Praxis

1/2010 - Medien und Sport

Akad On Air: Radio als Schulfach.

Ein Projektbericht aus Salzburg.

AutorIn: Mirjam Winter

Spätestens seit „Beverly Hills 90210“, der beliebten US-Teenie-Serie der 90er Jahre, kennt man es: das Schulradio. Ein eigenes Radiostudio kann sich keine Schule in Österreich leisten. Trotzdem ist es in Salzburg gelungen, ein Schulradio auf die Beine zu stellen – als eigenes Schulfach, in dem die Schülerinnen und Schüler praktisch mit dem Medium arbeiten und es für ihre Zwecke nutzen lernen. Der folgende Projektbericht skizziert, wie Medienpädagogik und die Vermittlung von Medienkompetenz an Schulen aussehen können.

 

Abstract


 


Salzburgs erstes Schulradio

Mit „Akad On Air“ startete am 25. November Salzburgs erstes Schulradio. 13 engagierte Schülerinnen und Schüler der 6., 7. und 8. Klassen des Akademischen Gymnasiums wurden mit Beginn des Schuljahres 2009/10 im Rahmen der Modularen Oberstufe im Fach „Medienkunde - Schulradio“ ausgebildet. Jeden vierten Mittwoch im Monat ertönt nun um 18.30 Uhr auf der Radiofabrik, dem Freien Radio Salzburg, der Slogan: „Akad On Air – Das Schulradio mit Flair“.

Das Projekt zielt vor allem auf die Vermittlung von kritischer Medienkompetenz ab. Akad On Air schafft Artikulationsmöglichkeiten für Jugendliche im lokalen Raum und fördert die sprachliche Ausdrucksfähigkeit sowie Teamkommunikation und –Organisation. Die Jugendlichen sollen ein Berufsfeld kennen lernen und Medien sowie Medienprodukte als gemacht und machbar erfahren.

Den TeilnehmerInnen wurde eine halbe Stunde Sendezeit zur Verfügung gestellt, die sie komplett eigenverantwortlich gestalten dürfen. Die Schülerinnen und Schüler, denen nach eigenen Aussagen die oftmals einseitige Darstellung von Jugendlichen in den Medien missfällt, beschlossen schnell die halbstündige Magazinsendung zu nutzen, um über ihre Lebenswelt, ihre Schule und ihre Sicht auf die Dinge zu berichten. Pro Sendung sollte dabei ein „heißes Eisen“ recherchiert und für das Radio aufbereitet werden.

Medieninhalte selbst gestalten – Theorie und Praxis

Das journalistische, gestalterische und technische Know-how erhielten die elf Mädchen und zwei Burschen im Alter von 15 bis 18 Jahren zu Beginn des Semesters in mehreren Workshops in der Radiofabrik. Von Trainerinnen und Trainern wurden sie Step by Step eingeschult: Sendungsgestaltung und -planung, journalistische Gestaltungsformen, Studiotechnik (Mischpult, Mikros & Co), Moderations-, Sprech- und Stimmtechnik (Artikulation, Atmung, Einsatz der Stimme) und der Gebrauch von digitalen Aufnahmegeräten inklusive Interviewtechnik standen auf dem Lehrplan. Beim digitalen Audioschnitt lernten die NachwuchsjournalistInnen wie man Interviews „putzt“, das heißt von „ähs“ und Versprechern befreit.

Nach der Workshopphase erfolgte die Einteilung in Teams von RedakteurInnen, ModeratorInnen, MusikredakteurInnen und ReporterInnen. Die Planung der anstehenden Radiosendung fand dann in wöchentlichen Redaktionssitzungen in der Schule statt. Sie entwickelten dafür gemeinsam einen konkreten Ablaufplan in Form einer so genannten Sendeuhr sowie Jingles und Slogans. Sie kreierten, fixe Service-Rubriken wie „Die Akad-News – Brandaktuell aus unserer Schule in euer Radio“ und „Die Akad On Air-Veranstaltungstipps“.

