Schwerpunkt

1/2012 - Repräsentation(en) der Shoah

„Weder dem Vergangenen anheimfallen noch dem Zukünftigen. Es kommt darauf an, ganz gegenwärtig zu sein“

Narrative und mediale Formatierungen der Shoah

AutorIn: Christian Filk

Christian Filk untersucht narratologisch und medientheoretisch die Repräsentation(en) der Shoah und arbeitet das Verhältnis von historischer Erkenntnis und audiovisuellen Medien heraus.

Abstract

Aufwachsen und Leben in der Wissensgesellschaft wird schon länger durch die Diskussion um ‚Informationsarme‘ und ‚Informationsreiche‘ begleitet. Jüngere wissenschaftliche Studien belegen das mangelnde oder gar nicht vorhandene Wissen zu wichtigen politischen, geschichtlichen und ethischen Themen wie Nationalsozialismus und Shoah. Christian Filk untersucht wesentliche Grundsätze moderner Geschichtsschreibung und den angemessenen Einsatz von Wissensmedien. Schliesslich erörtert er, wie elektronische, digitale und soziale Medien dazu beitragen können, mehr über den Genozid von etwa sechs Millionen europäischen Juden während des Zweitens Weltkriegs zu erfahren.

For some time, growing up and living in a knowledge-based society is accompanied by the discussion on ‚information poor‘ and ‚information rich‘. Recent Scientific studies show the lack or non-existing knowledge on important political, historical and ethical issues such as Nazism and the Holocaust. Christian Filk examines essential principles of modern history and appropriate use of knowledge media. Finally he discusses, how electronic, digital and social media could help to learn more about the genocide of six million European Jews during World War II.


„Wenn es richtig ist, daß die Konzentrationslager
die konsequenteste Institution totaler Herrschaft sind,
dann dürfte zu ihrer Erkenntnis ein Verweilen beim Grauen unerläßlich sein.

Dies kann die rückschauende Erinnerungsreportage ebensowenig leisten
wie der kommunikationslose Augenzeugenbericht. […]

Nur die antizipierende Angst, die sich an solchen Berichten entzündet,
der ja aber faktisch noch nichts auf den Leib gerückt ist
und die deshalb noch frei ist von der tierisch verzweifelten Furcht,
die vor dem real gegenwärtigen Grauenhaften unweigerlich alles lähmt,
was nicht bloße Reaktion ist – nur sie kann es sich gewissermaßen leisten,
beim Grauen zu verweilen.

Dies hat einen Sinn nur für die Erkenntnis politischer Zusammenhänge
und die Mobilisierung politischer Leidenschaften.“

Hannah Arendt ([1951] 2008, S. 912-913)

Einleitung

"Jeder Fünfte unter 30 kennt Auschwitz nicht.“ (Die Zeit 2012) – Diese Schlagzeile löste Anfang des Jahres anlässlich des Gedenkens an den 27. Januar 1945, dem Befreiungstag des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau (vgl. Benz & Diestel 2007, S. 75-311), aufgeregte Diskussionen in Deutschland und darüber hinaus aus. Die besagte Aussage entstammte einer aktuellen Umfrage des Forsa-Instituts zum Wissen über den Terror-Ort Auschwitz, die im Auftrag des Magazins Stern (vgl. Stern 2012) durchgeführt wurde. Die Befunde der Untersuchung und die Frage nach der ‚richtigen‘ Lesart der erhobenen Daten avancierte zum Gegenstand zahlreicher Stellungnahmen von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Medien, Erziehung und Wissenschaft sowie von Betroffenen- und Unterstützungsgruppen in der öffentlichen und veröffentlichten Meinung. Mit Erschrecken wurde konstatiert, dass viele 18- bis 29-Jährige offenkundig über erhebliche Wissenslücken verfügen, was die Shoah anbelangt. Laut Forsa-Studie wissen 20 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsene in der Bundesrepublik nicht, dass „Auschwitz“ für ein Konzentrations- und Vernichtungslager unter dem nationalsozialistischen Gewaltregime steht. Der Auswertung der Umfrage nach zu urteilen, sprechen sich bei den 18- bis 29-Jährigen zumindest 65 Prozent der Befragten dagegen aus, einen Schlussstrich unter die Nazi-Vergangenheit zu ziehen (vgl. Die Zeit 2012).

Der Terminus ‚Holocaust‘ steht in der christlichen Traditionslinie für „Brandopfer“. Der dem Jüdischen entlehnte Begriff ‚Shoah‘ wird mit „Unheil“, „Katastrophe“ übersetzt. Nicht zuletzt im Zusammenhang der politischen, historischen und (medien-)pädagogischen Bildung stellt sich die Frage: Was entäußert sich in den skizzierten Sachverhalten über die Unkenntnis von unter 30-Jährigen zur Judenvernichtung? Ist es das Erschrecken über das Nicht-Wissen, gar über die Ignoranz eines nicht geringen Teils der jüngeren Generationen hinsichtlich des größten Verbrechens der Menschheitsgeschichte? – Offenkundig geht es um mehr oder – um es prononciert normativ zu formulieren – es muss hier um ‚mehr‘ gehen. Denn kaum ein anderes Ereignis stellt für die Nachgeborenen eine solche ethische, intellektuelle und politische Herausforderung dar wie die Shoah – „die gewaltsame Enteignung von Körper und Seele“ (August, Aly & Reemtsma 1987, S. 7). Die totale, technische Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten erfasste und despezifizierte im Rahmen einer rassistischen und menschenverachtenden Biopolitik alle sogenannten „volksfremden Elemente“: Sechs Millionen Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Behinderte sowie politisch, religiös oder ethisch verfolgte Widerstandskämpferinnen und -kämpfer oder einfach Andersdenkende wurden in – historisch singulärer Art und Weise – gejagt, verfolgt, deportiert und ermordet (vgl. Schoenberner 1960). Die nicht überbietbare Dehumanisierung, den nicht steigerbaren Nihilismus von Auschwitz kommentierte der 1933 aus Deutschland emigrierte jüdische Philosoph und Schriftsteller Günther Anders in seinen Ketzereien (1991, S. 242) mit den Worten: „Adornos dictum, daß nach Auschwitz nicht mehr gedichtet werden könne – im Sinne von ‚dürfe‘ – bestätigt sich. Wahrscheinlich muß sein Wort sogar erweitert werden: daß nun nicht mehr geglaubt, gedankt oder gebetet werden könne – im Sinne von ‚dürfe‘.“

Nicht von ungefähr fragt die oben referierte Forsa-Erhebung nach Auschwitz. Historisch korrekt müssen unterschieden werden: Stammlager Auschwitz I, Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau (Auschwitz II), Konzentrationslager Auschwitz-Monowitz (Auschwitz III), nebst zahlreichen Außen- respektive Nebenlager (vgl. Benz & Diestel 2007, S. 75-311).

