses hervorbringt, zeigt Wolfgang Sützl in seinem Beitrag über biopolitischen Medienaktivismus. AktivistInnen brechen dabei die hermetische Schale des biotechnologischen ExpertInnenwissens und affirmieren – selbst biopolitisch – gezielt die Unberechenbarkeit des Lebendigen, um es als taktischen Vorteil zu nutzen. Dabei kommt es zwischen den Arten zu einer Zusammenarbeit, bei der Mikroben, Insekten, Vögel oder Fliegen tatsächlich im Rahmen der sozialen Wirklichkeit aktivistische Rollen übernehmen. In derartigen „zoologischen“ Aktionen wird der politische und kulturelle Subtext, etwa rassistische und sexistische Elemente des biotechnologischen Diskurses, in einer Weise sichtbar gemacht, die diesen für eine radikale Kritik öffnet. Aber auch die medienaktivistischen Aktionen von prekär Arbeitenden der biopolitischen fabbrica diffusa gehören zu diesem medialen Widerspruchs-Repertoire, das sich gegen die Neigung der Biomacht stellt, jeden Dissens zu nivellieren. Aus medienpädagogischer Sicht lässt sich mit diesem Beitrag jenseits jeder Bewahrpädagogik durchaus Sympathie für so manche „subversive“ Strategie unserer SchülerInnen gewinnen.

Von Subversion handelt auch Petra Missomelius, wenn sie die Gattung Science Fiction in ihrer politischen Dimension als Widerstand gegenüber zeitgenössischen Konzepten von Biomacht und (Bio)Technologie ernst nimmt und sich auf die Suche nach medialen Fantasmen in der Ära des Postbiologischen macht. Neben Medientechnologien sind es dabei vor allem Körperdiskurse, Körperkonzepte und Körperpraktiken, die das Imaginäre einer gegebenen Gesellschaft bestimmen. So etwa, wenn in Computerspielen die Möglichkeit entsteht, als fiktives „Ich“ Zugang zu virtuellen Welten zu erlangen; so auch, wenn durch Action-Filme kybernetische „hard bodys“ in Szene gesetzt werden; so aber auch, wenn mit einem Begriff wie „Mem“ der biologische Terminus "Gen" auf menschliche Ideen, Gedanken und Wörter übertragen wird. Missomelius konstatiert dabei, dass in Zeiten des genetischen Codes, der embryonalen Stammzellen und der elaborierten Neurowissenschaften eine Kluft zwischen biologischen Anlagen und Schöpfungen des menschlichen Bewusstseins wahrnehmbar wird. Eine Kluft, die auch in der (biologischen) Unterrichtspraxis immer wieder auftaucht und unsere eigene Körperwahrnehmung faktisch mitbestimmt.

Auch Christian Filk ist es darum zu tun, Menschen- und Körperbilder auf ihre bewussten Voraussetzungen hin zu befragen, wenn er die „Negative Anthropologie“ von Günter Anders einer philosophisch angereicherten Relektüre unterzieht. Denn Anders stieß im Zuge seiner Technikkritik(en) bereits auf Fragestellungen, die mit den aktuellen Debatten zur Biomacht identisch sind. So berührt Anders’ (aus der Phänomenologie herkommende) Frage nach dem Leben und dem Leib direkt jenen Bereich der Einschreibung(en) in den Körper, den Foucault mit dem Konzept der Biopolitik in Anlehung an Nietzsche beschrieb. Filk hebt dabei hervor, das „der Mensch“ auch bei Anders nur die Rolle einer Variable, eines X spielt, das (historisch) besetzt wurde und (gegenwärtig) besetzt wird. Dadurch ergibt sich eine „medioepistemische Inversion“, nach der Medien als Matrizen die wirkliche Welt nicht abbilden, sondern vielmehr konstituieren und konstruieren. Das Wirkliche wird also zum Abbild seiner Bilder und selbst die Natur des Menschen erscheint in einer tiefgründigen Künstlichkeit. Medienpädagogisch lädt Filk mithin dazu ein, unsere biopolitische Informationsgesellschaft, unsere „Medientechnokratie“ einer (medien)anthropologischen Selbstreflexion zu unterziehen.

Inwiefern bereits die Policeywissenschaften des 18. Jahrhunderts als mediale Technokratien des Lebens begriffen werden können, erläutert dann der Historiker Wolfgang Neurath, indem er seine jahrelangen Forschungen zur Geschichte der Regierungsmentalität entfaltet. Er zeigt dabei, dass die historisch analysierbaren Dispositive von Medizin, Naturgeschichte, Biologie oder Cameralwissenschaften ganz spezifische Machttechnologien und Subjektivierungsweisen etablierten, die um 1800 zu einer Neustrukturierung der biopolitischen Episteme (Foucault) führten. Angesichts der Sorge um das Wohlleben der Allgemeinheit und um die Glückseligkeit der Bevölkerung wird dabei auch verständlich, weshalb diese Medizinalpolizey dem Kind eine herausragende Stellung einräumte und mithin auch zu einem Entstehungsort der Pädagogik wurde. Programmatik und Soziotechnik der Policey verweisen dabei auf Machtanordnungen, die in den Mechanismen des modernen Neoliberalismus wiederkehren, dessen innere Konfiguration Neurath abschließend analysiert, um das Zusammenwirken von demografischer Bevölkerungspolitik, Sicherheitsmechanismen und ökonomischer (Markt)Optimierung zu erläutern und vor Augen zu führen.

