Praxis

4/2011 - Bildbewegungen/Räume des Filmischen

Über MedienBoxen und OktoBusse

aktive Videoarbeit an Wiener Pflichtschulen

AutorIn: Felix Studencki

Die Umsetzung eines Medienprojekts ist nicht immer leicht. Darum versucht die ZAG Medien interessierte Lehrer und Lehrerinnen so gut wie möglich dabei zu unterstützen.

Eine veränderte Situation

Gestern fohr‘ i mit der Tramway Richtung Favoriten.

Stimmt nicht ganz eigentlich bin ich mit der U2 Richtung Innenstadt unterwegs gewesen. Aber der Austropop Klassiker von Wolfgang Ambros hat mich auf der Fahrt begleitet. Bei der Einfahrt in den Tunnel wird mein Austropop Minikonzert jedoch abrupt durch einen Anruf unterbrochen. Da ich mich ohnedies von meinem Smartphone unterhalten lasse, ist es kein Problem den Anruf sofort entgegenzunehmen.

Schon interessant welchen gewaltigen Sprung die Medienwelt in den vergangen 10 Jahren hingelegt hat. Eindrucksvoll lässt sich das an mobilen Abspielgeräten nachvollziehen. Anfang 2001 wäre ich wohl noch mit meinem Disc- oder Walkman, 2 Jahre später mit meinem Mini Disc-Player und gegen Mitte des Jahrzehnts mit meinem Mp3-Player dagesessen. Heute habe ich lediglich meinen smarten Alleskönner in der Tasche. Mit ihm lässt sich aber nicht nur Musik abspielen, nein ich kann ebenfalls Musik aufnehmen, bearbeiten oder ganz Lieder selbst komponieren. Von der Aufnahme über die Bearbeitung bis hin zur Veröffentlichung ist alles mit dem kleinen Gerät möglich.  Dabei ist die Software die das Ganze ermöglicht sehr intuitiv bedienbar. Ohne große Vorkenntnisse ist es so auch für normale Anwender möglich eigene Produktionen ins Netz zu stellen.

Wie bei vielen Entwicklungen im medialen Bereich sind unsere Schüler und Schülerinnen auch bei dieser vorne mit dabei. Sie produzieren und veröffentlichen am laufenden Band. Laut der KIM Studie erstellen 30% aller Jugendlichen mehrmals in der Woche Videos mit ihren Smartphones. Die digitalen Begleiter sind ein wichtiger Bestandteil ihrer Kultur. Sie erlauben es aus der passiven Konsumentenrolle auszubrechen und selbst aktiv zu werden. Diese neue, unkomplizierte Art Medien selbst zu erstellen bringt aber auch große Gefahren mit sich. Klarerweise können Videos und Fotos auch dazu genutzt werden andere bloßzustellen. Deswegen sollte der  verantwortungsvolle Umgang mit Medien ebenfalls im Unterricht thematisiert werden.

Im Moment wird die Medienerziehung jedoch bestenfalls als „Beiwagerl“ angesehen. Eine Sache, die man erledigen kann, wenn die „wichtigen“ Dinge ihren Platz gefunden haben. Videos werden oftmals als Belohnung oder Zeitüberbrückung vor den nahenden Ferien benutzt. Dabei wird außer Acht gelassen, dass die Schüler und Schülerinnen in der heutigen Zeit oftmals einen uneingeschränkten Zugang zu jeglichem Medienmaterial über das Internet haben. Damit war die Medienbildung noch nie so wichtig wie heute. Der kritische Umgang mit Medien kann auch in Form eines Projektes geübt werden. Gerade durch die eigene Produktion eines Videos und der anschließenden Besprechung können Schüler und Schülerinnen sensibilisiert werden. Hier ist auch der zentrale Ansatzpunkt der ZAG Medien. Wir wollen den aktiven Umgang mit Medien fördern und den Lehrern und Lehrerinnen den Einstieg so gut wie möglich erleichtern. Dabei liegen unsere derzeitigen Schwerpunkte  in der Fortbildung von Lehrern und Lehrerinnen, der Bereitstellung von Equipment und in der Erschließung neuer Publikationswege.

Fortbildung

Gerade in der Produktion von Medien funktioniert ohne das nötige Know-How so gut wie nichts. Durch eine kurze Einführung in die Funktionsweise von Geräten und Programmen lässt sich viel Zeit gegenüber der Trail and Error Methode sparen. Die Fortbildung ist dabei nur der Startpunkt für die eigene Arbeit mit Medien im Unterricht. Bei der Fortbildung sollen Grundkenntnisse vermittelt werden auf denen später in der Arbeit mit den Schülern und Schülerinnen aufgebaut werden kann. Dabei ist uns jedoch die Nachbetreuung der Teilnehmer und Teilnehmerinnen genauso wichtig wie die eigentliche Schulung. Denn gerade bei der Arbeit mit Videos und Ton tauchen die Probleme meistens erst in der direkten Umsetzung vor Ort auf. Während der Fortbildung sind wir bemüht ausschließlich mit Material zu arbeiten welches den Lehrern und Lehrerinnen später auch zur Verfügung gestellt werden kann. Wird zum Beispiel ein Trickfilmseminar angeboten sollen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen gleich mit den Trickfilmboxen arbeiten die sie später auch ausleihen können. Somit sind sie schon mit dem Equipment vertraut und der Übergang von der Fortbildung zur Umsetzung in der Klasse ist ein Stück leichter geworden.

