Editorial

1/2010 - Medien und Sport

Editorial 1/10

AutorIn: Susanne Krucsay

Sport in den Medien - Medien und Sport

Lieber Leserin!

Lieber Leser!

Vom Themenschwerpunkt Computerspiel der Weihnachtsnummer geht es

diesmal zum

Themenschwerpunkt Sport - Medien

Die Redaktion freut sich, für die Koordination des Schwerpunktthemas mit Matthias Marschik  d e  n ausgewiesenen Fachmann für diesen Bereich gewonnen zu haben.

Warum Sport gerade jetzt, erläutert Matthias Marschik:

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika wirft auch in den MEDIENIMPULSEn ihre Schatten voraus: Ein großes Sportereignis, gleichzeitig  - wie alle Sportereignisse - ein riesiges Medienspektakel. Ein Widerspruch? Beileibe nicht  Werden die Spiele in den südafrikanischen Stadien vor schätzungsweise 20.000 bis 60.000 Menschen pro Match ablaufen, wird die Zahl der ZuschauerInnen vor den Fernsehgeräten auf allen fünf Kontinenten an die 30 Milliarden erreichen (knapp über 26 Milliarden waren es bei der Weltmeisterschaft 2006). Aber nicht nur das: Die Fans vor den Bildschirmen werden durch Wiederholungen, Zeitlupen, Großaufnahmen und unterschiedliche Kamerapositionen viele Aspekte des Spiels sehen, die den BesucherInnen vor Ort verborgen bleiben (müssen). Berücksichtigt man weiters, dass Südafrika die Veranstaltung wohl in erster Linie aus politischen Gründen nationaler Werbung durchführt und dass andererseits die WM überhaupt nur durch exorbitant hohe Übertragungsrechte und durch Werbeeinnahmen, die sich abermals der weltweiten Aufmerksamkeit verdanken, finanzierbar ist, wird deutlich, wie sehr Sport und Medien, Ökonomie und Politik eine fast schon unentwirrbare Symbiose eingegangen sind. Diese Verbindung, die oft als "Sport-Medien-Komplex" bezeichnet wird, war für die Zeitschrift der Anlass, in diesem Schwerpunktheft einen medienwissenschaftlichen Blick auf den Sport und insbesondere den Fußball zu werfen.

Doch nun zurück zur Redaktion und  den Beiträgen:

Kurt Wachters „Images und mediale Diskurse im afrikanischen Fußball“  scheint eine gute  Überleitung zu Südafrika, dem Austragungsort der Fußballweltmeisterschaft. Danach zeichnen  Matthias Marschik und Johanna Dorer die Geschichte einer symbiotischen Beziehung von Sport und Medien nach, die  erwähnten starken ökonomischen Komponenten dieser Beziehung beleuchtet Otto Penz. Dazu gesellen sich noch weitere Komponenten, wie z.B. Sport – Medien als Starproduktionsstätte, wie Martin Wassermair am Beispiel  von Eric Cantona, der Ikonenstatus erreicht hat, zeigt. Ob Frauen diesen Status auch erreichen? Hier scheint Skepsis angesagt: Bettina Rulofs’ Beitrag präsentiert ‚andere Bilder’. Dass Sport als ein Identitätsfaktor dienen kann, ist nicht neu – mit einer interessanten, fast unerwarteten Facette dieser komplexen Identitätsbildung setzt sich Michael Schuster auseinander.

Wir bedanken uns herzlich beim  Werkstatt-Verlag in Göttingen, der uns den Vorabdruck der beiden Artikel von Bettina Rulofs und Otto Penz gestattete. Die Artikel werden demnächst in leicht erweitertem Umfang auch im Sammelband "Sind's froh, dass Sie zu Hause geblieben sind." /Mediatisierung des Sports in Österreich/, herausgegeben von Matthias Marschik und Rudolf Müllner, erscheinen. Die Präsentation des Buches wird übrigens am 29. April in der Wienbibliothek im Rathaus stattfinden.

In Medienpraxis verlockt uns Christian Berger mit „Tweet, tweet, tweet“ zum Zwitschern. Ein älteres Medium, das Radio, erobert als Unterrichtsgegenstand die Schule – über diesen Fortschritt berichtet Mirjam Winter. Und wir bleiben noch kurz beim Radio – den ‚Moment – Leben heute’ Preis stellt Gabriele Woldan vor.

Medien/Bildung/Politik hat zwei miteinander eng verknüpfte Themen im Visier: 2009 -  27 Jahre nach der Grünwald Erklärung der UNESCO zur Bedeutung und Wichtigkeit des kritisch-reflexiven Umgangs mit Medien in Unterricht und Bildung – erinnert die EU-Empfehlung zur Medienkompetenz, dass sich in dem Bereich zwar technisch sehr viel, aber inhaltlich wenig getan hat. Der Beitrag wirft einige Schlaglichter sowohl auf den Text als auch den Konsultationsprozess durch EU-Institutionen. Im Original heißt die Empfehlung Media Literacy – und hier ist der zweite Teil interessant, wird neuerdings Literacy doch zu einer wundersamen Tüte von innovativen pädagogischen Ideen und Maßnahmen, die  einen Paradigmenwechsel in der Pädagogik beschleunigen könnten. Wichtige Akteure dabei sind Lehrende, Zeit also  dass die Ausbildung von LehrerInnen diese Aspekte berücksichtigt. Überlegungen dazu gibt es, LehrerInnenbildungNEU wäre ein guter Platz, um sich inhaltlich für die Ausbildung der zukünftigen Generationen in der sogenannten Informationsgesellschaft zu positionieren.

Ist der Begriff ‚Genre’ in Wandlung oder gar im Verschwinden begriffen? Das fragt in Medien/Kultur/Kunst Thomas Ballhausen, der im Film Noir eine Ablöse von traditionellen genreprägenden Merkmalen durch eine allumfassende Ästhetik sieht.

Jennifer Berger hat für Sie in Neue Medien eine Reihe von interessanten Neuerscheinungen zusammengestellt, die wiederum zeigen, dass Pädagogik und Medienpädagogik gleichsam identisch sind.

Wir sind zuversichtlich, dass in der Vielfalt der Beiträge auch für Sie etwas dabei ist.

Für die Redaktion:

Susanne Krucsay

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editorial, 2/10