Genau an diesem Punkt setzt auch David Perkmann an, wenn er die biopolitische Steuerungsfunktion der Kybernetik kritisch anvisiert und sie auf die Krisenanfälligkeit unserer (neo)liberalen Wirtschaftsordnung bezieht. Im Rekurs auf das französische Autorenkollektiv Tiqqun erläutert er, wie die „kybernetische Hypothese“ sich sehr konkret biopolitisch auswirkt: Denn als rückgekoppeltes Kommunikationssystem wird die Steuerungswissenschaft der Kybernetik – zumindest aus der Sicht ihrer Ideologen – zum „Zentralen Nervensystem“ und d. h. zum „Gehirn“, das – paradox genug – den deregulierten Gesellschaftskörper regulieren, lenken und steuern soll. Perkmann legt dabei nahe – auch dies ein Gedanke, dem man bei Foucault aber auch bei Marx begegnet –, dass der Begriff „Wirtschaft“ im Grunde euphemistisch ist, da er die untergründige Tatsache des neoliberalen Konkurrenzkampfes bzw. des Wirtschaftskriegs verdeckt und unsichtbar macht. Unter der Berücksichtigung spieltheoretischer Komponenten plädiert dieser Beitrag – in Erinnerung an Gilles Deleuze und Herman Melville – für das berühmte „I would prefer not to“ von Bartleby, dem Schreiber, und ist dahin gehend von medienpädagogischer, demokratietheoretischer und kritischer Relevanz.

Jan Jagodzinski untersucht dann in seinem Artikel den Begriff des „affective turn“, mit dem seit den 1980er-Jahren die Spezifika und die Autonomie von Affekten sowie ihre Auswirkungen auf Gesellschaften untersucht werden. Er greift dabei auf das Konzept des „organlosen Körpers“ von Gilles Deleuze und Félix Guattari zurück, um u. a. zu untersuchen, wie unterhalb der Wahrnehmungsschwelle libidinöse Vorgänge ablaufen, die körperlich und „biologisch“ sind, aber nicht zu Bewusstsein gelangen. Auf der Suche nach diesem „intrinsischen Körper“ analysiert er die ästhetischen Strategien des zypriotischen Performance-Artists Stelarc, der mit seinen Cyborg-Aktionen immer an die Grenze(n) des Körperlichen geht und dabei als „ästhetischer Wissenschaftler“ und „Bio-Künstler“ von der Hypothese ausgeht, dass unsere Handlungen und Ideen essenziell von unserer Physiologie determiniert werden. Dabei sieht Jagodzinski medienpädagogisch in dieser „Biokunst“ sowohl die Möglichkeit der Befreiung, als auch Gefahren: Denn was genau geschieht (biopolitisch), wenn der „intrinsische“ und der „extrinsische“ Körper auseinander- bzw. zusammenfallen? Die Antwort steht (noch) aus …

Den Schwerpunktteil abschließend untersucht dann Eddie Glenn den Begriff „Blood quantum“, der in den Vereinigten Staaten eine eminente Rolle bei der (genetischen) Bestimmung und Messung der (genetischen) Abstammung von amerikanischen UreinwohnerInnen spielt. Denn zwischen „Genetik“ und „Genese“ und d. h. auch zwischen „Natur“ und „Geschichte“ spielt die diskursanalytisch aufweisbare Funktion des Blutes – samt seiner biometrischen „Quantitäten“ – eine überaus wichtige Rolle bei der Identitätsstiftung und damit verbundenen rechtlichen, sozialen, kulturellen, politischen oder ökonomischen Definitionen des „echten Indianers“. Darf etwa jemand, der kein staatlich anerkanntes „indianisches Blut“ hat, indianische Kunst verkaufen? Eine Frage, die in den Staaten juristisch diskutiert wurde. Deshalb analysiert Glenn – ebenfalls in Rekurs auf Michel Foucault – diese Grenzlinie zwischen Bios und Sozius anhand der „nation“ der Cherokee von Oklahoma und wirft so Fragen nach Assimilation, (zerbrochener) Identität und kultureller Diversität auf, die in anderen empirischen Zusammenhängen auch in der Medienpädagogik bereits breit diskutiert wurden.

