Praxis

3/2010 - Cultural Diversity

Radioarbeit im Deutsch als Fremdsprache (DaF)-Unterricht und internationale Radiopartnerschaften

AutorIn: Gerhard Grabner

Im Auftrag des BMUKK setzt der Verein "Kultur und Sprache" seit einigen Jahren Radio in seinen Fortbildungen für ausländische DaF-LehrerInnen ein. Nun wurde im Rahmen eines EU-Grundtvig-Projekts ein Radiomodul entwickelt, das allen Interessierten das nötige Know-how für den richtigen Gebrauch der Radiotechnik vermittelt und deren Einsatzmöglichkeiten im Bildungsbereich zeigt.

Im Zuge dieser Bemühungen veranstaltet "Kultur und Sprache" im Rahmen eines internationalen Fortbildungsangebotes für DaF im November 2010 erstmals ein Seminar, das die Vernetzung von österreichischen RadiomacherInnen mit internationalen PartnerInnen gewährleisten soll.

 

Der Verein „Kultur und Sprache" ist im Auftrag des österreichischen Bildungsministeriums (Abt. IA/6c  Referat „Kultur und Sprache“) seit vielen Jahren im Bereich der Erwachsenenbildung tätig und bietet internationale Fortbildungen im Bereich der Landeskunde und Didaktik von DaF/Deutsch als Fremdsprache für LehrerInnen und MultiplikatorInnen an.

Diese Seminare dauern in der Regel zwei Wochen und finden, abhängig vom jeweiligen Seminarthema und -schwerpunkt, an verschiedenen Orten in Österreich statt. Sie werden vereinzelt als bilaterale, mehrheitlich jedoch als international gemischte Veranstaltungen durchgeführt. Im Rahmen unserer Fortbildungsangebote wurde in den vergangenen Jahren in zahlreichen Seminaren die Auseinandersetzung mit dem Medium Radio zu einem wichtigen Bestandteil unserer Arbeit. Dabei werden die KursteilnehmerInnen nicht in ihrer Rolle als RezipientInnen angesprochen, vielmehr geben wir ihnen Radio als ein Instrument zur aktiven Auseinandersetzung mit ihrer Umgebung in die Hand. In den Seminaren von „Kultur und Sprache“ ist als didaktisches Prinzip das Lernen vor Ort – in fremdsprachlicher und fremdkultureller Umgebung – zentrales Ziel der Fortbildung.

Zur Erreichung dieses Ziels erfolgt im Kontext der Arbeit mit Radio anfangs eine medienpädagogische Einführung, in der wir mögliche Anwendungsfelder sowie interessante Themenstellungen für den Einsatz auditiver Medien in der Schule aufzeigen – viele unserer TeilnehmerInnen kommen aus einem schulischen Umfeld. Dann erfolgt im Rahmen von Workshops eine technische Einschulung an den hiefür notwendigen Geräten: Mikrofon, (digitales) Aufnahmegerät und Computermischpult.

Die Anwendung dieser Geräte und des neu erworbenen Wissens erfolgt ad hoc, wenn die SeminarteilnehmerInnen unmittelbar im Anschluss Interviews zu landeskundlichen Fragestellungen am Seminarort machen und damit praktische Erfahrungen sammeln. Nach der Übertragung des Tonmaterials vom Aufnahmegerät zum Computer wird in weiterer Folge am digitalen Mischpult weitergearbeitet.

Radio erfüllt innerhalb unserer Fortbildungsseminare eine doppelte Funktion:

Einerseits spielt es eine wesentliche Rolle bei der Umsetzung unseres methodisch-didaktischen Ansatzes der "erlebten Landeskunde" und dient der Aktivierung unserer SeminarteilnehmerInnen im Hinblick auf authentisches Sprachhandeln. Andererseits trägt die Erweiterung unseres Seminarangebots in diesem Bereich auch der Tatsache Rechnung, dass Radio durch den Wegfall der Bildebene zwangsläufig die Sprache ins Zentrum rückt und deshalb ein gut geeignetes Medium im Sprach(en)unterricht ist:

  • Die Gestaltung und Moderation einer Sendung animiert zur Sprachproduktion.
  • Die Präsentation erfordert eine klare Artikulation.
  • InterviewpartnerInnen anzusprechen und zu befragen ist hilfreich beim Abbau sprachlicher Hemmungen und zwingt außerdem zu genauem Hinhören.
  • Die intensive Zusammenarbeit in Teams fördert in besonderem Maße Kooperation und Kommunikation innerhalb unserer Seminare, sie fördert persönliches, soziales und interkulturelles Lernen.