Mit einem eigenen digitalen Aufnahmegerät wurden in Schulhof-Umfragen die Meinungen von MitschülerInnen eingeholt und ExpertInneninterviews im Studio der Radiofabrik zum jeweiligen Sendungsthema aufgenommen. Moderationen, Veranstaltungstipps und die News wurden getextet. Zu den Produktionsterminen eine Woche vor dem Ausstrahlungstermin trafen sich die Gruppen in der Radiofabrik, um die einzelnen Elemente der Radiosendung einzusprechen. Interviews, Beiträge und Umfragen wurden geschnitten und mit Musikbetten unterlegt, die ausgewählte Musik eingespielt und die Sendungsmontage gestaltet. Die erste Redaktionssitzung nach der Ausstrahlung nutzte man immer zu Feedback und zur Weiterentwicklung der Sendung. Im Anschluss daran erfolgten wiederum Konzeption und schließlich Produktion der nächsten Sendung, wobei die SchülerInnen in andere Gruppen wechselten und sich so neuen Aufgaben stellten.

Manche Jugendliche übernahmen innerhalb kürzester Zeit den Audioschnitt selbst, andere entpuppten sich als Moderationstalente oder fielen bei Interviews durch geschickte Fragestellungen auf. Begleitet und gecoacht wurden sie individuell und als Gruppe in der Planungs-, Produktions- und Reflexionsphase jeder Sendung durch die modulzuständigen LehrerInnen sowie TrainerInnen der Radiofabrik.

Die entstandenen Sendungen zu den Themen „Jugendkultur in Salzburg“, „Matura, was nun!?“ und „Facebook – Risiken und Nebenwirkungen“ wurden jeweils zwei Mal im Radio ausgestrahlt und stehen seitdem als Podcast zum Download oder Stream online bereit. Um die Öffentlichkeitsarbeit für ihre Sendungen kümmerte sich das Schulradio-Team selbst. Die Verbreitung der Sendetermine erfolgte via Facebook, Mundpropaganda und die Websites der Schule und der Radiofabrik. Für das Schulradio wurden außerdem eigene Sticker produziert, in deren kreative Gestaltung die SchülerInnen eingebunden waren; der Schulsponsor hat dem Team zusätzlich eigene Akad On Air-Pullover zur Verfügung gestellt.

Feedback und Statements

Den SchülerInnen hat am Radiomachen besonders der Audioschnitt, die Audiomontage und das Moderieren begeistert. „Man lernt, wie man ein Interview führt oder eine Radioshow plant, das finde ich interessant und lustig. Vor allem auch, weil es etwas anderes ist, als in der Klasse zu sitzen und immer nur mitzuschreiben“, meint Bernadette, der auch das konstruktive Arbeitsklima und die Teamarbeit gefallen hat. „Es war eine gute Chance und Möglichkeit überhaupt einmal zu sehen, wie man eine Radiosendung produziert und wie viel Arbeit dahinter steckt“, sagt Elli über dieses neue Unterrichtsfach. Auch für sie hat sich der Bezug zum Medium Radio komplett verändert. Lisa beschreibt die Studioaufnahmen und das Hören der eigenen Stimme, als „immer wieder neue, aber auch sehr spannende Erfahrung“. Für viele in der Gruppe war das selbstständige Arbeiten, die Nachbesprechungen der Sendungen und die Tatsache, dass sie eigenverantwortlich über Gestaltung und Themenauswahl bestimmen durften, eine äußerst positive Überraschung. Vanessa, Philipp, Marina und Leni möchten auch außerhalb des Moduls weiterhin Radio machen. Akad On air geht unterdessen in die zweite Runde. Ab März erhält eine neue Gruppe von Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit, im Rahmen des Moduls „Schulradio“ Radioluft zu schnuppern.


Akad On Air ist das Salzburger Siegerprojekt der Ausschreibung p[ART], einem Programm von KulturKontakt Austria, in dessen Rahmen pro Bundesland die Zusammenarbeit von je einer Schule und einer Kultureinrichtung finanziell unterstützt werden. Aus insgesamt 142 Einreichungen ging in Salzburg die Schulradio-Projektidee von Radiofabrik und dem Akademischen Gymnasium als Sieger hervor und konnte realisiert werden.

Tags

radiofabrik, akad on air, akademisches gymnasium salzburg, medienkompetenzvermittlung, unterricht