Für die Shoah ist das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zum stumm schreienden Menetekel an die nach 1945 geborenen Generationen geworden. Symptomatisch dafür steht das „Tor des Todes“ von Auschwitz-Birkenau (vgl. Abbildung 1). Eindrücklich schrieben die Publizisten Jochen August, Götz Aly und Philipp Reemtsma in ihrem Editorial „Viereinhalb Jahre“ (1987, S. 7) zu Die Auschwitz-Hefte: Texte der polnischen Zeitschrift „Przegla̜d Lekarski“ über historische, psychische und medizinische Aspekte des Lebens und Sterbens in Auschwitz (Hamburger Institut für Sozialforschung 1987a, 1987b):

„In diesen viereinhalb Jahren sind dort mehr Menschen ermordet und gequält worden als je zuvor an einem anderen Ort. Deshalb ist Auschwitz Symbol geworden, Symbol für das System organisierter Unmenschlichkeit der Konzentrationslager, Symbol auch für die Herrschaft des nationalsozialistischen Deutschland über große Teile Europas. – Wer das Lager heute besucht, sieht, dass die Reihen der Baracken, obwohl nur ein geringer Teil noch erhalten ist, sich bis zu den Horizonten erstrecken. Und obwohl der Besucher weiß, daß die Lagerwirklichkeit nur ein Bruchteil der geplanten ausmachte, spürt er, daß hier, dem Ziel der Weltherrschaft entsprechend, eine Herrschaftswelt errichtet wurde, die den Anspruch hatte, grenzenlos zu sein. Das Leid, das sie hervorbrachte, war grenzenlos; es währte in Auschwitz viereinhalb Jahre.“


Abbildung 1
: An der „Rampe“ – „Tor des Todes“ des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau
(Quelle: Archiwum Państwowego Muzeum Auschwitz-Birkenau)

Der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers formulierte in seinem Werk Von der Wahrheit ([1947] 1983, S. 25) die Maxime, dass es essenziell sei, „ganz gegenwärtig zu sein“. Dieses im Titel wiedergegebene Zitat, das auch die Politische Philosophin und Schriftstellerin Hannah Arendt ihrer epochalen Studie Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft ([1951] 2008, o. S.) voranstellte, erweist sich für uns heute hinsichtlich des politischen, historischen, soziokulturellen und medialen Diskursgefüges der Shoah von ungebrochener Eindringlichkeit. Zu Beginn des 21. Jahrhundert ist das Erinnern, das Wachhalten, die Warnung, das Ganz-gegenwärtig-sein des von 1941/1942 bis 1945 industriell organisierten Völkermords an Millionen von Menschen gewandelten Voraussetzungen unterworfen.

Im Zeitalter von konvergierenden Medien, Social Networks und virtuellen Gemeinschaften (vgl. Münker 2009; Filk & Gundelsweiler 2012) beziehungsweise visueller, situiert-adaptiver und partizipativer Mediennutzung (vgl. Filk & Müller-Beyerler 2011; Abresch, Beil & Griesbach 2009) sind Geschichtsvermittlung und -aneignung sowie Geschichtskommunikate und -medien (vgl. Filk 2005, 2011) im Zusammenhang zu reflektieren. Mithin ist die Auseinandersetzung mit der Shoah eigenen Gesetzmäßigkeiten des Agenda-Setting-Prozesses (vgl. McCombs & Shaw 1972) und der Ökonomie der Aufmerksamkeit (vgl. Franck 1998) unterworfen, der sich weder eine historische und politische noch eine wissenschaftliche und pädagogische Diskussionen entziehen oder verweigern kann. Vor diesem Hintergrund setzt sich der vorliegende Aufsatz mit der medienwissenschaftlichen und zeithistorischen Problematik der medialen Narration und Repräsentation der Shoah (vgl. Filk & Malachewitz 1999; Weber 2007; Wende 2007; Ebbrecht 2011) auseinander.

Medienkultureller Wandel verändert Zugänge zu (historischem) Wissen und Erkennen

In Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft konstatierte Hannah Arendt ([1951] 2008, S. 25) umsichtig: „Begreifen bedeutet, sich aufmerksam und unvoreingenommen der Wirklichkeit, was immer sie ist oder war, zu stellen und entgegenzustellen.“ – Doch was heißt es, sich aufmerksam und unvoreingenommen der ‚Wirklichkeit‘ zu stellen und entgegenzustellen, sofern der Prozess des historischen Erkennens und Begreifens sich mehr und mehr mittels elektronischer, digitaler und sozialer Medien vollzieht?

‚Medien‘ setzen – in geschichtlich veränderlichen Konstellationen – die Wechselwirkung beziehungsweise das Zusammenspiel von Sinn und Sinnen voraus (vgl. Krämer 1998, S. 34).

Um den Medienbegriff nicht reduktionistisch zu verwenden, ist eine differenzierte Terminologie der Grundunterscheidungen sachlogisch zwingend (vgl. Leschke 2003, S. 9-31). Es bietet sich an, Medien in dreierlei Hinsichten zu unterscheiden (vgl. Luhmann 1997, S. 190-412), nämlich zwischen:

  • sinnlichen Wahrnehmungsmedien wie Raum, Zeit und die fünf Sinne,
  • semiotischen Kommunikationsmedien wie Bild, Sprache, Schrift und Musik sowie
  • technischen Verbreitungsmedien wie Print, Radio, Fernsehen, Computer und Internet.

Was bedeutet dieser zunächst einmal recht abstrakt anmutende Sachverhalt? Welche Bedingungen, Folgen und Konsequenzen sind damit für die Vermittlung und Aneignung sowohl aktueller als auch historischer Wissensbestände in einer maßgeblich durch und mittels Medien erzeugten Kultur verbunden? – Selbstredend ist hier die geschichtliche Dimension der ‚Medien‘ und ihrer Wissenschaft(-en) von erheblicher Relevanz. Denn, wie der Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Karl R. Popper in seiner Schrift Das Elend des Historizismus (1987, S. 31) konzedierte: „Die nichtexperimentelle Beobachtungsbasis einer Wissenschaft hat in gewissem Sinne immer ‚historischen‘ Charakter.“ – Damit wird die grundlegende Problematik der (oder besser: einer) epistemischen Verortung der Medien- und Kommunikationsgeschichte(-n) diskursiv aufgerufen.