All dies sind Faktoren, die im Fremdsprachenunterricht von Bedeutung sind. Radio zu machen heißt für uns mit internationalen Teams kulturelle Recherchefelder vor Ort zu ergründen. Dabei werden soziale Prozesse in Gang gesetzt, die in einer kulturell und sprachlich zunehmend heterogenen Lebens-, Arbeits- und Lernumgebung wichtig sind und die interkulturelle Kompetenz der TeilnehmerInnen stärken.

Es mag also kaum überraschen, dass Radio im Bereich von Deutsch als Fremdsprache zunehmend auf Interesse stößt.

Wir verstehen unser Seminarangebot als Beitrag zur Erweiterung der Medienkompetenz unserer TeilnehmerInnen, die in unterschiedlichen Bildungseinrichtungen als MultiplikatorInnen tätig sind. Sie erhalten bei uns das Rüstzeug, in ihren Heimatländern auf schulischer und universitärer Ebene Radio als Mittel der Kommunikation einzusetzen.

Der Gebrauch moderner Aufnahmegeräte und digitaler Schnittsoftware erweitert nicht nur ihre Arbeitsmittel, sondern ist vor allem für Jugendliche ein starker Motivationsfaktor für eine aktive Beteiligung am (Sprach-)Unterricht, den sich die LehrerInnen zunutze machen können.

Radioarbeit gibt es in Österreich an einzelnen Schulen zwar schon seit mehr als zehn Jahren, durch eine Reihe technischer Innovationen ist jedoch die Handhabung der Radiotechnik und damit auch die Produktion von Radiosendungen neuerdings um vieles einfacher geworden. Deshalb hat sich in einer Reihe von österreichischen Schulen in den vergangenen Jahren die Auseinandersetzung mit dem Medium Radio intensiviert und ist vereinzelt sogar zu einem Teil des schulinternen Curriculums geworden. Digitale Aufnahmegeräte und Gratis-Schnittprogramme für den Computer reduzieren zudem die Anschaffungskosten für die technische Ausstattung und sind benutzerfreundlicher als frühere Technologien. Die Einbeziehung dieses Mediums in den Unterricht wirkt nicht nur sprach- und motivationsfördernd, sondern entspricht wesentlichen Anforderungen, die heute an einen qualitätvollen Unterricht gestellt werden:

  • Sie fördert Kommunikationsprozesse sowohl unter den Lernenden als auch mit den Lehrenden.
  • Sie ermöglicht projektorientierte Teamarbeit.
  • Sie regt während der Durchführung kreative Prozesse auf verschiedenen Ebenen an. Sie setzt Impulse für einen fächerübergreifenden Unterricht und kann die außerschulische Wirklichkeit wieder näher an den Schulalltag heranführen.
  • Sie setzt Impulse dafür, die in einer Gruppe von Lernenden vorhandenen Sprachen und Kulturen, Sprachkenntnisse und Kulturkompetenzen bewusst in die Arbeit mit einzubeziehen und so Mehrsprachigkeit und kulturelle Vielfalt als integratives Element von Unterricht zu unterstützen.

Das Team von „Kultur und Sprache“ ist Partner des EU-Grundtvig-Projekts ILMAE - „Innovative Learning Methods in Adult Education“, das sich mit der Entwicklung neuer kompetenzorientierter Lehr- und Lernmethoden in der Erwachsenenbildung unter spezieller Nutzung vorhandener Technologien beschäftigt.  In Zusammenarbeit mit den „Medianauten“, einer Gruppe engagierter MedienpädagogInnen, die schon seit Jahren Radioprojekte initiiert und begleitet, haben wir im Rahmen des Projekts ein Modul zur Radioarbeit mit detaillierten Handreichungen entwickelt.

