Praxis

4/2011 - Bildbewegungen/Räume des Filmischen

„Film trifft Schule“: Die erfolgreiche Fortbildungsreihe von filmABC

AutorInnen: Gerhardt Ordnung / Markus Prasse

filmABC will bei Lehrkräften und Jugendlichen Interesse an der Arbeit mit Film im schulischen Kontext entfachen, eine ganzheitlich kreative Lehr- und Lernkultur fördern und dabei die Umsetzung des Unterrichtsprinzips Medienbildung unterstützen – die Fortbildungsreihe „Film trifft Schule“ für Lehrerinnen und Lehrer ist dafür eine tragende Säule.

Die Arbeit von filmABC im Bereich der Filmbildung und Filmvermittlung beginnt im Jahr 2005 als eigener, filmpädagogischer Schwerpunkt im Rahmen der Tätigkeiten von Synema – Gesellschaft für Film und Medien, entwickelt und betreut von Gerhardt Ordnung. Im Sommer 2006 gründet sich filmABC als eigenständiger Verein, der sich als Plattform für den Film- und Medienbildungsbereich versteht. Die Veränderung und Umbenennung zum heutigen filmABC – Institut für angewandte Medienbildung und Filmvermittlung betont die neuen, zusätzlichen Schwerpunkte, welche sich in einem Learning-by-Doing-Prozess und in der kontinuierlichen Zusammenarbeit mit Fördereinrichtungen, Filmschaffenden, Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern sowie zunehmend mit unterschiedlichen Pädagogischen Hochschulen herauskristallisiert haben.

Fixpunkt und Leitmotiv der Arbeit von filmABC ist die sinnvolle und nachhaltige Integration von Film und Medien in den Unterricht, um bei Lehrkräften sowie Jugendlichen Interesse an der Arbeit mit Film im schulischen Kontext zu entfachen, eine ganzheitlich kreative Lehr- und Lernkultur zu fördern und zu stärken und dabei die Umsetzung des Unterrichtsprinzips Medienbildung zu unterstützen.

Neben Filmvermittlungsangeboten für Schülerinnen und Schüler und der Erstellung didaktischer Unterrichtsmaterialien in Kooperation mit der Medienabteilung des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur sind es vor allem die Seminarangebote und Fortbildungsmodule für filmbegeisterte und begeisterungswillige Lehrerinnen und Lehrer, mit denen filmABC den Raum für eine kontinuierliche, funktionierende und akzeptierte schulische Filmbildung bereitet.

Aushängeschild ist dabei die in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule angebotene Wiener Fortbildungsreihe „Film trifft Schule“, die nach den Lehrveranstaltungen „Film trifft Schule – Unterrichtskonzepte und filmdidaktische Impulse“ im Oktober 2009, „Von der Rezeption zur Produktion“ und „Analyse, Storyboard, Dramaturgie, Schnitt“ im März 2010 und „ShortCuts – Kurzfilm macht Schule“ im April 2011, im Oktober 2011 mit dem Thema „make / fake reality – Dokumentarfilm macht Schule“ erstmalig gemeinsam mit dem Filmarchiv Austria – Studienzentrum durchgeführt wurde.

Exemplarisch für die Möglichkeiten, die Filmfortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer bieten können, soll hier ein kurzer Seminarbericht gegeben werden – verbunden mit dem Hinweis, dass filmABC die Reihe „Film trifft Schule“ auch 2012 weiterführen wird.

Film trifft Schule 4: „make / fake reality – Dokumentarfilm macht Schule“


Für drei Tage verwandelt sich das Studienzentrum des Filmarchivs Austria im Augarten in eine Außenstelle der Pädagogischen Hochschule. 40 Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Österreich lassen sich als Gäste von filmABC, dem Organisator und Veranstalter der Fortbildungsreihe „Film trifft Schule“, von Filmschaffenden, Filmtheoretikern, Medienpädagogen und -spezialisten in Geschichte, Technik und auch Praxis des dokumentarischen Films begleiten.

Nach Einführung in den Ablauf und das Thema lässt Gerhardt Ordnung den dramaturgischen Hintergrund sowie die Rolle und Funktion des Drehbuchs im dokumentarischen Filmemachen anhand von ausgewählten Filmbeispielen transparent werden: „Dramaturgie und Storyentwicklung in dokumentarischen Filmformen?“ Schon als Fragestellung angelegt, spiegelt es auch die Unsicherheit in Fragen der Vermittlung wieder: Werner Herzog versus Elisabeth T. Spira! Kino gegen Fernsehen! Wird nicht oft fälschlich jede mediale Bearbeitung der Wirklichkeit im TV als Dokumentarfilm bezeichnet? Oder ist eine oftmalig ausgezeichnete Sendereihe wie „Universum“ etwas, das ein altgedienter Filmemacher wie z. B. Werner Herzog als Dokumentarfilm „durchgehen“ lassen würde? Was können Filme beim (jugendlichen) Zuschauer bewirken und wird Film hier nicht sehr oft im schulischen Kontext anlassbezogen eingesetzt? So dass er Fachinhalte unterstützt und illustriert, aber nicht als eigenständige (Kunst-)Form wahrgenommen wird? Mehr Fragen als Antworten, wobei es ein und Gerhardt Ordnungs Prinzip ist, eigene Verunsicherungen innerhalb des Seminars zu thematisieren und nicht bloßen Wissenstransfer zu bedienen.

