Neue Medien

2/2009 - Computerspiele

Kreative Videoproduktionen in der Schule

Mathias Bollmann

AutorIn: Christian Berger

Ein Handbuch für Pädagoginnen und Pädagogen zur Videoarbeit in der Schule

Abstract

Studienverlag, Innsbruck, 2009


SchülerInnen arbeiten gerne mit dem Medium Video. Sie sind auch bereit, dafür zusätzlich in der Freizeit Engagement zu zeigen, damit ein gemeinsam geplanter Film fertig wird. Matthias Bollmann hat das Engagement der Jugendlichen persönlich als Lehrer angeregt und erlebt. Im Einstieg verortet er kurz die Videoproduktion als Unterrichtsmethode im schulischen und pädagogischen Umfeld. Danach stellt er eine Reihe von konkreten Anleitungen für Videoproduktionen in der Schule vor. Die zweite Hälfte des Buches widmet er der Ausrüstung in der Schule und den Grundlagen der Videotechnik. Dabei nimmt die digitale Videobearbeitung anhand von konkreten Videoprogrammen einen breiten Raum ein. Ein themenbezogenes Glossar beschließt den technischen Teil.  2 DVDs - eine mit den Praxisbeispielen und eine mit Software (Freeware und Testversionen) - ergänzen das reich illustrierte Buch.

Dass der Autor Erfahrungen sowohl mit professioneller Videoproduktion als auch im Projektunterricht hat, zeigt sich bei der Betrachtung der hervorragend gemachten Praxisbeispiele. Allerdings wird hier eine hohe Latte gelegt, die EinsteigerInnen kaum erreichen werden und dann eventuell nach ersten Versuchen frustriert ob der eigenen Ergebnisse den Videoeinsatz in der Schule wieder beenden. Vom taktgenau geschnittenen Musikvideo über gut gestaltete Spielfilmszenen und einen perfekt animierten und nachvertonten Stoptrickfilm reicht die Palette der Praxisbeispiele des Autors auf der DVD. Im schriftlichen Teil des Buches werden noch weitere Anleitungen für Produktionen auf Projektwochen und in der Schule gegeben. Hier gibt es sowohl pädagogische als auch organisatorische Hinweise und praxisbezogene Tips. Was leider nur ansatzweise aufgezeigt wird insgesamt jedoch zu kurz kommt, sind Anregungen für den einfachen Einsatz von Video ohne großen Aufwand. Videoproduktionen, die sich in ihrer Gestaltung nicht an professionell produzierten (Spiel-)Filmen orientieren und zwischendurch im Unterricht entstehen könnten (z.B. Interviewsammlungen, ungeschnittene Dokumentationen, Videoanalysen von Rollenspielen,...).

Der technische Teil nimmt fast die Hälfte des Werkes ein. Die brauchbare und praxisnahe Einführung in die Grundlagen der Video-/Filmsprache hätte dabei ausgereicht. Eine breite und detaillierte Erklärung über die Funktionsweise von verschiedener Videosoftware kann zwar ebenfalls als Einführung gelesen werden, die vorgestellte Software ist aber größtenteils bereits bei Erscheinen des Buches in der abgebildeten Version veraltet. Ausreichend wäre eine von Betriebssystem und Software unabhängige Darstellung der grundlegenden Funktionen im digitalen Videoschnitt gewesen - leider wird jedoch nur auf Microsoft Windows XP/Vista basierendes Softwareangebot Bezug genommen. Die ebenfalls vorgestellten MiniDV Kameras sind technisch ebenfalls bereits Auslaufmodelle. Derzeit gibt es nur noch einzlene Modelle am Markt und was nach MiniDV als Trägermaterial kommt ist noch nicht absehbar.

Es stellt sich die Frage, ob das Buch als Medium dem Inhalt gerecht werden kann oder aber eine der raschen Entwicklung angepasste Form der Publikation (Hypertext/Web) für das Zielpublikum dienlicher gewesen wäre. Was bleibt, ist ein schönes Buch zur Einführung in die praktische Videoarbeit, das sich leider auf Videoproduktionen im klassischen Sinne beschränkt, etwa 10 Jahre zu spät kommt und damit inhaltlich wie formal anachronistisch erscheint.

Das Buch ist im Shop des bmukk erhältlich

Tags

buchbesprechung, rezension, video, videoarbeit, bollmann, studienverlag