Über die Projekt-Website www.ilmae.eu ist ein direkter Zugriff auf die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit möglich.  Das Modul „Radio-podcasting“ umfasst:

  • ein „Handbuch Radio und Podcasting“, das  einen praxisnahen Leitfaden zu allen Fragen der Radioarbeit darstellt und gleichzeitig eine Schritt für Schritt-Anleitung zum Aufbau einer Radiogruppe bietet. Das Handbuch kann mit nur wenigen Adaptationen über unsere Seminare hinaus selbstverständlich auch im schulischen Bereich zur Anwendung gelangen.
  • eine „Toolbox“, in der drei Radioproduktionen präsentiert werden, die aus dem gleichen Audio- und Informationsmaterial bestehen, jedoch unterschiedlich geschnitten sind und so anhand eines konkreten Beispiels akustisch die Variationsmöglichkeiten der RadiomacherInnen zu Gehör bringen.
  • eine DVD, die einen Einblick in die Praxis eines Radioprojekts gibt

Diese Materialien wurden bereits von und mit unterschiedlichen Zielgruppen getestet und sehr erfolgreich umgesetzt. Die Ergebnisse wurden bei internationalen Fachtagungen präsentiert .

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Radiobeiträgen, die sich in (manchmal auch sehr humorvoller Art) landeskundlichen Themen angenähert haben. Sie wurden öffentlich ausgestrahlt und können jederzeit im Netz abgerufen werden. Näheres dazu ist ebenfalls  unter "Kultur und Sprache" nachzulesen.

Neben der engen Zusammenarbeit mit den Medianauten kam es in der Vergangenheit auch zu Kooperationen mit gecko-art“, der Künstlergruppe Evelyn Blumenau/Walter Kreuz, „WienXtra, dem Medienzentrum der Stadt Wien im Bereich Kinder- und Jugendarbeit sowie Radio Orange 94.0 bzw. Radio Afrika.

Ziel unserer weiteren Arbeit im DaF-Bereich ist es, via Radio internationale Partnerschaften zwischen Bildungseinrichtungen in verschiedenen Ländern aufzubauen. Zielgruppen sind dabei Schulen, Universitäten sowie Institutionen der Erwachsenenbildung.

Im Zuge dieser Bemühungen veranstalten wir erstmals im November 2010 im Rahmen eines internationalen Fortbildungsangebotes für DaF und als Umsetzung der bisherigen Ergebnisse des ILMAE-Projekts zur Radioarbeit ein Seminar, das die Vernetzung von österreichischen RadiomacherInnen mit internationalen PartnerInnen gewährleisten soll.

Das Seminar wurde für internationale Lehrende über die Comenius-Grudtvig-Kursdatenbank, für österreichische Lehrende über die Pädagogische Hochschule Steiermark ausgeschrieben. Es besteht aus zwei Teilen:

In einer ersten Phase (19. - 24. Nov. 2010) wird den internationalen TeilnehmerInnen ein Programm zur österreichischen Landeskunde, kombiniert mit einer Einführung in die Grundlagen der Radioarbeit und gemeinsamer praktischer Arbeit mit dem Medium Radio, angeboten.

In der zweiten Phase des Seminars (25. - 28. Nov. 2010) werden die internationalen TeilnehmerInnen (sie kommen vorwiegend aus verschiedenen Ländern Europas) und die österreichischen LehrerInnen gemeinsam am Thema arbeiten und haben die Gelegenheit, sich für länderübergreifende Projekte internationaler Radioarbeit zu vernetzen, was der Internationalisierung der Schulen wie auch der europäischen Zusammenarbeit zugute kommen soll.

Sollten Sie Interesse haben, im Projekt "Internationale Radiopartnerschaften"  mitzumachen, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie uns unter einer der folgenden Adressen kontaktieren:

andrea.stangl@kulturundsprache.at
gerhard.grabner@kulturundsprache.at

 

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