Praxis

1/2011 - Politik/Macht/Medien

"AderCast"

Podcasting an einer Hauptschule

AutorIn: Felix Studencki

Ein Jahr lang produzieren wir jetzt schon unseren eigenen Podcast. Wie es funktioniert, lesen Sie hier.

Ein bisschen mehr als ein Jahr ist es her, seitdem die erste Sendung auf unserem Schulpodcast „AderCast“ ausgestrahlt wurde. Seitdem ist viel geschehen, wir haben ständig weiter produziert und sind um 14 Sendungen und um Einiges an Erfahrung reicher. Das Podcastprojekt an unserer Schule steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. Wir entdecken mit jeder weiteren Sendung neue Möglichkeiten, Podcasts sinnvoll einzusetzen. Die Schule, der Unterricht und die Umgebung der SchülerInnen bringen uns immer wieder auf neue spannende Ideen. Oder hätten Sie schon von einer Sendung über ein Tagebuch eines Goldfisches gehört? Falls es Sie interessiert, können Sie es bald auf unserem Podcast anhören.

Was ist ein Podcast überhaupt?

Podcast sind Audiodateien, die man über das Internet anhören kann. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: entweder man hört sie direkt auf einer Homepage an oder man hat ein Programm, welches die neuen Audiodateien selbständig herunterlädt. Einen sogenannten Podcatcher. Ein relativ weit verbreitetes Programm, mit dem das unkompliziert funktioniert, ist iTunes von Apple. Die zwei Möglichkeiten lassen sich leicht an unserem Podcast demonstrieren.

Möglichkeit 1:

Um die einzelnen Sendungen von unserem Podcast abrufen zu können, muss man nur von unserer Schulhomepage auf die Unterseite „Radio“ gehen. Dort kann man sich direkt im Browser die einzelnen Beiträge anhören, ohne dass ein zusätzliches Programm installiert werden muss. Oder man folgt einfach dem Link und kommt direkt hin. http://www.schule-aderklaa.at/blog/

Möglichkeit 2:

Wenn man nicht alle paar Tage auf die Homepage schauen will, gibt es eine andere Möglichkeit. Man muss wieder auf die Radiowebseite. Nur wählt man diesmal den Punkt „Entries (RSS)“ aus. Es öffnet sich eine neue Seite. Die URL-Adresse dieser neuen Seite muss man kopieren und in die Podcatcher-Software einfügen. Unter iTunes geht das unter Erweitert/Podcast abonnieren. Jetzt scheint der Podcast in iTunes auf und jedes Mal wenn eine neue Sendung online geht, lädt sie das Programm automatisch runter.

Vorteile von Podcasts:

Podcasts besitzen im Gegensatz zum Internetradio den Vorteil, dass nicht die ganze Zeit gesendet werden muss. Die Dateien können in unregelmäßigen Abständen hochgeladen werden. Jede/r AbonnentIn bekommt sie dann zugeschickt oder man kann sie sich auf der Homepage anhören. Damit ist man nicht verpflichtet, ständig neue Sendungen zu produzieren.

Die Anfänge

Sind Sie vielleicht auch ein Mensch, der gerne mit neuen, technischen Spielereien herumexperimentiert? Oder haben Sie mit Podcasts, Blogs, Wikis und Ähnlichem nur am Rande zu tun? Ich für meinen Teil liebe es, neue Sachen auszuprobieren. Leider muss ich gestehen, dass es meistens dabei bleibt. Ich teste eine Sache so lange aus, bis ich sie in den Grundzügen verstanden habe und ohne Probleme einsetzen kann. Dann verliere ich meistens schnell das Interesse. So wäre es eigentlich auch ums Podcasting bestellt gewesen. Ich hatte alles soweit verstanden und auch schon mal eine Sendung aufgenommen und bearbeitet und damit mein Ziel erfüllt. Längst beschäftigten mich schon neue Herausforderungen, als mir die Idee kam, dass Podcasts eigentlich das ideale Medium für ein Schulradio wären. Da ich das technische Know-how bereits besaß, waren die ersten Schritte schnell erledigt. Ich richtete einen Podcast auf unserer Schulhomepage ein und nahm eine kurze Ansage auf. Diese kreative Meisterleistung á la „Herzlich Willkommen auf unserem Schulpodcast…“ war jedoch genug, um die nötige Unterstützung und vor allem das nötige Geld zu bekommen. Denn Eines war klar: Wenn Podcasting, dann nur mit professionellem Equipment. Zugegeben, wie im Artikel noch beschrieben wird, wäre es auch viel billiger gegangen, aber da kam wieder meine Affinität für Technik durch. Also mit Geld und Tatendrang ging es ans Aufbauen eines Studios. Schnell war ein externes Audiointerface - das ist im Grunde eine bessere Soundkarte -, ein Studiomikrofon und ein Mischpult besorgt. Im nächsten Schritt ging es darum, ein Studio im Schulhaus einzurichten. Natürlich wäre es auch möglich gewesen, für jede Sendung das Equipment auf- und nachher wieder abzubauen, aber das erschien mir über die Zeit dann doch ein wenig zu mühsam. Außerdem ist es gut, einen zentralen Anlaufpunkt für interessierte SchülerInnen zu haben und das Equipment in Sicherheit zu wissen. Dabei ging die vermutete Gefahr jedoch eher von Kollegen aus, die eine gewisse Leidenschaft besitzen, Dinge im Schulhaus zu verstreuen, als von den SchülerInnen. Über mehrere Umwege und Übersiedlungen ist es mir dann gelungen, einen endgültigen Ort für das Studio zu finden. Seitdem wird in unserem Schulhaus in einem Kammerl im Erdgeschoss munter produziert.