Der – nach wie vor – allgemein vorherrschenden Geringschätzung insbesondere audiovisueller Massenmedien, allen voran des Fernsehens, steht deren bedingungslose Vereinnahmung unter die Kuratel eines kulturell-historischen Gedächtnisses entgegen. Diese Annahme wird durch eine langjährige Rezeptionspraxis (vgl. Berg & Ridder 2002; Reitze & Ridder 2006; Reitze & Ridder 2011) nachhaltig gestützt, dürfte doch die audiovisuelle Darstellung von ‚Historie‘ heutzutage als das (noch) am meisten verwandte Medium von Geschichtsvermittlung und -aneignung in breiten Bevölkerungsschichten sein. Dem Rezeptionsbefund widerstrebt indes die traditionelle Ablehnung der Historiografie aller nicht-literaler Quellen und Medien für die Geschichtsanalyse und -(re-)präsentation. Dass dabei ausgerechnet die audiovisuellen Massenmedien (mittlerweile gefolgt von digitalen Medienkommunikaten), denen – aus verschiedenen Gründen – Oberflächlichkeit, mangelnde historische Sinntiefe und bestenfalls triviale Argumentationsführung beschieden wird (vgl. Kreimeier 1995), auf vehemente Kritik treffen, vermag dabei nicht wirklich zu überraschen.

Ein nicht zu unterschätzendes Problem für einen veränderten Umgang mit nicht-literalen Offerten geschichtlichen Wissens besteht in den überkommenen Maximen und Imperativen einer mehr als 500 Jahre recht erfolgreich währenden Buch- und Industriekultur (vgl. Giesecke 2002). Erst vor dem Hintergrund eines Vergleichs mit (neuen) audiovisuellen, elektronischen und sozialen Medien wie Internet, World Wide Web (WWW), Hypermedien und -texten sowie Social Networks treten die internalisierten Konventionen der typografischen Informationssysteme des Buches, der Zeitung oder der Zeitschrift so richtig hervor (vgl. Giesecke 1991). Die tradierte Kulturtechnik des Buches markiert die Dispositive (vgl. Baudry 1994), die Wahrnehmungs(-an-)ordnungen des ‚aktiven‘, produzierenden Schreibers (Autors) auf der einen Seite und des ‚passiven‘, rezipierenden Lesers auf der anderen Seite als individuelle Handlungsrollen.

Für Jugendliche ist das Tagebuch des jüdischen Mädchens Anne Frank ([1950] 2011) (vgl. Abbildung 2) häufig eines der ersten Bücher, in dem sie etwas über Nazi-Herrschaft und Judenverfolgung erfahren. – Wie komplex sich bereits der aktive, produktive Prozess der Lektüreaneignung ausnimmt, zeigt die Zusammenfassung der einschlägigen Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte von den Medienpsychologen Norbert Groeben und Peter Vorderer (vgl. Groeben 1982; Groeben & Vorderer 1988). Im Laufe der Zeit bildete sich der Ideal-Typus des „Buchgelehrten“ aus, dessen Beschreibungs- oder Aussagesätze linear, Zeile für Zeile, auf eine Seite gedruckt und sequenziell in einem Buch zusammengebunden werden. Jedoch erweist sich die praktische Arbeit am und mit dem Text weder als linear noch als sequenziell, denn es werden Namen, Termini, Zitate und Quellen in anderen Büchern nachgesehen, die ihrerseits auf weitere Texte mit Abbildungen, Quellenangaben, Exegesen und auf zahlreiche andere Zusammenhänge Bezug nehmen (können).


Abbildung 2
: Für Heranwachsende oft eine der ersten Auseinandersetzungen
mit Nationalsozialismus und Judenverfolgung –
Seite aus dem Tagebuch von Anne Frank ([1950] 2011) mit einem Porträt des Mädchens (Foto: dpa)
(Quelle: Frankfurter Rundschau – FR-Online).

Hingegen verhält sich die (Text-)Arbeit mit elektronischen Kommunikations- und Informationssystemen in einigen vergleichenden Hinsichten anders. So (dis-)arrangiert zum Beispiel ein computerbasiertes Hypermedium einen Text in ein Netz von Knoten. Informationen werden durch statische und dynamische Medien strukturiert und repräsentiert. Der Rezipient navigiert selbst nach seinem Wissen und nach seinen Interessen durch das hypertextuelle Environment und kann dieses aktiv erweitern und verändern (vgl. Kuhlen 1991; Mainzer 2001). Unwillkürlich stellt sich der Eindruck ein: „Die Gutenberg-Galaxis mit ihren klassischen Bibliotheken scheint sich im World Wide Web aufzulösen“ (Mainzer 2001, S. 62, Hervorhebung C. F.)

Mittlerweile ist die Durchdringung individueller und kollektiver Lebenswelten mit ubiquitären Informations- und Kommunikationstechnologen (IKT) längst Fakt. Getrieben durch technischen Wandel wachsen Medien zusammen; sie konvergieren technisch, ökonomisch, kulturell und narrativ (vgl. Filk & Müller-Beyeler 2011). Für Mädchen und Jungen ist das Internet ein fester Bestandteil ihrer Alltagskultur. Der Hauptzweck der Nutzung des Netzmediums ist die Kommunikation in sozialen Gemeinschaften (Communities). Online-Communities sind fest etabliert bei den 12- bis 19-Jährigen und sie verbringen ihre Zeit gerne in sozialen Netzwerken (vgl. JAMES-Studie 2010; JIM-Studie 2010). Es liegt selbstredend auf der Hand, dass qualitativ hochstehenden Informations- und Aufklärungsangeboten zu Aspekten der Shoah auf Facebook, beispielsweise The United States Holocaust Memorial Museum (vgl. Abbildung 3), eine wachsende Relevanz und Resonanz zuteilwird. Wie selbstverständlich werden Audio-, Bild- und Textinhalte produziert. Sie lassen sich immer einfacher kombinieren und werden zunehmend nicht mehr alleine über klassische sequenzielle und monodirektionale Kanäle verbreitet, sondern können – dank Netztechnologie(-n) – auch in modularer, gebündelter Form, bidirektional und interaktiv über verschiedene Endgeräte, wie etwa Computer und Smartphones, distribuiert und kombiniert werden (vgl. Alby 2007; Vickery & Wunsch-Vincent 2007; Cormode & Krishnamurthy 2008).

