Praxis

1/2011 - Politik/Macht/Medien

„Vertrauen ist besser, weil Kontrolle nutzt nix!“ – Safer Internet Aktionsmonat 2011

Mehr als 200 Schulen machen mit: Projekte und Ideen aus österreichischen Schulen

AutorIn: Barbara Buchegger

Am 8. Februar 2011 fand bereits zum achten Mal der Europäische Safer Internet Day statt. In diesem Jahr waren die österreichischen Aktivitäten rund um den Safer Internet Day erstmals nicht nur auf einen einzelnen Tag konzentriert, sondern verteilt auf einen ganzen Monat. Unter dem EU-weiten Motto „It's more than a game, it's your life!“ hatten Saferinternet.at und das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur eingeladen, eigene Projekte zu starten und vorzustellen.

Februar 2011. Ein Projektpartner fragt beim Saferinternet.at-Team nach, welches Event denn für den diesjährigen Safer Internet Day geplant sei. Die Antwort erfolgte in Form einer Liste an Veranstaltungen, die an Schulen in ganz Österreich stattfinden. Im Jahr 2011 ist also alles ganz anders, Saferinternet.at kommt in die Schulen. Doch nicht (nur) in Form von Expert/innen und Vorträgen, viel mehr in Form von Aktionen und Projekten, von den Schulen direkt umgesetzt.  SchülerInnen werden selbst zu ExpertInnen, machen Plakate, Musik, Filme. Schüler/nnen unterrichten andere SchülerInnen und Eltern. Sie setzen sich kreativ mit vielleicht trockenen Themen auseinander und suchen ihren eigenen Weg der Umsetzung.

Von der VS zur HAK: Projekte über Projekte

Seit Beginn des Schuljahres 2010/11 wurden Schulen aufgefordert, sich für den Saferinternet-Aktionsmonat zu registrieren und ein Informationspaket zu bestellen. Über 200 Schulen kamen dieser Aufforderung nach. Ein paar kurzentschlossene Schulen folgten noch im Februar.

Doch in den meisten Schulen waren die Projekte von langer Hand geplant und wurden von einem Team aus Lehrenden und SchülerInnen umgesetzt.

Langfristig verankern

Viele Schulen sahen diese Aktivitäten zwar als einen Anreiz, ein einmaliges Projekt zu machen, doch erkannten sie ebenso die Notwendgkeit, sich längerfristig mit der Thematik zu beschäftigen. Viele Schulen gaben an, diese Maßnahmen regelmäßig wiederholen zu wollen, das BG/BRG Perau verankerte sie sogar im schulautonomen Lehrplan für die 2. Klassen als Pflichtmodul.

Die Schwerpunkte der Schulen waren so vielfältig, wie die umgesetzten Projekte. Dabei wurden in vielen Schulen vor allem die Eltern und SchülerInnen als Zielgruppen angesprochen. Lehrenden-Weiterbildung war eher die Ausnahme.

Kreative und aktive SchülerInnen

Durch viele der Projekte zieht sich die aktive Beteiligung der SchülerInnen, in vielen Fällen mit sehr kreativen Zugängen. Die Ergebnisse sind vor allem dann beeindruckend, wenn die Maßnahme längere Zeit und in mehreren Fächern begleitet wurde. So begleitete das RG/ORG Oberschützen das Projekt im Rahmen des Informatikunterrichtes mit der Vermittlung des Grundwissens zur Bild- und Videobearbeitung von November 2010. Dadurch konnte eine Fülle an Material erstellt werden (Vgl. http://www.evang-musikgym.at/sid2011/sid2011.html).

Die BHAK Wolfsburg führte eine schuleigene Safer-Internet-Messe mit Informationsständen, Video-Darbietungen und Führungen für Schulklassen durch.

Andere Schulen stellten in einem Jahrgang einen Tag unter das Motto „Safer Internet Day“ und arbeiteten dann in vielfältiger Weise mit den Klassen. Immer wieder wurden solche Aktionstage dann mit einem Elternabend ergänzt. In der AHS Heustadelgasse präsentierten SchülerInnen der 2.Klassen ihre Ergebnisse zum Thema „Cybermobbing“.

Schwerpunkt Cyber-Mobbing

Cyber-Mobbing war ein Thema, das an vielen Schulen in vielfältiger Art und Weise bearbeitet wurde. Es wurden Plakate, Story-Boards, Photo-Stories, PowerPoint-Präsentationen oder Lieder zum Thema erstellt. So wurden in der Informatikhauptschule Gmünd u.a. Trickfilme entwickelt. Im BG Hallein wurde dem Thema sogar eine Schularbeit gewidmet.

An einigen Schulen wurden Eltern gezielt angesprochen, sich mehr mit dem Thema zu beschäftigen. Die VMS Bludenz ging dabei einen besonders eindruckvollen Weg: in einem tollen Event, an dem viele SchülerInnen und Lehrende beteiligt waren (von Live-Darbietungen bis zu einem Cocktail-Buffet) wurden Eltern an die Schule „gelockt“, um ihnen einen vorerst niederschwelligen Zugang zum Thema zu ermöglichen. Weiterführende Elternabende mit ExpertInnen sind dann leichter umzusetzen.

Das BRG Heustadelgasse setzte neben den SchülerInnen-Initiativen und einem Elternabend auch eine Schulvereinbarung zum Thema um.

