Praxis

2/2010 - Medienethik

Lehrende - auf ins Facebook!

AutorIn: Barbara Buchegger

Man kann über Facebook oder Soziale Netzwerke viel anmerken. Fakt ist, dass viele unserer SchülerInnen in ihnen unterwegs sind. Es wird also Zeit, deren Lebenswelt kennen zu lernen. Daher: Lehrende, es wird Zeit! Auf ins Facebook!

Man kann über Facebook (www.facebook.com) oder andere Soziale Netzwerke allerlei sagen. Fakt ist, es wird von sehr vielen Menschen genutzt, darunter von sehr vielen SchülerInnen. Im April 2010 waren 400 Mio. Menschen[1] in Facebook registriert, dies ist mehr als die gesamte Bevölkerung in Südamerika[2].

Man kann Facebook vorwerfen, nicht ausreichend auf den Datenschutz zu schauen. Man kann ihm vorwerfen, auf gemeldete Cyber-Mobbing-Fälle nicht schnell und gründlich zu reagieren. Man kann UserInnen vorwerfen, zu freizügig mit den eigenen Darstellungen zu sein. Man kann Kindern Naivität vorwerfen, wenn sie leichtfertig ihre Fotos posten oder ihr Passwort dem besten Freund/der besten Freundin weitergeben. Man kann sagen, dass man sich da nicht beteiligen wolle, da man seine Privatsphäre schützen möchte. Dies sind alles sicherlich sehr berechtigte Einwände.

Man kann aber auch sagen, dass es dank Facebook leichter ist, mit den alten SchulfreundInnen oder StudienkollegInnen in Kontakt zu bleiben. Man kann feststellen, dass man dank Facebook mitbekommt, wohin es die eigenen SchülerInnen treibt. Man kann sagen, dass es nun leichter ist, die eigenen Kinder/Freunde im Auslandssemester oder bei deren Weltreise zu begleiten. Man kann sagen, dass Facebook eine einfache Art der Weiterbildung ist (vorausgesetzt, man hat die “richtigen Freunde”).  All dies sind berechtigte Argumente, sich die Sache einmal anzuschauen.

Sich in einem Sozialen Netzwerk zu beteiligen ist zweifelsohne jedermanns Privatsache. Kein Arbeitgeber, kein Auftraggeber wird eine Privatperson dazu zwingen können, hier aktiv zu werden und eine entsprechende Meinung zu vertreten (auch wenn dies in der Privatwirtschaft immer wieder der Fall sein soll). Trotzdem plädiere ich hier dafür, dass Lehrende in Facebook aktiv werden sollen. Als Privatpersonen, aber auch als Vertrauenspersonen für ihre SchülerInnen.

SchülerInnen steigen im Jahr 2010 bereits in der Volksschule in die Welt der Sozialen Netzwerke ein. Sie sind durchschnittlich 9-12 Jahre alt, wenn sie ihre ersten Schritte machen. Dies ist ein Alter, in dem sie sich der Konsequenzen mancher ihrer Handlungen noch nicht bewusst sein können. Sie brauchen also erwachsene Begleitung, um nicht zu viele Probleme für ihre Zukunft entstehen zu lassen.

Kennen wir als Lehrende aber diese Welt der Kinder und Jugendlichen, so können wir sie darauf besser vorbereiten. Kennen wir diese Welt, so können wir sie in brenzligen Situationen adäquat unterstützen. Kennen wir diese Welt, so können wir ihnen auch Vorbild sein.

Sollen bzw. dürfen meine SchülerInnen meine Facebook-Freunde sein, werde ich immer wieder von Lehrenden gefragt. Lehrende halten dies unterschiedlich: Eine Gruppe ist der Überzeugung, dass es sinnvoll ist, ein Freund/in der eigenen SchülerInnen zu werden, einfach um deren Aktivitäten mit verfolgen zu können. Sie greifen beispielsweise im Unterricht dann das “Recht am eigenen Bild” auf, wenn sie sehen, dass es in Facebook zu entsprechenden Situationen gekommen ist. Oder sie sprechen eine/n SchülerIn direkt an, wenn er/sie ein zu freizügiges Bild gepostet hat.

Andere Lehrende akzeptieren ihre SchülerInnen erst dann als Freunde, wenn diese bereits ehemalige SchülerInnen sind, damit sie nicht alles so genau mitbekommen, was da während des Unterrichts  passiert und dann darauf reagieren müssen und damit auch ihre SchülerInnen und sie selbst ein gewisses Maß an Privatsphäre bewahren.

Wie auch immer: ob mit SchülerInnen befreundet oder nicht, das ist nebensächlich. Hauptsache, man ist selbst aktiv und kennt diese Welt. Kennt die Formen des Umganges miteinander und weiß, wie man sich hier verhält und wie nicht. Und lässt es auch zu, dass eine Recherche in Facebook eine mögliche Hausübung sein kann, wenn SchülerInnen auf eine solche Idee kommen sollten.

SchülerInnen dahingehend zu unterrichten, wie sie ihr Bild im virtuellen Raum aufbauen und pflegen, dies ist dann der nächste Schritt. Das “virtuelle Ich” und wie man es aufbaut und pflegt, ist aber nicht nur für die SchülerInnen von Interesse, sondern auch für die Lehrenden. Es geht jeden an. Macht man es nicht selbst, so machen es andere für einen. Und ob das immer im eigenen Interesse ist? Wohl eher nicht.

Wie gestaltet man nun ein Profil – das eigene Profil – in Facebook? Welche Möglichkeiten hat man prinzipiell?