Vor dem Problemhorizont solcher und ähnlicher medienindizierten Imperative gehen tiefgreifende Veränderungen in schulischen und außerschulischen Erziehungs- und Bildungskontexten einher, mehr noch: Die strukturellen Umbrüche von der überholten Industriegesellschaft hin zu einer sich globalisierenden wissensbasierten Gesellschaft (vgl. Barba u. a. 1998; Giesecke 2002, 2007) wandeln fundamental die seit Jahrzehnten fest institutionalisierten Kultur- und Lerntechniken, Formen der Wissensvermittlung und -aneignung sowie Medien- und Computerkompetenzen (Media und Computer Literacy) (vgl. Giesecke 2002, 2007; Filk 2003, 2009).

Bedingt durch die jüngeren Veränderung im Medienangebot und der damit verbundenen Mediennutzung – verwiesen sei in erster Line auf Web 2.0, Social Software oder „user generated content“ (vgl. O’Reilly 2005; McAfee 2006; Singh 2006) – reicht es aber nicht mehr aus, bloß über ‚Computerkompetenz‘ im tradierten Wortsinne (vgl. Strittmatter & Niegemann 2000) zu verfügen. Denn Userinnen und User agieren in der Medienwelt sowohl als Konsumentinnen und Konsumenten als auch Produzentinnen und Produzenten von Medieninhalten. Das heißt: sie avancieren zu sogenannten Prosumentinnen und Prosumenten mit eigenen Medienkulturen (vgl. Abresch, Beil & Griesbach 2009), die idealiter situativ und adaptiv sowohl traditionelle als auch moderne Werkzeuge nutzen. Der – verkürzt ausgedrückt – Prosumtionsmodus postuliert eine zusätzliche, mitunter erweiterte Medienkompetenz (vgl. Wermke 1997).


Abbildung 3
: Museen und Gedenkstätten entdecken die sozialen Medien –
The United States Holocaust Memorial Museum
on Facebook
(Quelle: Facebook)

Jüngeren Studien, etwa des Kommunikations- und Medienwissenschaftlers Michael Giesecke (vgl. Giesecke 2002, 2007), nach zu urteilen, stellt das alte typografische Informationsverarbeitungssystem insofern ein gewaltiges Handikap für eine innovative und alternative Informationsproduktion, -distribution und -rezeption dar, als dass wir – wie in der Vergangenheit – dem Nimbus und Modell der Buch- und Industriekultur unterworfen sind: „Das überkomplexe Informationsangebot vieler neuer Medien und die Anforderung an Medienintegration und synästhetischer Informationsverarbeitung überfordern nicht nur den Typus des Benutzers, den die Buchkultur entwickelt hat, sondern sie ermöglichen auch einen neuen Benutzertyp: soziale statt psychische Systeme.“(Giesecke 2002, S. 427-428, im Original kursiviert, Hervorhebung C. F.)

Mithin könne es möglich werden, eine „Informationsgesellschaft“ als Kultur und als komplexe Informationssysteme mit dialogischen Netzwerken und multimedialen Systemen zu gestalten. Dabei komme es auf eine Förderung des Dialogs, synästhetischer Informationsverarbeitung, dezentraler Vernetzungsstrukturen sowie multimedialer, modularer Wissensdarstellungen an. Die Konzepte und Strukturen der Buch- und Industriekultur seien zu entmythologisieren, monosensuelle Informationsgewinnung, monomediale Speicherung und lineare Informationsverarbeitung sowie hierarchische und interaktionsarme Vernetzung seien zu relativieren (vgl. Giesecke 2002, S. 366-367, 331-454).

Doch bis sich jeweils neue Medien, Medienintegration und synästhetische Informationsverarbeitung (vgl. Filk, Lommel & Sandbothe 2004; Filk & Simon 2010) schließlich vollends als neue Standards der Geschichtsvermittlung und -aneignung ausnehmen mögen, eine Entwicklung, die es früh genug zu antizipieren gilt, sind wir vor allem auf die audiovisuellen Massenmedien zurückverwiesen. Das Faktum, dass wir mehr denn je in einer visuell dominierten Kultur leben, die ihre spezifischen Formen der Wissensvermittlung und -aneignung hauptsächlich über audiovisuelle Angebote generiert und organisiert, hat längst – struktur- und wertkonservativen Beharrungskräften zum Trotz – auch für den Sektor der Geschichtsrepräsentation und -konstruktion fundamentale Gültigkeit erlangt (vgl. Kirchmann & Filk 2000).

Mithin stellen moderne audiovisuelle, elektronische und soziale Medien in wachsendem und weiter steigendem Ausmaß die zentrale Grundlage kollektiven Erinnerns und Bewahrens dar. Wenn sich diese Feststellung inzwischen auch breiter Zustimmung – selbst in wissenschaftlichen Zirkeln – erfreuen dürfte, so erscheint das Medium Fernsehen hiervon merkwürdig ausgenommen, zumindest aber in seiner potenziellen Funktion als (populär-)historiografisches Instrument weiterhin umstritten zu sein – und dies unbeschadet der Tatsache, dass ausgewiesene Geschichtssendungen in den letzten Jahren – auch zu Nationalsozialismus und Shoah – einen wachsenden Anteil am Gesamtprogramm zumal der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten für sich reklamieren können. Mithin bleibt es abzuwarten, wie elektronische und soziale Medien dieses Diskursgefüge verändern werden (vgl. Schäfers 1998; Filk 2011).

Moderne Geschichtsschreibung und Geschichtsmedien

In den letzten Jahren ist das Verhältnis von moderner Geschichtsschreibung und adäquaten Geschichtsmedien eingehender diskutiert worden. In einer ersten programmatischen Annäherung könnte man sagen: die medien- und kommunikationshistorische Forschung hat insbesondere zweierlei Anforderungen Rechnung zu tragen:

Erstens muss sie die grundlegenden Erkenntnisse und Einsichten der modernen Geschichtsschreibung berücksichtigen: „Verändern sich […] die strukturellen Bedingungen selber, etwa der Technik, der Wirtschaft und damit der ganzen Gesellschaft und ihrer Verfassung, dann muß [...] die Historie zunächst über die sich ändernden Strukturen belehren“ (Koselleck 1992, S. 155), denen freilich auch die Historiografie ihrerseits unterworfen ist.

