Praxis

3/2011 - Von der IKT zur Medienbildung

Pornos und Schule? Wie passt denn das zusammen?

AutorIn: Barbara Buchegger

„Kinder schauen angeblich so viel Pornos. Wie sollen wir damit in der Schule umgehen?“, diese Frage wird saferinternet.at immer wieder auf Schulungen gefragt. Lehrende beschäftigt es mal mehr, mal weniger: Der Umgang mit Pornos im Zusammenhang mit Schule.

Pornos sind immer ein geeignetes Mittel für Schüler/innen, um Grenzen in der Schule höchst wirkungsvoll zu übertreten. Seien es Filme am Handy, die an jüngere Schüler/innen weitergegeben werden oder das gemeinsame Betrachten von Pornos am Schulcomputer im Rahmen der Nachmittagsbetreuung oder den Pausen. Auch Provokationen von Lehrenden kommen immer wieder vor, wenn plötzlich aus dem Drucker des EDV-Saales nur noch "Nackerte" herauskommen und dieser sich nicht mehr stoppen lässt.

Pornos in der Schule, am Schulcomputer und auf den Handys der Schüler/innen spielen also immer wieder eine Rolle, die Lehrenden sind immer wieder gezwungen, darauf sinnvoll zu reagieren. Dabei ist den Lehrenden einmal ganz bewusst, dass sie dies nicht einfach ignorieren können, die meisten wissen, dass sie auf Grund des Urheberrechtes und den jugendgefährdenden Inhalten darauf reagieren sollten[1].

Pornos am Schulcomputer scheinen in den letzten Jahren weniger ein Problem zu sein, da die Verbreitung von Internet im privaten Umfeld immer weiter steigt. Im Sinne der Grenzüberschreitung oder Mutproben für jüngere Schüler/innen bleiben sie aber nach wie vor aktuell.

Pornos spielen also in der Schule vor allem eine Rolle:

  • Provokation von Lehrenden, vor allem unsichere Lehrer/innen, die wenig Erfahrung mit dem Einsatz des Internets haben;
  • Mutproben, wenn ältere Schüler/innen jüngeren Pornos oder andere Filme mit jugendgefährdenden Inhalten zeigen/schicken;
  • Im Rahmen des Aufklärungsunterrichtes, wenn thematisiert wird, dass Pornographie nichts mit gelebter Sexualität zu tun hat;

Wie kann die Schule nun hier reagieren?

Mehrere Maßnahmen können sinnvoll sein.

Weiterbildung von Lehrenden

Eine der wichtigsten wird die Weiterbildung von Lehrenden sein. Der kompetente Umgang mit Computer und Internet ist eine wichtige Voraussetzung, damit die Provokation von Lehrenden weniger gut gelingt. Wenn eine Lehrkraft weiß, wie sie den Druckauftrag für die „Nackerten“ schnell wieder löschen kann, ohne sich besonders aufregen zu müssen, ist dies schon weniger interessant. Wenn auch Lehrkräfte die wichtigsten einschlägigen Seiten kennen, an denen Pornos relativ einfach zu finden sind und daher schon beim Aufrufen der ersten Seite dieser Angebote reagieren können, dann werden die Grenzüberschreitungen weniger spannend sein. Dieses Wissen ist auch notwendig, um jüngere Schüler/innen vor den Mutproben der älteren zu schützen. Immer wieder wird von Vorfällen berichtet, wo kleinere Schüler/innen mit Filmen mit pornographischen Inhalten (oft auch in Kombination mit gewalthaltigen Inhalten) konfrontiert werden, obwohl eine Lehrkraft im Raum anwesend ist. Jüngere Schüler/innen können mit diesen Inhalten aber noch nicht gut umgehen, es können traumatische Erfahrungen daraus entstehen. Lehrende, die hier Aufsicht haben, sind hier aber oft besonders gefordert, sich mit der Lebenswelt der Kinder zu beschäftigen, damit auch Kenntnis über diese Bereiche zu erlangen.

Sperren und Filter

Manche Schulen haben darüber hinaus die wichtigsten Seiten mit pornografischen Inhalten gesperrt. Dies ist jedoch eher nur bei jüngeren Schüler/innen (Volksschule) eine wirklich sinnvolle Maßnahme, da ältere Jugendliche Mittel und Wege finden werden, solche Sperren zu umgehen bzw. es ein großer Aufwand für die Schule selbst ist, diese Listen aktuell zu halten. Auch ist es immer wieder problematisch, wenn dann Inhalte im Zuge des Unterrichtes nicht genutzt werden können, weil diese durch das Filterprogramm gesperrt wurden, aber Fachinhalte sind.

Aufklärungsunterricht

Immer mehr Lehrende versuchen im Zuge des Aufklärungsunterrichtes einen kurzen Exkurs in den Bereich der Pornografie. Inhalt dabei ist es, darauf hinzuweisen, dass es sich bei Pornos nicht um Sexualität handelt, sondern um eine „inszenierte Sexualität“, die mit der gelebten Realität herzlich wenig zu tun hat. Ideen für den Unterricht bietet klicksafe.de mit einem sehr umfangreichen Handbuch für die Schule : Let’s talk about Porno.

Selbstdarstellungen von Kindern und Jugendlichen (Posing)

Immer jüngere Kinder und Jugendliche neigen dazu, sich in sexuell aufreizenden Posen zu präsentieren, auch wenn dies noch gar nicht ihrer körperlichen Entwicklung entsprechen würde. Beeinflusst durch Medien, Werbung, Musik und dem Verhalten der eigenen Peers werden Bilder von sich selbst erstellt, die sexuell aufreizend wirken. Vor allem jüngere Jugendliche können dies in der Konsequenz aber nicht abschätzen und werden dadurch auch immer wieder Opfer von Grooming (Anbahnung von Kontakten im Internet mit dem Ziel der sexuellen Belästigung oder Missbrauches).

Im Zuge des Informatikunterrichts oder der Bildnerischen Erziehung wird durch Lehrende immer wieder thematisiert, wie Selbstdarstellungen wirken können bzw. wie man sich selbst darstellen kann, ohne dieser Gefahr ausgesetzt zu sein.

Nicht die Sexualität der Jugendlichen hat sich in den letzten Jahren verändert, sehr wohl aber ihre Informationsmöglichkeiten zum Thema. Die Schule ist damit immer wieder konfrontiert, auch wenn es nicht ein Kernthema ihrer Arbeit ist. Je besser Lehrende sich mit der Materie und digitalen Medien im Allgemeinen beschäftigt haben, desto weniger Probleme schaffen Pornos im Schulalltag.

Infos zum Thema:

Für Pädagog/innen:

Let’s talk about Porno. Arbeitsmaterialien für Schule und Jugendarbeit. Klicksafe.de, 2011.
https://www.klicksafe.de/themen/problematische-inhalte/pornografienutzung/index.html

Für Eltern:

Sexualität und Internet. Elternratgeber. Saferinternet.at und bmwfi, 2011.
http://www.saferinternet.at/uploads/tx_simaterials/Elternratgeber_Sexualitaet_und_Internet.pdf

 


[1] http://www.bmwfj.gv.at/Jugend/Jugendschutz/Seiten/Jugendgef%C3%A4hrdendeGegenst%C3%A4nde.aspx

 

Tags

aufklärungsunterricht medienkompetenz