Das Equipment

Podcasting ist eine wunderbare Sache. Selten hat es etwas gegeben, bei dem man mit so wenigen Mitteln so viel erreichen konnte. Im Grunde beschränken sich die Kosten für eine Schule auf den Kauf eines Headsets für 20 bis 30 Euro, um aktiv in die Welt des Podcastings einsteigen zu können. Die anderen Dinge, die notwendig sind, findet man in jeder Schule. Ich kann zwar hier nur von den Erfahrungen, die ich an einer Wiener Hauptschule sammeln konnte, ausgehen, aber ich denke, dass die Grundausstattung an jeder Schule vorhanden ist. Hier eine kurze Aufzählung der einzelnen Teile.

Podcasting für fast nix:

Computer:

Zum Produzieren eines Podcasts braucht man einen Computer. Es muss kein besonders guter oder neuer sein. Ich habe schon auf vielen Computern Podcasts produziert und es ist mir noch keiner in unserm Schulhaus untergekommen, der nicht dazu ausgereicht hätte.

Headset:

Grundsätzlich lässt sich ein Podcast mit jedem Mikrofon aufnehmen, das an einem Computer angeschlossen werden kann. Es eignen sich auch Mikrofone, die in Laptops und Bildschirmen verbaut sind. Meine Erfahrung war es jedoch, dass das Headset das Nadelöhr darstellt. Der Podcast kann immer nur so gut sein, wie es das schwächste Glied in der Kette zulässt. Billige Headsets und integrierte Mikrofone sollte man meiner Meinung nach nicht für die Aufnahme von Podcasts verwenden. Normale Podcastsendungen dauern meistens über mehrere Minuten und das permanente Rauschen, das durch ein billiges Mikrofon entsteht, ist für den Zuhörer unzumutbar. Ich musste schon des Öfteren eigentlich tadellose Sendungen aufgrund schlechter Qualität neu aufnehmen. Die Investition in ein vergleichsweise gutes Headset lohnt sich auf jeden Fall. Gute Erfahrungen machten wir mit dem LX3000 um 30 Euro von Microsoft.

Das Headset wird mittels USB-Stecker an den Computer angeschlossen und nutzt die bereits eingebaute Soundkarte für die Aufnahme. Die Aufnahmequalität ist für den Preis sehr akzeptabel. Es rauscht zwar ein wenig, jedoch nur so leise, dass es nicht weiter auffällt. Das Headset funktioniert ohne Installation von Treiber und Software unter Windows, Linux (getestet mit Ubuntu) und Mac OSX. Damit ist es ein richtiger Allrounder und durch den verhältnismäßig niedrigen Preis kann man es auch schon mal SchülerInnen mit nach Hause geben.

Zusammenfassend ergibt sich:

Aufnahmeprogramm:

Liest man sich ein wenig in die Thematik ein, wird man zwangsläufig über einen Namen stolpern: Audacity. Das ist ein kostenloses Audiobearbeitungsprogramm. Es kann im Internet heruntergeladen werden. Audacity läuft auf allen gängigen Betriebssystemen. Das Programm glänzt durch seine einfache Bedienung und die Aufnahmequalität. Alle wichtigen Funktionen sind über große Bedienelemente schnell erreichbar. Wer schon einmal mit einem alten Kassettenrecorder aufgenommen hat, wird sich gleich zu Hause fühlen. Wichtige Funktionen wie Aufnahme, Pause und Stopp sind mit den gewohnten Zeichen gekennzeichnet. Mit Audacity lässt sich sehr schnell eine Podcastsendung aufnehmen und mit Musik oder anderen Geräuschen unterlegen. Die genaueren Funktionen und den Umgang mit der Software kann man durch viele Tutorials lernen, die es gratis auf diversen Videoplattformen gibt. Ein gutes Tutorial findet man auf der Videoplattform Youtube unter http://www.youtube.com/watch?v=wEqppUeWTtQ.

Podspace:

Um einen Podcast unter die Hörer bringen zu können, benötigt man Speicherplatz. Dieser Speicherplatz wird auch als „Podspace“ bezeichnet. Es gibt zwei Möglichkeiten zu einem Podspace zu kommen. Die erste ist, sich selbst einen zu basteln. Das geht dann gut, wenn man Zugriff auf einen Webspace hat und auch noch über die nötigen Rechte und das Know-how verfügt. Es hat mehrere Wochen gedauert, bis ich die ganzen Informationen gesammelt hatte. Leichter wäre es gewesen, einen Podspace im Internet zu mieten. Es gibt einige Anbieter, die kostenlose Podspaces zu Verfügung stellen. Ich habe schon einmal einen Podcast auf www.podhost.de veröffentlicht. Das hat auch tadellos funktioniert. Die einzige Einschränkung ist dabei, dass man nur 30MB pro Monat hinaufladen darf. Das entspricht ca. einer halben Stunde pro Monat. Also mehr als ausreichend für den Anfang. Der Podcast ist dann unter podhost.de abrufbar und kann z.B. über die Schulhomepage verlinkt werden.