Zweitens sind Medien- und Kommunikationshistoriografie, sofern sie sich denn als Geschichte(-n) ,der‘ Medien verstehen, angehalten, ‚Medien‘ übergreifend zu thematisieren. Im Gegensatz zu Geschichten einzelner Medien, die einen verhältnismäßig deutlich eingrenzbaren Gegenstandsbereich aufweisen, sind allgemeine Medien- und Kommunikationsgeschichten mit einem grundlegenden Problem konfrontiert:

Da kein einheitlicher Medienbegriff (vgl. Leschke 2003) existiert und der Kanon ‚der‘ Medien kaum auf einen gemeinsamen konzeptuellen Nenner gebracht werden kann, muss jede Medien- und Kommunikationsgeschichte respektive Medien- und Kommunikationsgeschichtsschreibung zunächst einmal das Feld aufspannen, dessen Entwicklung sie darzustellen beabsichtigt. Grundsätzlicher noch stellt sich die Frage, inwiefern die Medienentwicklung nicht selbst den Begriff der Kommunikation wesentlich formte und das scheinbar unabhängige Fundament selbst von Mediengeschichte(-n) durchsetzt ist (vgl. Luhmann 1997, S. 190-412). Wenigstens ist von einem konstruktivistisch-systemischen Standpunkt aus längst nicht entschieden, wie der Pressehistoriker Rudolf Stöber (2003, S. 20, 29) glauben machen möchte, dass „Mediengeschichte […] keine Kommunikationsgeschichte“, mithin „Kommunikation“ der „erheblich weitere Gegenstand“ sei.

Vor 25 Jahren exponierte sich der namhafte Fachvertreter Wolfgang Langenbucher mit der seinerzeit durchaus gewagten These, die Kommunikationswissenschaft habe ihre eigene „Historiophobie“ (Langenbucher 1987, S. 13) überwunden. Heute wissen wir, dass jene Disposition einer wohl allzu optimistischen Erwartungshaltung an die Reformfähigkeit der eigenen als dezidiert empirisch begriffene Disziplin in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre entsprang. Dessen ungeachtet ist der Kommunikationswissenschaft in der Zwischenzeit allerdings zuzugestehen, dass in ihrer Wissenschaftsdisziplin und -kultur historischen und historiografischen Konzepten und Methoden mehr Anerkennung eingeräumt wird (vgl. Peiser, Hastall & Donsbach 2003; Arnold, Behmer & Semrad 2008).

Aber auch die Beziehung von Medien- und Geschichtswissenschaft erweist sich als zumindest nicht unproblematisch. So schrieb der Literaturwissenschaftler Burkhart Steinwachs (1991, S. 158) vor rund zwei Jahrzehnten über das (inter-)disziplinäre Gefüge der beiden Fächer: „Die Geschichtswissenschaft wendet sich erst zögerlich der wissenschaftlichen Erschließung bildlicher Quellen (Fotos, Filme, Fernsehen) zu, obgleich deren Bedeutung z. B. für die Geschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts ständig zunimmt. Geeignete Analyseverfahren, die auf dem Niveau der Kritik textueller Quellen liegen, fehlen weitgehend. […] Anders ist die Situation im Blick auf die Präsenz historischer Zusammenhänge in den audio-visuellen Medien. Sowohl im Film als auch im Fernsehen ist seit Bestehen dieser Medien die Darstellung historischer Themen außerordentlich erfolgreich. Die wissenschaftliche Analyse des Visualisierungsprozesses von Geschichte hingegen steckt noch in den Anfängen […]. Hier entstehen gerade für die Medienwissenschaften neue und wichtige Forschungsfelder.“

Aus Sicht der interdisziplinären Wissenschaftsforschung (vgl. Filk 2009; Filk 2011) lässt sich festhalten, dass im kognitiven Feld der Medien- und Kommunikationsgeschichte beziehungsweise der Medien- und Kommunikationsgeschichtsschreibung prima facie Kommunikations-, Medien- sowie Geschichtswissenschaft strukturell gekoppelt sind (vgl. Maturana 1985, S. 143-145, 150-152, 243-244, 287-289). Allerdings ist es wohl angezeigt, lediglich von einer schwachen strukturellen Kopplung besagter Wissenschaftsdisziplinen und -kulturen zu sprechen, da sich die interdisziplinäre Kooperation eher ‚lose‘ ausnimmt. Unbeschadet des transgressiven Charakters medien- und kommunikationshistor(-iograf-)ischer Forschungen wird man nicht von „Tranzdisziplinarität“ sprechen können, wenigstens sofern man mit dem Philosophen Jürgen Mittelstraß darunter die „Kooperation zu einer andauernden, die fachlichen und disziplinären Orientierungen selbst verändernden wissenschaftssystematischen Ordnung“ (Mittelstraß 2003, S. 9) fasst.

Das sattsam bekannte antagonistische Diskursgefüge von Medien- und Kommunikationswissenschaft, das vor einigen Jahren der Wissenschaftsrat in einem kritisch rezipierten Bericht in aller Deutlichkeit angeprangert hat, tat und tut das Seinige, um eine eingehende Zusammenarbeit zu hintertreiben (vgl. Wissenschaftsrat 2007, S. 82, passim). Trotz konzeptueller Beiträge zur Theorie und Methodologie der Historiografie (vgl. Küttler, Rüsen & Schulin 1993) sind bislang von der Geschichtswissenschaft lediglich ansatzweise Impulse zur Problematisierung des Verhältnisses von Medien und Kommunikation in synchroner und diachroner Weise geleitest worden (vgl. Crivellari u. a. 2004), zumeist reduzierte sich der disziplinäre geschichtswissenschaftliche Fokus auf die Frage nach der „literarische[n] Form für die der Geschichte als Wissenschaft eigentümliche[n] Art und Weise des historisches Denkens“ (Rüsen 1990, S. 136). Erst langsam öffnet sich die (allgemeine) Geschichtswissenschaft gegenüber diesem Desiderat (vgl. Hickethier 2002, S. 171)

In seinem programmatischen Essay „Geschichtsschreibung als Theorieproblem der Geschichtswissenschaft“ vertrat der bekannte Historiker Jörn Rüsen (1990, S. 135) vor mehr als zwei Dekaden die Position: „Theorieprobleme gibt es, wo Theorien zum Zwecke der Erhebung geschichtlicher Sachverhalte aus den Quellen und zur Erklärung der Sachverhalte konstruiert werden, und wo die für die Geschichte als Wissenschaft maßgebenden Prinzipien der historischen Erkenntnis expliziert und begründet werden.“ Selbstredend sind jene beiden Gesichtspunkte gleichfalls im Anforderungsprofil der Geschichtsschreibung (vgl. Küttler, Rüsen & Schulin 1993) als solche impliziert. Adaptiert man geschichtliche Theoriekonzepte mit der Intention, die soziokulturelle Vergangenheit wissenschaftlich nachzuzeichnen, so ist man zwangsläufig mit dem Problem konfrontiert, ob und in welchem Ausmaß historische Theorien wiederum die historiografische Konstruktion von Forschungsresultaten beeinflussen. Was resultiert aus dem von Rüsen skizzierten Befund (vgl. Rüsen 1990, S. 135, 136) angesichts des vorgängig normierenden Perspektivenwechsels von literarischen hin zu audiovisuellen, digitalen, medienkonvergenten oder partizipativen Formen und Formaten?