Zielgruppe Eltern

Einige Schulen nutzten die Kompetenzen ihrer SchülerInnen, um auf Eltern zuzugehen. Unter dem Motto „Alt lernt von Jung“ schulten die SchülerInnen der NMS Marianum Steinberg ihre Eltern im sicheren Umgang mit E-Mail und der Internet-Nutzung. Beim Elternabend des BRG Schoppenhauerstraße standen die SchülerInnen der 8. Klasse als ExpertInnen den Eltern mit Rat und Tat als Ansprechpersonen an Computern zur Verfügung. Das BG Hallein veranstalte einen zu „Facebook-Workshop“ für Eltern.

Die Tatsache, dass  SchülerInnen anderen SchülerInnen in Bezug auf Internet und Handy mehr Glauben schenken, als Erwachsenen, nutzten ebenso einige Schulen: So bildeten die BRG Laaberg und BRG Schwechat MultiplikatorInnen aus, die dann die SchülerInnen der eigenen Jahrgänge und jüngerer SchülerInnen schulten. Die SchülerInnen der GRG Hagenmüllergasse erstellten zahlreiche Handouts wie Flyer und PowerPoint-Präsentationen. SchülerInnen einer anderen Schule erstellten Tipps, die auf http://www.facebook.com/saferinternetat von den SchülerInnen selbst veröffentlicht wurden.

Chatten und Online Identitäten für die Jüngsten

In einigen Volksschulen wurden eigene Projekte gestartet, die sich auf spielerische und spannende Art und Weise mit der Materie beschäftigen: in den Volksschulen Bad Vöslau und Lehen stand das Chatten im Mittelpunkt der Aktivitäten. In der VS Dopschstrasse wurde in einem Projekttag die Online-Welt mit Offline-Analogien auf künstlerische Art und Weise in einem Stationenbetrieb umgesetzt.

Schulübergreifende Initiativen

Bemerkenswert sind auch die Initiativen, bei denen sich mehrere Schulen zusammengeschlossen hatten, um miteinander den Tag zu begehen.  Am 8. Februar organisierten vier Salzburger Schulen einen hochkarätigen Vortragenden und erstellten gemeinsam mit den Salzburger Nachrichten eine Zeitungsbeilage.

Im Burgenland begingen 20 eLSA Schulen den letzten Tag des Monats mit einer eLSA Night und vernetzten sich über Videokonferenzen miteinander. Ein Quizz für alle beteiligten Schulen bildete den Rahmen für zahlreiche lokale Veranstaltungen.

Umfragen und Fragebögen

Um besser Bescheid zu wissen, womit ihre SchülerInnen so konfrontiert sind, führten einige Schulen Befragungen unter diesen durch.  In Salzburg wurde, ausgehend vom Salzburger Abendgymnasium, eine besonders große Initiative gestartet (Vgl. http://www.abendgymnasium.salzburg.at/). Mit dem 8. Februar hatten sich bereits 1.200 Personen an der Umfrage beteiligt, da diese aber bis Ende Februar offen bleibt, ist mit einer noch größeren Anzahl zu rechnen. In der NMS Andau führten die SchülerInnen der 4. Klasse eine Umfrage unter ihren SchulkollegInnen durch, um die genutzten Netzwerke zu eruieren. Vor allem für die Lehrenden der Schule waren die Ergebnisse eindrucksvoll, da sie sich vorher nur selten mit dieser Frage beschäftigt hatten. Auch im BG Hallein erstellten die Schüler/inneneine Umfrage durch, hier werteten die SchülerInnen der 1. Klasse die Ergebnisse aus.

Schwerpunkt im Unterricht

An vielen weiteren Schulen war dem Thema ein Teil des Unterrichtes gewidmet, oft mit Unterstützung von E-Learning, z.B. in Form eines Kurses auf einer Lernplattform. In der Europaschule Baumgartenberg beispielsweise erstellten SchülerInnen sichere Profile in einem „Netzwerk für Robin Hood“.

Die Vielfalt der Gegenstände, die an diesen Aktionen beteiligt waren, spiegelt die Breite der Möglichkeiten wider: Nicht nur Informatik, Deutsch oder Sprachen, sondern auch Musik und Bildnerische Erziehung kamen zum Einsatz.

Fazit

Die thematische Vielfalt der eingereichten Projekte zeigt, wie wichtig den Schulen eine Auseinandersetzung mit der sicheren und verantwortungsvollen Internetnutzung ist. Im Anschluss an den Aktions-Monat werden im Rahmen des Kongresses „Kinder und digitale Medien“ aus allen schulischen Aktivitäten drei besonders gelungene Projekte gekürt. Gleichzeitig entsteht eine Beispiel-Sammlung, die zukünftig allen Lehrenden als Anregung zur Verfügung stehen wird.

Es bleibt zu hoffen, dass die Projektideen auf fruchtbaren Boden fallen und in Zukunft zahlreiche weitere Schulen zum Mittun anregen können!

Eine Zusammenstellung und nähere Informationen zu den Projekten finden sich unter http://moodle.saferinternet.at/.

PS: Den Titel dieses Artikels verdanken wir der Allgemeinen Sonderschule Langenstein, die in ihrem Vorhaben ,die SchülerInnen langfristig bei der Nutzung der schülereigenen Notebooks zu unterstützen auf diese Formulierung kam. Vertrauen in die SchülerInnen statt Kontrollieren zahlt sich aus!

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