MedienBoxen

MedienBoxen beinhalten von der Kamera über das Stativ bis hin zum Laptop all das was für die Verwirklichung eines Medienprojektes gebraucht wird. Es wird kein zusätzliches Equipment benötigt. Auf dem Laptop sind bereits die notwendigen Schnittprogramme installiert und auf dem neuesten Stand. In jeder Box befindet sich eine detaillierte Anleitung die auf den jeweiligen Inhalt zugeschnitten ist.  Dadurch, dass jede Box von uns zusammengestellt und in Probeprojekten getestet wird, ist sichergestellt, dass Hard- und Software problemlos zusammenarbeiten. Bei der Auswahl der Hardware wird immer auf die einfache Bedienung geachtet. Die Energien sollen in die Verwirklichung der Projekte und nicht in die Beseitigung von Hardware Problemen fließen. Neben dem technischen Handbuch beinhaltet jede Box einige Anregungen für Projekte und dazu passendes Material. Zurzeit sind zwei unterschiedliche Boxen in Planung. Je nach Einsatzgebiet gibt es eine VideoBox und eine TrickfilmBox. Die Ausstattung der Boxen richtet sich dabei nach den aktuellen Fortbildungen.

VideoBox

Die VideoBox ist mit einer Videokamera, Stativ, Richtmikrofon und Schnittcomputer ausgestattet. Mit ihr lassen sich problemlos Reportagen, Filme und Dokumentationen produzieren. Durch das externe Mikrofon ist sichergestellt, dass die Klangqualität der Videoqualität nicht hinterherhinkt. Der Schnittcomputer ist auf die Bearbeitung von Videoinhalten ausgelegt und verkürzt die Arbeitszeit enorm.

TrickfilmBox

Wie der Name schon vermuten lässt, beinhaltet die Trickfilm Box die nötige Ausstattung um einen Trickfilm im Stopp-Motion-Verfahren zu erzeugen. Sie besteht aus Kamera, Stativ, Licht und Schnittcomputer. Da anders als bei Videoprojekten nur weniger Schüler und Schülerinnen an einer Station arbeiten können, ist in der TrickfilmBox, bis auf den Schnittcomputer, alles doppelt enthalten. Das heißt, dass zwei Schülergruppen parallel an ihren Trickfilmen arbeiten können.

Vorteile der Boxen

Für die meisten Schulen zahlt sich die Anschaffung eines eignen Equipments kaum aus. Die Geräte stehen die meiste Zeit ungenutzt herum und es ist nicht sicher, dass sie funktionstüchtig sind, wenn sie gebraucht werden. Durch die Anforderung einer Medienbox spart die Schule Geld und die Nerven des Projektleiters bzw. der Projektleiterin werden ebenfalls geschont.  Viele Geräte die sich an den Schulen befinden sind ohnedies veraltet. Gerade im Videobereich gibt es eine ständige Weiterentwicklung. Es kann davon ausgegangen werden, dass jegliches Equipment egal ob Hard- oder Software spätestens nach einem oder zwei Jahren zum alten Eisen gehört. Die MedienBoxen werden unter Einbezug der ZAG angeschafft und sind mit aktueller Technik ausgestattet.

Ein weiter Vorteil für den einzelnen Standort ist das Wegfallen der Wartung  bzw. das Ersetzen fehlerhafter Ausrüstung. Jede Box bleibt nur für einen begrenzten Zeitraum an einer Schule. Je nach Umfang des Projektes können die Boxen für einzelne Tage bis hin zu mehreren Wochen ausgeliehen werden. Das heißt nach einiger Zeit kommt jede Box zur Wartung wieder zurück. Am nächsten Standort ist sie damit wieder voll einsatzbereit.

OktoBus

Zusätzlich zu dem Know-How, welches in der Fortbildung erworben wird und der Umsetzung der Projekte mit Hilfe der MedienBoxen, ist die Veröffentlichung der Produktionen der letzte Bestandteil der Kette. In den kommenden Monaten wird eine  Schulfernsehsendung auf OKTO dem offenen Kanal in Wien ausgestrahlt werden. Die Sendung trägt den Namen OktoBus und wird von der ZAG Medien koordiniert. Ziel der Sendung ist es Filme sowie Reportagen die in der Schule entstanden sind einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Sendung dauert je nach Länger der Beiträge im Schnitt 10 bis 15 Minuten. Generell sollte ein Beitrag nicht länger als 5 Minuten sein. Wir sind stets bemüht, die Sendung so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Es kann alles vom Trickfilm über Reportagen bis hin zum Musikvideo gezeigt werden. Dabei steht jedoch nie die Professionalität im Vordergrund. Das eigentlich Wichtige ist ja schon vorher passiert, indem sich die Schüler und Schülerinnen mit dem Thema und dem Medium Video auseinandergesetzt haben. Aus eigener Erfahrung weiß  ich, dass die Motivation von Schüler und Schülerinnen spürbar zunimmt, wenn die geleistete Arbeit auch veröffentlicht wird. Alle nötigen Informationen für die Einreichung von Beiträgen findet man auf der Webseite www.zagmedien.edu.tc.

All unsere Bemühungen zielen darauf ab, den aktiven Medieneinsatz im Unterricht zu fördern. Dabei ist es wichtig die Hürden, die zweifelsohne bestehen, so gut wie möglich abzubauen. Die Umsetzung eines Medienprojektes bedarf eines immensen Kraftaufwandes. Darum ist unser erklärtes Ziel die Lehrer und Lehrerinnen durch gezielte Beratung und Betreuung zu unterstützen.

Tags

videoarbeit, video, support, zag