In diesem Zusammenhang stellt sich insbesondere auch die Frage nach dem Stellenwert audiovisueller, elektronischer und sozialer Medien innerhalb eines kulturellen Gedächtnisses der jüngeren Vergangenheit. Mit der Soziologin Elena Esposito (2002, S. 10, Hervorhebung im Original) lässt sich die These vertreten, „dass das Gedächtnis der Gesellschaft von den verfügbaren Kommunikationstechnologien (von den ersten Formen nicht-phonetischer Schrift über das Alphabet, bis hin schließlich zu Presse sowie den elektrischen und elektronischen Medien) der Gesellschaft abhängt: diese beeinflussen dessen Formen, Reichweite und Interpretation. Man könnte auch sagen, und vielleicht ist es auch dasselbe, dass das Gedächtnis der Gesellschaft die Voraussetzung für die Durchsetzung und Verbreitung bestimmter Mittel der Kommunikation darstellt.“

Die medienwissenschaftliche Analyse audiovisueller respektive elektronischer Geschichtskommunikate versteht sich als Beitrag zu einer „Semiohistorie“ (vgl. Hess-Lüttich & Müller 1994) von „Medien“, wie sie sich vornehmlich im Zuge des New Histioricism als spezifisch medienwissenschaftlicher Forschungskomplex über Methoden, Diskurse und Modelle gegenwärtiger Geschichts(-re-)konstruktionen zu etablieren beginnt. Es ist sicherlich zu einem Großteil dem New Historicism (vgl. Greenblatt 1988; Baßler 1995; Glauser & Heitmann 1999) zu verdanken, dass mittlerweile auch ein Umdenken innerhalb der akademischen Geschichtsschreibung eingesetzt hat, das sich vorsichtig den Quellen – wie auch den Darstellungspotenzen der Geschichtsmedien – anzunähern sucht.

Innerhalb des New Historicism wird der Narration und dem Storytelling ein besonderer Stellenwert beigemessen. Mithin ist es an der Narrationskompetenz gelegen, Geschichten mit Text, Bild und Ton erzählen zu können. Dieser Sachverhalt ist bereits früh den videografierten Interviews und Lebenserzählungen von Überlebenden der Shoah eingeschrieben (vgl. Geblin, Lezzi, Hartmann & Schoeps 1998; Miltenberger 1998). Die Gutenberg-Ära (vgl. Giesecke 2002) war medial sequentiell und arbeitsteilig. Künftig werden Geschichte und Geschichten mit Text, Bild und Ton erzählt und mehr und mehr crossmedial arrangieren werden. Das heißt: es wird zunehmend darum gehen (müssen), Audio-, Bild- und Textbeiträge produzieren und kombinieren zu können und die Eigenarten der auf dem Stand der Zeit gängigen Ausspielkanäle (mithin deren medialen Eigensinn) kennen und beim Produzieren angemessen berücksichtigen können (vgl. Filk & Müller-Beyerler 2011).

Von der Aggregatsgeschichte zur Systemgeschichte

Die Möglichkeit einer multiperspektivischen, multimodal sowie multimedial angelegten Betrachtung des 20. und des frühen 21. Jahrhunderts gebietet eine medienwissenschaftlich fundierte Analyse – jenseits historischer Grundsatzbedenken – nach Funktionalität, Quellenverständnis und -verwendung. Hierbei lässt sich die verbreitete Unterlegenheitsthese der Bildmedien konstruktiv umdeuten – mehr noch: man kann sogar nach einem möglichen Mehrwert audiovisueller und elektronischer Repräsentationsformen gegenüber den diskursiv legitimierten historiografischen Praxen fragen. Bevor man allerdings vorschnell auf rein diskurskritische Modelle in der Nachfolge Michel Foucaults (1997) rekurriert und infolgedessen das unterlegenheitsverdächtige Moment womöglich im einfachen Umkehrschluss zum nunmehrigen Überlegenheitsmoment stilisiert, bleibt zu prüfen, ob und gegebenenfalls inwieweit nicht schon die Entwicklung der modernen Geschichtsschreibung ihrerseits doch Argumente für einen gewissermaßen zweipoligen Diskurs über das 20. und 21. Jahrhunderts bereithält.

Wie bedeutsam televisuelle, mitunter sogar fiktionale Medienangebote über den Nationalsozialismus und die Massenvernichtung sind und waren, verdeutlicht die US-amerikanische vierteilige Mini-Serie „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“ des Filmregisseurs Marvin J. Chomsky aus dem Jahre 1978. „Holocaust“ erzählt die Geschichte der jüdischen Arztfamilie Weiss in Berlin während des Nationalsozialismus.


Abbildung 4.1
: Screenshot einer Erschießungsszene aus der Miniserie „Holocaust“ (1978)
(Quelle: YouTube)


Abbildung 4.2
: Screenshot einer Erschießungsszene aus der Miniserie „Holocaust“ (1978)
(Quelle: YouTube)


Abbildung 4.3
: Screenshot einer Erschießungsszene aus der Miniserie „Holocaust“ (1978)
(Quelle: YouTube)

Die US-amerikanische Fernsehserie markiert Ende der 1970er Jahre und in den 1980er Jahren einen bedeutenden Schritt der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit: Zum ersten Mal sahen zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer freiwillig das große Leid, das die Nationalsozialisten den Juden angetan hatten, was etwa in Deutschland und Österreich vielfältige Reaktionen hervorrief (vgl. Knilli & Zielinski 1983). Obgleich die Hauptprotagonisten fiktional angelegt sind, steht ihr Schicksal stellvertretend für Tausende tatsächlicher Opfer. Selbst der äußerst medienskeptische Günther Anders (1996, S. 179-216) konnte „Holocaust“ insofern etwas abgewinnen, als dass das Fernsehen unter bestimmten Bedingungen einen – wenngleich nur sehr bescheidenen – Aufklärungseffekt bewerkstelligen könne.