1. Der Platzhalter

Ihr eigenes Facebook-Profil wird zwar eingerichtet, aber wirklich aktiv sind Sie hier wenig. Sie haben sich zum Profil entschlossen, denn Sie hatten Sorge, dass SchülerInnen vielleicht ein falsches Profil für Sie anlegen könnten, ohne dass Sie es wissen. SchülerInnen werden zu Beginn diese Bestrebungen positiv quittieren und Sie als „Freund“ anfragen. Da aber keinerlei Aktivitäten folgen, werden sie das Interesse schnell verlieren.

2. Die Privatperson

Sie möchten in Facebook nur als Privatperson aktiv sein, beispielsweise, um mit alten Freunden in Kontakt zu bleiben, die eigenen SchülerInnen aber nicht einbinden? Sie können bei den Sicherheitseinstellungen einige entsprechende Vorkehrungen treffen: Beispielsweise in Suchmaschinen und in Facebook selbst nicht gefunden zu werden. Bzw. alle Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre auf „Nur Freunde“ einstellen. Auch die Nutzung eines zweiten Vornamens oder Mädchennamens als Nachname macht es SchülerInnen dann nicht so leicht, Sie zu finden. Allerdings auch nicht alten Bekannten. Auch das Profilphoto kann so gestaltet sein, dass es SchülerInnen nicht sofort mit Ihnen in Verbindung bringt, es kann ein Sonnenuntergang, ein Auto, ein Haustier oder Ähnliches sein. Sollten dann doch SchülerInnen-Anfragen kommen, dann werden diese einfach ignoriert. SchülerInnen wird gesagt, dass „man das einfach nicht mache“, SchülerInnen als Freunde zu akzeptieren.

3. Die Weiterbildung

Facebook lässt sich vortrefflich zur eigenen Weiterbildung nutzen, indem man beispielsweise „Freunde“/Gruppen/Fanseiten von Institutionen oder Unternehmen hinzufügt, die immer interessante Links posten und Hinweise auf interessante Anwendungen geben. Twitter ist ein anderes Netzwerk, das hier optimal genutzt werden kann. Soziale Netzwerke beruhen immer auf dem „Geben- und Nehmen-Prinzip“. Nutzen Sie die Inhalte anderer Personen, sollten Sie aber auch eigene Inhalte erstellen und veröffentlichen. Sonst kann es leicht passieren, dass man aufgrund von  Inaktivität als „Freund gekickt“ wird, also wieder 'rausgeschmissen  und damit von der eigenen Informationsquelle abgeschnitten wird. Einstellungen in Facebook bezüglich des Schutzes der Privatsphäre werden ähnlich denen wie oben beschrieben sein. Nicht vergessen sollte man, dass es eine Weile dauern wird, bis man die „richtigen Freunde“ gefunden hat. Sie werden sich auch aktiv darum bemühen müssen. Und schrecken Sie davor nicht zurück, Personen, die Sie immer nur mit Facebook-Spielen oder Quiz-Ergebnissen „beglücken“, auch als „Freund“ wieder zu löschen.

4. Die Vertrauensperson

Sie sehen es als Teil Ihrer Aufgabe an, Ihre SchülerInnen auch im Internet zu begleiten. Sie nehmen Anteil an deren Online-Leben und greifen das eine oder andere auch in Ihrem Unterricht auf. Damit werden Sie auch selbst in Facebook spielen, Quizzes  oder ähnliches machen. Sie werden also Ihre Freizeit bis zu einem gewissen Grad mit Ihren SchülerInnen teilen. Dies ist Ihre Art der Entspannung. Sie lassen sich auch durch die vermeintlichen Blödheiten Ihrer SchülerInnen nicht weiter beeindrucken. Sie werden sich also von Ihren SchülerInnen als „Freund“ einladen lassen und auch Ihre SchülerInnen bis zu einem gewissen Teil an Ihrem Leben teilhaben lassen. Greifen Sie dann das „Recht am eigenen Bild“ auch im Unterricht auf, wenn Sie merken, dass es zu blöden Kommentaren bei Fotos der SchülerInnen kommt. Thematisieren Sie, wie Bilder sich im Internet verbreiten, wenn Ihre Schülerinnen mit zu freizügigen Bildern im Netz aktiv sind.

Allgemeine Tipps zum Umgang mit Facebook:

  • Geben Sie so wenige Daten wie möglich von sich selbst bekannt. Ob Sie verheiratet sind, wer Ihre Kinder oder Geschwister sind, welche sexuelle Orientierung, Religionsbekenntnis oder politische Meinung Sie haben – das beispielsweise muss niemanden etwas angehen. Nutzen Sie die „ Privatsphäre-Einstellungen“ aktiv und bewusst.
  • Bedenken Sie immer, dass Sie sich aus Facebook nicht mehr löschen , sondern allenfalls deaktivieren können. Alles, was Sie hier unternehmen, kann im Internet auf jeden Fall irgendwo gespeichert bleiben. Posten Sie also nichts, was Ihnen oder anderen irgendwann peinlich sein könnte.
  • Wenn Sie Fotos von anderen Personen veröffentlichen oder jemanden auf Fotos markieren möchten, dann fragen Sie diese Person um deren Einverständnis. Es gilt das „Recht am eigenen Bild“.

 

Tipps zum sicheren Umgang mit Sozialen Netzwerken: http://www.saferinternet.at/themen/soziale-netzwerke

Unterrichtsmaterial: Schutz der Privatsphäre im Internet:

http://www.saferinternet.at/uploads/tx_simaterials/Schulmaterial_Schutz_der_Privatsphaere_im_Internet.pdf


[1] http://www.facebook.com/press/info.php?statistics (April2010)

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Weltbev%C3%B6lkerung#Aktueller_Stand_nach_Kontinenten (April 2010)

Tags

facebook, soziale netzwerke