Sendungen

Mit Computer, Headset, Audioeditor und Podspace hätten wir alle notwenigen Zutaten für einen Podcast beisammen. Wie die Produktion von der Idee bis hin zum fertigen Podcast funktioniert, möchte ich an einem konkreten Beispiel darstellen.

Vor einem Monat hatten wir wieder einmal eine Redaktionssitzung. Bei diesen Gelegenheiten trifft sich das gesamte Podcastteam im Studio. Normalerweise sind dann fünf bis sieben SchülerInnen und ich anwesend. Es wird über die nächste Sendung gequatscht, wer Ideen hat und wie es mit den Beiträgen im Generellen aussieht.

Zwei Schülerinnen hatten von einem anderen Lehrer den Auftrag bekommen, ein Referat über den Schokoladehersteller Milka zu machen. Sie fragten mich, ob sie eine Podcastsendung über das Referat machen könnten. Somit konnten sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Einerseits hatten sie ein Thema für ihre nächste Sendung und andererseits half ihnen die Auseinandersetzung mit dem Thema auch bei ihrem Referat. Normalerweise schlage ich SchülerInnen vor, Themen auf Internetseiten zu suchen, die fertige Referate zum Download anbieten. Eine von diesen Seiten ist z.B.: www.fundus.org. Die Referate sind eine gute Ausgangsbasis für eine Sendung, da sie meistens die relevanten Informationen über ein Thema beinhalten und für eine mündliche Präsentation vorgesehen sind. Meistens reicht die Information, die in einem Referat steht, schon für eine Sendung aus. Je nach Können und Interesse der SchülerInnen wird dann noch zusätzliche Information gesucht oder überlegt, wie man das Referat für eine Sendung adaptieren kann. Das Thema Milka wurde leider noch nicht behandelt. Da die Schülerinnen aber sehr gut im Recherchieren waren und kein Problem damit hatten, sich Informationen selbst zu besorgen, war das auch nicht wirklich eine Herausforderung. Weil die Zeit nicht reichte, um mit den Aufnahmen in der Schule zu beginnen, bekamen die Schülerinnen ein Headset mit nach Hause. Wir hatten den Umgang mit Headset und Audioprogramm schon mehrmals in der Schule geübt, deswegen ging ich davon aus, dass es zu keinen technischen Schwierigkeiten kommen würde.

Nach zwei Wochen trafen wir uns bei der nächsten Redaktionssitzung wieder. Wie zu erwarten hatten die Schülerinnen es ohne Probleme geschafft, das Referat aufzunehmen. Das einzige Problem war, dass ihre Sendung mit einem kopiergeschützten Lied unterlegt war. Da wir nicht die nötigen Rechte für das Lied hatten, mussten wir es ändern. Eine gute Quelle für freie Musik ist das Portal www.jamendo.de. Hier findet man eine große Auswahl an unterschiedlichen Songs. Nachdem wir die Musik ausgetauscht hatten, mussten wir die Sendung noch als mp3-Datei speichern.

Um die fertige Sendung zu veröffentlichen, brauchten wir uns nur mehr auf unseren Podspace einloggen und die Datei hochladen.

Abschließende Gedanken

Wenn man nicht probiert, alles alleine zu lösen, sondern auf vorgefertigte Lösungen zurückgreift, ist Podcasten eine ganz leichte Sache, die viel Spaß macht. Man benötigt lediglich ein grundlegendes Wissen, das jeder besitzt, der schon einmal erfolgreich ein Emailkonto eröffnet hat. Die SchülerInnen sind mit voller Begeisterung dabei und die Ausgaben bewegen sich zwischen 20 und 30 Euro ... also ein durchaus leistbares Vergnügen für jede Schule.

Themen die bereits zu einem Podcast wurden

  • Gesunde Jause an der Schule:

http://www.schule-aderklaa.at/blog/?p=130

  • Reportage über ein Kabarett an unserer Schule mit Interview der Künstlerin:

http://www.schule-aderklaa.at/blog/?p=139

  • Vorstellungsrunde der KandidatInnen der SchulsprecherInwahl:

http://www.schule-aderklaa.at/blog/?p=119

  • Beiträge über Beatboxen:

http://www.schule-aderklaa.at/blog/?p=46

  • Ein Ausflug der 1. Klassen nach Schönbrunn:

http://www.schule-aderklaa.at/blog/?p=22

  • Ein Interview mit einer Lehrerin über den Abschied der 4. Klassen:

http://www.schule-aderklaa.at/blog/?p=92

 

 

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podcast, hauptschule, schule