Folgt man etwa den Positionen Reinhard Kosellecks (1992), Fernand Braudels (1985, 1986a, 1986b, 1998) oder Niklas Luhmanns (1986), so geht mit dem Übergang in die Moderne ein Funktionswandel der Historiografie einher, der überhaupt erst den gestalt switch von der Aggregats- zur Systemgeschichte und damit auch die Genese der Geschichtsphilosophie ermöglicht. Angesichts der Beschleunigungen der modernen Geschichtsverläufe wird das gemeine Konzept einer annalistischen Geschichtsschreibung obsolet und als solches fortan in den Geltungsbereich des tagesaktuellen Journalismus verbannt (vgl. Löffelholz 2000). Zugleich markiert diese einschneidende Zäsur eine notwendige Neubestimmung der Historiografie im Sinne einer Strukturgeschichtsschreibung anstelle einer auf Singularitäten fixierten, zumeist akkumulativen Ereignisgeschichtsschreibung. Nur über strukturelle Methodiken perspektiviert und komprimiert, erscheint der Moderne fortan die Komplexität ihrer historischen Kontingenzen, Zufälligkeiten – es könnte auch anders sein! – noch in reflexionsfähige Konzepte überführbar (vgl. Luhmann 1997).

Angesichts dieses diskursiven Bedingungsgefüges drängt sich die Frage auf, ob und gegebenenfalls inwieweit durch die Ausgrenzungen der Ereignisgeschichtsschreibung aus dem Kanon der historiografischen Methoden zugleich der Geltungsbereich des Journalistischen, Medialen und Ästhetischen überschrieben wird; mithin: ob sich dort kompensatorische Felder eröffnen, welche die – sich eben unvermindert über Singularitäten konstituierenden – Bedingungen menschlicher Erfahrungshorizonte in dokumentarischen wie in funktionalen Formen und Formaten überhaupt noch rezeptions- und damit reflexionsfähig halten (vgl. Kirchmann & Filk 2000, S. 8-9).

Auch wenn Typologisierung und Terminologie divergieren, so besteht doch weithin dahingehend Konsens in Wissenschaft und Forschung, dass die Krisendrift der postindustriellen Gesellschaft im Wesentlichen durch eine kolossale Erosion ihrer traditionellen Prämissen evoziert wurde. Der lediglich anskizzierte Problemkontext lässt sich für den Fall televisuell repräsentierter beziehungsweise konstruierter Historien reformulieren und respezifizieren: Wenn die moderne Lebenswelt mit einer gewissen Berechtigung als eine soziale Praxis verstanden wird, die von einem Verlust an unmittelbarer Lebensführung und somit einem elementaren Erfahrungsschwund gekennzeichnet ist, so lässt sich das postulierte Kompensationspotenzial vor dem Horizont gleich zweier Kontrastfolien bestimmen: einer (semi-)ontologisch und einer diskurstheoretisch begründeten Variante. Mediale historische Konstrukte können aus dieser Perspektive heraus als soziokulturell unverzichtbare Reintegrationsmodi, als retrospektive Verlangsamungsinstrumente und als dezidiert komplexitätsreduzierendes Transformationsverfahren für historische Vorgänge verstanden werden, deren immanente Ereignisstrukturen sich der sowohl wahrnehmungs- als auch wissensbezogenen Primäraneignung geradezu verschließen. Somit lautet die Quintessenz der audiovisuellen Medien: Kompensations- statt Korrekturfunktion. Erst von hier aus eröffnet sich eine historisch fruchtbare Perspektive auf die Funktion audiovisueller Geschichts(-re-)konstruktionen – nicht zuletzt für ein kollektives Erinnern und Bewahren in einer sich sozial fragmentierenden Gesellschaft.

Historische Konstrukte in den audiovisuellen und elektronischen Medien sind daraufhin zu befragen und zu bewerten, inwieweit sich in ihnen die angesprochene Differenz zum institutionalisierten Diskurs über das 20. und angebrochene 21. Jahrhundert konstitutiv niedergeschlagen hat oder ob entsprechende Formen oder Formate ihrerseits eine Kontinuität oder Transformation des Diskurses darstellen, sich sozusagen in Analogie zu den professionellen Geschichtsmedien und -methodiken zu profilieren suchen, sich im Extremfall gar als Konkurrenz auf diesem Diskursfeld begreifen. Stimmt man der vorgeschlagenen Ausdifferenzierungsthese zu, so sind solche Untersuchungsobjekte nicht nach den gängigen Kriterien wie (relativer) Vollständigkeit der Darstellung, sozialgeschichtlicher Komplexität und Befolgung historischer Kausalitätsregeln etc. zu analysieren. Vielmehr sind sie daraufhin zu untersuchen, wie sie Leerstellen, Risse und Paradoxien des institutionalisierten Diskurses virulent thematisieren oder ausfüllen.

Auf dieser methodischen Grundlage lässt sich auch die Funktionalität der audiovisuellen Geschichtsrekonstruktion für die Herausbildung eines kollektiven beziehungsweise kulturellen Gedächtnisses und dessen Verortung zum historiografischen Diskurs (neu) diskutieren. Hierfür darf die Frage nach dem jeweiligen Quellenverständnis und -gebrauch beider Diskursformationen als entscheidend angesetzt werden. Untrennbar hiermit verknüpft ist die Debatte der jeweils zugrunde gelegten Paradigmen und damit der Fokussierung auf das 20. Jahrhundert wie zum Beispiel: Wie erscheint die Spät- oder Postmoderne in ihrer mediengemäßen Rekonstruktion? Werden hier tatsächlich die gleichen Strukturwandlungen thematisiert, die uns aus historiografischer und soziologischer Perspektive als die konstitutiven Wandlungsprozesse (Industrialisierung, Technisierung, Mobilisation, Globalisierung usw.) des fraglichen Zeitraums erscheinen?

Besonders aufschlussreich dürfte gerade in diesem Zusammenhang die Frage nach dem doppelsinnigen Terminus „Geschichte“ – Historie und Narration – sein. Käte Hamburger sprach von „Erzählzeit“ und „erzählter Zeit“ (vgl. Hamburger 1987). Zentral stellt sich das Problem der grundsätzlichen und je spezifischen Transformierbarkeit von „Historie an sich“ in die je singuläre Narration auch des dokumentarischen Formats, von Prozessualität in Sequenzialität, von Temporalität in erzählte Zeit, Erzählzeit. Dies lässt sich natürlich erst auf der Grundlage einer konkreten semiotischen wie intermedialen Analyse bewerkstelligen, wobei die Frage nach dem jeweils genutzten Quellenmaterial und dessen medienspezifischer Aufbereitung untersuchungsleitend sein müsste. Von Relevanz dürfte ferner der Aspekt sein, inwieweit in den audiovisuellen Geschichtskonstruktionen nicht allein ein Fluchtpunkt der Erinnerungsarbeit, sondern (auch) der Modus des Erinnerns selbst (mit) artikuliert wird. Damit geht der Aspekt der Reflexivität – mitunter: der Medienreflexivität – dieser audiovisuellen Beiträge in die Betrachtung ein.