„Inszenierte Wirklichkeiten – Wie Dokumentarfilme uns die Welt zeigen“ bringt Stefan Stiletto aus München mit. Stiletto, umtriebiger und geschätzter Medienpädagoge, der auch als Autor für filmABC-Materialien tätig ist, beginnt seine Lecture mit Workshop-Charakter mit einem einzelnen Bild. Langsam können sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über ihre eigene Wahrnehmung an den Bildkader (aus „Waltz with Bashir“) herantasten und lernen so einen Zugang zu Filmbildern und Filmgeschichten, der sich in Mikroschritten vollzieht. Die dann vorgeführte Anfangssequenz macht es transparent, wie Filmemacher – im Fall von „Waltz with Bashir“ noch durch die Technik des Zeichentricks verfremdet – sich selbst an Geschichten heranführen und auch deutlich, wie es zu dem zu Beginn gezeigten Bild im Verlauf der Erzählung kommt. Dieses anschauliche Exempel bleibt nicht das einzige, durch das Stefan Stiletto gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern handhabbare Methoden erprobt, wie Dokumentarfilm erklärt und wie diese Gattung sinnvoll in den Unterricht integriert werden kann.

Thomas Ballhausen, der Leiter des Studienzentrums im Filmarchiv Austria, vermittelt bei seinem Vortrag „Zur Bildstiftung des Dokumentarischen aus der Sicht des Archivs“ die Arbeit seines Hauses eingängig, gewährt dabei neue Blicke auf den Ort und die Institution „Archiv“ – und zeigt Ansätze, wie eine solche Einrichtung und ihr Bestand auch für Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler von Nutzen sein und von ihnen genutzt werden kann.

Wie Geschichte in der Form des Animationsfilm – vielleicht sogar besser als im gespielten Film – darstellbar gemacht werden kann, zeigt Benjamin Swiczinsky anhand seines vor kurzem beim Content Award als „Bester Short“ ausgezeichneten Diplom-Kurzfilms „Heldenkanzler“. Darüber hinaus erlaubt er interessante Einblicke in den gesamten Prozess der Animationsfilm-Produktion von der ersten Idee über die langwierige Entwicklung und Verwirklichung bis zur Verwertung des fertigen Films.

„Film trifft Schule“-Fortbildungen bieten stets auch Platz für die Präsentation neuer Projekte, durch die Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler einen aktiven Zugang zu Film – in diesem Falle zu Dokumentarfilm – finden können. Angelika Schuster und Tristan Sindelgruber von Standbild – Verein zur Förderung audiovisueller Medienkultur stellen die in Österreich von ihnen betreuten „One World Filmclubs“ vor, bei denen Schülerinnen und Schüler eigene Filmclubs mit gesellschaftlich relevanten Dokumentarfilmen initiieren können. Zudem demonstriert der Filmemacher, Medienkünstler und -dozent Manfred Neuwirth die von ihm mitkonzipierte e-Lecture „Was ist Dokumentarfilm?“, die im Bildungskontext über mediamanual.at frei zugänglich ist.

Ein wesentlicher Bestandteil von „Film trifft Schule“ sind praxisnahe und praktische Workshops: Beim Oktoberseminar gehört ein Nachmittag der Dokumentarfilmerin Maria Weber. Unter der inhaltlichen Vorgabe „Wie kann ich mit einfachsten Mitteln einen Dokumentarfilm drehen?“ schildert sie Erfahrungen aus ihrer Arbeit mit Jugendlichen und gibt Tipps und Tricks für Lehrkräfte, die sich an die Form des filmischen Dokumentierens wagen wollen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können das Erlernte unmittelbar selbst umsetzen – indem sie filmische Haikus zum Thema „Herbst“ erstellen und präsentieren. Zum Abschluss des Seminars werden die Lehrerinnen und Lehrer nochmals in die Pflicht genommen: sie können von ihnen betreute dokumentarische Schulfilm-Projekte vorstellen und diese diskutieren, sich Anregungen holen und eindrucksvoll zeigen, wohin eine funktionierende Film(aus)bildung führen kann.

Das Seminar wurde – wie alle anderen „Film trifft Schule“-Teile zuvor – von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr gut auf- und angenommen und im Feedback auch äusserst positiv bewertet. Vor allem die verschiedenen praxisnahen Zugänge zum Thema und die vielen wertvollen Anregungen für die konkrete Arbeit mit Dokumentarfilm im schulischen Kontext wurden hervorgehoben. Und auch das erstmals als Veranstaltungsort gewählte Studiokino im Filmarchiv Austria fand lobende Anerkennung – und hat für die im Filmbildungskontext nicht so abwegige besondere Kinoatmosphäre gesorgt. Dass just während des Seminars bei gleichzeitigem Herbsteinbruch die Heizung ausfiel, ließ sich dann auch verschmerzen, denn, so bemerkte eine Teilnehmerin im Nachhinein, „die interessanten RednerInnen ließen die Kälte vergessen.“ In diesem Sinne, und natürlich aufgrund des Erfolgs der ganzen Seminarreihe mit bislang insgesamt 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, wird „Film trifft Schule“ auch ein sechstes Mal stattfinden: von 14. bis 16. März 2012, wieder im Filmarchiv, dann unter dem Motto „Populäre Filmgenre in der Unterrichtspraxis“. Und bereits jetzt, im Dezember 2011, ist das Seminar schon so gut wie ausgebucht. Ab 2012 wird die Reihe dann auch in Vorarlberg gestartet, zudem bietet filmABC Filmfortbildungen in Kooperation mit verschiedenen Pädagogischen Hochschulen in weiteren Bundesländern an.

Informationen zum gesamten Aus- und Weiterbildungsangebot, zudem das kostenlos verfügbare Unterrichtsmaterial, Hinweise auf Filmvermittlungsveranstaltungen für Schülerinnen und Schüler sowie vielerlei hilfreiche Informationen zu Film- und Medienbildung bietet die filmABC-Internetseite unter http://www.filmabc.at/.

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filmbildung, filmvermittlung, filmabc