Aber auch die Rezensionen der Ausgabe 2/2012 der MEDIENIMPULSE kreuzen das Thema Biomacht, Biopolitik, Biomedien mehrfach und geben Anlass für weitere Diskussionen: So hat Anna Denk für uns Verena Sterns Filmanalyse von Quentin Tarantinos „Death Proof“ rezensiert. Die Analyse trägt den bezeichnenden Titel „Bodies that splatter“ und untersucht an der Grenze von Wissenschaft und Populärkultur die Mise-en-scène von geschlechtlich codierten (und horribel zerfetzten) Körpern. Auch die Neuauflage des Comic-Klassikers „Der ewige Krieg“ von Marvano & Haldeman wirft Fragen nach der Spezifikation von Arten auf. Denn es geht – wie Thomas Ballhausen erläutert – im Rahmen dieser Dystopie um einen Vernichtungskrieg gegen die Tauren, der zur Legitimation für gesteuerte demografische Prozesse wird. Aber – ähnlich wie unsere Schwerpunktbeiträge – geht es auch in dieser Science Fiction um ein kritisches Statement gegen den Krieg. In diesem Sinne betont auch Karl H. Stingeder, dass in einem Roman wie Deus Ex: Der Icarus-Effekt – dem eine Computerspielreihe zugrunde liegt – Transhumanismus-Ängste eingesetzt werden, um Gentechnik, Stammzellenforschung und Klon-Experimente zu behandeln. Auf einer einfacheren und alltäglicheren Ebene weiß auch Raffaela Rogy davon zu berichten, dass es in Matt Porterfields Erstlingsfilmen Putty Hill und Hamilton um das Leben und den Tod der Menschen von Baltimore geht.

Darüber hinaus bespricht Karl H. Stingeder den Sammelband „Faszination Computerspielen“ von Konstantin Mitgutsch und Herbert Rosenstingl, wobei unsere Doyenne Susanne Krucsay die Gelegenheit ihrer Rezension von Ralf Bohnsacks „Qualitative Bild- und Videointerpretation“ dazu nutzt, ein Plädoyer für die Anwendung von Bildtheorien in der Medienpädagogik zu halten.

Aber auch in den anderen Ressorts waren die MEDIENIMPULSE nicht untätig:

Und so berichtet Hans-Jörg Unterkofler im Ressort Praxis von den Aktivitäten des Kärntner Medienzentrums für Bildung und Unterricht, das im Rahmen seiner Medienwerkstatt eine große Zahl von Workshops anbietet, die für MedienpädagogInnen von größtem Interesse sind: Neben Foto-, Zeitungs- und Videoworkshops ist die Medienwerkstatt ein Transmissionsriemen für interkulturellen Dialog und sehr praktische Medienerziehung. Gabriele Woldan hält in ihrem Beitrag Rückschau auf den Ö1-Schülerradiopreis 2011, mit dem drei österreichische Schulen für ihre Leistungen im Bereich des Radiomachens ausgezeichnet wurden. Die eingereichten Sendungen sind selbstredend im Netz verfügbar. Indem Wolfgang Koleritsch eingehend vom Projekt Radioigel berichtet, dass an der Neuen Mitteschule Steiermark angesiedelt ist, arbeitet er überzeugend heraus, welche Medienkompetenzen bei Lehrenden und Lernenden durch das Radiomachen gefördert werden. Durch den Umgang mit zeitgemäßen Technologien (Tonstudio, Computer, Internet, Website, Podcast, mp3 etc.) werden – so betont Koleritsch mit Nachdruck – soziale Kompetenzen wie Kooperation, Teamgeist, Konfliktfähigkeit oder Demokratieverständnis ausgebildet. Medienpädagogisch relevant ist auch die Webseite learningapps.org. Sie bietet – wie Michael Steiner betont – fächerbezogen einfache Online-Lernaufgaben aber auch die Möglichkeit, sehr simpel selbst welche zu erstellen. Steiners Artikel führt in die Grundfunktionen der Webseite ein und liefert einen ersten Erfahrungsbericht. Und unser Ressortleiter Christian Berger verlängert seine Serie an Reflexionen zum Urheberrecht in unseren Schulen mit dem bezeichnenden Titel: LehrerInnen als Rechtsexperten?

Im Ressort Forschung diskutiert dann Thomas Strasser die pädagogische Vielseitigkeit von Web 2.0-Tools im Unterricht und präsentiert eine empirische Studie, mit der u. a. der Bekanntheitsgrad verschiedener Anwendungen des Web 2.0 erhoben wurde. Strasser setzt sich dabei nachdrücklich für einen konstruktivistischen Paradigmenwechsel im Unterricht ein. Martin Newald und Christian Nosko liefern schließlich ganz in diesem Sinne einen Überblick über Anbieter von und Forschungsergebnisse zu interaktiven Präsentationssystemen, die mittlerweile in vielen Bildungsinstitutionen zum Einsatz kommen.

Last but not least finden wir im Ressort Kunst/Kultur einen Artikel von Ana Nedeljkovic, die das Verhältnis von Medien, Kunst und Bildung ausleuchtet und dabei eine ganze Reihe von praktischen Beispielen zur Mediennutzung im Erziehungsbereich präsentiert. So berichtet sie u. a. von einem Workshop und Aktivitäten der Medienkunst im Umfeld des Belgrader Kulturzentrums.

Es bleibt uns eigentlich nichts anderes, als Ihnen im Namen des Redaktionsteams anregende Stunden mit unseren bemerkenswerten AutorInnen zu wünschen … Wissen Sie schon mehr über Biomacht, Biopolitik und Biomedien?

Alessandro Barberi, Andreas Oberprantacher und Wolfgang Sützl

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