Ein sehr instruktives Beispiel für die mediale Narration und Repräsentation der Shoah – zumal im elektronischen Medienverbund – ist das Projekt IWitness des USC Shoah Foundation Institute for Visual History and Education (USC ist die Abkürzung von University oder Shoah zuzugreifen.


Abbildung 5
: Videografierte Überlebende und Zeitzeugen der Shoah erzählen ihre Geschichte –
Projekt „IWitness“ des USC Shoah Foundation Institute for Visual History and Education
(Quelle: „IWitness“-Website)

Die Überlegungen verdeutlichen, dass und in welchem Ausmaß die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Verhältnis von Geschichte, Medien und kulturellem Gedächtnis interdisziplinär ausgerichtet zu sein hat. Dies erwächst mit sachlicher Notwendigkeit aus der leitenden Fragestellung nach der Funktion audiovisueller, elektronischer und sozialer Medien für kulturelle Gedächtnisformationen, mithin aus einem Fragehorizont, der sich nur unter Berücksichtigung korrespondierender Forschungsbeiträge aus Kultursoziologie und der Strukturgeschichtsschreibung adäquat wird beantworten lassen.

Schlussbetrachtung

Vorstehend ging es mir in erster Linie nicht darum, erschöpfend das Beziehungsgefüge von Geschichte, Medien und kulturellem Gedächtnis mit Blick auf die Shoah zu reflektieren, sondern sich des maßgeblichen Zusammenhangs von Sinnlichkeit, Denken und Medien als historischer Erkenntnisform bewusst zu werden. Doch gerade hier stößt man auf den ambivalenten Umstand, dass die audiovisuelle Darstellung von ‚Historie‘ auf der einen Seite zwar als das am meisten genutzte Medium von Geschichtsvermittlung und -aneignung anzusehen ist, dem jedoch auf der anderen Seite die tradierte Negation der Historiografie aller nicht-literalen Quellen und Medien für die Geschichtsanalyse diametral entgegensteht.

Bietet in dieser Misere die Kooperation zwischen Medien-, Kommunikations- und Geschichtswissenschaft – angesichts ihres schwierigen Verhältnisses – zunächst keine rechte Handhabe, so ist man auf einschlägige Argumente etwa Kosellecks, Braudels oder Luhmanns zurückverwiesen. Diese Autoren identifizieren einen Funktionswandel der Historiografie mit dem Übergang in die Moderne, wodurch erst der Schritt von der Aggregats- zur Systemgeschichte bewerkstelligt werden konnte. In Anbetracht der Beschleunigungen der modernen Geschichtsverläufe wird das vorgängige Konzept einer analistischen Geschichtsschreibung obsolet; zugleich markiert diese Zäsur eine notwendige Neubestimmung der Historiografie im Sinne einer Strukturgeschichtsschreibung.

Zieht man die moderne Lebenswelt als eine soziale Praxis mit ins Kalkül, die durch einen Verlust an unmittelbarer Lebensführung und somit durch einen fundamentalen Erfahrungsschwund charakterisiert ist, so lässt sich das hier in Anschlag gebrachte Kompensationspotenzial vor dem Hintergrund gleich zweier Kontrastfolien rekonstruieren: einer (semi-)ontologisch und einer diskurstheoretisch legitimierten. Unter den genannten Prämissen fungieren historische Konstrukte der elektronischen, digitalen und sozialen Medien als soziokulturell notwendige (Re-)Integrationsinstrumente, als retrospektive Verlangsamungsmittel sowie als komplexitätsreduzierende Transformationsprozesse für historische Vorgänge, deren inhärente Ereignisstrukturen gleichsam der wahrnehmungs- wie wissensbezogenen Primäraneignung verstellt sind. Daraus resultiert die Conclusio televisueller Medien: Kompensations- statt Korrekturfunktion. Erst wenn man diesen Standpunkt einnimmt, konturiert sich eine historisch konstruktive Perspektive auf die Funktionen televisueller Geschichts(-re-)konstruktionen respektive -(re-)präsentationen.

Als Resümee lässt sich festhalten: Der Konnex von historischer Erkenntnis und audiovisuellen Medien bedeutet angesichts der gesellschaftlichen Komplexität einen ständigen Schlagabtausch zwischen kognitiver Entlastung und medialer Akzentuierung, mithin zwischen Erinnern und Vergessen. Die spezifischen Bedingungen dieses kognitiv-medialen Prozesses werden auf der Basis der Anschlussfähigkeit an das kulturelle Gedächtnis einer Gesellschaft immer wieder aufs Neue – als kommunikative Praxis – ausgehandelt. Das Gelingen beziehungsweise Misslingen der Stiftung einer zumindest minimalen gemeinsamen soziohistorischen und -kulturellen Identität ist schlussendlich mitentscheidend dafür, ob und inwieweit man in Gegenwart und Zukunft überhaupt noch von einer Einheit der Gesellschaft sprechen kann.

Wie schrieb der Philosoph Ernst Bloch in Das Prinzip Hoffnung (1990, S. 6) so treffend: „Nur ein auf Verändern der Welt gerichtetes, das Verändernwollen informierendes Denken betrifft die Zukunft (den unabgeschlossenen Entstehungsraum vor uns) nicht als Verlegenheit und die Vergangenheit nicht als Bann.“

 


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Nachweis der Abbildung 2: Seite aus dem Tagebuch von Anne Frank ([1950] 2011) mit einem Porträt des Mädchens. Elektronisch verfügbar unter: http://www.fr-online.de/wiesbaden/erinnerung-an-anne-frank--keine-moralinsaure-geschichte-,1472860,3189240.html (letzte Änderung: undatiert; letzter Zugriff: 08.03.2012).

Nachweis der Abbildung 3: Screenshot von The United States Holocaust Memorial Museum on Facebook. Elektronisch verfügbar unter: http://www.facebook.com/holocaustmuseum?ref=ts (letzte Änderung: undatiert; letzter Zugriff: 08.03.2012).

Nachweis der Abbildungen 4.1 bis 4.3: Vierteilige Miniserie „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“. Regie Marvin J. Chomsky. USA 1978. Die Screenshots wurden „Holocaust“ auf http://www.youtube.com entnommen (letzte Änderung: undatiert; letzter Zugriff: 10.03.2012).

Nachweis der Abbildung 5: Projekt „IWitness“ des USC Shoah Foundation Institute for Visual History and Education. Elektronisch verfügbar unter: http://iwitness.usc.edu/SFI/ (letzte Änderung: undatiert; 11.03.2012)

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