Editorial

2/2010 - Medienethik

Editorial 2/10

AutorIn: Susanne Krucsay

Medienethik

Liebe Leserin!

Lieber Leser!

Christian Berger hat als Koordinator des Schwerpunktes eine dynamische Formulierung gefunden, die die Vielschichtigkeit von ‚Medienethik’ und die Verbindung zur Medienbildung gut wiedergibt. Werte, Meinungen, Lernen …  und Medien. Die Auswahl der 2. Ausgabe ist ein Ausschnitt aus dem komplexen Beziehungsspiel all dieser Größen. Aber nun spricht der Schwerpunktkoordinator selbst:

Die Ausgabe 2/2010 beschäftigt sich mit dem Thema Wertevermittlung durch Medien. Seit langem wird diskutiert, inwiefern und in welchem Ausmaß Medien Meinungen und Haltungen von Menschen beeinflussen. Die wechselseitigen Beeinflussungen zwischen MedienrezipientInnen und MedienproduzentInnen stehen jedoch außer Zweifel. Grund genug, dass sich eine medienpädagogische Fachzeitschrift dem Thema widmet. Gleich vorab - das Thema ist umfangreich bearbeitet worden.

Zusätzliche Aktualität erlangt das Thema in den Tagen vor Erscheinen dieser Ausgabe durch den Tod von Hans Dichand, Herausgeber und Miteigentümer der "Kronen-Zeitung", die durch ihre weltweit einzigartige Auflagenstärke und die vielen politischen Kampagnen des Mediums gerade im Hinblick auf die Meinungsbildung immer wieder im Brennpunkt der öffentlichen Medien-Diskussion stand und steht. Hans Dichand war sicherlich eine Ausnahmeerscheinung in der österreichischen Presselandschaft und hat mitgewirkt, im kleinen Land Österreich einen überdimensionalen Medienkonzern zu schaffen. Die durch ihn maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg geführte Tageszeitung ist jedoch auch für die immer wieder auftretende und als journalistisch unseriös bekannte Vermischung von Bericht und Meinung berühmt. Abzuwarten bleibt, ob die Vorhaben des im Frühjahr neu gegründeten Presserates hier zukünftig korrigierend einwirken können –  darüber informiert Sie der Beitrag von Franz C. Bauer. Vorbeugen wollen auch Pöyskö/Hagen/Lindner/Rohrer mit dem Projekt "CodEx", wo von jugendlichen JournalistInnen der Versuch unternommen wird, einen umfassenden Ehrencodex für die Jugendmedien zu erarbeiten.

Und noch einmal zur „Kronen-Zeitung“: Florian Arendts Beitrag bietet einen Einblick in die Wirkungsforschung über die Kronen-Zeitung. Kaltenbrunner/Karmasin/Kraus beschäftigen sich mit den Wertehaltungen der österreichischen JournalistInnen und deren Rollenverständnis in Bezug auf Wertevermittlung. Damit bieten sie den LeserInnen der Medienimpulse vorab bereits einen ersten Einblick in den demnächst erscheinenden "Journalistenreport III". Pallaver/Hug zeichnen ein Bild des zunehmenden Versuchs der politischen Einflussnahme von Eliten auf Medienberichterstattung vor allem in der anglo-amerikanischen Presse. Marci-Boehncke/Rath publizierten in den letzten Jahren die Ergebnisse einer großen Studie zum Thema "Jugend-Werte-Medien" Ihr Beitrag beschäftigt sich diesmal mit dem Horror-Film, der damit zusammenhängenden Wertebildung und adäquaten medienpädagogischen Antworten.

Aber auch die neuen Medien bleiben nicht ausgespart. Lena Doppel beschäftigt sich mit der Frage, ob das Web 2.0 auch neue Werte vermittelt oder ob da ohnehin alles beim Alten bleibt. Barbara Buchegger lädt die LehrerInnen ein, Facebook selbst auszuprobieren und die damit verbundenen Vor- und Nachteile aus erster Hand kennenzulernen. Auch die dort erfahrbaren Regeln der Kommunikation und die aufgegriffenen Themen prägen die Wertehaltungen mit. Nicht zuletzt regen auch einige Rezensionen in Neue Medien zur weiteren Beschäftigung rund um das Thema an.

 

Und was bieten wir in den anderen Ressorts? Erinnern Sie sich noch an die Ermordung Kennedys, die Mondlandung oder September 2001? In Forschung analysiert Theo Hug ‚Medienerinnerungen’, sprich medienbezogene Wissensbestände dreier Generationen im Rahmen eines globalen Projektes.

 

Wissen Sie, was ‚Militainment’ ist? In Medien/Kunst/Kultur angesiedelt, hat der spannende Beitrag von Thomas Ballhausen ungeahnte Bezüge zum Schwerpunktthema.

Welche Medien kann ich im Unterricht zeigen, ohne in Konflikte mit dem Urheberrecht zu geraten? In Medienpraxis beantwortet Walter Olensky immer wieder auftauchende diesbezügliche Fragen. Christian Berger empfiehlt im Umgang mit Medien, sich von liebgewordenen Gewohnheiten zu lösen und die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten von Freier Software zu nutzen.

Finnland hat sich dank der guten PISA-Ergebnisse den Ruf als das Mekka gelungener Bildungsvermittlung erworben. Also fragen wir in Medien/Bildung/Politik, ob das auch für Medienbildung gilt. Der Vergleich mit Österreich ergibt auf den ersten Blick in Bezug auf LehrerInnenbildung und Positionierung im Lehrplan einige Parallelen. Trotz der nett gemachten Broschüre ist der Inhalt noch kein Impuls zum Kofferpacken für eine Reise nach Finnland.

Und trotzdem: Medienbildung ist nicht bloß ein Impuls, um Fächer miteinander zu verbinden (auch in Finnland als crosscurriculare Praxis erwähnt), sie ist mehr: Auf diesen Mehrwert, der auf die gesamte Pädagogik abzielt, geht der Beitrag über Medienbildung ein.

Medienbildung ist auch interkulturelle Bildung. Ein großartiges Beispiel, wie anhand eines beliebten Genres, der Foto-Love-Story,  Selbst- und Fremdbilder hinterfragt werden können, ja sollen, bietet Thomas Kunz in ‚Ayse goes pop’ an.

 

Jennifer Berger hat für Sie in Neue Medien eine Reihe von interessanten Neuerscheinungen zusammengestellt, die das breite Spektrum unseres Bereiches, von Journalismus (vgl.Schwerpunkt) bis Computerspielen zeigen.

 

Wie immer hoffen wir, dass auch in dieser Ausgabe etwas für Sie dabei ist.

Susanne Krucsay

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